Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1528 bis 1531: Wandern in Belgien

Wer räumt wenn es schneit macht nur alles doppelt

08.-10.12.2017 Auch unser Aufenthalt in Belgien wurde nicht der längste aller Zeiten, doch dieses Mal lag es nicht daran, dass wir uns hier im Land nicht wohl gefühlt hätten, sondern rein am Verlauf der Strecke. Anders als vermutet war dieser Teil der Benelux-Staaten, den wir durchwanderten nicht etwa flach wie eine Flunder sondern aufgrund der letzten Eifel-Ausläufer durchaus noch sehr hügelig. Dies war einer von zwei Gründen, warum wir uns ganz bewusst an die Venn-Bahn also den Fernradweg hielten, der auf der alten Güterzugstrecke durch die Lande führte. Einst waren hier Rohstoffe bis ins Ruhrgebiet transportiert worden, doch nachdem der Rohstoffabbau und die Schwerindustrie weitgehend eingestellt worden waren, gab es auch keinen Bedarf für die Güterzugstrecke mehr. Seither war sie zu einem schönen, relativ flachen und absolut nutzenswerten Fahrradweg umgemünzt worden, der einen durch ein recht einsames Stück des belgischen Hinterlandes führt. Der zweite Grund, neben dem Vermeiden unnötiger Steigungen, für das Festhalten an der Vennbahn war der, dass es nun richtig zu schneien begonnen hatte. Alles, aber auch wirklich alles war mit einer dicken Schicht Schnee bedeckt und offenbar hielten es die Belgier nicht für nötig, ihn wieder von den Straßen zu entfernen. Auch unsere Hoffnung, sie könnten vielleicht den Fahrradweg geräumt haben, ging leider nicht auf. Aber er war immerhin eben und man lief hier nicht in Gefahr, aus Versehen die Stoßstange eines unvorsichtigen Autofahrers zu knutschen. Abgesehen davon, dass der Schnee das Wandern etwa drei Mal so anstrengend machte, wie es ohne Schnee gewesen wäre, verzauberte er die Welt aber auch in ein traumhaftes Winterwunderland, das man sich gerne anschaute. Hätten wir uns in diesem Moment jemand gesagt, dass wir die weiße Pracht dieses Mal noch mitten im Mai erleben würden, hätten wir ihn einen Spinner genannt. Doch offenbar sollte es anders kommen. Was die Gastfreundschaft der Belgier anbelangt waren wir nach unseren eher ernüchternden Erfahrungen in Luxemburg mehr als nur positiv überrascht. Nicht nur, dass uns die Nonnen gleich zu beginn so freundlich und herzlich aufgenommen hatten, sie kümmerten sich auch gleich darum, dass wir wieder einen neuen Schlafplatz bekamen. Wieder handelte es sich um ein Kloster, das zu großen Teilen zu einem Seminarhaus umgebaut worden war. Von dort aus wurden wir erneut zu einem weiteren Kloster geleitet und von dort wiederum zu einem dritten. In Anbetracht dessen, dass es inzwischen so kalt war, dass man kaum eine Minute im Freien still stehen konnte ohne blaue Lippen zu bekommen, rettete uns diese Weiterleitungs-System von Kloster zu Kloster vielleicht sogar das Leben. Lediglich am letzten Tag sah es etwas anders aus. Wir hatten uns vorgenommen, dem Radweg nun weiter bis zur Deutschen Grenze zu folgen und dort wieder bei einem Pfarrer zu fragen, doch der Schneesturm war heute so stark, dass wir nach nicht einmal der halben Strecke kapitulieren mussten. Wir verließen die Vennbahn und drehten eine Runde durch eine kleine Ortschaft, in der Hoffnung, hier eine Notunterkunft zu finden. Tatsächlich stießen wir recht bald auf ein Gemeindehaus, das uns geeignet erschien. Bei der Suche nach einem Verantwortlichen mit Schlüssel gelangten wir in eine Kirchliche Bibliothek. Als wir durch die Tür traten, sahen wir aus die zwei Schneemänner und es dauerte gut zwanzig Minuten, bis die Schneeschicht von uns abgetaut war und man unsere Menschliche Form darunter erkennen konnte. In dieser Zeit gelang es uns jedoch mit Hilfe der leicht amüsierten Bibliothekarin, einen Schlüssel für das Gemeindehaus auszutreiben. Wenig später lernten wir dann eine junge belgische Frau und ihren Freund kennen, die aus diesem Ort stammten jedoch gerade in Aachen studierten. Was uns vor dieser Belgienreise nicht bewusst war ist, dass man in diesem Teil von Belgien einfach ganz normal Deutsch spricht und zwar als offizielle erste Landessprache. Anders als die Schweiz wird Belgien offiziell bei deutschsprachigen Ländern jedoch nie genannt, aus welchem Grund auch immer. Den Nachmittag verbrachten wir gemeinsam mit einer Kindergruppe im Gemeindehaus. Etwa die Hälfte der Kinder zauberte dabei gemeinsam mit den Betreuerinnen einen Kuchen, während die andere Hälfte Schneemänner und Rodelbahnen baute. Zum Schlafen wechselten wir dann aber trotzdem noch einmal in das Haus der Familie der junge Frau, denn ihre Mutter, die für das Gemeindehaus verantwortlich war, war sich unsicher, ob sie die Autorität hatte, uns darin schlafen zu lassen. Die gute alte Problematik mit den versicherungsrechtlichen Gründen mal wieder. Der Umzug erfreute uns nicht gerade bis über beide Ohren, gab uns jedoch die Gelegenheit, auch den Vater kennen zu lernen, der interessanter Weise bei der Stadt angestellt und für den Schneeräumdienst zuständig war. Er verbrachte den halben Nachmittag vor dem Fenster, stets mit einem Auge nach draußen und einem auf seinem Telefon, bis schließlich der erlösende Anruf kam der ihn zum Räumungseinsatz beorderte. Das belgische System unterscheidet sich hier vom deutschen wohl doch etwas, denn ganz offensichtlich wird hier erst mit dem Räumen angefangen, wenn es aufgehört hat zu schneien.
 
Spruch des Tages: Wer räumt wenn es schneit macht nur alles doppelt.
Höhenmeter 40m / 50m / 290m / 70m
Tagesetappe: 21km / 21km / 24km / 16km
Gesamtstrecke: 28.650,27km
Wetter: Sonnig und teilweise sogar warm
Etappenziel Tag 1524: Katholisches Pfarrhaus, Varberg, Schweden
Etappenziel Tag 1525: Aufenthaltshaus der Friedhofsmitarbeiter, Väröbacka, Schweden
Etappenziel Tag 1526: Privathaus des Pfarrers, Horred , Schweden
Etappenziel Tag 1527: Gemeindehaus der Kirche, Björketorp, Schweden

Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:52:52

 

 

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