Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1349: Irische Jakobswege

Langsam sind wir wieder reif für das Festland.

18.08.2017 Reif für das Festland Heute ist unser letzter Tag in Irland, bevor es zur Fähre geht und wir auf unseren Kontinent zurückkehren. Die Zeit auf den Britisch-Irischen-Inseln war gut und ich möchte sie um keinen Preis der Welt missen. Aber wird sind auch froh, sie nun wieder verlassen und einer entspannteren, ruhigeren und gemäßigteren Zeit entgegen gehen zu können. Es war eine der anstrengendsten Phasen unserer Reise und ich schätze, es war wohl auch die Phase, die mich am meisten in meine Wut gebracht hat. Ich könnte mich noch immer viele Stunden lang über so viele Dinge aufregen, aber keine Angst, ich werde es nicht tun. Jedenfalls nicht hier. Ich verstehe ja, wofür alles da ist und ich weiß, dass es darum geht zu lernen, die Dinge so anzunehmen wie sie sind und zu erkennen, dass alles gut ist. Hier gibt es offenbar noch viel Lernpotential. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits für unsere Ankunft in Frankreich einen Schlafplatz im Pfarrhaus haben und uns somit keine Gedanken über eine verwirrende Platzsuche in einer großen Hafenstadt machen müssen. Wir können also wirklich aufatmen, wenn wir die Fähre erreicht haben und ganz in Ruhe dem guten alten Festland entgegenschippern. Jakobswege in Irland Unser heutiger Gastgeber, empfing uns mit weitaus mehr Begeisterung als der letzte, was unter anderem an seinem großen Interesse am Pilgern lag. Er war gerade dabei, einen neuen Pilgerweg quer durch Irland auszuarbeiten, der alle wichtigen, heiligen Plätze miteinander verbindet. Er beginnt im Nordwesten und endet an einem Platz mit dem Namen „Our Lady Island“. Es ist jener Pilgerort, an den auch die Pfarrer aus New Ross und Horeswood pilgerten, als wir sie vor ein paar Tagen besuchten. Vielleicht werden wir der Insel morgen auch noch einen kurzen Besuch abstatten, denn sie liegt fast auf unserem Weg nach Rosslare Harbour und bis zur Fähre haben wir ja noch ein bisschen Zeit. Wir gaben Pater John den Tipp, Kontakt mit der Jakobsgeselschaft aufzunehmen und seinem Pilgerweg am Ende einen kleinen Schlenker von 7km hinzuzufügen. Denn wenn er dies tat und ihn nicht auf Our Lady Island sondern im Hafen von Rosslare enden ließ, dann hatte er eine direkte Verbindung nach Frankreich, oder besser gesagt nach Cherbourg. Von dort aus führte dann ein Pilgerweg über Le Mont Sant Michelle bis nach Sant Jean Piet de Port. Der kleine Schlenker und die offizielle Zusammenarbeit mit der Jakobsgesellschaft würden aus dem lokalen Irischen Pilgerweg also einen neuen Jakobsweg machen, der den Nordwesten Irlands direkt mit Santiago de Compostela verband. Was dies für seine Popularität ausmachen würde war kaum abzuschätzen. Und wer weiß, wenn es normal wurde, dass auch in Irland Menschen zu Fuß gehen und von einem heiligen Ort zum nächsten pilgern, wenn es normal wurde, dass es auch außerhalb der Touristenregionen fremde gab, die einfach für einen oder zwei Tage vorbei schauten, dann würden die Iren vielleicht auch einen Teil ihrer Angst verlieren, würden ihre Skepsis abbauen und vielleicht sogar so etwas wie eine Gastfreundschaft gewinnen, die zukünftigen Wanderern wie auch ihnen selbst, das Leben bedeutend erleichtern würde. Das Beste kommt zum Schluss In Sachen Arbeitsproduktivität war auch der heutige Tag mal wieder eine Katastrophe, aber daran hatten wir uns ja nun bereits gewöhnt. Stattdessen wurde es jedoch in anderer Hinsicht ein recht spannender Tag. Alles, was heute passierte wirkte ein bisschen so, als wollte es uns noch einmal ein schlechtes Gewissen machen. So als wollte es sagen: „Ihr seit doch zu schnell über diese Insel gehuscht, denn dadurch habt ihr nun alles schöne verpasst!“ Es begann mit den Erzählungen von John über seinen neu geplanten Jakobsweg und die vielen schönen Pilgerziele, an denen er vorbei führen sollte. Hier ein Kloster, da ein Schloss, dort ein anderer historisch bedeutsamer Ort. Mit einem Mal hatte man den Eindruck, als wimmelte es in Irland nur so vor Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen durfte, wenn man jemals wieder Freude in seinem Leben erfahren wollte. Dann führte uns Pater John selbst noch zu einigen sehenswerten Orten in der Umgebung. Zum Mittagessen fuhren wir in das Café eines alten Schlosses, nahe seiner Heimatstadt. Hier saßen wir mit einigen Pfauen im Außenbereich, bis es zu regnen begann und wir weiter getrieben wurden. Als Pater John ein Kind war, hatte er hier mit seinen Freunden im Park gespielt. Heute war alles streng geordnet und man musste für jeden Schritt Eintritt zahlen. Allein die Genehmigung in den Park zu fahren, so dass man nur in das Café gelangen konnte, kostete den Pfarrer bereit 12€. Drei kleine belegte Brötchen für uns alle zusammen noch einmal 18€ und wenn wir das Museum ebenfalls noch hätten ansehen wollen, wären weitere 15€ fällig geworden. Das Schloss selbst war schön aber bereits seit Jahrzehnten ungenutzt und bestand nur noch aus einer Fassade. Auf seine Art wirkte es ein bisschen wie ein trauriges Symbol für diese Gegenden. Einst ein stolzes Königreich war nun nur noch die leere, tote Hülle übrig und mit der machte man mehr Geld, als man sich vorstellen konnte. Zum Abendessen unternahmen wir dann noch einmal einen weiteren Ausflug. Dieses Mal führte uns unser Gastgeber in eine kleine Hafenstadt, in der er noch eine Hochzeit vorbereiten musste. Wir nutzten diese Zeit, um schon einmal Fisch and Chips für uns drei zu bestellen, uns ein Eis zu besorgen und eine Runde durch den Hafen zu drehen. Es war so windig, dass es uns ein paar Mal fast ins Wasser geworfen hätte und mit Gemütlichkeit oder Genuss hatte das alles wenig zu tun. Aber trotzdem hatte dieser Platz etwas spezielles. Er wirkte ein bisschen wie aus einer anderen Welt, die uns sagen wollte: „Schaut, das wäre das richtige Irland gewesen, das ihr hättet sehen können, aber leider verpasst habt!“ Natürlich war dies eine Lüge, denn bereits hier merkte man, dass man unmöglich entlang der Küste wandern konnte. Dies war der Bereich, von dem der Pfarrer gesagt hatte, dass er keinen Tourismus abbekam und doch erschien uns bereits das viel zu viel zu sein. Wie dann erst die Touristenregionen aussehen mochten, wagten wir uns nicht einmal vorzustellen. Und auch hier spürte man, wie viel letztlich doch wieder nur Fassade war. Von Weitem sahen die Rieddachhäuser bezaubernd aus, aber aus der Nähe sah man, dass ihr Lack schon vor Ewigkeiten abgeblättert war. Dennoch durften wir einige magische Momente erleben, in denen sich der Nebel weit über das offene Hügelland legte und in der die letzten Sonnenstrahlen auf den schroff hereinfallenden Wellen tanzten. Wir holten unsere Fastfoodtüten ab und fuhren mit dem Auto auf einen Parkplatz oberhalb der Dünen, von dem aus wir beim Essen einen herrlichen Blick über die Bucht hatten. Sie war menschenleer und die Wellen rauschten im Halbkreis vom Meer hinein. Draußen wurde einem der Kopf weggeblasen, aber hier im Auto war es angenehm. Neben uns parkte ein zweiter Wagen, aus dem ein junger Mann stieg, der sich in einen Neoprenanzug zwängte und sich dann sein Surfboard schnappte. „Sind das nicht großartige Wellen?!“ rief er uns zu und lief Richtung Meer. „In Irland ist es etwas anders, als in anderen Ländern!“ erklärte uns der Pfarrer, „Hier tut man Dinge einfach wenn man sie tut! Würde man auf passendes Wetter warten, würde man niemals irgendetwas machen!
 
Spruch des Tages: Langsam sind wir wieder reif für das Festland.
Höhenmeter 90 m
Tagesetappe: 26km
Gesamtstrecke: 25.478,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Gemeindesaal der Kirche, Savigny-en-Véron, Frankreich

Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:23:02

 

 

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