Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1345: Entspannen und Genießen

Relax! Take it Easy!

12.08.2017 Heute war seit langem endlich mal wieder ein entspannter Tag. Er verlief an sich so, wie normalerweise unsere Tage fast immer verliefen, aber weil es so lange schon nicht mehr vorgekommen ist, fühlt es sich fast ein bisschen nach Urlaub an. Wir kamen in der Früh relativ pünktlich los, wanderten gute 18km auf kleinen Nebenstraßen durch Wälder, Heideflächen und Moore, kamen um 13:20 Uhr entspannt an unserem Ziel an und wurden hier bereits vom Pfarrer erwartet. Pünktlich um 14:00 Uhr konnte ich meinen Mittagsschlaf machen, der in der letzten Zeit mit viel Glück zwischen 18:00 und 20:00 Uhr stattgefunden hatte, oder oft sogar ganz ausfallen musste. Nun haben wir eine ganze Weile Zeit für uns alleine, um in Ruhe zu arbeiten und gegen 15:00 grillt uns der Pfarrer ein paar saftige Steaks mit Salat und Pellkartoffeln. So entspannt kann es doch auch gehen! 13.08.2017 Was das Genießen anbelangt schien unser Gastgeber eine einzigartige Ausnahme in diesem Land zu sein. Er liebte es zu kochen, sah das Leben entspannt, ging gerne Golfen und ließ sich von nichts und niemandem stressen. Der Konsens bei den Iren im Allgemeinen sah hingegen etwas anders aus, was gerade jetzt durch die lange Trockenperiode deutlich wurde. Normalerweise war das Wetter immer grauenhaft, so dass man es gut vor sich rechtfertigen konnte, keine Gelegenheit für Genuss zu haben. Wenn es doch einmal sonnig und warm war, dann rannte man nach draußen um sie sonnigen Stunden mit Rasenmähen, Zaun streichen, Hecken schneiden, Auto waschen oder Unkraut jäten zu verbringen. Normalerweise reichte dies aus, um die wenigen Sonnenstunden tot zu schlagen, so dass man anschließend guten Gewissens zurück ins Haus gehen und sich nach Herzenslust über den ständigen Regen ärgern konnte. Nun aber war es bereits seit Tagen trocken und langsam aber sicher war jeder Rasen geschnitten, jedes Auto gewaschen, jeder Zaun gestrichen, jede Hecke gestutzt und jedes Unkraut gejätet. Was also sollte man nun mit der Zeit anfangen? Heute war Sonntag und für hiesige Verhältnisse hatten wir herrliches Wetter. Und doch sah man niemanden im Garten. Nirgendwo wurde gegrillt, nirgendwo gab es einen genutzten Liegestuhl oder auch nur ein bereit gelegtes Buch, das auf eine Nutzung hätte hindeuten können. Ein einzelner Junge stand in einer Hofeinfahrt vor einer grauen Betonmauer und schlug lustlos einen Ball dagegen, den er immer wieder auffing. Das war alles, was wir heute sahen, das so etwas wie menschlichen Leben nahe kam. Wie selten hier jemand im Freien unterwegs ist, zeigte sich auch deutlich an einem Warnhinweisschild, an einer der Straßen auf denen wir wanderten. Dort stand tatsächlich allen ernstes „Achtung! Es könnten sich Fußgänger auf der Fahrbahn befinden!“ Die Straße war kaum breiter als ein Feldweg und somit prädestiniert für Wanderungen. Es sollte also eigentlich das normalste der Welt sein, dass man auf Sträßchen wie diesen Wanderer und Spaziergänger antrifft. Doch es war so eine Seltenheit, dass man an Stellen, an denen es eine Art offiziellen Wanderweg gab, tatsächlich eine Warnung aufstellen musste. So fern den Einheimischen das Genießen lag, so fern lag ihnen leider auch jede Form von Praktikabilität. Es war ja nicht so, als würde uns hier keine Gastfreundschaft begegnen, sie war nur um so ein vielfaches komplexer als überall sonst auf der Welt. Heute bekamen wir Nummern und/oder Adressen von drei Klöstern, zwei Pfarrern, einem Altenheim und zwei Gemeindemitgliedern, die uns einen Platz hätten beschaffen können. Bis kurz vor 18:00 Uhr und ohne eine Distanz von gut 35km war es unmöglich, auch nur einen von ihn zu erreichen. Und diejenigen, die wir erreichten kosteten uns insgesamt 3,5 Stunden Zeit, nur um irgendwo ankommen zu können. Dabei waren die Leute in der Regel nicht einmal bewusst unfreundlich, sondern nur ängstlich und verklemmt, was dazu führte, dass sie sich und anderen, das Leben unnötig schwer machten. Die Mutteroberin des Nonnenklosters erfand sogar eine hanebüchene Geschichte darüber, dass das zu ihrem Kloster gehörende Collage gerade abgerissen worden sei, und sie daher keine Räume mehr hätten. Später kamen wir am Kloster vorbei und sahen hier einen noch größeren Komplex als beim Zisterzienser-Kloster vor ein paar Tagen, der ganz und gar nicht abgerissen aussah. Das Gebot mit „Du sollst nicht lügen“ wurde hier offenbar nicht allzu ernst genommen. Die Frau im Altenheim hingegen war nicht einmal bereit, den Pfarrer auf seinem Handy für uns anzurufen. Sie fühle sich nicht wohl dabei, einen Telefonanruf für einen Fremden zu tätigen und hätte es lieber, wenn ich wieder hinaus auf die Straße gehen und dort mein Glück versuchen würde. Selbst die Brüder, die wie wir ja nur wenige Tage zuvor gehört hatten, laut eigenem Regelwerk jeden aufnehmen mussten, waren so skeptisch, dass sie nicht „Ja“ sagen wollten, ohne zuvor von irgend jemandem eine Bestätigung zu bekommen, dass wir vertrauenswürdig waren. Und die Frau, die zu diesem Zeitpunkt bei uns war und die als Messnerin direkt für den Pfarrer arbeitete, der uns eigentlich hätte helfen wollen, wenn er im Ort gewesen wäre, war nicht bereit, auch nur die geringste, positive Aussage über uns zu treffen. „Ich kann leider nichts über die Männer sagen! Ich kenne nur ihre Namen und kann bestätigen, dass sie aus Deutschland sind!“ Kein Bauchgefühl, keine persönliche Einschätzung, keine Fragen, nichts. Zum Glück reichte dies den Brüdern aus.
 
Spruch des Tages: Relax! Take it Easy!
Höhenmeter. 80 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.397,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Corzé, Frankreich

Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:28:30

 

 

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