Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Menschen unserer modernen Zivilisation nutzen fast ausschließlich ihren Sehsinn. Alle anderen Sinne machen gerade einmal 7% unserer Wahrnehmung aus. Ohne unsere Augen fühlen wir uns meist bereits nach wenigen Metern orientierungslos und verunsichert. Was aber ist mit den Menschen, die aufgrund von Sehbehinderungen einen Großteil ihres Lebens oder teilweise auch ihr ganzes Leben lang ohne Augenlicht auskommen müssen? Wie nehmen sie die Welt wahr?

Unter dem Motto "Fühl dich ein!" werden wir ab dem 14. August für 14 Tage unsere gewohnte Weltsicht verlassen und als Blinde bzw. Sehbehinderte durch die Natur und die Zivilisation reisen.

Über die ersten Tage werden wir unsere Sehfähigkeit dabei immer stärker reduzieren. Dafür werden wir uns sogenannte Alterssimulationsbrillen aufsetzen. Diese simulieren die fünf häufigsten Sehbehinderungen: grauer Star, Makula-Degeneration, Grüner Star, Diabetische Retinopathie und Retinitis Pigmentosa (s. Bilder unten). Tobias wird darüber hinaus ohne Brille und Kontaktlinsen unterwegs sein, mit einer Sehschwäche von -7,5 Dioptrien. Während dieser Zeit werden wir uns immer wieder auch Augenbinden aufsetzen und so mehr und mehr in die Welt der Blinden eintauchen.

Nach dieser Einstiegsphase werden wir uns die Augen komplett verschließen und versuchen, uns nur mit unseren übrigen Sinnen zurechtzufinden.

Unser Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf zwei Bereichen. Zum einen wollen wir uns in die Rolle von Blinden hineinversetzen. Was heißt es, in unserer Gesellschaft blind zu sein? Wie barrierefrei sind unsere Städte wirklich? Können wir so weit in die Welt ohne Sehsinn eintauchen, dass wir das Leben als Blinder nachvollziehen und nachfühlen können? Wie gut kommen wir in unserem Leben noch zurecht, wenn wir wirklich einmal unser Augenlicht verlieren sollten? Dafür werden wir auch Kontakt zu Blinden aufnehmen, sie nach ihren Erfahrungen fragen und von ihnen lernen.

Zum anderen wollen wir schauen, wie sich unsere eigene Wahrnehmung und die Fähigkeit unserer Sinne verändern.

Von einigen Blinden wissen wir, dass sie ihre übrigen Sinne auf ein erstaunliches Maß trainieren konnten. So gibt es beispielsweise einen blinden Bergsteiger, der alle Achttausender der Erde ohne jede fremde Hilfe bestiegen hat. Wie eine Fledermaus kann er dabei eine Art Sonarbild seiner Umgebung erzeugen. Dazu sendet er Klicklaute aus, deren Klänge je nach Umgebungsbeschaffenheit unterschiedlich zurückgeworfen werden. Sein Gehör ist soweit geschult, dass er die geringste Veränderung im Klang wahrnehmen und sofort in eine plastische Vorstellung von Raum, Entfernung, Größe und Beschaffenheit umsetzen kann.

Diese unglaubliche Steigerung der Sinne hat uns stark fasziniert. Wirkt sich vielleicht auch schon eine relativ kurze Blindheitsphase auf die Fähigkeiten unserer übrigen Sinne aus? Vor allem bei Tobias, für den das Thema "Sehen" aufgrund seiner Kurzsichtigkeit ohnehin ein zentrales Lebensthema ist, ist die Frage interessant, ob sich vielleicht auch nachhaltig etwas verändert, wenn die Augen einmal eine lange Phase der Entspannung bekommen.

Bei unserer Tour werden wir sowohl in der Natur als auch in der Zivilisation unterwegs sein und uns wandernd, trampend und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Dabei setzen wir uns bewusst auch immer wieder neuen unbekannten Situationen aus, gelangen an unbekannte Orte und stellen uns einer Reihe von Aufgaben, die wir uns selbst geben, jedoch ohne eigenes Geld:

  • Ein Reha-Training für Blinde absolvieren
  • Blind trampen
  • Blind mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren
  • In einer Stadt eine bestimmte Sehenswürdigkeit finden
  • Von einer Startstadt in eine Zielstadt gelangen
  • Probearbeiten (z.B. Als Masseur)
  • Blind schwimmen (Flussüberquerung)
  • Blind eine Ansichtskarte schreiben
  • Blind einen Hochseilgarten begehen
  • Blind betteln und musizieren
  • Blind ein Hotelzimmer finden und einmieten
  • Besuch einer Blindenhundeschule
  • Einkaufen für ein spezielles Gericht im Supermarkt und danach zubereiten
  • Blindensport ausüben und Kameraden kennenlernen
  • Ein Blindentreffen besuchen und sich austauschen
  • Erprobung von Wildnisfertigkeiten ohne Augenlicht z.B. Feuer machen, Notunterkunft, Wildmischsalat, Nahrungsbeschaffung
  • Blind Sachen erkennen durch Schmecken
  • Blind Sachen erkennen durch Fühlen
  • Blindenschrift kennenlernen
  • Geld am Geldautomaten abheben
  • Ticket Kaufen und zum Bahnsteig finden
  • Eine Frau ansprechen die ein potentieller Partner werden könnte
  • Rechtzeitig Toiletten finden und nach ihrer Reinlichkeit beurteilen
  • Blind Personen wiedererkennen
  • Blind Kanufahren
  • Uns blind in einem fremden Haus zu Recht finden ohne Hilfe (Treppen, Türen, wo ist das Klo, wo ist die Küche, etc.)
  • Längere Wanderungen mit Blindenstock
  • Eine längere Strecke gemeinsam mit einem Blinden reisen, der uns coachen kann

Hier noch einige Beispiele für die Sicht mit den fünf häufigsten Sehbehinderungen:


Grüner Star


Grauer Star


Makula Degeneration


Diabetische Retinopathie


Retinitis Rigmentosa

  Heiko Gärtner und Tobias Krüger
 
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