Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 0 der Blinden Tour - der Stress ist geboren

Seit acht Uhr morgens organisieren wir wie die verrückten, dass alles für die Tour klappt. Heute wurde uns um drei Uhr Nachmittag die Augen für die Blindentour geöffnet. Lothar der Blindensprecher von Fürth und Stefan der Rehatrainer haben uns mit viel Übungen und Erfahrungsberichten im wahrsten Sinne die Augen geöffnet. So durften wir die ersten Gehversuche ohne Augenlicht und Blindenstock erfahren. Blindenampeln und Überwehe kreuzten unsere Teststrecke. Jetzt zu diesem Zeitpunkt um drei Uhr morgens mit unendlich erscheinenden Vorbereitungsstress spüren wir, auf welchen Sinneswandel wir uns eingelassen haben. Mit Spannung aber auch Respekt gehen wir für die letzten Minuten vor dem Start ins Bett.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-14 03:12:00


Tag 1 - Es gibt mehr Mitgefühl als man denkt, aber weniger Blindenampeln.

Heiko Gärtner und Tobias Krüger sind blind

Heute war es nun soweit, wir starteten pünktlich um 9:30 an unserer Haustür in unser neues Leben als Sehbehinderte. Dort begrüßte uns Ingrid Maschek von INTV, das Neumarkter Tagblatt und die Nürnberger Nachrichten. Zuvor haben wir noch für Radio Charivari, Bayern 1, Bayern 2 und Bayern 3 ein Interview gegeben. Auch Star Fm wollte genauestens wissen, was wir heute so alles vorhaben und wie wir uns vorbereitet haben. Das Rehatraining gestern war wirklich gold wert. Nach den ersten Metern durch die Stadt machten wir uns auf den Weg ins Altersheim. Hier hatten wir einen Termin mit einigen Sehbehinderten Altenheimbewohner. Sie berichteten ganz ausführlich über ihre Seherkrankungen und über ihre Blindheit. Im hohen Alter spürt man sehr deutlich, dass eine Einschränkung der Sehkraft auch die Mobilität stark beeinträchtigt. So konnten wir deutlich erkennen, dass das Alter einen direkten Einfluss auf den Tastendrang und Mut mobil zu sein hat. Anschließend schlenderten wir auf langsamen Sohlen in die Stadt und erkannten vor dem Rathaus eine haptische Darstellung der Stadt Neumarkt in Kupfer gegossen. Mit den Fingern konnten wir die Punktschrift und die Schwarzschrift wahrnehmen. Ich wohne seit fast 10 Jahren in Neumarkt und habe die Hilfe für Blinde noch nie wahrgenommen. Danach wollten wir die Sehschärfe von Tobi testen. Dazu gingen wir zum Optiker unseres Vertrauens. Bei Fielmann fanden wir unseren Fachberater den wir uns gewünscht haben. Er bestätigte Tobi, dass er 7,5 Dioptrin hat und seine Sehschärfe sich nicht verändert hat. Tobi erhofft sich von der Tour, dass sich seine Sehschärfe verbessert und er seine Augenkrankheit vielleicht etwas lindern kann. Nach dem Optikeraufenthalt liefen wir direkt zum nächsten Briefmarkenautomat und versuchten unser Glück unseren Geschäftsbrief mit einer Briefmarke zu versehen. Nachdem wir an der zu kleinen Schrift mit unseren Grauen- und Grünenstarbrillen gescheitert sind, gingen wir mit gesenkten Kopf in die Poststelle und suchten beim Postangestellten unseres vertrauens Hilfe. 35 Minuten für einen Brief zu frankieren ist wirklich nicht ohne. Was wir heute schon feststellen konnten, dass Zeit im Sehbehinderbereich relativ wird. Nach dem Frankiermarathon besorgten wir noch am Gemüsestand etwas Nahrung. Wenn man lieb bittet bekommt man fast immer etwas zum Essen, was nicht mehr verkauft werden kann. Auch auf dieser Tour versuchen wir wieder ohne Geld durch die Welt zu streifen. Beim Pizzabecker Castello bekamen wir leckere überbackene Nudeln und am Volksfest eine Haxe und ein Hähnchen von Haxen Liebherr gesponsert. Auch mit den Getränken gingen wir nicht leer aus. Anschließend wollten wir noch unsere Fahrkünste im Autoscooter testen. Auch hier bekamen wir wieder nach einer freundlichen Frage 5 Freikarten zum testen unserer Fahrfähigkeiten. Was wir feststellen konnten, dass die meisten Menschen sehr mitfühlend sind und einen unterstüzen. Um 22:00 verließen wir das Lichtermeer des Volksfestes und suchten uns einen geeigneten Schlafplatz.

Pressebericht

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-14 23:33:47


Tag 2 - Blind in die Höhe

Gestern abend hatten wir dann mal wieder mehr Glück als Sicht. Bei unserem Blindflug durch die nächtliche Stadt, die nur aus blendenden Straßenlaternen und Frontscheinwerfern mir absoluter Dunkelheit dazwischen bestand, haben wir zwei neue Bekannte vom Volksfest wiedergetroffen. Die beiden wollten uns dann dochnicht halbblind im Wald schlafen lassen und haben uns mit in Ihre WG genommen. Dort erwartete uns ein warmer Isomattenplatz am Boden. Allerdings mussten wir feststellen, dass eine unbekannte Wohnung nochmal eine ganz eigene Herausforderung ist. Heiko durfte das mitten in der Nacht dann auch noch einmal deutlich am eigenen Leib spüren. Lothar, hatte uns bereits vorgewarnt: Für einen Blinden dürfen Türen entweder ganz offen oder ganz geschlossen sein. Halboffen ist tötlich! Heiko der sich im Dunkeln mit grünem Star durch die Wohnung tastete machte damit seine eigene Bekanntschaft. Seine rechte Hand tastete sich rechts ins Freie, seine linke links und sein Kopf traf genau die Türkannte dazwischen. Heute morgen haben wir dann als aller erstes unsere Brillen getauscht. Heiko war (und ist) seit dem also mit dem grauen Star unterwegs, Tobias mit dem grünen. Wir sind dann bereits um 7:00 aufgebrochen um uns auf den Weg zum Hochseilgarten Velburg zu machen. Wir wurden netterweise ein Stück von einer unserer Gastgeberinnen mitgenommen, die zu ihrer Arbeit gefahren ist und konnten dann noch ein weiteres kleines Stück trampen. Den Rest haben wir dann zu Fuß gemeistert. Mit einigen kleinen unfreiwilligen Umwegen zwar, aber noch so, dass es als erfolgreich durchgehen kann. Jetzt also blind in die Höhe! Den ersten Parcours haben wir noch mit unseren Brillen gemeistert. Ein komisches Gefühl wenn man zwar ungefähr sein Ziel erkennen kann, aber nicht sieht wo seine Arme und Beine sind, geschweige denn, wo sie hin sollen. Dann kam Level 2: Ein anderer unbekannter Parcour komplett blind. Für jeden mit Höhenangst ist diese Variante wärmstens zu empfehlen. Ob man sich einen oder fünfzig Meter über dem Boden befindet spielt plötzlich keine Rolle mehr. Dafür werden so Dinge wie Gleichgewicht und Koordination plötzlich zu einer fast unbezwingbaren Herausforderung. Blind zu balancieren ist aber noch nichts im Vergleich zum totalen Blindflug im Flying Fox. Mit unvorstellbarer Geschwindigkeit rast man plötzlich unendlich wirkende 60m auf einen Baum zu. Die ganze Zeit über rattert es in deinem Kopf: Jetzt schlägst du ein! Jetzt schlägst du ein! Jetzt schlägst du ein! Und nichts passiert! Dann plötzlich: Bumm und es erwischt einen vollkommen unvorbereitet. Der reine Nervenkitzel! Insgesamt stellten wir für uns aber dennoch fest, dass der Hochseilgarten zwar viel mehr Hindernisse bietet als eine Straße, dafür aber auch wesentlich mehr Orientierungspunkte. Man kann sich darin nicht verlaufen. Man kann nichteinmal stürzen, weil man ja gesichert ist. Der Alltag stellt damit doch die wesentlich größere Herausforderung dar. Heikos persönliches Tageshighlight war die Benutzung der öffentlichen Toilette. Erst fand er das Klopapier nicht, weil der Spender leer war, und er die Ersatzrollen nicht finden konnte. Dann wollte die Klobürste nicht aus ihrer Halterung und zum Schluss klemmte noch die Tür und wollte ihn nicht wieder freilassen. Vom Hochseilgarten aus wurden wir freundlicherweise von einem Pärchen mitgenommen, die ebenfalls dort klettern waren und nun zurück nach Nürnberg fuhren. Hier haben wir Ninfa getroffen die und für die weitere Tour begleiten wird.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-15 23:53:03


Tag 3 - Tag der Dunkelheit

Auch heute haben wir uns wieder mit der Sehschärfe reduziert. Langsam aber sicher haben wir Tagesphasen an denen wir das Gefühl haben, dass wir nichts mehr sehen. Am Erfahrungsfeld der Sinne angekommen, stürzten wir uns in das Abenteuer des Dunkelkaffees. Robert der auch blind ist, begleitete uns mit seinem Blindenführhund zum Kaffee. Dort angekommen brachte er uns sicher zu Günny und den Barhockern in absoluter Dunkelheit. Durch die lustigen Geschichten und verdächtig scharfen Wortwitze über das verhalten im Dunkeln, verflog die Zeit im Eiltempo. Natürlich stimmten beide einem Interview zu und wir erfuhren unzählige Geschichten aus dem Leben unserer Barkeeper. Nach dem Erlebnis absoluter Dunkelheit wagten wir uns an das Abenteuer Jobsuche. Tobias und ich entschlossen uns zu einem Probetag in einer Krankengymnastikpraxis zu absolvieren. Durch das vorzeigen der gekonnten Handgriffe, konnten wir mit den eigenen Händen die Therapeutenhände abtasten und lernen. Viele Patienten schwören auf die magischen Therapeutenhände der blinden Fachkräfte. Am Abend stand uns noch die größte Herausforderung bevor. Wir sollten in einer für uns fremden Küche ein von uns selbst im Supermarkt gekauftes essen zubereiten. Preisvergleich war zu keiner zeit möglich. Auch das Gemüse wurde vertauscht. Wiegen war fast nicht möglich. Das würzen wurde zur Geschmacksprobe. Im Ganzen kann man sagen dass, das Abenteuer im Alltag versteckt liegt. Das leben selbst stellt uns jeden tag neue Herausforderungen.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-17 09:43:52


Tag 4 - aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer

Nach einer heißen Kochnacht bis um ein Uhr morgens gingen wir völlig erschöpft vom vielen suchen ins Bett. Auch unser Frühstück war mit Brot und Honig nicht so reichhaltig wie es hätte sein können. Am vierten Tag sehen wir so wenig, dass das größte Hindernis darin besteht alles zu finden. Unsere erste Aufgabe des Tages war den Infopoint am Bahnhof aufzufinden. Dort trafen wir uns mit einem Studenten der von unserem vorhaben erfahren hat und davon berichten wollte. Nach der Vorstellungsrunde trottete die Iceagefamilie Richtung Multiplexing. Wir suchten ganz gezielt nach einen Film mit Action und viel Lautstärke, um uns mit der Tongewahlt zu begeistern. Wir mussten allerdings feststellen das schnelle Bilder und Lautstärke wahrlich der Feind des sehbehinderten sind. Kino ist trotz schlechter Sicht ein Erlebnis und sehenswert, jedoch sollte man einen ruhigen Film mit viel Dialogen und langsamen Bildern wählen. Anschließend hatten wir die Aufgabe einzukaufen und Augenabdeckungen zu besorgen. Auch hier stellten wir fest, dass wir für alles zu lang brauchen. Zu guter jetzt sollten wir ein Päckchen in einer fünf Kilometer entfernten Packstation abholen. Erst nachdem siebten Anlauf konnten wir die angeblich gut versteckte Packstation finden. Auch beim Abendessen blieb mehr um den Teller herum liegen als in unseren Münder. Spruch des Tages: aller Anfang ist schwer.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-18 09:26:51


Tag 5 - Tag der Prüfung

Heute starteten wir mit Lothar, der der Vorsitzende des Behindertenrats Fürth ist in Begleitung mit Stefan dem Rehatrainer eine Tagesschnitzeljagd der besonderen Art. Start war das Denkzentrum in Nürnberg. Wie in einem Actionfilm bekamen wir klare Anweisungen per Telefon und von Lothar und Stefan welches Ziel wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen sollten. Durch unsere neuen Brillen waren wir soweit in der Sehfähigkeit eingeschränkt, dass wir als gesetzlich blind galten. Tobias konnte einen kleinen Lichtkanal sehen und ich konnte durch eine panzermilchscheibe leichte Farbfelder erkennen. Wie im Film versuchten wir so schnell wie möglich, den Zielort zu finden, so dass wir kein Leben verlieren. Durch den spielerischen Lehrstil konnten wir uns sehr schnell in die Alltagsprobleme der blinden einfühlen. Wie finde ich den richtigen Bus, die richtige S-Bahn, die richtige U-Bahn, etc. Auch die stadtstrecken waren alles andere als barrierefrei tiefliegende Boller, Begrenzungspfeiler, fehlende Blindenampeln usw. Auch in einer Eiskaffee bekam ich eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Ich sollte auf der Männertoilette eine Flasche Wasser auffüllen. Da das schöne Wetter unzählige Menschen ins Kaffee geführt hat musste ich mich durch die Menge fragen und eine steile Treppe zur Toilette ausfindig zu machen. Anschließend fuhren wir nach Fürth zu einer Stadtführung mit allen Sinnen. Zum Schluss stiegen wir noch auf den begrünten alten Müllberg und blickten indirekt in die Ferne. Die taktilen Informationstafeln waren zum Gedenken an Lothars Vater der auch eine schwere Augenerkrankung hatte. Abgerundet wurde der Lernmarathon mit einem Schnitzelessen in der Innenstadt um 22:20. Auch heute wird es wird es wieder eine lange Nacht bis wir wieder im Schlafsack liegen. Spruch des Tages: Schlaf wird überbewertet.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-19 11:45:27


Tag 6 - In letzter Sekunde

Schon wieder spürten wir das die Zeit für einen blinden relativ ist. Nur durch Zwischensprints konnten wir in letzter Sekunde den Bahnsteig erreichen. Die Bahn sponserte uns die Zugfahrt nach Augsburg. Es fällt auf, dass man als Sehbehinderter für alles mehr Zeit einplanen sollte. So kamen wir um 2 Uhr am Bahnhof in Augsburg an und hatten drei Stunden um die Strecke von 10 km zum Fernsehstudio zu überwinden. Nach 32 Nachfragen bei Passanten hatten wir endlich den Weg zum Studio gefunden. Immer mehr spüren wir, dass sich nur wenige Menschen in das Schicksal der blinden einfühlen können und den Weg bildlich beschreiben können. Was wir jedoch auch feststellen können das uns sehr viele Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen und uns gerne helfen. Nach der Maske wurden wir dann vom Studioleiter in die richtige Position im Studio geschoben. Es ist wahrlich ein komisches Gefühl, wenn man nicht die leiseste Ahnung davon hat wo und in welche Kamera man schauen sollte. Heute war außerdem der heißeste Tag des Jahres. Das es auch noch die heißeste Nacht werden sollte war uns nicht bewusst. Durch einen Zufall suchten wir als blinde einen Swingerparkplatz auf. Was man als neublinder übersehen kann sprengt die Vorstellungsgabe. Nach 100 kreisenden Autos auf der Suche nach dem nächsten Augenblick der Lust sprang Johannes voller Wut mit Unterhose bekleidet aus dem Auto und hielt das nächste Auto auf. Was er nicht wusste, dass er einen schwulen Swinger mit einem Hauch von nichts ansprach. So hätten wir Johannes unseren Leitwolf fast an die Swingesszene verloren. Spruch des Tages: wie man sich betet so liegt man.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-19 23:08:36


Tag 7 - Badetag

Nach einer unruhigen Nacht starteten wir mit gähnenden Gesichtern in den Tag. Als erstes fühlte ich in der öffentlichen Toilette Wasser ab. Was ich nicht lesen konnte, das der Verzehr des Wassers polizeilich verboten war. Darüber stand zu allem Überfluss kein Trinkwasser. Gott sei Dank kontrollierte Johannes meine tat und erkannte, dass es Zisternenwasser war. Anschließend trafen wir uns mit Augsburg TV und wanderten zurück zum Bahnhof, wo wir die Barrierefreiheit des Bahnhofs testen sollten. Was man klar feststellen konnte, dass der Bahnhof keine Leitlinien und andere Hilfsmittel besaß. Selbst der Aufzug fehlte. Jedoch holte uns ein nettes bahnhofspersonal vom Bahnhof ab. Bei der Zugfahrt zum Bodensee durften wir umsteigen und wurden sogar mit einem kleinen Elektroauto zum Gleis gefahren, da die Zeit sehr knapp war. Am Bodensee angekommen trafen wir uns mit Regio TV und standen vor alten und neuen Herausforderungen. Da wir uns ab morgen die Augen abkleben wollen, müssten wir ein Sanitätshaus oder eine Apotheke finden, die diese speziellen Pflaster hatte. Nach gut zwei Stunden und unzähligen Anläufen war es soweit. Wir standen direkt vor der Apotheke und fragten nach dem Weg. Die alte Frau antwortete uns: Apotheke hier? Da sind sie völlig falsch. Über ihr thronte das Apothekenschild und leuchtete im schönsten rot, was wir leider nicht wahrnehmen konnten. Natürlich mussten wir bei dieser Temperaturen direkt in den Bodensee eintauchen. Mit Seife bewaffnet kamen wir unserem Bedürfnis der Körperpflege nach. Nach einem kurzen Marsch saßen wir wieder im Nachtzug nach Garmisch Patenkirchen. Der Nachtschaffner pflaumte uns an, warum wir den nicht wissen würden wo der Schienenersatzverkehr fahren würde und er könne es uns nicht erklären wenn wir keine Ortskenntnisse haben würden. Man muss jedoch sagen, dass wir bis jetzt nur positive Erfahrungen mit dem Bahnpersonal gemacht haben und der Angestellte bestimmt einen schlechten Tag hatte und im eine Laus über die Leber gelaufen ist. Nun fahren wir gerade mit dem Bus durch die regnerische mit Blitzen verzierte Nacht und fragen uns wo wir ohne Isomatte und Zelt nur mit Schlafsack bewaffnet im Hardcore Regen schlafen wollen. Heute werden uns die gesponserten Berggansjacken gute Dienste leisten. Spruch des Tages: danke an Berggans die uns so tatkräftig mit einer kleiderspende unterstützt haben.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-21 00:40:27


Tag 8 - Willkommen in der Dunkelheit

Wir sind heute Morgen vor der Olympiaeishalle in Garmischpatenkirchen von dramatischer Musik geweckt worden. Es war ein bisschen als wollte die Welt uns auf das Ende des Tageslichts vorbereiten. Wie sich später herausstellte war es die Kür für einen Eiskunst, die leider nur ein einziges Lied kannte und die Dramatik deswegen immer wieder im Kreis spielte. Nun war der große Augenblick gekommen: Heiko und Tobi nahmen ihre Brillen ab und Ninfa verklebte ihre Augen mit heroischen Augenpflastern in der Grundfarbe rosa mit Einhörnern darauf. Während Heiko und Ninfa die Stellung hielten und auf die Herausforderungen des Tages warteten, machten sich Tobi und Johannes auf die Jagd nach einem Frühstück. Nur wenige Stunden später hatten sie die 800m bewältigt und kehrten mit reicher Beute zum Stadion zurück. Nach unserem ersten blinden Frühstück machten wir uns auf um unseren Weg auf die Zugspitze zu planen. Die Dame an der Touristeninformation konnte leider nicht mehr für uns tun als uns 3 Wegbeschreibungen in die Hand zu drücken und uns mitzuteilen, dass sie selbst die Zugspitze noch nie erklommen hat. Auf die Frage hin, welches der geeignete Weg sei, empfahl sie uns die Bahn. Das wir blind waren hat die Dame nicht einmal registriert. Wir vertagten die Entscheidung auf den Abend und beschlossen erst mal baden zu gehen. Wagemutig wagten wir die ersten 300 Höhenmeter blind in steilen Serpentinen den Hang hinauf bis zum Badesee. Die Rentner grüßten freundlich beim überholen und staunten darüber, dass wir Barfuß waren. Oben angekommen durchschritten die 2 eine Blinden eine auenlandgleiche Idylle, während sich die 2 Sehenden aufgrund ihrer Augen mit einer Hotellandschaft begnügen mussten. Hier trafen wir auch Katrin, die uns bei unserer Bergwanderung begleiten wird. Nach einem erfrischendem Bad im Bergsee wurde es dann Zeit für die endgültige Entscheidung. Die Vernunft und die Mädls waren für den mittleren Weg, die Jungs und die Abenteuerlust für die Höllenklamm. Letzlich siegte die Vernunft und so freuen wir uns jetzt über einen 8stündigen Aufstieg über die österreichische Seite auf den Gipfel der Zugspitze. Spruch des Tages: Man sieht sich in 7 Tagen.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-21 23:37:00


Tag 9 - die Entscheidung

Pünktlich um 5 Uhr sind wir mit verquollenen Augen aufgestanden um unsere Blindentour auf die Zugspitze zu treiben. Um 6:45 starteten wir den Aufstieg in Richtung Gipfelkreuz. Zunächst ging es im Slalom steil bergauf durch einen Kiefernwald. Am Gerölfeld angekommen bekamen wir einen ersten Eindruck auf was für eine Tour wir uns eingelassen hatten. Losgetretten mit unseren Blindenstöcken polterten faustdicke Felsbrocken in die Tiefe. Heiko versuchte durch schroffe Worte zur Leistungsbereitschaft zu motivieren, weil er Angst um die Zeit hatte, was sich später auch bewahrheitete. Nach zwölfeinhalb Stunden anspruchsvoller Klettersteige, ungesicherter Felshänge, steiler Gerölwüsten und harten Kletterpartien erreichten wir auf 2950 Meter die Gipfelstation. Die letzten 300 Höhenmeter legten wir dabei in einem heftigem Gewittersturm, der nur 5m neben uns einschlug lies dem barfüssigem Johannes die Haare zu Berge stehen und stromte Tobi und Ninfa in den Fingern. Als wir alle heil und unversehrt oben ankamen, konnten wir es selbst kaum fassen, dass wir diese Tour gemeistert hatten. Erschöpft und glücklich machten wir uns mit der Zugspitzbahn auf unseren Heimweg ins Tal.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-23 01:28:53


Tag 10 - der Tag danach

Heute war der Tag an dem wir merkten was wir gestern getan haben. Unsere Körper holten sich die aufgebrauchte Energie zurück und kein Wecker hatte dagegen eine Chance. Pünktlich um 11 Uhr wachten wir wieder von dramatischer Musik vor dem Olypiazentrum in Garmisch auf. Unser muskuläres Gedächtnis errinerte sich in diesem Moment an das Donnergrollen vom Tag zuvor. Auf unserem Weg zum Bahnhof verabschiedeten wir uns von Garmisch-Patenkirchen und auch noch einmal von der Zugspitze die wir beide in unser Herz geschlossen hatten. Nach unserem Abenteuer am höchsten Berg Deutschlands ging es weiter nach München in die größte Stadt Bayerns. Statt der Bezwingung von steilen Felswänden erwartete uns hier die Herausforderung rechtzeitig aus einer Rolltreppe auszusteigen ohne dass einem die Zehen eingeklemmt werden . Der Großstadttroubel mit all seiner Hektik und seinem Lärm war ein harter Kontrast zu der Ruhe des Berges am Vortag. Deswegen zogen wir uns in den Englischen Garten zurück und entspannten unsere Glieder bei einem Picknick am Eisbach. Der Himmel hatte allerdings beschlossen uns mit all seinem Können uns in Bewegung zu halten und jagte uns mit einem heftigem Sommerregen quer durch das Stadtviertel bis zu einem trockenem Unterstand. Hier schmiedeten wir Pläne für die kommenden Tage und brachen dann auf um unseren Zug nach Erlangen zu erwischen. Spruch des Tages: Die wahren Blinden sind die Sehenden.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-24 08:12:03


Tag 11 – Abenteuer Alltag

Heute haben wir uns noch einmal eine ganz besondere Herausforderung gestellt. Wir wollten ohne Hilfe von Ninfa und Johannes unseren Alltag meistern. Dazu haben wir uns als erstes eine Einkaufsliste zusammengestellt mit Dingen die wir auf jeden Fall für das tägliche Leben brauchen: Seife, Klopapier, Rasierschaum, Zahnpaste, Zutaten für das Abendessen und so weiter. Bereits zu Beginn stießen wir auf die erste Grenze, denn wir konnten diesen Einkaufszettel natürlich nicht selbst schreiben. Angekommen in der Innenstadt begegnete uns das zweite Problem. Erstens brauchten wir jemanden der uns diesen Zettel vorlas und zweitens mussten wir herausfinden wo ein Laden war in dem wir die passenden Sachen einkaufen konnten. Da Einkaufsläden leider kein akustisches Signal von sich geben, blieb uns nichts anderes übrig als Passanten um Hilfe zu bitten. Was dann geschah konnten wir selbst kaum glauben. Wir standen mitten in der Fußgängerzone, umgeben von hunderten von Menschen, baten laut um Hilfe, sprachen Passanten an die wir in unserer Nähe geortet hatten, riefen, winkten und versperrten den Weg mit unseren Blindenstöcken, doch niemand aber auch wirklich niemand zeigte die geringste für uns wahrnehmbare Reaktion. Selbst der Eisverkäufer von einer Eisdiele an die wir uns herangetastet hatten ignorierte unsere Hilferufe. Nach zwölf Minuten hielt es Ninfa nichtmehr aus und gab einer Passantin, die an der Seite stand, den Hinweis, dass sie ruhig auch eingreifen dürfte. Erst auf Ninfas direkte Aufforderung hin sprach uns die Passantin an und wies uns den Weg in ein Drogeriegeschäft. Jetzt hatten wir zwar eine grobe Richtung, landeten trotzdem zunächst in einer Bäckerei. Als wir es nach einer halben Stunde endlich geschafft hatten im Laden unseres Vertrauens anzukommen gingen die Schwierigkeiten eigentlich erst los. Wie sollten wir hier auf mehreren Etagen unter hunderten von Regalen die finden die wir brauchten. Aus Angst wertvolle Gegenstände auf den Boden zu schubsen oder im Vorbeigehen zu zertrümmern, konnten wir hier nicht einmal mehr unseren Blindenstab ordnungsgemäß einsetzen. So hilflos hatten wir uns in unserem Leben noch nie gefühlt. Irgendwann hatten wir eine Tube in der Hand, die durchaus Zahnpasta hätte sein können, doch hierbei hätte es sich genauso auch um Schuhcreme, Klebstoff oder Sonnenmilch handeln können. Erst eine Gruppe zwölfjähriger Jungs, die uns interessiert nach unserem sonderbaren Auftreten befragten half uns in dem Laden zurecht zu finden. Dank ihrer Hilfe, sowie der Hilfe einer freundlichen Verkäuferin und einer netten Dame, gelang es uns schließlich unsere Einkäufe zu erledigen. Jetzt blieb nur noch die Herausforderung unsere Beute sicher wieder nach Hause zu bringen. Spruch des Tages: Auch inmitten einer Menschenmenge kann man vollkommen alleine sein.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-25 01:27:18


Tag 12 – Adrenalin im Freizeitpark

Heute wollten wir einmal austesten, was man als Blinder in einem Freizeitpark so erleben kann. Dafür haben wir einen Tagesausflug in das Freizeitland Geiselwind gemacht. Noch keine fünf Minuten hat sich Tobi schon in ein Kinderkettenkarussel verlaufen und musste von einer Parkmitarbeiterin wieder heraus geführt werden. Um unseren Magen nicht gleich überzustrapazieren so fingen wir mit einem „leichten“ Fahrgeschäft an, der Wilden Maus. Nichts ahnend wurden wir von dieser Bahn wie Pingpongbälle hin und hergeworfen und prellten uns abwechselnd den linken Oberschenkel und die rechte Schulter. Ohne vorhersehen zu können was auf uns zukommt konnten wir uns auf die die steilen Slalomkurven nicht vorbereiten und waren ihnen hilflos ausgeliefert. Zur Entspannung sollte es als nächstes in die Wildwasserbahn gehen. Leider merkten wir erst als wir bereits unwideruflich, dass uns Ninfa stattdessen in den Bomerang geführt hatte. Dies war die härteste und rasanteste Loopingbahn, die der Park zu bieten hatte. Ohne Vorwarnung wurden wir mit der Bahn 70 Meter rückwärts steil nach oben gezogen, rasten mit unvorstellbarer Geschwindigkeit wieder zurück ins Tal, überschlugen uns, drehten uns seitlich und verloren vollkommen die Orientierung. Als die Bahn schließlich anhielt, war Heiko noch immer der Überzeugung kopfüber in einem Looping zu stecken und die vollen 70 Meter nach unten zu stürzen, sobald sich die Gurtverriegelung öffnete. Danach konnten wir uns dann aber wirklich bei einem Picknick und einer anschließenden Wildwasserbahn erholen und erfrischen. Was jedoch nach der Pause kam gab uns völlig den Rest. Der Freefalltower, der nicht wie der Name vermuten lies, einfach aus großer Höhe absackte, sondern in einem ständigen auf und ab von oben nach unten raste, brachte unser Gleichgewichtssystem und unseren Magen so stark durcheinander, dass uns davon noch immer speiübel ist. Als krönenden Tagesabschluss brachen wir dann noch unsere persönlichen Rekorde im Blind-Bullriding. Ziemlich geflashed von den rasanten Fahrten und dem lauten Trubel des Freizeitparks zogen wir von dannen und machten uns einen gemütlichen Abend. Spruch des Tages: Orientierungslosigkeit geht durch den Magen.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-25 23:40:15


Tag 13 – Bitte warten

Langsam wird die Blindheit für uns zur Routine. Dadurch wird uns noch einmal mehr bewusst, dass es wirklich die alltäglichen Dinge sind, die uns Probleme bereiten. Das Frühstück beispielsweise ist eine Herausforderung die sämtliche Zugspitzen und Vergnügungsparks in den Schatten stellt. Du gehst morgens in die Küche und stolperst als allererstes einmal über einen Stuhl, der plötzlich vor dir im Gang aufgetaucht ist. Tastend und fühlend kämpfst du dich zu deinem Sitzplatz durch. Und greifst mitten in den Frischkäse, der dort steht wo du deinen Teller vermutest. Bis jetzt bist du noch vollkommen entspannt. Während du den Tisch nach den passenden Brotbelägen abtastest, landen deine Finger erst in der Marmelade, dann in der Butter und schließlich in der Avocadocreme, sodass sich ein dicker Schmierfilm aus allem an deinen Fingern bildet, der deinen Tastsinn komplett außer Gefecht setzt. Den Versuch deinen Frühstücksbelag selbst zu bestimmen hast du inzwischen aufgegeben und du nimmst das, was am dichtesten an deinem Teller steht, der Frischkäse mit dem du dich ja schon angefreundet hattest. Nachdem du den Käse mithilfe deines Messers zu einem Drittel auf deinem Brot und zu 2 Dritteln auf deinem Teller verteilt hast, beschließt du, dass Besteck nicht zu deinen Freunden zählt und verteilst ab sofort alles mit deinen Fingern. Erleichtert atmest du auf, denn jetzt sollte eigentlich nichts mehr schief laufen. Du nimmst dein Brot und stellst Fest, dass es auf dem Weg zum Mund zerbröselt ist und du nur noch den Rand in deinen Händen hältst. Was könnte es spannenderes geben, als blind nach Brotkrümmeln mit Frischkäse zu suchen. Bei dem zweiten Brot entscheidest du dich für Salami, isst allerdings Avocadocreme, weil sie einfach näher dran steht. Hier kommt eine neue Herausforderung dazu: der Salzstreuer. Der Salzstreuer besteht aus einer Kunststoffmühle dessen Ober- und Unterteil sich vollkommen identisch anfühlen und es mal einen Deckel hat und mal nicht. Dies allein reicht aus um dich in den Wahnsinn zu treiben. Du bist dir sicher, dass du das Salz gleichmäßig auf deinem Brot verteilst, merkst allerdings bereits an dem Lachen der sehenden, dass irgendwas nicht stimmen kann. Dein Brot ist zwar noch immer so ungesalzen wie zuvor, dafür hat der Boden eine gute Prise abbekommen. Als entspannender Start in den Tag kann man so ein Frühstück kaum durchgehen lassen. Was uns auch aufgefallen ist sind die ständigen Wartezeiten als Blinde immer wieder spicken. Wann immer eine Aufgabe von uns nicht selbstständig erledigt werden kann und wir die Hilfe von anderen in Anspruch nehmen müssen, fühlen wir uns wie im Wartezimmer. Ob im Kaufhaus wenn uns etwas gebracht wird oder beim Rucksack aufsatteln. Immer landen wir in einer Art Standbymodus und warten bis wir neue Anweisungen bekommen. Es ist zwar schön wenn einem jemand hilft, doch sobald wir einen Gegenstand nicht selbst an eine bestimmte Stelle legen ist er aus unserer Welt verschwunden und wir müssen warten bis jemand kommt und ihn uns zurück gibt. Langsam bekommen wir immer mehr ein Gefühl dafür, was es bedeutet tatsächlich blind zu sein und sind immer dankbarer dafür, dass es bei uns nur für kurze Zeit ist. Spruch des Tages: Abwarten und Tee trinken.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-26 22:58:06


Tag 14 - Tag der Erkenntnis

Heute haben wir unsere Überlebensfähigkeit noch einmal in der Feuerprobe getestet. Nach einem weiten Fußmarsch kamen wir an einer satten Wiese mit viel Wildkräutern vorbei. Obwohl wir von Ninfa und Johannes direkt ins Kräuterparadies geführt haben, gelang es uns nicht einen annehmbaren Wildmischsalat zusammen zu stellen. Nur durch langsames ertasten konnten wir einige Kräuter sammeln. Unsere gesamte Ausbeute bestand letztlich aus 5 Blättern Löwenzahn, 3 Struken Spitzwegerich und einer Überdosis Schafsgabe. Durch ein gezieltes stolpern von Tobias nackten Füßen, erkannte er mit seiner großen Zehe eine Spitzmaus. Überglücklich über diesen Fund mussten wir jedoch nach der Obduktion feststellen, dass uns die sengende Sonne diesen kleinen Leckerbissen bereits verdorben hatte. Nach der Errichtung unserer Notunterkunft versuchten wir mit dem Feuerstein ein Feuer zu machen. Feuer machen beherrschen wir bereits blind, weil wir es viele hundert male bereits gemacht haben. Ganz anders sah es jedoch mit dem Erhalten des Feuers aus. Ohne jede Sicht ein Feuer so aufbauen, dass es gut brennen kann, wurde zur schier unlösbaren Aufgabe. Als wir dann Abends zu viert gemütlich beieinander saßen, mussten wir uns eingestehen, dass wir ohne unsere beiden treuen sehenden Helfer hoffnungslos verloren wären. Spruch des Tages: Im Team kannst du alles, alleine nichts.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-27 23:34:43


Tag 15 - Es werde Licht!

Nachdem wir unser Nachtlager im Wald verlassen hatten, wurde unsere Stimmung nachdenklich. Schritt um Schritt wussten wir, dass unsere Blindentour nun bald ein Ende finden würde. So spürten wir Trauer und Freude zugleich. Mit jedem Kilometer spürten wir mehr, dass wir nicht mehr die gleichen wie vor der Tour waren. Irgendwie waren wir doch tiefer eingetaucht als wir uns jemals vorstellen konnten. Angekommen am Höhenberg bogen wir ins Lengenbachtal um uns die Augen bei der Quelle mit klarem kühlen Wasser auszuwaschen, wenn wir unsere Augenpflaster entfernten. Dort angekommen erwartete uns Ingrid von INTV mit ihrem Sohn. Nun war es also soweit. Tobias und ich rissen uns gegenseitig die Pflaster von den Augen. Mit verschwommenen Blick konnte ich erkennen, dass meine halbe Augenbraue noch an dem Klebestreifen des Pflasters hing. Sofort kniffen wir beide die Augen zusammen und waren von der Sonneneinstrahlung so geblendet, dass wir nur schwer die leicht matt erscheinenden Farben der Welt wahrnehmen konnten. Es war eine Überfrachtung des Sehsinns und so schlossen wir des Öfteren unsere Augen und öffneten sie wieder. Das starke Brennen in den Augen führte dazu, dass wir uns andauernd an der Quelle die Augen auswuschen und sie uns mit den Fingern rieben. Noch nie spürte wir in unserem Leben so eine Dankbarkeit im Herzen, dass wir sehen können, wie an diesem Tag. Wir hatten uns auf eine Gefühlsreise der Bewusstseinsveränderung begeben, um unsere verlorensten Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht aufzudecken. Mit dem Augenlicht hatten wir auch wieder unsere Eigenständigkeit wieder erreicht. Spruch des Tages: Man weiß erst was man hat, wenn man es einmal vermisst hat.

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Zuletzt aktualisiert am 2012-08-31 00:03:50