Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Tag 1584 bis 1587: Hümmlinger Pilgerweg

Nicht alle Wege führen nach Rom, einige bleiben au

13.01.2018 Für einen Tag waren wir nun also wieder Pilger, wenngleich auch keine Jakobspilger wie üblich, sondern Hümmlinger Pilger. Wie Christian es uns angekündigt hatte führte der Weg wirklich durch ein sehr schönes Wald- und Heide-Gebiet. Die Wege waren zum größten Teil sandig oder erdig, aber bis auf einige Passagen, die von Harvestern zerstört worden waren, gut passierbar. Es ist schon wirklich traurig, dass Initiativen wie diese, so wenig geachtet werden. Der Heimatverein stellte hier mühevoll und mit ganzem Herzblut etwas auf die Beine und erschuf aus dem Nichts heraus eine funktionierende und bemerkenswerte Pilgerkultur und dann kommen ein par Land- und Forstwirte, wühlen die Wege auf, schmeißen die Markierungssteine um und machen ganze Abschnitte unpassierbar ohne auch nur ein schlechtes Gewissen zu haben. Aber wie gesagt, die Zerstörung bezog sich auf wenige Abschnitte und der Rest war gut gelegt und absolut empfehlenswert. Nach einer längeren Passage durch den Wald öffnet sich das Land plötzlich vor einem und man kommt durch ein idyllisches Heide-Tal. Kurz zuvor passiert man den Windberg, die größte Erhebung im Umkreis, die es auf stattliche 73m bringt. Zum Vergleich: Der Rest liegt hier auf etwa 40-50m. Dennoch reichte der Höhenunterschied früher aus, um von hier aus bis an die Ostfriesische Küste blicken zu können. Nach dem 30 Jährigen Krieg hatte man hier sämtliche Wälder gerodet, um dadurch raubenden und herumtreibenden Clans von Zigeunern und verarmten Ex-Soldaten die Versteckmöglichkeiten zu nehmen. Das gesamte Land zwischen hier und der Küste war daher Weideland für Schafe und so gab es nichts, das den Blick hätte stoppen können. Nach rund 12km erreichten wir das Vereinshaus des Heimatvereins von Börger, wo wir bereits erwartet wurden. Die Initiativträger des Vereins waren nicht mehr als eine Handvoll Rentner und es war fast unglaublich, was sie hier alles auf die Beine stellten. Angefangen vom Pilgerweg selbst, über Bildungsräume für Schulklassen, Museen und Parkanlagen, bis hin zu einem Flüchtlingscamp für afghanische Flüchtlinge bekamen wir von unserem Gastgeber alles gezeigt. Anschließend fuhren wir zu ihm nach hause, wo seine Frau bereits typisch heimische Buchweizen-Pfannkuchen für uns gebacken hatte. Den Nachmittag verbringen wir nun im Heimatvereinshaus, bevor es dann weiter in eine kleine Pension geht, die unser Nachtquartier werden wird.
 
Spruch des Tages: Nicht alle Wege führen nach Rom, einige bleiben auch einfach in Norddeutschland.
Höhenmeter 130m / 210m / 220m / 210m
Tagesetappe: 24km / 35km / 21km / 26km
Gesamtstrecke: 29.563,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen
Etappenziel Tag 1584: Privathaus, Ler, Norwegen
Etappenziel Tag 1585: Birgittinerinnen Kloster, Trontheim / Tiller, Norwegen
Etappenziel Tag 1586: Gemeindehaus der Kirche, Ranheim, Norwegen
Etappenziel Tag 1587: Gemeindehaus der Kirche, Stjördal, Norwegen

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:23:59


Tag 1580 bis 1583: Das Jagdschloss zu Sögel

Was ein echter Kur-Fürst ist, braucht auch ein ech

12.01.2018 Heute erreichten wir einen Ort namens Sögel, der vor allem für sein Jagdschloss und den dazugehörigen Schlosspark bekannt ist. Vor rund dreihundert Jahren als das Emsland noch nahezu unbewohnt war, kam Clemens August, Kurfürst und Erzbischof von Köln, der zeitgleich auch noch Kurfürst von Hannover, Hildesheim und einigen weiteren Fürstentümern war, immer wieder zum Jagen in diese Gegend. Damals bot sich das auch an, denn heute kann man wahrscheinlich vor allem Jagd auf Hunde oder Autos machen, wobei ersteres aufgrund der Leinenpflicht nicht besonders fair und sportlich wäre. Doch vor dreihundert Jahren gab es hier noch echte Wildnis und somit auch einen großen Wildbestand, den man bejagen konnte, ohne dabei ausversehen überfahren zu werden. Einige Jahre lang machte der Kurfürst das auf die Rustikale und eher primitive Weise und lebte während der Jagdzeit in Zelten oder improvisierten Hütten. Aber auf Dauer ist das natürlich kein Zustand für einen Fürsten, erst recht nicht, wenn er das Wort „Kur“ schon im Namen trägt. Also musste ein Unterschlupf her, der der Natur eines Hochadeligen eher entsprach. Und dies war nun einmal ein Schloss. Da man nun schon einmal dabei war, legte man gleich noch einen großzügigen und äußerst beeindruckenden französischen Park um das Schloss an, einen jener Parks, die auf den Milimeter genau durchgeplant werden und einer strengen Symmetrie folgen. Dies war möglicherweise auch gleich mit einer Jagdstrategie verbunden, denn das besondere an diesen Parkanlagen ist ja, dass es immer wieder Punkte gibt, an denen man ewig weit geradeaus schauen kann, ohne dass ein Hindernis im Weg ist. Man hatte also vom Schloss aus in mehrere Richtungen ein ideales Schussfeld, in dem sich die Tiere aber trotzdem nicht weit aus dem Unterholz heraustrauen mussten und daher sicher fühlten. Heute finden hier natürlich keine Jagten mehr statt und es kommen auch keine Kurfürsten mit Gesellschaft mehr vorbei. Das Schloss selbst, das eher ein Schlösschen als ein richtiger Palast ist, beherbergt ein Museum. Die umstehenden Pavillons werden für verschiedene andere Zwecke genutzt. Gemeinsam bilden Schloss, Wege und Pavillons übrigens ein sehr ästhetisches, sternartiges Gebilde, das man leider nur aus der Luft so richtig erkennen kann. Dies weckte in uns die Frage, warum gerade aus der Zeit vor der Erfindung von Flugzeugen und anderen Flugmaschinen so viele Gebäude stammen, die aus der Luft ihre ganze Schönheit entfalten. Heute wo wir den Luftraum erobert haben, achtet kaum jemand mehr darauf. Das ist doch komisch, oder? Besonders interessant war für uns jedoch der Teil der Schlossanlage, der früher einmal der Pferdestall gewesen war, denn dieser beherbergte heute die Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth, in der wir mit dem Geschäftsleiter verabredet waren. Bereits am Vorabend hatten wir einen Termin ausgemacht und eine Zusage für zwei gemütliche Zimmer bekommen. Außerdem wurden wir nun noch mit einem Mittagessen versorgt. Anschließend setzten wir uns mit Christian, dem Geschäftsleiter auf einen Tee zusammen. Er erzählte uns unter anderem, dass dieser Teil von Niedersachsen noch bis vor wenigen Jahren als „Armenhaus von Europa“ bezeichnet wurde, weil es hier nichts gab als ein paar vereinsamte Hütten von erfolglosen Landwirten. Heute hingegen ist das Gebiet zu einem der wirtschaftsstärksten in Deutschland geworden und steht ungefähr auf einer Höhe mit Bayern. Nur ohne Berge. Ob die Entwicklung aber wirklich so positiv war, bin ich mir nicht sicher, denn die Industrialisierung brachte natürlich auch den ganzen Lärm mit, der uns nun schon seit Tagen fast permanent begleitet. Ob uns da ein paar Bauernhöfe inmitten riesiger Wälder nicht lieber gewesen wären? Eine durchwegs positive Entwicklung ist hingegen die Entstehung eines neuen Pilgerweges, der sich vor ein paar Jahren hier etabliert hat. Er trägt den Namen Hümmlinger Pilgerweg und ist als ein Rundweg angelegt, der viele der kleinen aber historisch bedeutsamen Ortschaften miteinander verbindet und dabei stets den schönsten, ruhigsten und natürlichsten Weg sucht. Morgen werden wir ein Stück auf diesem Weg gehen, dann können wir euch mehr darüber erzählen.
 
Spruch des Tages: Was ein echter Kur-Fürst ist, braucht auch ein echtes Schloss!
Höhenmeter 330m / 190m / 320m / 210m
Tagesetappe: 34km / 18km / 34km / 22km
Gesamtstrecke: 29.563,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen
Etappenziel Tag 1580: Gästehütte im Skizentrum, Alen, Norwegen
Etappenziel Tag 1581: Aufenthaltsraum der Friedhofsarbeiter, Haltdalen, Norwegen
Etappenziel Tag 1582: Private Ferienhütte auf dem Bauernhof, Singsas, Norwegen
Etappenziel Tag 1583: Bürogebäude einer Speditionsfirma, Stören, Norwegen

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:22:48


Tag 1576 bis 1579: Wandern in Norddeutschland

Nur weil man an einem Ort aufgewachsen ist, muss d

07.-11.01.2018 Hilfe ist Ehrensache Nach unseren eher gemischten Erfahrungen in Holland haben wir uns so richtig darauf gefreut, wieder in unser Heimatland zurückzukehren. Langsam müssen wir jedoch zugeben, dass auch Deutschland weit davon entfernt ist, ein geheiligtes Land für Wanderer zu sein. Das Problem bei uns ist einfach, dass wir verglichen mit vielen anderen europäischen Ländern eine überdurchschnittlich Hohe Bevölkerungsdichte haben. Nur zum Vergleich. Pro Quadratkilometer leben in Frankreich rund 80 Menschen, in Deutschland hingegen 250. Das macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass man selbst auf den schönsten Wanderwegen nahezu immer in der Nähe einer größeren Straße oder Autobahn ist. Wirkliche Ruhe gibt es daher so gut wie nie und nach unserer langen Zeit in Frankreich ist dies nun besonders auffällig. Dennoch hat Deutschland auch viele Vorteile, denn anders als in vielen andren Ländern ist das Leben und Reisen ohne Geld hier ein regelrechtes Kinderspiel. Das liegt vor allem daran, dass es für fast alles eine Regelung gibt. In Deutschland scheint es eine Art Ehrenkodex zu geben, der besagt, dass man niemanden verhungern oder erfrieren lässt. Das mag jetzt vielleicht für viele wie eine Selbstverständlichkeit klingen, aber das ist es ganz und gar nicht. Wenn ihr nun sagt, dass dies doch ganz normal sei, dann bestätigt ihr vor allem diese These. Denn wir Deutschen haben wirklich das Gefühl, dass es unsere Menschenpflicht ist, anderen Menschen zumindest ein Grundmaß an Hilfsbereitschaft zukommen zu lassen. Das heißt nicht, dass wir deshalb freundlich sein müssen oder gerne helfen. Wir sind vielleicht sogar die einzige Nation in Europa, in der man Menschen findet, die einen gleichzeitig unterstützen und verachten können. Die Regel ist eigentlich eher, dass man jemandem hilft, weil es einem gerade Freude macht, oder weil man ihn sympathisch findet. Nahe der Heimat. Beim Blick auf die Karte ist mir aufgefallen, dass wir nun gerade noch rund 150km von meiner früheren Heimat entfernt sind. So nah an „zuhause“ war ich seit meiner Abreise vor vier Jahren nicht mehr. Ich muss zugeben, dass es sich komisch anfühlt und das nicht auf positive Weise. Alles scheint im Moment verrückt zu spielen, so als spürte das ganze Universum, dass es beim Gedanken an meine alte Heimat noch immer in mir brodelt wie bei einem Vulkanausbruch. Seit Tagen nun foppt uns das Wetter mit einem kalten und heftigen Sturm, der einen sofort wieder ins Haus zurück treibt. Heiko fragte vorhin, ob das hier früher schon immer so war und ich musste tatsächlich eine Weile überlegen. An das Gefühl, permanent Gegenwind zu haben, egal in welche Richtung ich gehe, konnte ich mich erinnern, aber nicht daran, dass einem ein permanenter Eissturm vollkommen die Lust am Draußen Sein nahm. Woran ich mich aber sehr wohl erinnerte waren die endlosen Felder und das fast vollständig Fehlen jeglicher Besonderheiten im Umfeld. Warum ich schon als kleines Kind immer in die Welt hinausziehen wollte, verstand ich nun auch wieder. Wer hier aufwuchs, dem musste einfach klar werden, dass dies noch nicht alles gewesen sein konnte. Jetzt wo ich wieder hier war spürte ich, dass mich nichts mehr mit dieser Region der Welt verband. Im Gegenteil hatte ich eher das Gefühl, hier besonders kraftlos und unkontrolliert zu sein, so dass mir das Einhalten von wichtigen Routinen noch schwerer fiel als sonst. Atomkraft in der Nachbarschaft Was mir bislang auch nicht bewusst war ist die Tatsache, dass es von meiner früheren Haustür aus gerade einmal 150km bis zum nächsten Atomkraftwerk waren. Klar gab es diese Dinger überall in Deutschland, aber ich hätte nicht gedacht, dass wir sogar im inneren Gefahrenradius wohnten. Für mich hatte dies immer so weit weg gewirkt. Lingen an der Ems, ein Ort auf unserem Weg, hat aber sogar gleich drei Kraftwerke nebeneinander. Zwei davon sind Atomkraftwerke, eines ist ein Erdgaskraftwerk. Heute ist nur noch eines der Kernkraftwerke aktiv, was aber natürlich nicht heißt, dass im zweiten nicht noch immer Brennstäbe herumliegen, die langsam abklingen müssen, bevor sie wirklich unschädlich werden. Spannend war aber vor allem, dass es auch hier, genau wie in Frankreich, rings um das Kernkraftwerk von Landschafts- und Naturschutzflächen nur so wimmelte. Auch Naherholungsgebiete gibt es und das obwohl Lingen eine unscheinbare kleine Stadt ist. Es scheint fast, als gäbe es hier ein Muster, mit dem die Aufmerksamkeit der Menschen von den Kraftwerken abgelenkt werden soll. Ab in den Norden Unser Weg führte uns zunächst durch das Münsterland, das wir uns ehrlich gesagt etwas idyllischer vorgestellt hatten. Später folgten wir der Ems dann teilweise auf der Deutschen und teilweise auf der Holländischen Seite in Richtung Norden, wo auf Ostfriesland zusteuerten um herauszufinden, was die Deutsche Nordseeküste im Vergleich zu den anderen Küstengebieten in Europa so zu bieten hatte.
 
Spruch des Tages: Nur weil man an einem Ort aufgewachsen ist, muss dies noch nicht die eigene Heimat sein.
Höhenmeter 150m / 140m / 90m / 240m
Tagesetappe: 32km / 25km / 29km / 18km
Gesamtstrecke: 29.455,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen
Etappenziel Tag 1576: Private Gästehütte, Tufsingdal, Norwegen
Etappenziel Tag 1577: Private Gästezimmer, Narbuvoll, Norwegen
Etappenziel Tag 1578: Ferienhütte auf dem Campingplatz, Os, Norwegen
Etappenziel Tag 1579: Privates Gästezimmer, Röros, Norwegen

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:19:44


Tag 1572 bis 1575: Sternensänger

Die Könige segnen euch!

03.-06.01.2018 In den letzten Tagen haben wir unsere Schlafplätze immer mal wieder mit den Sternensängern geteilt, die Nachmittags durch die Städte ziehen und den Segen der heiligen drei Könige an die Häuser verteilen. Zunächst fanden wir diese Idee vor allem niedlich. Die Kinder waren liebevoll als Könige zurecht gemacht und zogen in kleinen Gruppen umher um den Menschen einen guten Start in das neue Jahr zu wünschen und um ihre Häuser unter einen guten Stern zu stellen. Je mehr wir jedoch über die Hintergründe dieser Tradition mitbekamen, desto mehr irritierte sie uns. Denn der Haussegen der Könige war keinesfalls umsonst. Für jeden Segen wurde eine Spende gesammelt, zum einen in Form von Geld und zum anderen in Form von Süßigkeiten, denn man brauchte ja auch etwas, mit dem man die Kinder zu der ganzen Aktion motivieren konnte. Im Kirchenzentrum, das zur Operationsbasis umfunktioniert worden war saßen dann einige Eltern und Kirchenmitarbeiter, die alles Koordinierten und Kontrollierten. Die Kinder wanderten nicht einfach umher, sondern folgten genau ausgeklügelten Plänen, durch die man sichergehen konnte, dass auch wirklich die ganze Stadt abgedeckt wurde. Es gab sogar Listen, denen man entnehmen konnte, wie spendabel die einzelnen Haushalte waren und bei wem man öfter klingeln musste um Erfolg zu haben. Die Gewinne sowohl in Form des Geldes als auch in Form der Süßigkeiten wurden anschließend in der Zentrale abgegeben, genau dokumentiert, sortiert und in großen Kisten und Tüten gesammelt. Das Geld ging dann natürlich an die Kirche und die Süßigkeiten wurden zum Teil unter den Kindern aufgeteilt, zum Teil auch für andere Zwecke verwahrt. Beeindruckend waren dabei vor allem die horrenden Mengen an Schokolade, Weingummi, Bonbons und anderen Naschereien, die dabei zusammen kamen. Vierzig bis sechzig große Alditüten an einem Nachmittag waren da keine Seltenheit. Alles in allem kam es uns ein bisschen so vor, als wäre der eigentliche Sinn dieser Aktion über die Jahre hinweg ein wenig verloren gegangen und als wäre alles nun eher zu einem Geschäft verkommen, bei dem die Kirche einiges der Spenden wieder herein holte, die ihr durch die geringe Beteiligung an den Messen verloren ging. Mit der Zeit hatte man sogar die Kreidezeichen für die Türen professionalisiert und durch vorgedruckte Aufkleber ersetzt, die man schneller anbringen konnte, so dass jede Kindergruppe mehr Häuser in kürzerer Zeit abklappern konnte. Vielleicht täuschte der Eindruck ja, aber ein etwas seltsames Gefühl hinterließ die ganze Sache in uns schon.
 
Spruch des Tages: Die Könige segnen euch!
Höhenmeter 170m / 120m / 90m / 240m
Tagesetappe: 22km / 36km / 12km / 36km
Gesamtstrecke: 29.351,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen
Etappenziel Tag 1572: Vereinshaus der Anti-Alkoholiker, Idre, Schweden
Etappenziel Tag 1573: Gemeindehaus der Kommune, Flötningen, Schweden
Etappenziel Tag 1574: Veranstaltungshaus der Kirche, Drevsjø, Norwegen
Etappenziel Tag 1575: Private Ferienhütte auf dem Bauernhof 3km südlich von Sømådal, Norwegen

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:17:16


Tag 1568 bis 1571: Weltreise dank Lottogewinn?

Manchmal bringen einen auch die verrücktesten Wege

03.-05.01. Die Mühlen der Bürokratie So sehr vieles in Deutschland auch leichter geht, als in anderen Ländern, weil es hier klar geregelt ist, so sehr gerät man doch manchmal in die Fänge der Bürokratie. Heute war si ein Tag, an dem zunächst gar nichts klappen wollte, weil alles zu komplex und zu kompliziert war um eine passende Lösung zu finden. Immer fehlte irgendwo eine Genehmigung oder ein Verantwortlicher und ohne könne man leider keine genaue Auskunft geben. Der Einzige, der diese Probleme nicht sah und meinte: „Wieso hier ist doch ein Saal der Nachts nicht gebraucht wird, da wird es doch kein Problem sein, wenn ihr darin übernachtet!“ war der Hausmeister. „Ich nehme das schon auf meine Kappe, kann ja schließlich nicht sein, dass ihr keinen Platz bekommt, nur weil hier keiner seinen Job machen kann!“ Letztlich malten die Mühlen der Bürokratie dann aber doch noch schneller als erwartet und so wurden wir von unserem Platz wieder wegbeordert und in ein Bed and Brakefast gebracht. Die andere Lösung wäre schlichtweg zu einfach und zudem bereits organisiert und kostenlos gewesen. Ein bisschen schien es wie verhext zu sein, dass einfach alles Zeit kostete und sich alles immer weiter nach hinten zu verzögern schien. Wie finanziert man eine Weltreise? Shania, die zwei Bundesländer weiter südlich damit beschäftigt war, ihre Vorbereitungen zu treffen, um so bald wie möglich bei uns sein zu können, hatte das gleiche Problem. Immer wenn sie einen Punkt abgeschlossen hatte, schien es, als kämen zwei weitere hinzu. Und das obwohl eh schon jeder einzelne Punkt stets doppelt so viel Zeit in Anspruch zu nehmen schien, als man zuvor gerechnet hatte. Hinzu kam, dass auch noch jeder einzelne dieser Schritte Geld kostete, so dass die Kosten für die Vorbereitung ihrer Weltreise langsam ins unermessliche zu steigen schienen. Sie hatte bereits zwei Jobs, gab nebenbei Fußreflexzonenmassagen, lebte in einem Bully und hatte nahezu alles verkauft, was sie noch mit Wert besaß. Und trotzdem schien es noch immer so, als würde es vorne und hinten nicht reichen. Die Frage, wie man sich unter den aktuellen Wirtschaftsbedingungen überhaupt eine Weltreise finanzieren sollte, wurde immer präsenter. Und das obwohl sie ja letztlich Vorbereitungen für eine Weltreise ohne Geld traf, was das ganze nur noch abstrakter machte. Ein bisschen Zusatzgeld für Abenteuer aus Österreich? „Meint ihr, ich sollte vielleicht Lotto spielen?“ fragte sie daher beim letzten Telefonat und meinte dies sowohl zum Scherz als auch als ehrlich Idee. „Wenn es klappt, dann hätte ich auf einen Schlag ausgesorgt, könnte die letzten Termine abhaken und in ein paar Monaten bei euch sein. Hört sich doch gut an, oder? Ich kam darauf, weil ich für einen Termin gerade nach Österreich musste und in der Bahn überall diese Werbung für Online Lotto spielen auslag. Erst dachte ich, was für ein Blödsinn, aber dann habe ich noch einmal durchgerechnet, wie lange ich brauche, bis ich mit regulärem Gehalt genug aufgetrieben habe, um zu euch zu kommen und da wirkte es plötzlich doch wieder attraktiv.“ Heiko musste lachen. „Ja, meinte er, die Idee hatten wir kurz bevor wir zu unserer Reise aufgebrochen sind auch schon! Wir haben damals sogar versucht, mit Hilfe des Muskelreflexionstests das Allwissen abzufragen um so an die richtigen Zahlen zu kommen.“ „Und hat es geklappt?“ fragte Shania interessiert. „Nein, leider nicht!“ antwortete Heiko, „wir haben keine einzige Zahl getroffen. Wie es aussieht lässt sich die Intuition nicht für solche Ego-Spielchen missbrauchen. „Mh, verdammt!“ kommentierte Shania mit übertriebener Enttäuschung, „das wäre aber auch zu einfach gewesen. Naja und ich schätze, es einfach mit Glück zu versuchen hat auch nicht viel Zweck oder? Wie funktioniert Lotto? „Das kannst du dir ja kurz selber ausrechnen. Beim österreichischen Lotte geht es um „6 aus 45“ also, darum aus 45 verschiedenen Ziffern die sechs richtigen zu treffen. Die Wahrscheinlichkeit dafür das zu schaffen beträgt also 1 zu 45 mal 1 zu 44 mal 1 zu 43 mal 1 zu 42 mal 1 zu 41 mal 4 zu 40, weil ja jede Zahl die gezogen wurde, nicht mehr in den Topf zurückgeworfen wird. Das macht insgesamt eine Chance von 1: 8.145.060. Ich würde Mal vorsichtig sagen, ohne mich hier weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, das ist nicht so hoch. Es entspricht tatsächlich ungefähr der Einwohnerzahl Österreichs. Das heißt, wenn alle Österreicher regelmäßig Lotto spielen und jeder eine andere Kombination wählen würde, dann würde jedes Mal ein Mensch gewinnen. Da aber natürlich aufgrund des Zufallsprinzips viele Kombinationen doppelt gewählt werden, wäre faktisch nicht einmal dies der Fall.“ „Na klasse!“ gab Shania ironisch zurück, „Dann habe ich als Ausländerin wahrscheinlich gar keine Chance.“ „Was sich hingegen wirklich lohnen würde!“ setzte Heiko das Gedankenspiel fort, wäre es eine Lotterie zu veranstalten. Wenn du bedenkst, dass die horrenden Gewinne, die beim Lotto so schön aus dem Jackpot heraus winken, gerade einmal 40% der Einnahmen ausmachen, die bei jeder Ziehung über die Lottoscheine herein kommen, dann kannst du dir vorstellen, was die Lotto-Agentur damit für einen Reibach macht. Klar, ein weiterer Anteil wird noch für die Teilgewinner abgezogen, denn man bekommt ja schließlich auch etwas, wenn man nur fünf, vier oder drei Zahlen richtig hat. Außerdem gibt hier es natürlich auch wieder eine Menge Parteien, die einen Stück vom Kuchen abhaben wollen. Die Verkaufsstellen, die Online-Casinos, alle Werbetreibenden und so weiter. Aber bei den Summen sind das natürlich Peanuts. Das beste ist dabei natürlich, wenn niemand den Jackpot knackt. Denn dann wird der alte Gewinn auf den neuen addiert. Je höher der Jackpot dabei wird, desto mehr werden Spieler angelockt, die normalerweise nicht spielen, wodurch natürlich sowohl der Jackpot als auch die Gewinnspanne für die Lotterie noch einmal deutlich steigen. „Also sollte ich mal recherchieren, wie man eine Lotterie gründet!“ scherzte Shania. Lustigerweise erzählte sic uns später, dass sie wirklich einmal nachgeschaut hat, was eine solche Gründung bedeuten würde. Wie sich herausstellte, war aber auch dies nicht ganz ohne und vor allem mit einer Menge Vorabkosten verbunden, so dass sie auch diese Idee letztlich wieder verwarf. Nur für den fall, dass von euch noch jemand eine gute Idee zu dem Thema hat, könnt ihr gerne ein Kommentar schreiben. Wir sind hier für Vorschläge offen. Auf dem Weg nach Nordfriesland Nachdem sich Deutschland nun als nahezu genauso komplex entpuppt hat wie Holland und nachdem auch hier der Verkehr so allgegenwärtig war, dass man ihm nicht ausweichen konnte, beschlossen wir, unseren Weg vorerst doch noch einmal in Holland fortzusetzen. Dort gab es immerhin einige schöne Radfernwege auf denen man mit unseren Wagen wunderbar laufen konnte. Auf ihnen steuern wir nun die Nordfriesische Küste an, um dann am Meer entlang wieder nach Deutschland und schließlich nach Dänemark weiter zu ziehen.
 
Spruch des Tages: Manchmal bringen einen auch die verrücktesten Wege ans `Ziel.
Höhenmeter 260m / 120m / 230m / 140m
Tagesetappe: 38km / 14km / 36km / 12km
Gesamtstrecke: 29.245,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen
Etappenziel Tag 1568: Kirche, Lövnäs, Schweden
Etappenziel Tag 1569: Private, autarke Hüte im Wald, Nornäs, Schweden
Etappenziel Tag 1570: Pfarrhaus, Särna, Schweden
Etappenziel Tag 1571: Ferienhütte im Ferienpark „Knappgården, Särnaheden, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:14:36


Tag 1560 bis 1563: Auf ins letzte Jahr!

Auf ins letzte Jahr des ersten Abschnitts

28.12.2017-01.01.2018 Der Jahresausklang verlief relativ ruhig und entspannt. Bis Skandinavien bereisbar wurde hatten wir noch mehr als genug Zeit und so konnten wir es uns leisten kurze Etappen zu machen, früh anzukommen und die Tage zu nutzen um zu entspannen, u schlemmen und um liegengebliebene Arbeiten nachzuholen. Auch das Wetter spielte zunächst gut mit und brachte uns einige Sonnentage an dem das Wandern und vor allem das Picknicken gleich doppelt Spaß machten. Nach unserer Regenzeit in Großbritannien und Irland wirkte dies nun fast wie eine Art wiedergutmacbung des Wettergottes. Zwei Tage vor Sylvester hatten wir eine etwas skurrile Begegnung mit einem Holländer, der uns ansprach als wir gerade auf einem Dorfplatz in der Sonne saßen und Pommes futterten. Er war gerade aauf dem Weg zum Arzt, weil er sich einen Nagel durch die Hand gebort hatte. Warum und wie es dazu gekommen war, wollte er nicht erzählen, doch dafür miemte er eine Weile den Alleinunterhalter, bis wir aufgegessen hatten. Auffällig war dabei vor allem, wie er selbst sein eigenes Volk wahrnahm. „Die meisten Deutschen sagen immer, wir Holländer so offen und tollerant, aber ich glaube, das ist ein Irrtum! Ich denke viel eher, dass wir es uns angewöhnt haben, für die meisten Dinge keinerlei Interesse zu zeigen. Wir sind nicht tollerant gegenüber andersdenkenden, anderen Religionen, Kulturen und Lebensweisen. Sie sind iúns nur vollkommen egal. Sie interessieren uns nicht die Bohne und deswegen stören wir uns auch nicht weiter daran. Das wirkt natürlich sehr tollerant, aber es ist in meinen Augen etwas ganz anderes und sollte nicht verwechselt werden. Denn es führt leider wohl auch zu dem Phänomen, dass die Hilfsbereitschaft fast permanent weiter absinkt und dass Civikcourage eine Art Fremdwort geworden isr. Na Gut, ok, im Grunde war „Civilcourage“ schon immer ein Fremdwort, aber ihr wisst ja, was ich meine. Auf jeden Fall schien der Mann mit seiner Einschätzung nicht ganz unrecht zu haben, wenngleich sie natprlich sehr allgemein gehalten war. Aber vorn der Grundtendenz deckte es sich durchaus mit den Erfahrungen die wir gemacht haben und noch machen sollten. Silvester selbst verbrachten wir in einem kleinen Ort im Münsterland, unweit der Holländischen Grenze. Wir hatten ie üblich das Gemeindehaus der Kirche zur Verfügung gestelt bekommen, das für unsere Zwecke kaum hätte besser geeignet sein können. Es verfügte nämlich über ein großes, auf das Ortszentrum ausgerichtetes Panoramafenster, von dem aus wir um Mitternacht einen großartigen Blick auf das Feuerwerk hatten, ohne selbst ein Teil davon sein zu müssen. Die Lautstärke war angenehm gedämpft, der inzwischen aufgekommene Regen blieb ebenso draußen, wie der eiskalte, ekelhafte wind und wir konnten gefahrlos unsere Nachbarn beobchten. Letzterehatten ein geradezu außergewöhnliches Talent dafür, Raketen genau im letzten Moment noch umzuwerfen und mitten in die Zuschauerreihen zu schießen, Böller, beim Versuch, sie auf die Straße zu werfen einfach fallen zu lassen oder die Länge von Zündschnüren gennerell zu unterschätzen. Alle drei oder vier Minuten spang jemand panisch kreischend zur Seite oder flüchtete in den Hauseingang zurück, Ernsthaft verletzt wurde aber niemand und mit unserer Sicherheitsscheibe zwischen uns un den Feuerwerkschaoten war die Sache durchaus amüsant. Später, als sich der Zwölf-Uhr-Trubel wieder etwas gelegt hatte, ließen wir den Abend noch mit einem Darttournier ausklingen.
 
Spruch des Tages: Auf ins letzte Jahr des ersten Abschnitts
Höhenmeter 280m / 160m / 130m / 290m
Tagesetappe: 39km / 22km / 16km / 28km
Gesamtstrecke: 29.161,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen
Etappenziel Tag 1560: Private Holzhütte, Gräv (Gangnef), Schweden
Etappenziel Tag 1561: Privates Gästeapartment, Leksand, Schweden
Etappenziel Tag 1562: Kirche, Siljansnäs, Schweden
Etappenziel Tag 1563: Private Ferienhütte, Gesunda, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:10:50


Tag 1556 bis 1559: Besuch im Geldmuseum

Its all about the money

27.12.2017 Nachdem ich mich über Weihnachten wie ein Bär gefühlt hatte, der erfolglos versuchte ohne einen Winterschlaf auskommen, war ich heute Nacht zum ersten mal wieder produktiv und schaffte es, unser Erlebnisportal noch einmal ein Stück weiter in Richtung vorläufiger Fertigstellung zu bringen. Immerhin waren es nun nur noch 4 Tage bis sie offiziell online gehen sollte und es gab noch immer bergeweise Aufgaben, die zuvor erledigt werden wollten. Doch noch immer schien es, als wollte uns irgendetwas davon abhalten, voranzukommen. Dieses Mal war es Heikos Fuß, der nun schmerztechnisch seinen Höhepunkt erreicht hatte und mit dem er kaum noch einen Schritt gehen konnte. Auf der einen Seite wusste er natürlich, dass dies Teil des Heilungsprozesses war und dass es in spätestens drei oder vier Tagen wieder abgeklungen sein würde. Auf der anderen Seite half ihm dies jetzt im Moment aber gar nicht, denn es tat einfach „scheiße weh“. (Um bei der Originalen Wortwahl zu bleiben). Um die Leidphase so kurz wie möglich zu halten und weil es bereits wieder aus Eimern schüttete, versuchten wir daher bereits im übernächsten Ort einen Schlafplatz zu ergattern. Zunächst sah dies auch sehr erfolgsversprechend aus, denn ich lernte einen netten, aufgeschlossenen Mann kennen, der gleich den Kaplan anrief und ihn dazu animierte, eine Übernachtungsmöglichkeit für uns zu erarbeiten. Die Wartezeit, bis zum Eintreffen des Kirchenmannes verbrachten wir damit, uns das Haus des besagten Mannes anzuschauen. Der Grund dafür, dass er uns hier eine Führung gab war der, dass es sich dabei um ein Museum handelte, in dem er seit Beginn der ersten Zahlungsmittel alles über Geld zusammengetragen hat, was er hatte finden können. Sogar eine Münzprägmaschine mit der wir uns unsere eigenen Münzen prägen konnten. Sie war allerding mit einem eigenen Design ausgestattet worden und entsprach keiner gängigen Währung, denn das wäre in etwas ebenso praktisch wie Illegal gewesen. Obwohl wir bereits einiges über das Geldsystem wussten, war doch noch vieles Neue und Interessante dabei. Dass die Telefonkarten beispielsweise der erste Schritt in Richtung Bargeldlosigkeit waren, beispielsweise. Mit der Erfindung der Handys sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten, weil niemand sie mehr nutzt, aber ihre ursprüngliche Funktion war es, die Menschen daran u gewöhnen, dass sie statt mit Geld mit einer Plastikkarte bezahlen können. Ein System, das sich seither sehr gut durchgesetzt hat. Spannend war auch die Entwicklung von den ersten Zahlungsmitteln wie Steingeld und Muschelgeld zurückzuverfolgen. Als der Kaplan eintraf waren wir gerade beim Münzprägen, wodurch eigentlich sofort eine lockere Atmosphäre hätte entstehen müssen. Leider war der Mann in etwa so locker und flockig wie ein Knäckebrot und es wurde schnell klar, dass er hier war um guten Willen zu zeigen, nicht aber, um uns einen Schlafplatz zu besorgen. Wir mussten also wieder hinaus in den Regen und noch einmal bis in einen Ort namens Rees weiter wandern. Hier trafen wir dann jedoch eine freundliche ältere Dame von der Caritas, die uns nicht nur einen Platz im Gemeindehaus der Kirche organisiert hatte, sondern uns gleich noch mit in den Caritas-Shop nahm. Dort durften wir uns nach belieben bei der großen Auswahl an Lebensmitteln bedienen, die für die Bedürftigen der Stadt hier gelagert wurden. Tatsächlich gab es auch hier wieder so viel, dass man es unmöglich, es unter die Leute zu bringen, ehe es wirklich schlecht und gammlig wurde. Der vordere Teil des Ladens bestand außerdem aus einem Second-Hand-Kleidungsmarkt, auf dem ich mir eine neue Mütze aussuchen durfte. Passend zu unserem Geldmuseum kamen wir dabei zu den Anfängen der modernen Marktwirtschaft zurück und betrieben einen Tauschhandel. Dafür, dass ich die neue Mütze mitnehmen konnte, ließ ich die alte zurück. Sie war ja noch immer noch in gutem Zustand und passte nur leider nicht richtig auf meinen Kopf.
 
Spruch des Tages: Its all about the money!
Höhenmeter 120m / 260m / 230m / 290m
Tagesetappe: 11km / 37km / 28km / 41km
Gesamtstrecke: 29.056,27km
Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar
Etappenziel Tag 1556: Kirche, Rämmen, Schweden
Etappenziel Tag 1557: Gemeindehaus der Kirche, Säfsen, Schweden
Etappenziel Tag 1558: Privatbäckerei, Lindesnäs, Schweden
Etappenziel Tag 1559: Kirche, Björbo, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:08:26


Tag 1552 bis 1555: Weihnachten in Kevelar

Es geht doch nichts über friedliche, besinnliche W

Pünktlich zu Weihnachten erreichten wir die Stadt Kevelar, die sich als die zweitwichtigste Pilgerstadt Deutschlands entpuppte. Wir selbst hatten zwar bis dato noch nichts von ihr gehört, aber zumindest hier im Münsterland schien sie recht beliebt zu sein. Ausgehend von unseren Vorerfahrungen in den vergangenen Jahren, gingen wir davon aus, dass es wahrscheinlich kein Kinderspiel werden würde, an Weihnachten eine Übernachtung aufzutreiben, weshalb wir bereits rechtzeitig im Pilgerzentrum der Stadt anriefen und hier um Unterstützung baten. „Oh, sagte eine Dame am anderen Ende der Leitung, „das tut mir Leid, aber gerade über Weihnachten können wir Sie leider nicht aufnehmen, denn da hat unser Pilgerzentrum geschlossen!“ Ich musste fast lachen, als sie das sagte, weil es einfach zu typisch war. „Die Ironie in dem was Sie da sagen ist Ihnen schon bewusst, oder?“ fragte ich sie. „Wie bitte?“ „Naja, dass Sie ausgerechnet an den Tagen keinen Platz für Menschen haben, die irgendwie auf den Spuren von Jesus unterwegs sind, an denen wir die tragische Geschichte seiner Eltern nachspielen und uns öffentlich die Frage stellen, warum niemand die heilige Familie hatte aufnehmen wollen. Also auf einen Punkt gebracht: Beim Fest der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit kann man genau dies hier nicht finden.“ „Stimmt!“ sagte sie überrascht. „Das ist mir noch gar nicht so aufgefallen. Ja, das hat wirklich eine gewisse Ironie! Leider kann ich aber trotzdem nichts für euch tun, denn ich bin hier nur die Telefonbeantworterin und darf über nichts bestimmen. Aber ich kann dir die Telefonnummer von der zweiten Kirche geben, von der, die keine Verbindung zum Pilgerzentrum hat.“ Keine zwei Minuten später hatten wir dort einen Platz. Heilig Abend hielten wir wieder in unserer Weihnachtstradition ab, die sich in den letzten Jahren ja bereits bewehrt hatte. Wir besorgten Gemüse, Fleisch, Salat und Brühe und nutzten den Nachmittag um einordentliches Weihnachts-Fondue zu zaubern. Zuvor schauten wir uns aber natürlich noch Kevelar und vor allem auch die Pilgerkirchen an. Es war ein Komplex mit einer Kathedrale und einigen Kapellen, der durchaus einen Besuch wert war. Von unserem Zimmer aus konnten wir zwar nicht auf die Kathedrale dafür aber auf die Kirche unserer Gastgebergemeinde schauen und was allein hier los war, beeindruckte uns zu tiefst. Ab etwa 10:00 Uhr morgens fanden hier durchgängig mit je etwa einer halben Stunde Pause dazwischen Weihnachtsgottesdienste statt. Unter anderem gab es dabei Messen auf Deutsch, Russisch, Polnisch, Englisch und Spanisch. Nach jeder Messe wurde der Altarbereich umgebaut wie die Bühne bei einem Festival. Jede Gemeinde hatte ihren eigenen Weihnachtsschmuck, ihre eigenen Kerzen und ihre eigenen Tischdecken für den Altar. Nur die Messdiener blieben durchgängig die gleichen und kamen immer wieder in ihren Pausen zu uns ins Gemeindezentrum herüber. Kurz nach halb eins in der Nacht, als auch die letzte Messe vorbei war, kamen sie dann ganz, bezogen den Aufenthalts- und Partykeller und ließen es für Messdiener und -dienerinnen mal so richtig krachen. Unser Schlafbereich befand sich zum Glück zwei Stockwerke höher, weshalb wir trotz allem ganz gut schlafen konnten. Dennoch bekamen wir mit, dass die Weihnachtliche Partystimmung der jungen Christen bis etwa um 4:00 Uhr anhielt, bis auch der letzte zu seiner Familie zurückgekehrt war. Die Feiertage verliefen dann relativ ruhig und ereignislos. Wir wanderten kurze entspannte Etappen, kamen früh an und hatten stets einfache aber nette Plätze. Einen Teil der Zeit nutzten wir dann bereits wieder zum Arbeiten, aber auch das gingen wir erst einmal ganz gemütlich an und lockerten die Schaffensphasen immer wieder mit Gesellschaftsspielen auf, die wir in unseren Räumen fanden.
 
Spruch des Tages: Es geht doch nichts über friedliche, besinnliche Weihnachten.
Höhenmeter 180m / 250m / 170m / 190m
Tagesetappe: 25km / 18km / 19km / 23km
Gesamtstrecke: 29.056,27km
Wetter: Heiter bis Wolkig, Temperaturen um Null Grad, Land ist weitgehend mit Schnee bedeckt.
Etappenziel Tag 1552: Gemeindehaus der Kirche, Nykoppa, Schweden
Etappenziel Tag 1553: Gemeindehaus der Kirche, Filipstad, Schweden
Etappenziel Tag 1554: Kirche, Nordmark, Schweden
Etappenziel Tag 1555: Kirche, Lejefors, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:05:36


Tag 1544 bis 1547: Außergewöhnlich Übernachten – Schlafen in der Gummizelle

Man muss gar nicht verrückt sein, um in einer Gumm

18.12.2017 Wir haben im Laufe unserer Reise ja schon an den abstraktesten Orten geschlafen, angefangen bei Friedhofskapellen über Museen, Schaufenster, Schwimmbäder und Burgtürme bis hin zu Höhlen, Gartenhütten, Bars, Altenheimen, Klöstern und Backstuben. Aber heute kamen wir in den Genuss einer ganz außergewöhnlichen Schlaferfahrung. Doch beginnen wir am Anfang. Holland entpuppte sich als ein nicht allzu wanderfreundliches Land, einfach aus dem Grund, dass es nirgendwo einen Rückzugsort gab. Für so ein kleines Land leben hier einfach unglaublich viele Leute und das führt natürlich auch zu unheimlich viel Verkehr und Trubel. Langsam begannen wir zu verstehen, warum mehr als die Hälfte aller Holländer im Ausland lebten. Wir selbst hätten es nicht anders gemacht, wenn wir hier aufgewachsen wären. Auch von der Gastfreundschaft waren wir nicht so überzeugt, wie wir es uns vorgestellt hatten. Später beschrieb uns ein Holländer selbst die Situation der Menschen in diesem Land recht anschaulich. „Die Welt hält uns im Allgemeinen für ein sehr offenes und tolerantes Volk“, meinte er, „aber wenn ihr mich fragt, dann ist das eine Fehleinschätzung, die zwar verständlich und naheliegend ist, aber durchaus recht fatal sein kann. Dass was die Menschen im Allgemeinen für tolerant halten ist in meinen Augen vor allem Gleichgültigkeit. Andere Menschen sind uns einfach egal und deswegen haben wir auch kein Problem mit ihrer Religion oder ihrer politischen Einstellung. Aber wir haben auch kein Problem, sie zu ignorieren, wenn sie beispielsweise unsere Hilfe brauchen) Tatsächlich konnten wir diese Selbsteinschätzung immer mehr bestätigen. Auch heute war ein Tag, an dem wir trotz ekelhaftem Wetter immer weiter und noch weiter wandern mussten. Schließlich gaben wir den Versuch hierzulande eine Unterkunft zu finden ganz auf und machten einen kleinen Schlenker nach Westen, um noch einmal über die Grenze nach Belgien zu wandern und dort unser Glück zu versuchen. Ein Kloster mit einigen Franziskanerbrüdern lehnte uns auch hier zunächst ab, mit der Begründung dass sie zu alt waren um noch Gäste zu empfangen. Dafür entdeckten wir jedoch ein Institut für mentale Heilung, das ein Schild mit einem Wanderer und der Aufschrift „Pilgerherberge“ an der Eingangstür trug. Wie sich herausstellte, war das Schild veraltet und die Pilgerzimmer gab es bereits seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr. Dennoch erklärten sie sich bereit, uns für die Nacht aufzunehmen, wenn wir nicht wählerisch bei den Zimmern waren. Und dies brachte uns nun die Schlaferfahrung mit der Gummizelle ein. Ein etwas merkwürdiges Gefühl war es schon, in einem Raum zu liegen, in dem es wahrscheinlich von tragischen Geschichten wimmelte und von dem man wusste, dass man nicht mehr hinaus konnte, wenn die Tür wirklich einmal zufallen sollte. Denn von innen gab es natürlich keinen Türgriff. Erst später fanden wir heraus, dass heute sogar die Möglichkeit gab, sich eine Gummizelle zu mieten und offiziell darin Urlaub zu machen, um genau dieses Gefühl nachempfinden zu können.
 
Spruch des Tages: Man muss gar nicht verrückt sein, um in einer Gummizelle schlafen zu können.
Höhenmeter 50m / 60m / 170m / 140m
Tagesetappe: 17km / 22km / 30km / 22km
Gesamtstrecke: 28.883,27km
Wetter: Heiter bis Wolkig, Temperaturen knapp über Null Grad, Schnee am Wegesrand
Etappenziel Tag 1544: Gemeindehaus der Kirche, Björsäter, Schweden
Etappenziel Tag 1545: Gemeindehaus der Kirche, Hasslerör, Schweden
Etappenziel Tag 1546: Gemeindehaus der Kirche, Älgaras, Schweden
Etappenziel Tag 1547: Gemeindehaus der Kirche, Finnerödja, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-04 00:02:37


Tag 1540 bis 1543: Wanderwege von Aachen nach Maastricht

Alles was man aussendet kehrt stets zu einem zurüc

15.12.2017 Von Aachen aus führte uns unsere Reise direkt weiter in Richtung holländische Grenze. Dabei kamen wir zunächst an der Aachener Uni vorbei die ein gesamtes Stadtviertel umfasst. Es war etwas seltsam, die Studenten auf ihrem Weg in die Vorlesungen zu beobachten und es weckte sehr gemischte Gefühle in uns. Auf der einen Seite spürte man hier in den Menschen noch immer einen Funken, der sonst bei den meisten bereits verloren gegangen zu sein schien. Auf der anderen Seite spürte man aber auch, sie sehr auch hier die Gleichschaltung funktionierte. Alle strömten wie ein dressierter Bienenschwarm auf die Unigebäude zu und jeder einzelne schien dabei nichts weiter als ein funktionierendes Zahnrad in einer großen Maschine zu sein. Freudige Gesichter sahen wir so gut wie keine, von de etwas wie Begeisterung oder Enthusiasmus ganz zu schweigen. Man ging nicht in die Uni, weil es das war, was man liebte. Man machte es einfach, weil es dazu gehörte. Es gab keinerlei Individualität, jedenfalls keine echte. Am meisten beeindruckte uns jedoch die Medizinische Hochschule die mit all ihren Kesseln und Schläuchen auf dem Dach aussah, als käme sie direkt aus einem Science-Fiction-Horror-Film der 60ger Jahre. Frankenstein hätte dieses Zentrum als sein Labor geliebt. Das einzige, was man sich nicht vorstellen konnte war, das hier irgendjemand geheilt oder zu einem heiler ausgebildet wurde. Zu einem Analytiker, der den Menschen als eine Ansammlung von austauschbaren Einzelteilen oder als das Ergebnis von mehr oder minder gut funktionierenden chemischen Prozessen sieht, da ja, aber ein Heiler, der seelisch, spirituell und körperlich versteht was mit einem Menschen los ist, der sich in ihn hineinfühlen und ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann, das war nur schwer vorstellbar. Hinter der Stadt begann eine ausgedehnte Hügellandschaft, durch die sich unser Weg recht idyllisch hindurch schlängelte. Kaum merklich passierten wir dabei die holländische Grenze und kamen in die ersten kleinen Vororte unseres kleinen Nachbarlandes. Viel weiter kamen wir an diesem Tag nicht, denn durch Zufall entdeckten wir ein Kloster in dem wir unterkommen konnten. Unsere ersten Reiseerfahrungen mit den Niederlanden waren also schon mal recht gut. Besonders ideal war, dass die Klosterbrüder gleich auch schon einen Kontakt zu einem Pfarrer in Maastricht herstellen konnten, so dass auch unsere nächste Nacht gesichert war. Das war auch wichtig, denn Maastricht war eine vollkommen unübersichtliche und gnadenlos überlaufene Stadt in der wir uns ohne das feste Arrangement nur schwer zurecht gefunden hätten. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit schien hier jeder verrückt zu spielen, denn der halbe Ruhrpott hatte sich anscheinend gleichzeitig auf den Weg über die Grenze gemacht, um hier seine Weihnachtsgeschenke zu finden. Das große Städte ungemütlich waren, weil hier zu viel Verkehr herrschte, waren wir ja schon gewohnt, aber dass wir von Fußgängermassen regelrecht überrollt wurden, war neu. Unser Übernachtungsplatz war eine Art Villa Kunterbunt kurz vor dem Zentrum der Stadt. Zu unserem Glück war die Hauptstraße, die direkt an unserem Fenster vorbeiführte gerade aufgrund von Bauarbeiten stillgelegt worden, denn so etwas wie eine Schallisolierung bot das Haus leider gar nicht. Leider war uns unser Glück in Sachen Schlafplatzvorausplanung von nun an nicht mehr so hold. Holland entpuppte sich als weitaus schwieriger, als ursprünglich gedacht, denn der Pfarrer wollte seine Kollegen nicht anrufen und auch sonst ließ sich nichts organisieren. Als wir unser Ziel nach drei Stunden Wanderung am Kanal entlang erreichten, verstanden wir auch warum. Der hier zuständige Pfarrer war der mit abstand unfreundlichste und unverschämteste Kerl, dem wir in diesem Zusammenhang je begegnet waren. Dass uns jemand nicht helfen wollte kam ja durchaus öfter vor. Aber dieser Mann setzte sich aktiv dafür ein, dass wir keinen Schlafplatz bekamen indem er uns jeden Kontakt zu seinen Gemeindemitgliedern untersagte, die gerade zum Kaffeetrinken in der Kirche versammelt waren. Schließlich warf er uns sogar hinaus und erteilte uns Hausverbot in der Kirche, weil wir wissen wollten, wie er zu dieser Haltung kam. Besonders gut tat ihm diese Einstellung allerdings nicht, denn wie sich herausstellte stand er damit in seiner Gemeinde eher alleine da. Kurz nachdem ich zu Heiko zurück gekehrt war, bekamen wir eine Einladung in das örtliche Hotel „Kastel Elsloo“, das direkt unten am Kanal gelegen war. Die Zimmer dort waren erst ab 15:00Uhr frei und so machten wir noch einen kleinen Abstecher durch die Stadt, wo wir zunächst im Café Coocoo ein Mittagessen bekamen und kurz darauf vom Café Oos Heim sowie vom Asia-Restaurant eine Zusage für ein Abendessen. Wohin wir dabei auch kamen, überall fragte man uns nach unserer Geschichte und jedes Mal war man entsetzt über diese unverschämte Art des Pfarrers. Mit Sonderrabatten war es für ihn nun wohl erst einmal vorbei und vor der nächsten Messe würde er sich eine ordentliche Standpauke anhören dürfen.
 
Spruch des Tages: Alles was man aussendet kehrt stets zu einem zurück.
Höhenmeter 50m / 80m / 70m / 160m
Tagesetappe: 17km / 23km / 19km / 25km
Gesamtstrecke: 28.792,27km
Wetter: Heiter bis Wolkig, Temperaturen knapp über Null Grad, Schnee am Wegesrand
Etappenziel Tag 1540: Gemeindehaus der Kirche, Kvänum, Schweden
Etappenziel Tag 1541: Gemeindehaus der Kirche, Skara, Schweden
Etappenziel Tag 1542: Gemeindehaus der Kirche, Källby, Schweden
Etappenziel Tag 1543: Gemeindehaus der Kirche, Forshem, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:59:35


Tag 1536 bis 1539: Städtetrip nach Aachen

Ein Kurzurlaub in Aaren auf den Spuren der Könige

12.-14.12.2017 Bis wir Aachen ereichten verliefen die Tage relativ ereignislos. Es war eben eine typische Winterzeit im Norden von Deutschland, also Nieselregen, Ungemütlichkeit und Einheitsgrau in nahezu jeder Lebenslage. Auch Aachen begrüßte uns auf diese Weise. Ich kannte die Stadt bereits aus meiner Unizeit, da wir damals mehrere Museen und Kulturveranstaltungen besucht hatten. Tatsächlich musste ich jedoch feststellen, dass ich mich an nichts erinnern konnte und dass ich nicht das Geringste über die Stadt wusste. Abgesehen von der Innenstadt rund um den Dom ist Aachen auch nicht unbedingt eine schöne Stadt. Vor allem aber ist sie bedeutend größer als ich es vermutet hätte und hat daher natürlich auch alle Großstadteigenschaften, die wir ja bekanntlich so schätzen. Trotzdem lohnte sich der Besuch, denn der Dom, die Innenstadt und vor allem auch die Domschatzkammer sind definitiv einen Blick wert. Als wir das Zentrum erreichten, flüchteten wir uns zunächst erstmal in das Domzentrum, wo es nicht nur warm und trocken war, sondern auch wertvolle Informationen über die Stadt und mögliche Schlafplätze gab. Die Mitarbeiter waren sehr bemüht, konnten aber zunächst niemanden erreichen, weshalb wir uns kurz darauf selbst aufmachten um die von ihnen herausgesuchten Adressen abzuklappern. Gleich der zweite Versuch war erfolgreich. Es war ein Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, das immer noch einen kleinen Bereich hatte, der den Brüdern selbst als Kloster zur Verfügung stand. In der Nacht zuvor hatten wir bereits ebenfalls in einem Kloster übernachtet. Auch dieses Kloster war nur noch spärlich besetzt gewesen, doch es war geradezu groß gegen das der Barmherzigen Brüder. Zurzeit lebten hier drei Mönche, von denen einer aber nur ein Gast aus Kornellimünster, also aus unserem Kloster von gestern war. Einer von ihnen, Bruder Damian lud uns zum Mittagessen in die Kantine ein, in der die Brüder auch eine Speisung für Obdachlose und sozial schwache Mitbürger anboten. Er erzählte uns, dass die Barmherzigen Brüder eigentlich ein sehr reicher Orden sind, der direkt dem Vatikan untersteht und daher unabhängig von den Entscheidungen des örtlichen Bischofs ist. Bis heute gehören ihm unzählige Gebäude auch hier in Aachen, doch da kaum noch Brüder existieren, werden sie nach und nach verkauft. Nach dem Essen machten wir uns an die Erkundung der Stadt. Zunächst besuchten wir den Dom, sowie einige weitere Kirchen im Zentrum, darunter auch eine äußerst beeindruckende orthodoxe. Eine kleine Gruppe aus Griechenland war hier gerade anwedend. Sie machte eine Art spirituellen Kurzurlaub in Aachen und hielten in der Kirche daher eine kleine Zeremonie ab. Als sie uns sahen, hießen sie uns sofort willkommen und auch wenn wir kaum ein Wort miteinander sprechen konnten, spürte man doch eine herzliche und einzigartige Verbindung, die wir bis dato in dieser nasskalten, grauen Region noch nicht erlebt hatten. Dank unserer Kontakte an der Touristeninformation durften wir im Anschluss auch den Domschatz kostenlos besichtigen. „Die attraktive junge Dame am Schalter ist meine Frau!“ sagte der Mann, am Informationsstand, „sagt ihr einfach ihr kommt von mir, dann ist das klein Problem!“ Aachen selbst hatte das Glück, dass man hier bereits vor mehr als 2000 Jahren runs 65 heiße Quellen fand, die die Stadt vor allem beim Adel und bei den Einflussreichsten Gesellschaftsschichten sehr beliebt machte. Daher kamen immer wieder Könige in die Stadt, die jedes Mal auch einen Teil ihrer Schätze hier ließen. Der Klosterschatz, der heute im Dommuseum besichtigt werden kann geht zurück bis zu Karl dem Großen und ist tatsächlich einen Besuch wert. Heute ist der alte Prunk der Stadt aber zu vielen Teilen dem natürlichen Alltagsgrau gewichen. So ist Aachen nun vor allem laut, wuselig und voll vom üblichen Stress einer Gesellschaft, die permanent hinter allem hinterher rast. Lediglich die Zigeuner und die Obdachlosen, die überall an den Straßenrändern sitzen und auf eine kleine Spende hoffen scheinen noch einigermaßen entspannt zu sein und finden teilweise sogar die Zeit, einen anzulächeln. Wir beschlossen, dass es durchaus wert war, diese immense Frustrationstoleranz zu würdigen und verschenkten die Maronen, die wir zuvor geschenkt bekommen hatten an einen Bettler. Pünktlich zum Abendessen kehrten wir wieder von unserem Kurztrip in unser Krankenhauskloster zurück. Einen Besuch im berühmten Kuhrbezirk mit ausgedehntem Saunagang, der unseren Städtetrip durch Aachen in einen echten Wellnessurlaub verwandelt hätte, brachten wir leider nicht mehr unter.
 
Spruch des Tages: Ein Kurzurlaub in Aaren auf den Spuren der Könige
Höhenmeter 150m / 180m / 120m / 90m
Tagesetappe: 13km / 18km / 17km / 10km
Gesamtstrecke: 28.708,27km
Wetter: Heiter bis Wolkig, Temperaturen knapp über Null Grad, Schnee am Wegesrand
Etappenziel Tag 1536: Gemeindehaus der Kirche, Borgstena, Schweden
Etappenziel Tag 1537: Gemeindehaus der Kirche, Annelund, Schweden
Etappenziel Tag 1538: Kapelle, Faglavik, Schweden
Etappenziel Tag 1539: Gemeindehaus der Kirche, Larv, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:56:44


Tag 1528 bis 1531: Wandern in Belgien

Wer räumt wenn es schneit macht nur alles doppelt

08.-10.12.2017 Auch unser Aufenthalt in Belgien wurde nicht der längste aller Zeiten, doch dieses Mal lag es nicht daran, dass wir uns hier im Land nicht wohl gefühlt hätten, sondern rein am Verlauf der Strecke. Anders als vermutet war dieser Teil der Benelux-Staaten, den wir durchwanderten nicht etwa flach wie eine Flunder sondern aufgrund der letzten Eifel-Ausläufer durchaus noch sehr hügelig. Dies war einer von zwei Gründen, warum wir uns ganz bewusst an die Venn-Bahn also den Fernradweg hielten, der auf der alten Güterzugstrecke durch die Lande führte. Einst waren hier Rohstoffe bis ins Ruhrgebiet transportiert worden, doch nachdem der Rohstoffabbau und die Schwerindustrie weitgehend eingestellt worden waren, gab es auch keinen Bedarf für die Güterzugstrecke mehr. Seither war sie zu einem schönen, relativ flachen und absolut nutzenswerten Fahrradweg umgemünzt worden, der einen durch ein recht einsames Stück des belgischen Hinterlandes führt. Der zweite Grund, neben dem Vermeiden unnötiger Steigungen, für das Festhalten an der Vennbahn war der, dass es nun richtig zu schneien begonnen hatte. Alles, aber auch wirklich alles war mit einer dicken Schicht Schnee bedeckt und offenbar hielten es die Belgier nicht für nötig, ihn wieder von den Straßen zu entfernen. Auch unsere Hoffnung, sie könnten vielleicht den Fahrradweg geräumt haben, ging leider nicht auf. Aber er war immerhin eben und man lief hier nicht in Gefahr, aus Versehen die Stoßstange eines unvorsichtigen Autofahrers zu knutschen. Abgesehen davon, dass der Schnee das Wandern etwa drei Mal so anstrengend machte, wie es ohne Schnee gewesen wäre, verzauberte er die Welt aber auch in ein traumhaftes Winterwunderland, das man sich gerne anschaute. Hätten wir uns in diesem Moment jemand gesagt, dass wir die weiße Pracht dieses Mal noch mitten im Mai erleben würden, hätten wir ihn einen Spinner genannt. Doch offenbar sollte es anders kommen. Was die Gastfreundschaft der Belgier anbelangt waren wir nach unseren eher ernüchternden Erfahrungen in Luxemburg mehr als nur positiv überrascht. Nicht nur, dass uns die Nonnen gleich zu beginn so freundlich und herzlich aufgenommen hatten, sie kümmerten sich auch gleich darum, dass wir wieder einen neuen Schlafplatz bekamen. Wieder handelte es sich um ein Kloster, das zu großen Teilen zu einem Seminarhaus umgebaut worden war. Von dort aus wurden wir erneut zu einem weiteren Kloster geleitet und von dort wiederum zu einem dritten. In Anbetracht dessen, dass es inzwischen so kalt war, dass man kaum eine Minute im Freien still stehen konnte ohne blaue Lippen zu bekommen, rettete uns diese Weiterleitungs-System von Kloster zu Kloster vielleicht sogar das Leben. Lediglich am letzten Tag sah es etwas anders aus. Wir hatten uns vorgenommen, dem Radweg nun weiter bis zur Deutschen Grenze zu folgen und dort wieder bei einem Pfarrer zu fragen, doch der Schneesturm war heute so stark, dass wir nach nicht einmal der halben Strecke kapitulieren mussten. Wir verließen die Vennbahn und drehten eine Runde durch eine kleine Ortschaft, in der Hoffnung, hier eine Notunterkunft zu finden. Tatsächlich stießen wir recht bald auf ein Gemeindehaus, das uns geeignet erschien. Bei der Suche nach einem Verantwortlichen mit Schlüssel gelangten wir in eine Kirchliche Bibliothek. Als wir durch die Tür traten, sahen wir aus die zwei Schneemänner und es dauerte gut zwanzig Minuten, bis die Schneeschicht von uns abgetaut war und man unsere Menschliche Form darunter erkennen konnte. In dieser Zeit gelang es uns jedoch mit Hilfe der leicht amüsierten Bibliothekarin, einen Schlüssel für das Gemeindehaus auszutreiben. Wenig später lernten wir dann eine junge belgische Frau und ihren Freund kennen, die aus diesem Ort stammten jedoch gerade in Aachen studierten. Was uns vor dieser Belgienreise nicht bewusst war ist, dass man in diesem Teil von Belgien einfach ganz normal Deutsch spricht und zwar als offizielle erste Landessprache. Anders als die Schweiz wird Belgien offiziell bei deutschsprachigen Ländern jedoch nie genannt, aus welchem Grund auch immer. Den Nachmittag verbrachten wir gemeinsam mit einer Kindergruppe im Gemeindehaus. Etwa die Hälfte der Kinder zauberte dabei gemeinsam mit den Betreuerinnen einen Kuchen, während die andere Hälfte Schneemänner und Rodelbahnen baute. Zum Schlafen wechselten wir dann aber trotzdem noch einmal in das Haus der Familie der junge Frau, denn ihre Mutter, die für das Gemeindehaus verantwortlich war, war sich unsicher, ob sie die Autorität hatte, uns darin schlafen zu lassen. Die gute alte Problematik mit den versicherungsrechtlichen Gründen mal wieder. Der Umzug erfreute uns nicht gerade bis über beide Ohren, gab uns jedoch die Gelegenheit, auch den Vater kennen zu lernen, der interessanter Weise bei der Stadt angestellt und für den Schneeräumdienst zuständig war. Er verbrachte den halben Nachmittag vor dem Fenster, stets mit einem Auge nach draußen und einem auf seinem Telefon, bis schließlich der erlösende Anruf kam der ihn zum Räumungseinsatz beorderte. Das belgische System unterscheidet sich hier vom deutschen wohl doch etwas, denn ganz offensichtlich wird hier erst mit dem Räumen angefangen, wenn es aufgehört hat zu schneien.
 
Spruch des Tages: Wer räumt wenn es schneit macht nur alles doppelt.
Höhenmeter 40m / 50m / 290m / 70m
Tagesetappe: 21km / 21km / 24km / 16km
Gesamtstrecke: 28.650,27km
Wetter: Sonnig und teilweise sogar warm
Etappenziel Tag 1524: Katholisches Pfarrhaus, Varberg, Schweden
Etappenziel Tag 1525: Aufenthaltshaus der Friedhofsmitarbeiter, Väröbacka, Schweden
Etappenziel Tag 1526: Privathaus des Pfarrers, Horred , Schweden
Etappenziel Tag 1527: Gemeindehaus der Kirche, Björketorp, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:52:52


Tag 1524 bis 1527: Von hüpfenden Brüsten und kuschelnden Nonnen

Oft erfüllen sich unsere Wünsche auf völlig andere

06.-07.12. Der Nikolaustag war unser vorerst letzter Tag in Deutschland, bevor wir die Grenze nach Belgien überquerten. Es gibt eigentlich nicht viel darüber zu berichten, abgesehen von einer Kleinigkeit am Morgen vielleicht, die uns gleichermaßen faszinierte und irritierte. Da Nikolaus war, fühlte sich rund die Hälfte der Weltbevölkerung dazu berufen, seine Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen, dass heute ein besonderer Tag ist, indem sie lustige oder festliche Videos per Facebook verschickte. Auch wir bekamen einige davon doch unter allen fiel uns besonders eines auf. Es zeigte eine junge, recht attraktive Frau im Bikini, die ihre Brüste mit Hilfe ihrer Brustmuskulatur im Tackt von Jingle-Bells tanzen ließ. Viele von euch werden das Video kennen, denn wurde innerhalb der ersten Minuten nach seiner Veröffentlichung über eine Million Mal geteilt. (Nicht nur angeschaut, sondern wirklich auch geteilt) Auffällig waren dabei vor allem zwei Punkte: 1. Die äußerst ernüchternde Aussage über die zweifelsfrei primitive Natur der Menschen, die dieses Video belegte. Man konnte Youtube ja durchaus für viele Dinge nutzen. Zum Beispiel, um in einer kurzen, klaren Erklärung die wichtigsten Kernessenzen für Heilung zu offenbaren und damit jedem die Möglichkeit an die Hand zu geben, in vollkommener Gesundheit zu leben. Der Witz war nur, dass man niemanden damit hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Ein solches Video, und wäre es noch so hilfreich, hätte alle Mühen, auch nur 100 Mal angesehen zu werden. Zeigte man hingegen ein paar hüpfende Titten, war die ganze Welt innerhalb von Sekunden dabei und wollte sie sich anschauen. Ist das nicht absurd? 2. Der ebenfalls etwas ernüchternde Umstand, dass wir zugeben mussten, dass wir das Video durchaus auch lustig fanden und dass wir uns dabei ertappten, wie wir es ebenfalls gleich einmal an eine ganze Reihe von Leuten posteten. Am 7.12. erreichten wir dann die belgische Stadt Sankt Vith. Der Winter war hereingebrochen und es hatte sogar schon leicht zu schneien begonnen. Umso mehr freuten wir uns, als wir gleich auf Anhieb je eine Portion heiße Pommes zum Aufwärmen bekamen. Wenig später wurden wir dann von einem Nonnenkloster eingeladen, das uns der Pfarrer der Stadt empfohlen hatte. Die Nonnen hatten gerade einen Seminartag und als wir an der Tür klingelten, öffnete zunächst nur die Putzfrau. „Ich fürchte, ich kann die Mutter Oberin gerade nicht stören!“ sagte sie entschuldigend auf unsere Frage hin, „sie befindet sich gerade mitten in einem Seminar!“ Normalerweise hätten wir dies natürlich respektiert, aber aufgrund der Kälte konnten wir nicht vor der Tür warten und so baten wir darum, sie wenigstens einmal kurz um eine Tendenz zu bitten. Es dauerte keine drei Minuten, da tauchte die Mutter Oberin in der Tür auf und rief: „Hier braucht jemand Hilfe? Was kann ich für euch tun? Wollt ihr reinkommen? Ja kommt erst einmal rein und ich mache euch einen Tee. „Soll ich das übernehmen, Schwester?“ fragte die Haushälterin, „Sie verpassen sonst ihr Seminar!“ „Nein, nein!“ erwiderte die alte Frau fast ein bisschen zu energisch. „Gäste wollen versorgt werden! Ich komme noch früh genug wieder zurück zum Seminar!“ Die Mutter Oberin wies uns einen Raum mit gemütlichen Sesseln und einem kleinen Tisch zu und verschwand in der Küche, um kurz darauf mit heißem Tee und Gebäck zurückzukehren. „Jetzt erzählt erst mal!“ sagte sie und machte es sich in einem Sessel bequem. Für die nächsten eineinhalb Stunden musste das Seminar nun ohne sie auskommen. Später beim gemeinsamen Abendessen mit den Schwestern erfuhren wir, dass es diese Art der Seminartage jedes Jahr gab und dass sie jedes Jahr vom gleichen Pfarrer durchgeführt wurde, der bis auf den letzten Wortlaut auch immer wieder genau das gleiche sagte. Als die Mutter Oberin daher den Aufruf der Haushälterin vernahm, war es, als wären nun endlich ihre Gebete erhört worden. Unvermittelt zog sie damit den Neid der anderen Nonnen auf sich, die nur zu gerne ebenfalls eine Ablenkung bekommen hätten. „So!“ erklärte die Mutter nun ihren Mitschwestern und wandte sich dabei zugleich an uns: „Die beiden sind nun seit 4 Jahren unterwegs und das als zwei Familienväter. Wie macht ihr das eigentlich?“ „Nein, nein!“ korrigierte ich, „wir haben keine Familien. Heiko hat eine Freundin, ist aber kinderlos und zieht als Heiler um die Welt. Ich lebe als Mönch!“ „Achso!“ sagte die Nonne und man sah ihre zuvor verwirrten Gesichtszüge hellten sich auf. „Stimmt, deswegen trägst du wohl auch eine Robe! Ich habe mich schon gewundert, warum sie so etwas anhaben. Aber ja, jetzt erinnere ich mich! In Klöstern trägt man so etwas, deswegen habe ich ja auch eine an!“ Allein für diesen Satz hätte man sie schon knuddeln können. Aber auch die anderen Nonnen waren auf ihre Art äußerst liebenswerte und niedliche Personen. Einige von ihnen stammten aus Indien und waren offenbar nicht ganz freiwillig Nonnen geworden. Zumimdest was den körperlichen Kontakt zu Männern anbelangte schienen sie äußerst interessiert zu sein und sie freuten sich wie kleine Teenagerinnen, als sie während des Gruppenfotos die Gelegenheit bekamen, sich ein bisschen an uns heranzukuscheln. Während des Abendessens entwickelte sich unser Gespräch dann aber noch einma in eine viel tiefere Richtung und wir kamen auf essenzielle Glaubensfragen zu sprechen, bei denen Heiko und ich unsere Ansichten erleuterten. Viele der Fragen, die sie uns stellten hatten sie offenbar auch während des Seminars gestellt, doch nun erhielten sie zum ersten Mal neue und inspirierende Antworten darauf. „Waow!“ sagte eine der jüngeren Nonnen aus Indien, er hätte gedacht, dass wir heute am Ende doch noch einen spannenden Seminartag erleben würden, nur auf eine ganz andere Weise als erwartet?“
 
Spruch des Tages: Oft erfüllen sich unsere Wünsche auf völlig andere Weise, als wir es erwarten.
Höhenmeter 73m / 65m / 40m / 39m
Tagesetappe: 15km / 19km / 14km / 16km
Gesamtstrecke: 28.568,27km
Wetter: Sonnig und teillweise sogar warm
Etappenziel Tag 1524: Gebäude der Friedhofsverwaltung, Harplinge, Schweden
Etappenziel Tag 1525: Gemeindehaus der Kirche, Slöinge, Schweden
Etappenziel Tag 1526: Private Gästezimmer, Falkenberg , Schweden
Etappenziel Tag 1527: Gemeindehaus der Kirche, Morup, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:49:36


Tag 1520 bis 1523: Dort wo alles begann

Alles ist steter Wandel

02.-05.12. In den letzten Tagen erreichten wir die beiden Städte Gerolstein und Prym, mit denen wir noch immer eine besondere Verbindung haben. Vor rund sieben Jahren haben wir hier von den Jugendherbergen aus Kindergruppen geleitet. Teilweise waren es normale Schulklassen, die eine besondere Klassenfahrt in der Natur mit erlebnis- und wilsnispädagogischen Elementen gebucht haben, teilweise waren es spezielle Gruppen mit speziellen Problemen, wie Drogenabhängigkeit, Jugendkriminalität und ähnlichem. Sowohl Heiko als auch ich arbeiteten damals unabhängig von einander für eine Organisation, die hier in der Eifel tätig war und dabei verschiedene Häuser betreute, darunter eben auch die in Prym und Gerolstein. Ich war damals noch fast immer trampender Weise unterwegs und kam eines Abends recht spät in Prym an, wo ich am nächsten Tag eine Schulklasse betreuen sollte. Zu meinem großen erstaunen wurde mir an der Rezeption mitgeteilt, dass leider kein Zimmer für mich gebucht wurde. Das war nicht untypisch, da unsere Arbeitgeber war herzensgute Menschen aber leider keine Organisationstalente waren und gerne mal das ein oder andere vergaßen. Als Notlösung bot mir die junge Rezeptionistin einen Platz in einer Umkleidekabine an, in die man eine Matratze legen könne. Ich war einverstanden, da es besser war als überhaupt nicht zu schlafen und trat wenig später mit einer großen, sperrigen Matratze unter dem Arm in die Garderobe. Wieder wurde ich überrascht, denn anstatt se wie erwartet leer vorzufinden, stolperte ich über eine Matratze die bereits am Boden lag und auf der ein Mann saß und etwas in seinen Computer tippte. „Oh!“ sagte er nur knapp, „gut dass du da bist, ich arbeite hier gerade an einem wichtigen Text und bin nicht sicher, ob er auch für Leute verständlich ist, die sich mit dem Thema nicht auskennen. Hör kurz zu!“ Noch immer stand ich mit der Mattratze in der Tür und wir begannen nach der kurten Lesung eine intensive Diskussion über den Inhalt des Textes, der tatsächlich äußerst interessant war. Nach einer knappen Stunde meinte der Mann: „Oh, wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt!“ Er reichte mir die Hand, nannte seinen Namen und wir beschlossen nach getaner Arbeit erst einmal eine Pizza essen zu gehen. So habe ich Heiko kennengelernt. Abgesehen von unserem Pizza-Restaurant in dem wir auch heute wieder eine Pizza bekamen, und von unserer Jugendherberge erkannten wir jedoch nur wenig wieder. Sowohl Gerolstein als auch Prym hatten wir damals als kleine, verschlafene Nester empfunden. Heute hingegen waren es laute und turbulente Städte für uns, in denen wir uns nicht mehr richtig wohl fühlten. Prym wurde außerdem gerade umgebaut und war eigentlich nur noch eine riesige Baustelle, die an einer Hauptstraße lag. Auf der anderen Seite ab es dann aber auch immer wieder Momente, im denen wir regelrecht in Erinnerungen schwelgten. In Gerolstein beispielsweise war dies alte, leicht verranzte Grillbude unten an der Straße, die von einer schrulligen aber lieben alten Dame geführt wurde und in der wir wie früher eine riesige Portion Currywurst mit Pommes vor dem kleinen Holzofen aßen. Während wir unsere Nacht in Gerolstein im Gemeindehaus der evangelischen Kirche verbrachten, verließen wir Prym nach einer ausgiebigen Stadtbesichtigung wieder und wanderten noch einmal 4km bis nach Neuprym, wo wir in einem Kloster untergebracht wurden, das heute gleichzeitig als Schule genutzt wurde. Auch dieses zeigte noch einmal, wie sehr sich die kirchlichen Einrichtungen verändert hatten. Vor nicht einmal 100 Jahren hatte sich an dieser Stelle eine Mönchsschule mit mehr als 100 Novizen und vielen Mönchen befunden. Heute hatten die vier verbliebenen Mönche gerade noch je eine Kammer und einen gemeinsamen Aufenthaltsraum, der sich mitten zwischen den Klassenräumen befindet. Nur für den Fall, dass ihr vielleicht Lehrer oder Pädagogen seit, die Klassenfahrten und Teamtrainings in der Eifel gibt es übrigens noch immer. Falls ihr danach auf der Suche seit könnt ihr ja einmal einen Blick auf die Website unserer alten Arbeitgeber werfen: www.arduinna.de
 
Spruch des Tages: Alles ist steter Wandel
Höhenmeter 110m / 75m / 230m / 180m
Tagesetappe: 12km / 32km / 38km / 27km
Gesamtstrecke: 28.5yy04,27km
Wetter: Sonnig und teilweise sogar warm
Etappenziel Tag 1520: Katholische Gemeinde, Helsingborg, Schweden
Etappenziel Tag 1521: Katholisches Pfarrhaus, Ängelholm, Schweden
Etappenziel Tag 1522: Gemeindehaus der Kirche, Laholm , Schweden
Etappenziel Tag 1523: Katholisches Pfarrhaus, Halmstadt, Schweden

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:45:13


Tag 1516 bis 1519: Stirbt die Kirche in Europa?

Was passiert mit dem Glauben, wenn die Kirche stir

01.12.2017 Nach einer anstrengenden aber schönen Wanderung im Schnee haben wir heute ein Kloster erreicht, in dem wir die Nacht verbringen dürfen. Ein richtiges Klosterleben gibt es hier zwar nicht mehr, denn es ist eher ein Seminarbetrieb für Kirchliche Veranstaltungen, dies war wohl der Grund, dass das Kloster überhaupt noch existierte. Wenn man der aktuellen Tendenz folgte, die wir überall in Europa wahrnahmen, dann dürfte es bald wirklich schwierig werden, noch aktive Klöster zu finden. In Italien gab es kaum mehr eine Franziskanerkongregation, die noch aus mehr als drei Personen bestehen, von denen der jüngste um die 60 ist. In Irland ist das Zisterzienserklroster, das wir besucht haben innerhalb der letzten 20 Jahre von 150 Mitgliedern auf 12 geschrumpft. Und wenn man wie hier in Deutschland ein altes Klostergebäude entdeckte, dann diente es fast immer einem anderen als seinem ursprünglichen Zweck. Doch das Kloster selbst war hier nicht das einzige, dass in uns die Frage weckte, ob die Kirche in Europa gerade am Aussterben war. Beim Abendessen saßen wir mir einem Pfarrer m Tisch, der uns einiges über die äußerst Besorgnis erregende Situation de Kirche in Deutschland mitteilte. Er selbst war hier, weil er sich von etwas erholte, das er als permanente Erschöpfung und Überlastung beschrieb und das man heute allgemein als Burnout bezeichnen würde. Dass die Kirche in Luxemburg wie auch in Frankreich vollkommen irre Wege eingeschlagen hatte, so dass ein einzelner Pfarrer nun teilweise mehr als 70 verschiedene Gemeinden betreuen musste und dabei nicht einmal ein anständiges Gehalt bekam, das war uns ja bereits bewusst gewesen. Doch nun hatte sich diese Entwicklung offenbar auch in Deutschland prächtig fortgesetzt. Schon als wir vor vier Jahren das erste Mal durch diese Region gekommen waren, hatte man die ersten Gemeinden zusammengelegt. Uns war jedoch nicht bewusst gewesen, in welch rasantem Tempo und in welch extremen Ausmaß diese Entwicklung stattfand. Tatsächlich galt der Bischof von Trier, der für die Eifel und Teile des Saarlandes zuständig war als ein innovativer Vorreiter, was die Neustrukturierung der katholischen Kirche anbelangte. Obwohl der Pfarrer sichtlich unter dieser Änderung litt versuchte er sie sich selbst und uns noch immer als etwas Positives zu verkaufen. Doch faktisch war es nichts anderes als eine blindwütige Zerstörung, die hier stattfand. Noch vor 50 Jahren hatte es im Bistum Trier 980 eigenständige Gemeinden gegeben. Diese waren dann schrittweise zunächst auf 150 und nun auf gerade einmal 35 Gemeinden reduziert und zusammengelegt worden. Wie man es schaffte, diese Entwicklung als etwas innovatives, positives und erstrebenswertes darzustellen war uns ein Rätsel. Denn die mag zwar der Kirche als Institution dienen, die nun deutlich weniger Personalkosten bei gleichen Einnahmen hat, aber für alle direkt beteiligten ist sie die Hölle. Auf der einen Seite sind da die Gläubigen, die ja noch immer die gleiche Kirchensteuer zahlen, dafür aber nahezu nichts mehr geboten bekommen. Früher gab es für die Monatlichen Abgaben einen persönlichen Seelsorger im Ort, dem man sich anvertrauen und bei dem man beichten konnte. Heute gibt es noch mit etwas Glück einmal im Monat eine schnell dahingerotzte Messe, die ein vollkommen überarbeiteter Pfarrer zwischen Tür und Angel entwirft, weil er schon wieder auf dem Weg zum nächsten Termin ist. Unser Gesprächspartner beispielsweise hatte das Problem, dass er inzwischen nahezu Täglich ein bis drei Beerdigungen abhalten musste, die natürlich niemals hintereinander im gleichen Ort stattfanden. Es war also ein reines Abreißen von Terminen und noch ehe der Verstorbene zu Grabe getragen wurde, musste er eigentlich schon wieder weiter zum nächsten Düsen. Dies stresste ihn so sehr, dass er sich vor einigen Tagen, den wohl größten Patzer erlaubte, der einem als Pfarrer auf einer Beerdigung passieren kann. Andächtig trat er an das Rednerpult und las die Zeilen vor, die er zuvor mit den Hinterbliebenen ausgearbeitet hatte und ging dann auf die bewegende Lebensgeschichte des verstorbenen Herrn Müller ein. An sich wäre es ein großartiger Aussegnungsgottesdienst geworden, wäre da nicht dieses kleine Detail gewesen, dass der Mann im Sarg nicht Herr Müller, sondern Herr Schulz war, auf den die vorgetragene Lebensgeschichte leider ganz und gar nicht passen wollte. Als ihm dies bewusst wurde, war die Situation kaum noch zu retten gewesen. In diesem Moment hatte er beschlossen, dass er eine Auszeit brauchte und war hier in dieses Retreatcenter gekommen. Die Ruhe tat ihm gut, aber allein der Gedanke in ein paar Tagen zurück in die Gemeinde zu müssen, ließ seinen Puls schon wieder schneller schlagen. Einige Tage später fanden wir heraus, dass das Sparkonzept des Trierer Bischofs bei seinen Kollegen anders als bei uns keine Alarmglocken sondern Begeisterung auslöste. Irgendwie schien es allen der richtige Schritt zu sein, um auf den zunehmenden Mangel an jungen Pfarrern zu reagieren. Auf die Idee, Werbung für den Beruf zu machen und dafür zu sorgen, dass wieder neue Pfarrer nachkamen, schien hingegen niemand zu kommen. Eine ganze Weile fragten wir uns, warum dies so ist. Denn dass der Glaube verloren geht oder das nach 2000 Jahren Kirchengeschichte plötzlich niemand mehr Pfarrer werden will, halte ich für ausgeschlossen. Warum sollte dies so sein? Außerdem trafen wir überall unzählige Menschen, die nach einem spirituellen Weg suchten und gerne den des Priesters oder Pfarrers eingeschlagen hätten, wenn sie auf diese Idee gekommen wären. Außerdem gab es den gleichen Stellenabbau auch in der protestantischen und in der anglikanischen Kirche, obwohl es hier überhaupt keinen Mangel an Pastoren und Pastorinnen gab. Hier war es reine Rationalisierung. Erst als wir nach Schweden kamen, wo es nahezu überhaupt keine katholische Kirche dafür aber ein großes Interesse an ihr gibt kam uns der Gedanke, dass der Anschein des Aussterbens vielleicht auch gewollt sein könnte. In Schweden funktioniert es nämlich ganz hervorragend, dass das Vakuum der Religionen plötzlich wieder Menschen anzieht, obwohl die Kirche eigentlich nichts dafür tut.
 
Spruch des Tages: Was passiert mit dem Glauben, wenn die Kirche stirbt?
Höhenmeter 68m / 75m / 230m / 180m
Tagesetappe: 18km / 15km / 25km / 27km
Gesamtstrecke: 28.395,27km
Wetter: Kalt und Windig, Schnee
Etappenziel 1: Gemeindehaus der Kirche, Slangerup, Dänemark
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Lilleröd, Dänemark
Etappenziel 3: Nonnenkloster, Birkeröd, Dänemark
Etappenziel 4: Pfarrhaus, Helsingör, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:42:14


Tag 1504 bis 1507: Die Eifel und ihre unterschiedlichen Gesichter

Auch in Deutschland ist nicht alles Gold, was glän

25.11.017 Nach dem Frühstück in der Jugendherberge trafen wir uns erneut mit dem Pfarrer, der uns zu unseren Wagen zurück brachte. Von hier aus wanderten wir hinab bis zur Moselbrücke und verließen Luxemburg um unsere Reise in Deutschland fortzusetzen. Zunächst folgten wir dabei der Mosel die uns entlang der Grenze relativ flach durch die ansonsten hügelige und bergige Eifel führte. Am frühen Mittag erreichten wir ein Dorf, das wir als ersten Schlafplatz in der Heimat auserkoren. Zunächst sah das auch recht vielversprechend aus, denn obwohl der Pfarrer nicht auffindbar war, bekamen wir eine Einladung vom Bürgermeister sowie die Zusage für ein Hotelzimmer. Leider entpuppte sich beides als Finte, denn der Bürgermeister konnte uns erst zu einer „unbestimmten Zeit heute Abend“ helfen und das Hotelzimmer war so hellhörig, dass wir es darin nicht aushielten. Nicht nur, dass man jedes vorbeifahrende Auto hörte, als führe es einem über die Füße, die Verbindungswand zu Küche und zum Restaurant war so dünn, dass man sogar erkennen konnte, ob der Koch gerade Gurken oder Karotten schnitt. Also packten wir noch einmal alles zusammen und machten uns erneut auf den Weg. Die Mosel verlor dabei jedoch zunehmend an Attraktivität, da der Verkehr hier nun immer stärker und die Dörfer immer kleiner und weniger hilfreich wurden. Stattdessen bogen wir nun ins Landesinnere und damit auch in die Berge ab. Kaum hatten wir das getan, veränderte sich das Landschaftsbild so immens, das man nicht glauben konnte, noch immer in der gleichen Region zu sein. Die engen, dicht besiedelten Schluchten wechselten nun gegen menschenleere weite Offenland- und Waldflächen. Langsam brach jedoch bereits die Dunkelheit herein und bis in das nächste Dorf war es noch ein weiter Weg, der vor allem gegen Ende deutlich erschwert wurde, weil sich die Wege in reine Schlammpisten verwandelten. Müde, erschöpft, genervt und verschlammt erreichten wir Tawern und suchten sogleich die Kirche auf. Einen Pfarrer fanden wir hier wieder nicht, dafür aber eine Gruppe von Menschen, die gerade eine Art Charity-Buchverkauf abgeschlossen hatten und nun noch aufräumten und dann gemeinsam Pizza aßen. Sie luden uns ein, am Essen teilzunehmen und versorgten uns mit den Resten der Dinge, die sie ihren Kunden den Tag über angeboten hatten. Schließlich tauchte dann auch eine Diakonin auf, die uns erlauben konnte, die Nacht direkt hier im Gemeindesaal zu verbringen. Der gemeinsame Abend mit der Gruppe endete damit, dass die Einnahmen des Tages gezählt wurden, was von einer Frau übernommen wurde, die man ohne Übertreibung als Menschliche Geldzählmaschine bezeichnen konnte. Insgesamt hatten sie an diesem Tag 4500€ für ein Hilfsprojekt eingenommen. Keine schlechte Summe für den Verkauf von Büchern, die man geschenkt bekommen hatte! So nett die Mitglieder der Gruppe auch waren, waren wir doch froh, als schließlich auch der letzte gegangen war und wir schließlich erschöpft ins Bett fallen konnten. Besonders produktiv wurde der Tag nicht mehr, denn dazu war es einfach zu spät und wir selbst waren zu erschöpft. 26.11.2017 Von Tawern aus waren es nun noch rund 9km bis nach Trier, wobei wir diese leider direkt neben der Hauptstraße auf einem Fahrradweg wandern mussten. In Trier selbst war es der Dom-Informations-Service, der uns nach einigem Hin- und Her einen Schlafplatz in einem Jesuitenkloster organisierte. Trotz des tendenziell eher ekelhaften Wetters unternahmen wir noch eine kleine Sightseeingtour um uns die Innenstadt, die Porta Nigra und natürlich den Dom anzusehen.
 
Spruch des Tages: Auch in Deutschland ist nicht alles Gold, was glänzt.
Höhenmeter 240m / 125m / 17m / 41m
Tagesetappe: 14km / 19km / 14km / 20km
Gesamtstrecke: 28.147,27km
Wetter: Kalt und Windig, Schnee
Etappenziel 1: Privates Gästezimmer, Vemmelev, Dänemark
Etappenziel 2: Privates Gästezimmer, Slagelse, Dänemark
Etappenziel 3: Gemeindehaus der Kirche, Gierslev, Dänemark
Etappenziel 4: Gemeindehaus der Kirche, Ruds Vedby, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:39:51


Tag 1500 bis 1503: Kurzurlaub in Luxemburg

Das wird kein langer Besuch hier!

24.11.2017 Ihr erinnert euch vielleicht noch daran, was ich gestern über Frankreich geschrien habe. (Es ist ja noch nicht allzu lange her) Den gleichen Prozess durchliefen wir nun auch in Luxemburg, allerdings reichte hier ein einziger Tag aus, um diese Erfahrung zu machen. Als wir Luxemburg erreichten, kam es uns ein bisschen wie das geheiligte Land vor. Alles war so schön sauber und gepflegt, es gab überall Sitzbänke, Wegweiser, Mülleimer und andere Dinge, die man als Wanderer durchaus zu schätzen weiß und die Menschen grüßten Freundlich, wenn man ihnen begegnete. Gleich im ersten Dorf wurden wir zudem direkt von der Straße aus auf einen Tee eingeladen. Dabei durften wir ein äußerst stilvolles Haus besuchen, das von einem lokalen aber international bekannten und beliebten Architekten gebaut wurde. Dieses haus war dabei noch recht gewöhnlich. Es war gut gemacht keine Frage, aber es war noch eindeutig als Haus erkennbar. Beim Nachbarhaus hingegen hatte sich der gleiche Architekt schon etwas mehr austoben dürfen, und ein Kunstobjekt erschaffen, dass mehr wie eine intergalaktische Raumstation aussah, denn wie ein normales Wohnhaus. Das Zusammensitzen mit unserem Gastgeber begann als freundliche und nette Unterhaltung, die wir zunächst gerne eingingen. Doch noch während wir bei ihm am Wohnzimmertisch saßen, spürten wir, wie die Stimmung der Situation langsam kippte. Wenn wir für gewöhnlich irgendwo eingeladen wurden, dann gab es in der Regel eine gewisse Entwicklung vom kurzen, fröhlichen Plausch hin zu einer gewissen Vertrautheit die dazu führte, dass die gegenseitige Unterstützung stieg und jeder einen möglichst großen Vorteil aus der Begegnung zog. Dieser konnte aus den unterschiedlichsten Dingen bestehen, Angefangen bei spannenden Informationen über Essen, Kontakte, Schlafmöglichkeiten bis hin zu Diagnosen und Heilungen oder auch einfach einer Menge Spaß und guter Laune. Doch heute passierte nichts davon. Wir bekamen nichts angeboten, das über die eine Tasse Tee hinaus ging, es gab keinen Informationsaustausch und obwohl er einen gute Draht zum Pfarrer hatte, wollte uns auch in dieser Hinsicht nicht weiter helfen. Jeden versuch unsererseits, auf dieses Thema zurück zu kommen, schmetterte er mit der Idee ab, dass wir ja später einfach beim Pfarrer vorbei gehen und diesen Fragen könnten. So kam es, dass der Aufenthalt bei dem Mann immer länger dauerte, aber nicht das Geringste für uns brachte. Als wir uns schließlich verabschiedeten spürten wir beide eine gewisse Unzufriedenheit in uns, verbunden mit dem Gedanken, dass wir gerade rund zwei Stunden Zeit einfach aus dem Fenster geworfen hatten, die wir auf unzählige andere Arten besser hätten nutzen können. Wir standen noch immer am Anfang der Reise, waren noch immer hungrig und hatten noch immer keine Idee, wo wir schlafen konnten. Wir hatten nichts gelernt, keine neuen Erkenntnisse bekommen und nicht einmal das Gefühl etwas beigetragen zu haben, abgesehen vielleicht davon, dass wir einem uns unbekannten Geschäftsmann die Nachmittagslangeweile vertrieben hatten. Kurz darauf standen wir beim Pfarrer vor der Tür und stellten fest, dass dieser nicht zu hause war. Es blieb also nichts anderes, als weiter zu ziehen und unser Glück im nächsten Ort zu versuchen. Davor erwartete uns jedoch zunächst eine Steilwand mit Weinfeldern die überwunden werden wollte. Obwohl auf den ersten Blick alles friedlich und idyllisch gewirkt hatte, mussten wir nun feststellen, dass auch der Verkehr wieder Stark zugenommen hatte und bereits eine Art Allpräsenz zu bekommen schien. Selbst mitten in den Weinfeldern konnte man immerzu die Straßen im Umkreis hören. Im nächsten Dorf erging es uns nicht besser. Es gab zwar ein Jugendhaus, das nicht genutzt wurde und das für unseren Zweck perfekt gesessen wäre, doch egal wen im Ort wir auch fragten, man war sich einig, dass es unmöglich wäre, diesen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Lieber sollten wir es im Nachbardorf probieren, denn das sei so schön viel grösser und damit auch erfolgsversprechender. Langsam kristallisierte sich heraus, dass die Menschen hier zwar auf den ersten Blick sehr höflich, dabei aber auch kühl, distanziert und nicht besonders Hilfsbereit waren. Der nächste Ort den wir erreichten war bereits eine kleine Stadt, in der es unter anderem auch eine Therme gab, die jedoch leider nicht allzu ansprechend wirkte. In den Hotel in ihrer Umgebung fragten wir vergeblich, doch das eigentliche Highlight des Tages erwartete uns erst, als wir das Pfarrhaus erreichten. Der Pfarrer war ein brummiger Mann in den Siebzigern und öffnete erst nach der dritten Klopfattacke an seiner Tür. Nachdem ich ihm unsere Situation erklärt hatte, schüttelte er nur den Kopf und meinte: „Da kann ich leider nichts machen, denn ich darf hier niemanden bei mir aufnehmen!“ Im ersten Moment war ich mir sicher, dass dies eine dreiste Ausrede war und er einfach keine Lust hatte uns zu helfen oder über eine Lösung nachzudenken. Also begann ich mit ihm darüber zu diskutieren und teilte ihm meinen Unmut über das Ausbleiben jeder Hilfe von Seiten der Kirche mit. Wir brauchten ja nicht viel. Im Grunde reichte uns der Vorraum der öffentlichen Toilette, die sich auf der Rückseite des Pfarrhauses befand. Doch es gab keine Chance und nach dem die Diskussion für einen Moment recht hitzig wurde, ergriff ich schließlich, dass der Mann die Wahrheit sagte. Er durfte mir nicht helfen, weil es in Luxemburg tatsächlich vom Gesetz her verboten war. Ähnlich wie in Frankreich war die Kirche hier mehrfach vom Staat enteignet worden, nur hatte die Letze Enteignung in Luxemburg gerade einmal vor ein paar Jahren stattgefunden. Seit her gehörte der Kirche überhaupt nichts mehr, nicht einmal die Pfarrhäuser. Die Pfarrer hatten lediglich das Recht bekommen, diese als eine Art Verwalter zu bewohnen, durften jedoch nicht selbst über die Räume verfügen. Selbst wenn sie sich die eigenen Eltern über ein Wochenende einladen wollten, mussten sie zuvor den Bürgermeister um Erlaubnis fragen. Dies klang noch immer so abstrakt für uns, dass es uns schwer fiel, es zu glauben, doch es wurde uns im Nachhinein noch einmal von mehreren Seiten bestätigt. Der Grund dafür ist, dass Luxemburg aufgrund seiner überdurchschnittlich guten Wirtschaft und der geringen Bevölkerungszahl eine unnatürlich hohe Ausländerdichte anzieht. Im Land verteilt gibt es fast so viele Ausländer wie Einheimische und in Luxemburgstadt wird die Einheimischenzahl von der Zahl der Zuwanderer sogar weit übertroffen. Der Staat hat daher beschlossen, eine genaue Regulierung einzuführen, wer sich wann wie und warum hier im Land aufhalten darf. Er ging damit sogar so weit, das ausländische Arbeiter, die „niederen Tätigkeiten“ wie Toiletten Putzen oder Müll Einsammeln, nur tagsüber in Luxemburg geduldet waren und täglich am Abend wieder ausreisen mussten. Die Kirche mit einem Kirchenasyl und der Möglichkeit, frei und unabhängig über das Aufnehmen von Ausländern zu entscheiden, passte da natürlich nichts ins Konzept. Schließlich erklärte sich der Pfarrer bereit, uns mit einer Geldspende von rund 100€ zu unterstützen, mit denen wir uns irgendwo ein Hotel nehmen konnten, wenn wir es wollten. Als Notoption war dies eine gute Lösung, doch zuvor wollten wir es noch einmal bei einem anderen Pfarrer versuchen. Wieder wanderten wir rund 15km weiter bis in einen Ort, der erneut direkt an der Grenze zu Deutschland lag. Wenn alle Stricke reisten, konnten wir nun also immerhin wieder in die vertraute Heimat überwechseln. Doch das war zumindest heute noch nicht nötig, denn der nächste Pfarrer, den wir trafen, erklärte sich bereit, uns eine Übernachtung in einer Jugendherberge zu organisieren. Die einzigen zwei kleinen Haken an der Sache: 1. Die Jugendherberge wurde gerade von einer Party-Gruppe belegt, die hier einen 40sten Geburtstag feierte, so dass nicht mit sonderlich viel Entspannung zu rechnen war. Und 2.: Die Jugendherberge befand sich nicht in dem Ort, den wir nun aufgesucht hatten, sondern rund 10Km weiter südwestlich, und zwar genau in dem Ort, in dem wir bereits am Mittag auf den Tee eingeladen wurden. Wir hatten damit nun insgesamt rund 45km zurückgelegt, um an einem Ort zu nächtigen der gerade einmal fünf oder sechs Kilometer Luftlinie von unserem letzten Ausgangsort entfernt lag. Das gab uns dann schließlich den Rest. Mit Luxemburg hatten wir nach diesem Tag erst einmal abgeschlossen. Von morgen an würden wir in Deutschland weiter wandern.
 
Spruch des Tages: Das wird kein langer Besuch hier!
Höhenmeter 53m / 35m / 73m / 41m
Tagesetappe: 16km / 19km / 16km / 20km
Gesamtstrecke: 28.147,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Pfarrhaus, Herringe, Dänemark
Etappenziel 2: Privates Gästezimmer, Ryslinge, Dänemark
Etappenziel 3: Privates Gästezimmer, Vindinge, Dänemark
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Halsskov, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:36:00


Tag 1496 bis 1499: Monster der Technik

Au Revoir, Frankreisch

23.11.2017 Heute war nun unser letzter Tag in Frankreich, denn morgen geht es direkt über die Grenze nach Luxemburg. Nach der langen Zeit, die wir hier in diesem Land verbracht haben (alles in allem waren es knapp 11 Monate, also fast ein drittel unserer bisherigen Reisezeit) und für die wir sehr dankbar sind, sind wir nun auch froh, wieder einmal ein neues Land bereisen zu dürfen. So richtug liebevoll verabschiedet sich Frankreich nicht von uns und nach den letzten Tagen fällt uns der Abschied durchaus leichter, als wir es gedacht haben. Mit Frankreich ist es immer wieder ein Phänomen. Wenn man das Land neu besucht ist man zunächst überwältigt und begeistert von der Freundlichkeit, der Leichtigkeit, der Entspannung und der Hilfsbereitschaft, die einem hier begegnet. Je länger man dann bleibt, desto mehr wird klar, dass Frankreich trotz der ersten Impressionen nicht das Superland ist, in dem es keine Probleme, keine Unfreundlichkeit, keine Nervensägen und Störenfriede, keine Belastungen und Beschwerden gibt. Es ist ein Land das Reisenden und Wanderern prinzipiell zugewandt ist und in dem man verglichen mit anderen Ländern durchaus leicht und entspannt unterwegs sein kann, auch wenn man ohne Geld reist. Aber das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch hier Lärm und Hässlichkeit gibt und dass die Franzosen nicht genauso Kinder unserer Gesellschaft mit all ihren Disfunktionen sind. Dies fällt einem dann mit der Zeit immer stärker auf und wird einem umso bewusster, da der unterschied zur hilfsbereiten, gastfreundlichen Seite so hoch ist. Irgendqann kommt dann das Gefühl, dass das alre schöne Frankreich irgendwie zerstört wurde und nun ur noch ein grauer Schatten übrig ist, den man gerne hinter sich lässt. Doch kaum ist man über die Grenze stellt man fest, dass es die gleiche Schattenentwicklung ja auch in allen anderen Ländern stattgefunden hat und dass sich Frankreich trotz allem immer noch gut gehalten hat. Und dann dauert es keine drei Wochen und man vermisst es schon wieder. Ob es uns dieses Mal wohl genauso gehen wird? Die letztn Kilometer wanderten wir wieder an der Mosel entlang und wurden dabei mit Wind und Regen geradezu aus dem Land gespühlt. Je weiter Thionville dabei hinter uns lag, desto ruhiger und entspannter wurde es, wenngleich es nie wirklich ruhig wurde, weil immer irgendwo ein Bagger, eine Schnellstrße, ein Zug oder ein Düsenjet lauerte. Dabei wurden wir jedoch auch Zeugen von einem recht spnnenden Ereignis, das mit den monströsen, lauten aber beeindruckenden Wunderwerken der Technik erzeugt worden war. Wir kamen an einer großen Baustelle vorbei, bei der große Allradlaster mit Schlamm beladen wurden und dann zu einem kleinen künstlichen See fuhren, der als Ablageort für den Schlamm diente. Einer der Laster hatte sich dabei ein bisschen nah ans Wasser getraut und war dadurch so tief in den nassen Schlamm eingesunken, dass er nicht mehr heraus kam. Sofort eilte ihm der Bagger zur Hilfe und versuchte zunächst, seine Schaufel so in der Ladefläche des Lasters zu verhaken, dass er seinen sinkenden Kumpel hinausziehen konnte. Doch die Idee scheiterte und führte fast dazu, dass der Bagger auch noch in den Schlamm gekippt wäre. Also ging der Bagger nun srrategischer vor und begann damit Balast abzubauen, indem er die Ladefläche wieder freischaufelte. Leer lag der Truck nun bei weitem nicht mehr so schwer im Schlamm und mit vereinten Kräften gelang ihnen schließlich die Rettung.
 
Spruch des Tages: Au Revoir, Frankreisch!
Höhenmeter 45m / 15m / 39m / 11m
Tagesetappe: 21km / 13km / 19km / 20km
Gesamtstrecke: 28.076,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Pastorat, Östed, Dänemark
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Nårup, Dänemark
Etappenziel 3: Bed and Breakfast, Nörre Broby, Dänemark
Etappenziel 4: Pfarrhaus, Lyndelse, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:32:40


Tag 1492 bis 1495: Servicewüste Europa

Service ist heute wohl kaum mehr, als eine Legende

Fortsetzung von Tag 1491: In Sachen Computerkauf ging es uns kurt darauf übrigens genauso. Wir besuchten insgesamt vier verschiedene Geschäfte mit Computern im Angebot, zwei davon waren Fachhandel, einer war eine große Supermarktkette und einer ein Buch- und Medienhandel. In jedem einzelnen dieser Läden gab es Servicepersonal, dessen Offizielle Aufgabe es war, die Kunden zu beraten und ihnen weiter zu helfen. Dennoch hatten wir ausnahmslos das Gefühl, vollkommen auf uns gestellt zu sein. Die einzigen Informationen, die uns die Verkäufer über ein Produkt geben konnten, waren jene, sie direkt nebenan auf der Beschreibungsplakette standen. Selbst mit so einfachen Fragen wie „Was wiegt das Gerät im gesamten?“ oder „Wie lange ist die Akkulaufzeit?“ war jeder überfragt. Die Antworten, sofern überhaupt eine kam, lauteten stets so etwas wie: „Computer in der Größe haben alle etwa 10 Stunden Akkulaufzeit, also würde ich vermuten, dass dieser hier so 8 bis 12 Stunden halten wird!“ Andere hingegen gaben präzise Auskünfte auf die gleiche Frage wie beispielsweise „11 Stunden!“ Doch wenn man nachfragte, wie sie auf diese Zahl kamen, stellte sich schnell heraus, dass sie einfach haltlos ins Blaue geraten waren, um dem Kunden eine Antwort geben zu können. Dabei muss man jedoch sagen, dass die Menschen, die uns hier so fleißig nicht berieten, immer noch die freundlichsten und hilfsbereitesten waren, denn die meisten Servicemitarbeiter, die wir finden konnten, reagierten entweder überhaupt nicht auf eine Anfrage oder zeigten sich so genervt, dass man sofort das Bedürfnis hatte, sich für die Störung zu entschuldigen und das Weite zu suchen. So richtig leuchtete mir der Vorteil eines realen Marktes gegenüber einem Online-Shop nun nicht mehr ein. Denn im Internet konnte man sich zumindest alle technischen Daten anzeigen lassen und musste sich nicht mit den wenigen Grundinformationen eines Beipackzettels begnügen. Teilweise waren die Antworten und Auskünfte, die wir bekamen, sogar so unverschämt, dass wir die Läden immer wieder für eine Weile verlassen mussten, um uns wieder zu beruhigen. Zum Glück sind in Europa die meisten Elektronikläden immer auch von unzähligen Fressbuden umgeben, so dass wir immer wieder kleine Picknicks mit Pommes, Pizzen oder Dönern einlegen und die ganze Situation noch einmal reflektieren konnten. Das schlimmste war eigentlich gar nicht der fehlende Service, sondern viel mehr die fehlende Produktauswahl. Vor zwei Jahren war ich in Italien in einen einzigen Elektronikmarkt gegangen, hatte mich rund zehn Minuten umgesehen und war mit einem einfachen, billigen, dafür aber leichten und zweckmäßigen Computer wieder gegangen. Nun wusste ich sogar genau was ich suchte, konnte es aber nicht finden, da man jene Billigcomputer mit der Fähigkeitspalette einer erweiterten Schreibmaschine und dem Gewicht eines Spiralblocks leider wieder vom Markt genommen hatte. Stattdessen gab es nun sogenannte Hybrid-Rechner, die eine Mischung aus Laptop und Tablet-PC waren. Sie lagen nicht nur weit über meinem Budget, sondern waren dazu auch noch schwerer als so manche Schreibmaschine. Und das trotz ihrer winzigen Größe. Doch es war natürlich kein Wunder, wenn man nun dazu überging, alles aus Glas und Metall zu bauen, anstatt aus Kunststoff und Plexiglas wie noch vor einem Jahr. Ein Rechner mit 10 Zoll konnte nun locker dreieinhalb Kilo wiegen und dabei keine besonderen Fähigkeiten besitzen. Wenn es uns dann hingegen gelang, doch hin und wieder einmal einen Billigcomputer aufgzutreiben, der meinem letzten Modell ähnelte, dann mussten wir feststellen, dass er in den letzten Zwei Jahren nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert wurde, dafür aber nun mehr kostete. Wie war so etwas möglich? Früher konnte man einen Computer kaum aus dem Geschäft tragen, ohne dass seine Technik bereits veraltet war und nun gab es innerhalb von zwei Jahren lediglich ein paar Rückschritte? Das konnte doch nicht ihr Ernst sein, oder? Aber für was also sollte ich mich nun entscheiden? Einen Computer der meinen Vorstellungen entsprach gab es nicht. Das einzige, das einigermaßen in einem Rahmen lag, der erschwinglich und sinnvoll erschien war das Lenovo Yoga-Book, ein kleiner Computer, der schon halb ein Tablett war und eine ebene Fläche anstelle einer Tastatur besaß. Man konnte ihn so umstellen, dass man mit einem Stift darauf zeichnen oder schreiben konnte, oder man konnte sich eine aufgemalte, beleuchtete Tastatur anzeigen lassen, die ähnlich funktionierte, waie die eines Touchscreens. Abgesehen von dieser seltsamen Tastaturvariante war der Computer nicht schlecht und so wurde er schließlich zum Gerät unserer Wahl. Tatsächlich stellte sich später heraus, dass er viele Vorteile besitzt und ein ganz passierliches Gerät ist, wenngleich ich mich mit der Tastatur bis heute noch nicht so richtig anfreunden konnte. Obwohl unser guter Yoga-Freund bereits im ersten Laden ausstellig war, durchkämmten wir die ganze Stadt und ich konnte mich erst zu einem Kauf durchringen, nachdem ich alle anderen Optionen ausgeschlossen hatte. Allein der Verkäufer in diesem Laden führte dazu, dass ich mich nur schwer auf den Kauf einlassen konnte, denn er setzte alles daran, der mit Abstand unfreundlichste und unhilfreichste Berater zu sein, den die Computerwelt je gesehen hat. Und bei der enorm hohen Konkurenz war das eine erstaunliche Leistung. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass eine der großen Lektionen an diesem Tag im Lernen und Trainieren von Güte lag. Ich selbst war durchaus auch ein Mensch, der durch seine Komplexe und Programmierungen anderen Menschen das Leben schwerer machen konnte, als es sein musste. Gerade daher sollte ich versrändnis für solche Situationen haben und nicht jedes Mal vor Hass verglühen. Aber gerade weil ich die gleichen Te denzen in mir spürte, kochte der Hass hoch. Doch Hass kann nichts anderes tun, als das was da ist zu verstärken. Aus diesem Grund war es so wichtig, güte zu zeigen und andere (also mich selbst) trotz und gerade wegen ihrer Fehler anzunehmen und zu lieben. In einer Situation am Abend fiel mir das leichter. Af dem Weg zur Pizzaria wurde ich von einem Obdachlosenpärchen angehalten. Der Mann trug bereits drei tätowierte Tränen neben dem Auge, als Symbol für die Menschen, die er getötet hatte. Doch anders als der Mann im Kaufhaus verhielt er sich vollkommen respektvoll und fürsorglich, auch und vor allem der Frau gegenüber. Er bad mich seine begleiterin zu segnen und ihr bei einer Entscheidung zu helfen. Sie hatte eine recht schwere Krankheit hinter sich und war gerade auf dem Weg der Besserung. Nun aber sollte sie einen Arzt aufsuchen, der meinte eine Operation an ihr durchführen zu müssen. Der Mann sah das sehr skeptisch und vermutete, dass es nur um eine Abzocke der Verschdrung handelte, unter der seine Freundin vielleicht ewig leiden würde. Auch sie war keineswegs überzeugt von der Behandlung, fürchtete sich aber, erwas gegen die Diagnose eines so autoritären Arztes zu sagen. Ich ließ mir alles genau beschreiben und kam letztlich zum selben Schluss wie der Freund. Eine weitere Behandlung brachte hier niemandem mehr etwas, abgesehen vom Konto des Arztes. Nachtrag: Als wir wenig später wirklich noch einmal in Deutschland nach Computern schauten stellten wir fest, dass sie hier noch einmal deutlich teurer waren, ohne mehr zu bieten. Für den Computer, den ich gekauft habe, hätte ich hier noch einmal rund 150€ mehr auf den Tisch legen müssen...
 
Spruch des Tages: Service ist heute wohl kaum mehr, als eine Legende von etwas, an das bald kaum noch jemand glauben wird.
Höhenmeter 43m / 68m / 39m / 52m
Tagesetappe: 16km / 21km / 19km / 22km
Gesamtstrecke: 28.03,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Gemeindehaus der Kirche, Kauslunde, Dänemark
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Nörre Aaby, Dänemark
Etappenziel 3: Gemeindehaus der Kirche, Ejby, Dänemark
Etappenziel 4: Pfarrhaus, Aarup, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:30:26


Tag 1488 bis 1491: Geldwechseln unmöglich

Versicherungen von der Bank, Geld von der Post...

Fortsetzung von Tag 1487: So richtig verrückt zu werden begann es, als wir versuchten unsere letzten Pfund aus England und Schottland in Euro umzutauschen, damit wir den Computer davon bezahlen können. Wir hatten vermutet, dass man dafür einfach eine Bank aufsucht, das ausländische Geld auf den Thresen legt und dafür die heimische Währung zurückbekommt. Doch weit gefehlt. Die Frau am Schalter teilte uns stattdessen folgendes mit: "Es tut mir leid, aber wie machen hier generell keine Geldgeschäfte! Ich bin nur für Versicherungen da. Aber ich frage kurz eine Kolegin!" Sie ging auf die andere Seite des Raumes und kam kurz darauf zurück: „Nein", sagte sie, "also einen Geldwechsel von Pfund Sterling in Euro machen wir hier überhaupt nicht! Außer für unsere eigenen Kunden natürlich. Soweit ich weiß gibt es in Frankreich auch keine Bank, die so etwas für Fremdkunden anbietet. Das einzige, wo sie es vielleicht versuchen könnten, wäre die Post!“ Leicht irritiert von dieser Aussage fasste ich die Situation noch einmal zusammen: "Verstehe ich Sie richtig? Ich bin hier an einem Bankschalter, an dem man nur Versicherungen bekommen kann und die einzige Möglichkeit finanzielle Geschäfte mit ausländischer Währung abzuwickeln ist bei der Post?" "Genau!" bestätigte die Frau!" "Ok, sagte ich mit leichtem Unverständnis in der Stimme. "Dann hätte ich nun aber doch noch eine wichtige Frage!" "Nur zu!" erwiderte die Dame. "Wo muss ich dann hin, wenn ich eine Briefmarke brauche?" Kurz drauf erreichten wir die Post und sprachen hier erneut mit einer Dame am Schalter. Prinzipiell würden sie Geld wechseln, stimmte sie zu und schaute sich unsere Pfund an. „Was ist denn das?“ fragte sie misstrauisch und rümpfte die Nase, als ihr Blick auf die frischen, schottischen Banknoten fiel. „So etwas habe ich ja noch nie gesehen!“ "Ich bin nicht ganz sicher!" antwortete ich sarkastisch, "aber soweit ich weiß, nennt man das Geld. Ja, man kann erstmal wenig damit anfangen, aber man kann es in der Regel recht gut gegen nützlichere Dinge eintauschen!" Die Frau schaute mich mit einem beeindruckend humorlosen Gesichtsausdruck an und ignorierte den Kommentar. Wir versicherten ihr, dass es sich bei den Scheinen um ganz legale aktuelle Banknoten aus Schottland handelte und dass die Bank of Schottland genauso Teil des britischen Finanzmarktes sei, wie die Bank of England. Es gab also keinen Grund, diese Scheine nicht gegen Euro einzutauschen. Doch die Frau sah das anders. Sie verschwand mit einem Bündel unseres Geldes in einem Hinterzimmer und kehrte kurz darauf mit zwei Bündeln wieder zurück. Eines bestand aus all unseren schottischen Scheinen, das andere aus zwei kleinen Scheinchen, die wir noch von England und in alten Noten bekommen hatten. "Diese hier kann ich euch eintauschen", sagte sie und deutete auf die zwei Scheine, "die anderen kenne ich nicht, deshalb kann ich sie auch nicht annehmen!" Könnt ihr das glauben? Wir versuchten hier nicht, eine seltende Währung aus einem bei uns unbekannten afrikanischen Zeergstaat umzutauschen, sondern Banknoten eines der wirtschaftlich wichtigsten EU-Mitgliedsstaaten und dennoch bissen wir hier auf Granit. Da half auch kein Meckern und Zetern, sie wollte einfach nicht und so verließen wir die Bank wieder genau so, wie wir sie betreten hatten. Naja, vielleicht ein klein wenig frustrierter.Es blieb uns also nichts anderes Übrig, als das Geld mit zu nehmen und irgendwann einmal in Deutschland auf das Projektkonte einzuzahlen. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Versicherungen von der Bank, Geld von der Post... Wir sind wahrlich eine Fesellschaft, die Verrückte macht!
Höhenmeter 74m / 90m / 20m / 32m
Tagesetappe: 12km / 22km / 15km / 18km
Gesamtstrecke: 27.925,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Städtisches Veranstaltungshaus, Christiansfeld, Dänemark
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Vonsild, Dänemark
Etappenziel 3: Pfarrhaus, Kolding, Dänemark
Etappenziel 4: Kirchliches Gemeindehaus, Snoghöj, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:28:12


Tag 1484 bis 1487: Computerpanne – Was nun?

Nicht schon wieder ein Blackout!

22.11.2017 Der heutige Tag wird wohl als einer der speziellsten in die Geschichte dieser Reise eingehen. Man könnte ihn den tag des Wahnsinns nennen, aber auch den tag der Erkenntnisse, denn er brachte sowohl jede Menge Möglichkeiten, vollkommen verrückt zu werden, als auch Gelegenheiten um wahnsinnig viel zu lernen. Es begann in der nacht damit, dass mein Computer in der Nacht den Geist aufgab. So wie zwei Jahre zuvor mejn MackBook, zeigte er mir lediglich noch einen schwarzen Bildschirm an, wenn ich ihn einschaltete. Der Laptop selbst war vollkommen in Ordnung und funktionierte einwandfrei, man konnte es nur nichts mehr sehen. Vor einigen Tagen war das Problem bereits ein erstes Mal aufgetreten, doch er hatte sich zunächst wieder gefangen und wirkte als sei nun wieder alles in bester Ordnung. Bis heute Nacht! Ein kurzes Flimmern am Abend leitete den Anfang vom Ende ein. Kurz darauf blieb er Bildschirm eine ganze Weile Dunkel, bevor er sich wieder beruhigte und als ich nach unsere Filmabend mit meiner Nachtphase beginnen wollte, blieb er vollkommen schwarz. Nach einigen ebenso erfolglosen wie verzweifelten Versuchen, das Geschehen rückgängig zu machen und meinen Computer wieder zum Laufen zu bringen, musste ich einsehen, dass es an der Zeit war über Alternativlösungen nachzudenken. Der Computer war nun 2 Jahre alt und hatte insgesamt nur etwas mehr als 200€ gekostet. Es war also eher unrealistisch, dass es sich lohnen würde, ihn zu reparieren. Wahrscheinlich musste ein neuer Computer her und dementsprechend schaute ich mich nach einer Stadt in der Nähe um, in der wir eine Chance hatten, etwas in dieser Richtung zu finden. Metz, als größte Stadt der Region lag natürlich sinnvollerweise gerade hinter uns und fiel als Bezugsquelle daher aus. Die nächstgrößere Stadt auf unserem Weg hieß Thionville, bzw. Diedenhofen, wenn man sich an den Deutschen Namen hielt. „Diedenhofen“ dachte ich beim Lesen auf der Karte, „was für ein lustiger Name!“ Wäre ich schlau gewesen, hätte ich diesen Gedanken etwa folgendermaßen weiterführen können: „Oh, und was für ein Deutscher Name! Warum hat die Stadt einen deutschen Namen? Ohja, weil wir uns schon fast in Deutschland befinden. Nur etwa dreißig Kilometer hinter der Stadt befindet sich die Grenze. Na da ist es doch das sinnvollste, den direkten Weg nach Deutschland zu suchen, zwei Tage mit dem iPad zu arbeiten und dann einen neuen Computer mit deutscher Tastatur zu kaufen!“ Leider war ich nicht so schlau und deshalb endete mein Gedankengang bereits beim lustig machen über den Namen. Ein Umstand den ich in den folgenden Wochen und Monaten noch oft bereuen sollte. Doch dieser Gedanke kam nicht in meinen Sinn, da er ganz offensichtlich meiner selbstzerstörerischen Tendenz widersprach, in der ich mich zur Zeit, oder besser nun schon seit etwa einem Jahr befinde. Dazu muss ich doch noch ein klein wenig ausholen, denn es ist offenbar im Moment mein zentralstes Thema, oder besser das Thema, das alle anderen miteinander Verbindet. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Schuldgefühl, das seit dem Kontaktabbruch mit meinen Eltern noch immer in mir steckt und dass ich nicht loslassen kann, weil ich mein altes Leben in diesem Freundes- und Familienverbund noch immer als real betrachte. Ich glaube noch immer, dass ich Tobias bin, der sich einen neuen Namen gegeben hat und der dadurch, seine Freunde und Verwandten verstoßen hat, wodurch er ihnen viel Leid und Unrecht bescherte. Für dieses Leid fühle ich mich nun schuldig und die Schuld in mir sorgt dafür, dass ich unterbewusst alles daran setzte, mich selbst und uns als Herde zu sabotieren und auszubremsen, damit alles so schwer wie möglich geht und damit das Leid möglichst hoch und die Freude möglichst gering ist. Dieses Prinzip löst dann lauter weitere Programme aus. Ich verstricke mich in negativen Gedanken, die mir Energie und Zeit rauben, werde langsam und unproduktiv, was mich in Stress und Hektik versetzt und vieles mehr. Heute wurden all diese Mechanismen besonders deutlich, allen voran die Wahl einer hässlichen lauten Stadt in Frankreich, kurz vor der Grenze, anstelle einer vergleichbaren aber erfolgversprechenderen in Deutschland.
 
Spruch des Tages: Nicht schon wieder ein Blackout!
Höhenmeter 13m / 43m / 73m / 52m
Tagesetappe: 14km / 13km / 10km / 12km
Gesamtstrecke: 27.858,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Gemeindeaus der Pfingstkirche, Hellevad, Dänemark
Etappenziel 2: kleines Gemeindehaus auf dem Friedhof, Vojens, Dänemark
Etappenziel 3: Kirchliches Gemeindehaus, Sommerstedt, Dänemark
Etappenziel 4: Kirchliches Gemeindehaus, Stepping, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:24:28


Tag 1480 bis 1483: Metz die Zweite

Besuche niemals einen Ort zwei Mal, denn das frust

21.11.2017 Die Stadt Metz markiert in unserer Erinnerung einen wichtigen Wendepunkt zu Beginn unserer Reise. Sie war unser erstes großes Etappenziel auf dem Weg nach Santiago und außerdem die erste große Stadt im Ausland, in der wir uns irgendwie orientieren mussten. Wenn wir in unseren Erinnerungen zurückkehren, dann verbinden wir mit unserem Aufenthalt in dieser Stadt die Begegnung mit einer unwahrscheinlich hübschen und sympathischen Frau an einer Bushaltestelle, einen vollkommen misslungenen Versuch, eine Privatadresse in der Innenstadt zu finden, mit nichts als der Karte, die sich in unserem Jakobsführer befand, ein unerwartetes Wiedersehen mit alten Bekannten, die wir einige Tage zuvor beim Besuch einer ebenso chaotischen wie herzlichen Jägersfamilie kennengelernt hatten, eine unverhoffte Pause bei McDonnalds, eine wilde Autofahrt, bei der uns der Weg an unser Ziel gezeigt wurde, eine Wanderung, bei der wir weit nach Einbruch der Dunkelheit das Apartment von Adrian, unserem Gastgeber erreichten, ein erholsames und stärkendes Abendessen und eine witzige, informative und interessante Stadtführung unseres Gastgebers, bei der er uns mit einem Car-Sharing-Wagen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gebracht hat. Ich erinnere mich auch noch an Fußschmerzen, die dazu führten, dass ich kaum Laufen konnte, aber dennoch sind all diese Erinnerungen grundpositiv. (Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, könnt ihr euch dazu ja noch einmal unseren Tagesbericht von Tag XX ansehen.) Metz zu besuchen war anstrengend gewesen, aber es war ein Erlebnis, das man nicht missen sollte. Alles in allem, war uns die Stadt dabei zudem sehr schön erschienen und hatte später noch oft als Gegenpol fungiert um festzustellen, dass andere Städte eher hässlich waren. „Vergleich das hier mal mit Metz und Nancy! – Das sind ja Welten!“ war beispielsweise ein beliebtes Kommentar geworden, wenn wir eine unangenehme Großstadt erreichten. Heute sollten wir nun wieder unsere Füße und Räder über die Schwellen der Stadtgrenze setzen, doch dieses Mal zeigte sich die Metropole von einem ganz anderen Licht. Obwohl wir bis zum Schluss auf einem Fahrradweg wandern durften, der an sich sehr schön gewesen wäre, wurde die Wanderung vom permanenten Autobahnlärm überschattet, der so stark war, dass uns fragten, wie wir ihn beim ersten Mal hatten überhören können. Auch in der Stadt selbst waren die Autos und Trucks die rund fünfhundert Meter entfernt vorbeirauschten permanent präsent. Ohne ein festes Ziel und ohne eine Verabredung schien es zudem unmöglich und auch nicht allzu erstrebenswert, hier einen Schlafplatz zu finden. Und ohne unseren Stadtführer waren wir gezwungen, die Wege zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten zu laufen, wodurch wir einige Seiten der Stadt zu Gesicht bekamen, die ganz und gar nicht mehr schön und angenehm waren. Es dauerte kaum zehn Minuten, bis wir vor uns selbst zugeben mussten: Metz war eine ganz normale Großstadt in Autobahnnähre, mit allen dazugehörigen Vor- und Nachteilen. Es gab hier nichts, weshalb wir hier bleiben wollen würden. In unserer Erinnerung hatten wir diese ganze Gegend also offenbar stark romantisiert. Oder jetzt gerade lagen wir einer äußerst unromantischen Wirklichkeitsverzerrung auf, die mal wieder das Gedankenmuster von „alles ist schlecht“ stärken sollte. Einen kleinen Stadtrundgang sowie eine Pizza-Pause ließen wir uns dennoch nicht nehmen, bevor wir uns wieder an die Weiterreise machten. Leider wurde die Geräuschkulisse nicht besser. Die Autobahn entfernte sich bis auf sieben Kilometer von uns, ohne dabei merklich leiser zu werden. Kurioserweise tauchte nach einer knappen Stunde eine weitere Autobahn auf, die unseren Weg kreuzte, die wir jedoch auch 100m Meter vor der Unterführung kaum hören konnten. Es war also ganz offensichtlich möglich, leise Autobahnen zu bauen. Fragte sich nur, warum man sich hier so vehement dagegen entschieden hatte. Wie bereits beim ersten Besuch der Stadt dauerte es auch heute wieder bis zum Abend, ehe wir eine Übernachtungsmöglichkeit fanden. Dieses Mal durften wir im Haus eines Pfarrers in einem kleinen, industriell geprägten Vorort nächtigen, der durch eine Hügelkuppe leicht vom Autobahnlärm abgeschottet wurde. Unser Gastgeber wurde uns von der Frau im Rathaus als eine Art Hausmeister angekündigt, der im Pfarrhaus lebt, wenn der Pfarrer nicht da ist. Als wir den Mann kennenlernten stellten wir jedoch fest, dass er selbst Pfarrer war. Die Bemerkung der Sekretärin war offenbar nicht informativer sondern viel mehr rassistischer Natur gewesen, denn der Pfarrer stammte aus dem afrikanischen Staat Togo. Es stimmte, dass es noch einen weiteren Hauptpfarrer gab, der für die ganze Region zuständig war, aber der junge Afrikaner war nun hier für das Dorf zuständig, Offenwar wollte die Rathausmitarbeiterin diesen Umstand noch nicht akzeptieren und beharrte weiterhin auf ihren alren, fewohnten und vor allem einheimischen Pfarrer. Der junge Togoaner hatte es nicht leicht, wie man aus seinen Erzählungen heraushörte. Nicht nur, dass es schwer war, von den Einheimischen anerkannt zu werden, er selbst konnte sie auch nicht wirklich verstehen. „Nach meiner ersten Messe dachte ich, ich sei kaputt und hätte mein Handwerk verlernt!“ erzählte er, „Normalerweise konnte ich immer erstklassige Messen leiren, die die Menschen mitrissen und begeisterten. Es war normal, dass man beim Gottesdienst in Rränen oder Jubelschreie ausbrach und jeder fieberte bei den Gebeten und Gesängen mit um die Verbindung zu Gott und Jesus tief zu spüren. Hier hingegen ist es, als hielte Man einen Vortrag vor einer Leichenhalle. Die meisten Menschen schauen einen nicht einmal richtig an, sondern starren zu Boden, zählen die Dielenbretter an der Decke oder lesen irgendwelche Schriftzeichen die sie im Kircheninneren entdecken.“ Heiko und ich mussten lachen. „Ja!“ sagte ich, „das ist das normale Verhalten vorn Europäern in der Kirche, das wirst du kaum verhindern können!“ Er lachte auch und meinte:. „Ja, inzwischen habe ich das auch verstanden und mache mir keinen Kopf mehr deswegen, aber die erste Male war es wirklich ein Schock!“
 
Spruch des Tages: Besuche niemals einen Ort zwei Mal, denn das frustriert nur.
Höhenmeter 36m / 17m / 80m / 10m
Tagesetappe: 15km / 17km / 16km / 15km
Gesamtstrecke: 27.809,27km
Etappenziel 1: Evangelisches Gemeindehaus, Bov, Dänemark
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Tnglev, Dänemark
Etappenziel 3: Gemeindehaus der Kirche, Uge, Dänemark
Etappenziel 4: Gemeindehaus der Kirche, Hjordkaer, Dänemark

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:21:53


Tag 1476 bis 1479: Glauben Ärzte an den Erfolg der Chemo-Therapie?

19.-20.11.2017 Seit Tool befinden wir uns nun wieder auf bekannten Wegen. Oder besser: Auf Wegen, die uns bekannt sein sollten, weil wir hier zu Beginn der Reise schon einmal entlanggewandert sind. Seltsamer weise kam uns das meiste davon kein bisschen bekannt vor. Im Gegenteil, es wirkte eher wie eine Gegend, die wir ganz bewusst auch damals schon hätten auslassen wollen. Obwohl wir größtenteils auf Fahrradwegen laufen durften, war der schier ohrenbetäubende Lärm der Autobahn und einiger weiterer Straßen überall präsent. Es gab nahezu keinen Moment, an dem es irgendwo ruhig oder angenehm gewesen wäre. Die einzige Ausnahme bildeten hier die Städte selbst, die zwar auch keine Ruhepole waren, die aber zumindest schon einmal den Lärm von außen abschirmten. Erst als wir Pont-a-Mousson erreichten, kamen auch Streckenabschnitte, an die wir uns direkt erinnern konnten. Hier haben wir damals Picknick gemacht! Diese vermüllte Ecke unterhalb der Brücke haben wir als Toilette verwendet! Das ist übrigens ein besonderes Phänomen: Es gibt kaum etwas an das man sich so gut erinnert, wie die Stellen an denen man pinkeln oder ein Geschäft verrichten musste. Vielleicht ist das wirklich noch ein Überbleibsel aus der Zeit, in der wir unsere Ausscheidungen noch zum Reviermarkieren benutzt haben. Auch an einen Weg, auf dem wir uns böse verlaufen hatten, konnten wir uns noch gut erinnern, obwohl wir es dieses Mal schafften, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Pont-a-Mousson selbst unterschied sich verglichen mit seiner Umgebung erstaunlich wenig von unseren Erinnerungen. Vor vier Jahren hatten wir hier nur eine kurze Rast und ein paar Bilder von den beiden Kirchen gemacht. Heute versuchten wir einen Schlafplatz aufzutreiben, was uns nach einigen Startschwierigkeiten auch gelang. In der Hauptkirche lief gerade noch die Messe, wodurch wir nach einiger Wartezeit in der Lage waren, sowohl mit dem Pfarrer als auch mit einigen Gemeindemitgliedern zu sprechen. Und wie schon oft in größeren, französischen Städten entpuppte sich der Pfarrer als weit weniger hilfreich als seine Gemeinde. Während er nur an die beeindruckend bemalte Decke starrte und immer wieder die Frage „Wo kann ich euch nur unterbringen? Wo kann ich euch nur unterbringen?“ sowie das Kommentar: „Schwierig, schwierig, schwierig!“ widerholte, kam ich in Kontakt mit einem Ärzte-Ehepaar, das uns ohne große Umschweife zu sich nach hause einlud. Abgesehen von einem warmen Schlafplatz und einem guten Essen brachte uns diese Einladung auch ein recht interessantes Gespräch zum Thema Krebs ein. Unser Gastgeber war nämlich Onkologe und zu Beginn der Gespräche ein 100%iger Verfechter der allgemein angewandten Holzhammermethoden der Schulmedizin. Im späteren Verlauf, kamen wir jedoch darauf, dass seine Frau selbst an Brustkrebs erkrankt war und er sich bei ihrer Behandlung strickt gegen eine Chemotherapie ausgesprochen hatte. Auch Bestrahlungen hatte sie aus ungeklärten Umständen nicht bekommen, sondern war lediglich Operiert worden. Seltsamer weise war es bei ihr nach der Operation nicht zu Streuungen oder erneuten Ausbrüchen gekommen, obwohl ja, der offiziellen Ansicht (auch ihres Mannes) nach, die Chemo und die Bestrahlung wichtig waren, um zu verhindern, dass sich bei der OP übersehene Krebszellen sofort wieder ausbreiten konnten. Was seine Frau nun letztlich von allen anderen Patienten unterschied und warum sie daher eine andere Behandlung brauchte, darüber konnten wir leider wenig in Erfahrung bringen. Aus irgend einem Grund blieb unser Gastgeber hier sonderbar schwammig und lenkte dann das Thema recht geschickt auf etwas anderes um. Das Verhalten des Onkologen passte damit genau in das Muster, das wir auch zuvor schon erlebt hatten und das durch verschiedene Studien offiziell bestätigt wurde. Repräsentativen, anonymen Umfragen zufolge gaben 97% aller Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern, die sich primär mit Krebspatienten beschäftigen an, dass sie selbst niemals eine Chemo-Therapie machen und diese auch unter keinen Umständen einem engen Freund oder Verwandten anraten würden. Ein Ergebnis, dass zum Nachdenken anregen sollte, findet ihr nicht?
 
Spruch des Tages: Das du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem Patienten zu!
Höhenmeter 7m / 7m / 13m / 10m
Tagesetappe: 18km / 10km / 14km / 10km
Gesamtstrecke: 27.743,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Evangelisches Gemeindehaus, Hohenlockstedt, Deutschland
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Hohenwestedt, Deutschland
Etappenziel 3: Seemannsmission, Rendsburg, Deutschland
Etappenziel 4: Privathaus der Bürgermeisterin, Schleswig, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:19:37


Tag 1472 bis 1475: Zurück in Toul

Manches ändert sich eben doch nicht

17.11.2017 Heute gab es mal wieder ein Deja-vú-Erlebnis. Nach 8km der Wanderung kamen wir nach Toul, eine kleine Stadt mit großer Stadtmauer und noch größerer Basilika. Vor knapp drei Jahren haben wir die Stadt auf dem Weg nach Santiago schon einmal besucht. Anders als bei den Doppel-Besichtigungsorten, wussten wir hier bereits vor Betreten der Stadt, dass wir sie kannten, doch konnten wir uns nur noch vage daran erinnern. Wo wir hier übernachtet hatten, wollte uns beispielsweise einfach nicht einfallen. Auch nicht, als wir nach der Kathedralenbesichtigung in der Touristeninformation mit einer deutschsprachigen Frau sprachen. Sie vermutete, dass sie uns damals in einer Herberge namens L'Arche untergebracht hatte, was nun aber leider nicht mehr möglich sei, da man nun auch dort bezahlen müsste. An eine derartige Arche erinnerten wir uns nicht, dafür kam uns die Frau aber immer mehr bekannt vor und langsam glaubten wir uns sogar zu erinnern, dass wir damayyls keine besonders guten Erfahrungen mit ihr gemacht hatten. Später schauten wir dann noch einmal in unserem eigenen Tagebuch nach und waren überrascht, was es dort zu lesen gab. Anders als heute waren wir von der Basilika über alle Maßen begeistert. Heute hingegen waren wir nur leicht beeindruckt. Nicht, dass es nicht ein imposantes Gebäude gewesen wäre, aber es war so sehr heruntergekommen und verfallen, dass der Anblick fast eher ein Trauerspiel als ein Vergnügen war. Dann kam der Teil über die Frau von der Touristeninformation. Es war tatsächlich die gleiche Person, die wir auch heute getroffen hatten und unsere Erfahrungen waren damals kein Stück besser gewesen. Wenn ihr möchtet könnt ihr hier noch einmal alles im Detail nachlesen: „Tag 1XX, Im Kreuzgang“. Fakt war auf jeden Fall, dass sie uns damals nicht einmal im Ansatz, auf besagte Arche hingewiesen hatte. Sie hatte, wie auch heute, von Vorn herein behaupte, es gäbe in der ganzen Stadt keine Möglichkeit und wolle. Uns jetzt zu offenbaren, dass es damals etwas gegeben hätte, das sie uns ganz bewusst verheimlicht hatte, grenzte nun schon an Hohn. Zum Glück waren wir dieses Mal aber nicht darauf angewiesen, hier einen Platz zu finden, denn unser Bürgermeister von Gestern hatte uns bereits einen Schlafplatz organisiert. Einen Ort weiter trafen wir uns mit einem anderen Bürgermeister der und in ein Hotel einlud. 18.11.2017 Rendezvous mit einer Bisamratte Heute hatten wir eine ganz besondere Begegnung mit einer Bisamratte, die sich neben dem Kanal ins Gras gekuschelt hatte. Sie saß so entspannt und relaxed dar, dass wir nicht einmal sicher waren, ob sie uns überhaupt wahrnahm. In aller Ruhe konnten wir die Wagen abstellen, die Kamera herausholen und Heiko konnte sich bis auf einen Meter an sie heranpirschen. Hin und wieder schnupperte sie etwas intensiver in unsere Richtung, aber ansonsten zeigte sich mit keiner Regung, das sie uns bemerkt hatte. Entweder sie wusste, dass wir absolut harmlos waren, oder aber ie war steinalt und hatte grauen Star. So genau konnten wir das nicht sagen. Als Heiko jedoch versuchte ihr die Barhaare zu streicheln, sprang sie mit einem Satz auf und befand sich auch schon im Wasser . Dort zog sie eine elegante Runde und kam sofort wieder zurück an Land, ganz so als wollte sie sagen, dass ihr diese elend kalte Brühe, einfach zu viel wurde. Zwischen den Welten Außer der Bisamratte ga es heute leider nur wenig Schönes auf unserer Strecke. Wir befanden uns nun direkt auf Höhe von Nancy und hier lief plötzlich alles zusammen, angefangen bei der Autobahn und den beiden Schnellstraßen, bis hin zu lärmenden Papierfabriken, Helikoptern, Baustellen und den obligatorischen Freischneidern. Alles in allem war es hier so unglaublich unangenehm, dass wir uns nicht vorstellen konnten, je auch nur einen Meter in diesem Gebiet zurückgelegt zu haben. Ich weiß noch, dass wir damals gesundheitlich wie psychisch ordentlich ' angeschlagen waren, und doch hatten wir diese Region nicht als so unangenehm empfunden. Das konnte an mehreren Gründen liegen. Entweder waren wir damals bei weitem weniger sensibel für Störfaktoren, was aber unwahrscheinlich ist, oder der Lärm und die Atmosphäre der Negativität hatten seither enorm zugenommen. Oder aber, es war wirklich so, dass wir zwei verschiedene Welten besucht hatten, die jeweils auf unsere geistige Situation angepasst waren.
 
Spruch des Tages: Manches ändert sich eben doch nicht.
Höhenmeter 13m / 8m / 13m / 18m
Tagesetappe: 12km / 9km / 16km / 10km
Gesamtstrecke: 27.743 ,27km
Wetter: Kalt und Windig
Etappenziel 1: Jugendräme der Kirche, Bremerhaven, Deutschland
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Bad Bederkesa, Deutschland
Etappenziel 3: Gemeindehaus der Kirche, Hemmoor, Deutschland
Etappenziel 4: Evangelisches Gemeindehaus, Krempe, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:16:43


Tag 1460 bis 1463: Herbstwandern

Man muss nur erst einmal laut werden

10.-13.11.2012 Mit der Gemütlichkeit ist es nun wohl endgültig erst einmal vorbei, denn die letzten Tage gab es fast täglich eine Steigerung, was die Schlechtigkeit des Wetters anbelangte. Angefangen von eisigem Wind und Nieselregen bis hin zu regelrechten Sinnfluten, die den ganzen Tag andauerten war nun wirklich alles dabei. Gleichzeitig sorgte dieses Wetter jedoch auch dafür, dass die Wälder, durch die wir nun wandern durften eine ganz besondere Stimmung ausstrahlen. Es war nicht angenehm, bei diesen Bedingungen zu wandern, aber es machte trotzdem Spaß, weil es etwas zu sehen gab und weil es irgendwie ein ganz eigenes Erlebnis war, immer wieder durch die Nebelschwaden zu steigen oder den knorrigen, alten Bäumen dabei zuzusehen, wie sie dem Wind trotzten. Dennoch freuten wir uns auch jedes Mal darüber, wenn wir irgendwo einen Platz zum einkehren fanden. In der ersten Nacht wurde es eine leerstehende Wohnung, deren Heizung leider nur sehr bedingt funktionierte und in der wir uns noch recht lange mit einer hübschen und netten Dame aus dem Rathaus, sowie mit einem Zeitungsreporter zusammensetzten, um ein Interview zu geben. Die Menschen, denen wir am nächsten Tag begegneten waren nicht ganz so freundlich und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir schließlich jemanden dazu überreden konnten, auch nur den Pfarrer anzurufen. Als dieser jedoch einmal erreicht war, war die Sache innerhalb von 30 Sekunden geritzt und wir hatten ein komplettes Pfarrhaus mit Büros und zwei Etagen an Nutz- und Seminarräumen für uns alleine. Leider wurde ich in der Nacht wieder einmal so sehr vom Schlaf übermannt, dass ich erst mit dem letzten Wecker-Klingeln aufwachte, das soviel sagte wie: „Raus Jetzt! Du hast schon fast die Zeit verschlafen, in der ihr aufbrechen wolltet!“ Das war nicht nur ärgerlich, sondern warf mich auch in meinen Versuchen, die Tagesberichte nachzuholen wieder ein ordentliches Stück zurück. Außerdem warf es die dringende Frage auf, wie ich es geschafft hatte, gleich 7 Wecker zu überhören. Es war nicht einfach nur ein Verschlafen, sondern eine Art Koma-Zustand in den ich da verfiel und in dem es fast wirkte, als wäre ich vom Geist her nicht einmal mehr in diesem Körper anwesend. Am heftigsten waren jedoch die Erfahrungen vom dritten Tag. Hier gerieten wir direkt vor dem Haus des Bürgermeisters in einen so heftigen Regenschauer, dass wir binnen weniger Minuten bis auf die Unterhose hin vollkommen durchnässt waren. Dank des eisigen Windes war es nun umso dringender, das wir einen Platz fanden, den lange hielten wir es so nicht mehr aus. Da war es umso erschreckender zu erleben, wie gering die Hilfsbereitschaft der Menschen in einem solchen Moment war. Nicht einmal der Feuerwehrmann bot uns etwas an, das über die Beschreibung zu einem Nachbarn hinaus ging, der im Rathaus arbeiten solle. Dieser besagte Mann brachte es dann auf die Spitze, indem er uns offen mitteilte, dass es zwar Räume gab, er jedoch nicht gewillt war, so nasse und dreckige Leute hinein zu bitten. Angeblich würde der Hauptbürgermeister da eh Nein sagen, warum sollte man es also versuchen? Wir müssten eben einfach noch einmal 10km weiter. Dies war der Moment, in dem mir der Geduldsfaden riss. Ich war ja schon öfter mal aufgebracht gewesen, wegen derartiger Ereignisse aber dieses Mal reichte es endgültig und ich platzte nur so aus mir heraus. Ich schimpfte und zeterte wie ein Rohrspatz und warf ihm Grausamkeit, Herzlosigkeit und Unmenschlichkeit vor. Zu meinem eigenen Erstaunen machten ihn diese Worte tatsächlich betroffen und er änderte seine Meinung. Wenig später führte er ein kurzes Gespräch mit dem Bürgermeister und noch einen Moment drauf hatten wir ein Vereinshaus um die Ecke in dem wir bleiben und uns trocknen konnten. Dass diese Gegend jedoch insgesamt ein hartes Pflaster war zeigte sich später noch einmal bei der Essenssuche. Von rund zwanzig Häusern an deren Pforte ich klingelte sagten insgesamt nur zwei zu. Eine davon war eine Familie aus Afrika, die sich selbst gerade so über Wasser halten konnte. Die zweite war eine Messifamilie, die mit drei Generationen unter einem Dach lebte. Hier bekamen wir nicht nur reichlich Essen, sondern gleich auch noch einen Heizstrahler für die Nacht geborgt, denn das Vereinshaus selbst war bereits wieder dabei, eine Kühlkammer zu werden.
 
Spruch des Tages: Man muss nur erst einmal laut werden.
Höhenmeter 12m / 15m / 15m / 16m
Tagesetappe: 15km / 11km / 16km / 18km
Gesamtstrecke: 27.488 ,27km
Wetter: Kälte und Dauerregen
Etappenziel 1: Jugendhaus der Gemeinde, Veendam, Niederlande
Etappenziel 2: Katholisches Gemeindehaus, Winschoten, Niederlande
Etappenziel 3: Martin-Luther-Haus, Beerta, Niederlande
Etappenziel 4: Gemeindehaus, Driborg, Niederlande

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:12:30


Tag 1456 bis 1459: Übernachten in der Jurte

Nicht schlecht so eine Jurte

09.11.2017 Heute kam unser Paket mit den neuen Packsäcken an. Wo gerade ohnehin schon einer kaputt gegangen war, haben wir die Gelegenheit genutzt, und gleich alle erneuert, die es vertragen konnten. Heikos Eltern haben natürlich auch wieder einiges an Nahrung hinzugelegt und schon hatten wir wieder ein Paket, das fast das Postamt sprengte. Der Ort, an dem wir es in Empfang nahmen, trug den Namen Bains les Bains, was soviel bedeutet wie „Bad des Bades“. Es klingt ein bisschen wie „Creme de la Creme“ oder „Top oft he Top“, was allerdings ein wenig hochgegriffen ist, denn man kann ohne zu flunkern behaupten, dass Bains le Bains der wohl mit Abstand hässlichste Kurort der Welt ist. Es ist Weltweit allgemein anerkannt, dass die pragmatisch eckige und betonlastige Architektur des ehemaligen Ostblocks die meisten Werteskalen in Sachen Ästhetik nach unten hin sprengen, aber gegen diese Gegend hier sind die sowjetischen Wohnbunker geradezu kuschelig. Dementsprechend hoch war auch die Quote an Touristen und Badeurlaubern die uns über den Weg lief und es machte ein bisschen den Anschein, als hätten auch viele Einheimische schon vor langer Zeit das Weite gesucht. Theoretisch hätte man nun vermuten können, dass dies für uns ideal ist, dann dadurch gab es unzählige Leerstehende Gebäude, die von der Stadt verwaltet wurden und die man uns locker hätte zum Schlafen überlassen können. Doch die städtische Gemeinde sah das anders. Immerhin gab es hier ja eine offizielle Einrichtung, die man Hausierern und Vagabunden anbieten konnte und da man einmal ein Konzept hatte, wurde von dem auch nicht mehr abgegangen, nur weil es weniger erniedrigende Möglichkeiten gab. Vor allem war so natürlich alles viel leichter, da ja jeder Bescheid wusste und es kaum noch organisatorischen Aufwand gab. Wir mussten nur das Antragsformular B35x-C7 ausfüllen, sämtliche Personalien angeben, unsere Ausweise kontrollieren und kopieren lassen und dann auf die zuständige Dame warten, die den Schlüssen und die Öffnungsgewalt für besagte Örtlichkeit hatte. Letzteres dauerte so lange, dass wir unseren gesamten Wagenumbau auf dem Rathausplatz vornehmen konnten. Der gesamte Inhalt meines Wagens wurde ausgeleert, sortiert und überprüft. Dann wurden die Packsäcke getauscht, zusätzliches Ballastmaterial wurde abmontiert und alles wurde wieder an seinen Platz gebracht. Danach hatten wir noch genug Zeit um den halben Vorrat an Nüssen aufzuessen, den uns Heikos Eltern mitgeschickt hatten. Erst dann ließ sich die Frau blicken, die uns zu unserem Quartier führen sollte. Seit meiner ersten Anfrage und der Zusicherung: „Kein Problem, das haben wir gleich!“ waren nun dreieinhalb Stunden vergangen. Das wirklich beeindruckende war jedoch, dass es dreieinhalb Stunden angefüllt mit einer Symphonie der Grausamkeit waren. Das im Nachhinein zu beschreiben ist nicht so leicht, da es sich nun sogar für uns selbst unrealistisch anhört. Wir hatten den platz kaum erreicht, da begann ein junger Mann damit, Laub von einem Ende ans andere zu pusten, wobei er einen großen motorisierten Laubbläser verwendete. Er war gewissermaßen die E-Gitarre in unserem Störgeräuschorchester. Kurze Zeit später setzten dann die Drums in Form eines Presslufthammers am oberen Straßenende ein und dann folgte das Piano als monotones Pfeifen eines Kleinbaggers, der permanent seinen Rückwärtsgang eingestellt ließ. Für die Melodie im Stück sorgte schließlich noch eine Autoalarmanlage und um den Gesang kümmerten sich zwei Hunde, die sich auf benachbarten Gärten gegenseitig ankeiften. Damit waren nun also alle wichtigen Posten besetzt. Ach halt, der Backround darf natürlich nicht fehlen, aber dafür gab es ja noch das tiefe, bassige Rauschen der Rathausklimaanlage. In den besagten dreieinhalb Stunden erlebten wir dann ein geradezu hervorragend komponiertes wechselspiel zwischen diesen Lärmquellen. Immer mal wieder setzte die eine oder andere aus und fast automatisch wurden andere lauter, so als hätte gerade jemand seinen Solo-Auftritt. Ihr könnt euch also denken, dass es wie eine Erlösung war, als schließlich die Frau mit dem Schlüssel auftauchte. Man muss hier jedoch noch erwähnen, dass unsere Meinung über das Spektakel nicht allgemein geteilt wurde. Der Laubbläsermann beispielsweise hatte extra seine Hörgeräte eingeschaltet, damit er den röhrenden Sound seines Arbeitsgerätes auch voll genießen konnte. Werner würde dazu sagen: „Dad muss Kesseln!“ Doch wir waren noch immer nicht am Ziel. Die Frau, die leider nicht besonders gut zu Fuß war und daher nur im Schneckentempo voran kam, stellte zehn Minuten später vor der Tür des Schlafquartiers fest, dass sie den falschen Schlüssel dabei hatte. Also ging alles noch einmal zurück und nur 20 Minuten nach unserem Aufbruch standen wir nun wieder an der gleichen Stelle auf dem Rathausplatz. Das Spiel wiederholten wir dann noch ein weiteres Mal, denn wie sich herausstellte wollte auch der zweite Schlüssel nicht in die vollkommen verrostete Tür passen, die außer ein paar Spinnen und Käfern schon seit einem Jahrzehnt niemand mehr betreten hatte. Wir nutzten die Zeit des erbitterten Kampfes von Frau gegen Tür um uns noch etwas genauer umzusehen. Die Straße, auf der wir uns befanden, war eine Hauptstraße und das Gebäude vor uns war so marode, dass sogar die Wände den Schall durchließen als wären sie aus Pappe. Von den Fenstern die bereits jetzt im Takt der vorbeirauschenden LKWs klirrten mal ganz zu schweigen. Alles ins allem war der Platz in etwa wo schlecht wie der, den wir vor einiger Zeit vom pensionierten Pfarrer ausgeschlagen hatten. „Es tut mir leid!“ sagte die Frau schließlich, „ich brauche noch einmal einen weiteren Schlüssel! Dauert nicht lange!“ „Es tut uns leid!“ sagte ich daraufhin, „aber lassen Sie ihren Schlüssel einfach da wo er ist. Wir gehen weiter bis in einen Ort, an dem man nicht versucht uns in ein Rattenloch zu stecken, obwohl es ein gutes dutzend an Gebäuden gibt, bei denen man keine Angst hat, verschüttet zu werden, wenn man niesen muss.“ So befanden wir uns nun also erneut auf der Piste, nur dass wir dieses Mal einen zusätzlichen Packsack und knapp 20kg anderes Zusatzgepäck dabei hatten. Offroadstrecken und starke Steigungen waren also nicht ratsam. Drei mal dürft ihr raten, was uns auf den folgenden 9km immer wieder erwartete... Nach all den nur bedingt erfreulichen Ereignissen nahm der Tag letztlich dann aber noch eine vollkommen neue und unerwartete Wendung. Denn im nächsten Dorf in dem wir ankamen bekamen wir nicht etwas den Festsaal, das Vereinshaus oder Räume des zurzeit unbenutzten Seminarbetriebes zur Verfügung gestellt. Nein, wir durften zum ersten Mal auf unserer Reise und zum ersten mal in meinem Leben in einer Jurte schlafen. Zwei Kilometer hinter dem Ort hatte ein junges Pärchen einen Jurtenplatz aufgebaut, der immer von Urlaubern, Heiratenden, Schülergruppen und Firmen besucht wurde. Die Jurten waren in weitgehend Traditionellem Stil gebaut, verfügten aber über elektrischen Strohm und via Satellit sogar über einen Internetzugang. Zum Abendessen wurden wir in die Nachbarjurte eingeladen, die von unseren Gastgebern selbst bewohnt wurde. Sie lebten nun seit einem knappen Jahr hier auf dem Platz und waren immer mehr davon überzeugt. Auch wir selbst waren begeistert, wie ausgeklügelt diese Art des Wohnens war, allein wenn es ums beheizen ging. Obwohl unser Raum einen Durchmesser von etwa 12m hatte, reichte ein winziger Ofen aus, um ihn zu beheizen. Viele der vergangenen und noch kommenden Nächte, die wir in festen Häusern verbrachten, waren so kalt, dass wir ohne Verspannungen und zweiten Schlafsack nicht durch kamen. Doch die Nacht im Zelt war durchgängig warm und angenehm.
 
Spruch des Tages: Nicht schlecht so eine Jurte!
Höhenmeter 25m / 33m / 45m / 16m
Tagesetappe: 13km / 11km / 16km / 18km
Gesamtstrecke: 27.428 ,27km
Wetter: Kälte und Dauerregen
Etappenziel 1: Jugendbildungsstätte, Hoogeveen, Niederlande
Etappenziel 2: Privatpension, Assen, Niederlande
Etappenziel 3: Städtisches Jugendhaus, Groningen, Niederlande
Etappenziel 4: Private Gästezimmer, Hoogezand, Niederlande

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:11:31


Tag 1452 bis 1455: Ruhige Pferde, laute Straßen

Ruhige Pferde, laute Straßen

07.11.2017 Pferdefütterung Gestern abend haben wir von unseren Nachbarn zwei riesige aber leider geschmacklich vollkommen unterentwickelte Äpfel geschenkt bekommen, die uns heute in der Früh als Wegzehrung dienen sollten. Lustlos kauten wir darauf herum, bis wir an einer Koppel mit zwei Pferden vorbei kamen, die uns neugierig anschauten. „Wie siehts aus?“ fragte Heiko, „habt ihr Lust auf einen Apfel? Mein Fall ist er nicht so ganz!“ Er legte den Apfel auf einen Zaunpfahl, von wo aus er zunächst einmal neugierig beschnuppert wurde. Zur gleichen Zeit bot ich meinen Apfel dem zweiten Pferd an. Vorsichtig, um meine Finger nicht zu verletzen nahm er ihn an, stellte jedoch fest, dass er ihn ein klein wenig überschätzt hatte. Es war ein lustiger Anblick, wie er da so auf dem riesigen Apfel herumkaute, ihn von einem Ende seines Maules zum anderen schob und nicht wusste, ob er ihn lieber herunterschlucken oder ausspucken sollte. Währenddessen hatte das zweite Pferd Heikos Apfel für sich entdeckt. Auch er biss vorsichtig zu, verlor ihn aber erst einmal aus dem Mund und musste ihn am Boden mit etwas Schlamm neu aufnehmen. Nun kauten beide synchron und es schien fast eine Art Wettkampf. Der Kampf mit dem Brocken dauerte etwa eine Minute, dann ging das Pferd erste Pferd als triumphierender Gewinner hervor. Das zweite kämpfte noch immer, hatte es aber nun geschafft, die äußere Schicht so weit herunterzunagen, dass der Apfel nun fast schon kaubar war. Verfluchte Straßen. 08.11.2017 Als wir vor einem guten halben Jahr die britischen Inseln betreten haben, waren wir geradezu entsetzt über den Zustand der Straßen dort. Anstelle von gewöhnlichem Asphalt war man hier dazu übergegangen regelrechte Schotterpisten mit ein klein wenig Teer zu fixieren, so dass ein Lautstärketrichter entstand, der jede noch so kleine Straße unerträglich machte. An einigen Stellen, vor allem bei große Hauptstraßen waren bewusst dicke Steine in den Asphalt eingearbeitet worden. Auf den Nebenstraßen hingegen hatte man ein noch abstrakteres Modell entwickelt. Auf die bereits vorhandene Straße wurde eine dünne Schicht flüssigen Teers aufgetragen und darauf eine dicke Schicht Rollsplitt verteilt. Das war alles. Nach eingier Zeit sorgten die normalen Autos mit ihrem Reifendruck dafür, dass sich ein Teil der Splittersteine im Teer festsetzte und mit ihrem Fahrtwind, dass die übrigen von der Straße geweht wurden. Wie man auf so eine Idee kommen konnte war uns fraglich und wir waren sicher, dass es ein Tick der Briten war, den man sonst nirgendwo auf der Welt finden würde. Doch nun mussten wir mit erschrecken feststellen, dass diese grauenhaften Klebestraßen auch schon in Frankreich Einzug gehalten hatten. Irgendwann vor ein paar Tagen hatten wir die erste hier im Land gesehen und seither waren es immer mehr geworden. Es wirkte fast, als würden sie sich wie eine Epidemie verbreiten und nach und nach das ganze Land erobern. Angenehmes Wandern würde dann auch hier nahezu unmöglich sein. Wir können also nur hoffen, dass es ein Kurzzeittrend ist, der bald wieder aufgegeben wird. Am Nachmittag erreichten wir ein kleines Dörfchen, dass sich durch seine besondere Touristenattraktion auszeichnete. Man konnte hier Pferdewagentouren buchen und dann gemütlich wie in alte Zeiten mit Pferd und Planwagen durch die Lande fahren. Mir stachen diese Touren vor allem deshalb sofort ins Auge, weil meine Eltern oft erzählt hatten, dass sie vor meiner Geburt eine solche Tour gebucht hatten und dass sie damals sehr begeistert davon waren. Ob es vielleicht sogar dieser Ort gewesen war, durch den sie dabei reisten? Um noch deutlicher zu machen, dass meine Familiensystematik mal wieder eine größere Rolle spiele, hieß die Frau vom Bürgermeister, die wir kurz darauf trafen noch genau wie meine Mutter. Zum Übernachten bekamen wir dieses Mal den Aufenthaltsraum der Rentner, die hier Mützen strickten oder Weihnachtsdeko bastelten. Es war eine wahre Schatzkammer an Kinkerlitzchen und Bastelmaterial, in dem wir uns erst einen Platz zum Schlafen freischaufeln mussten. Abgesehen davon war es aber ein guter Platz und wir hatten sogar eine Badewanne in der wir unsere kalten Knochen und Muskeln wieder auftauen konnten. Internet und Abendessen durften wir von einer Nachbarsfamilie beziehen. Diese hätte uns kurz zuvor auch zu sich zum Übernachten eingeladen. Nicht, weil sie unser Projekt so gut fanden oder weil wir ihnen sympathisch waren, sondern einfach nur, weil sie erkannt hatten, dass wir einen Schlafplatz brauchten. Während ich nach dem Bürgermeister gesucht hatte, hatte Heiko auf dem Platz gewartet und war dort entdeckt worden. Höflich hatte der Mann gefragt ob er helfen könne. Es war eine chaotische Familie, in der jeder sein ganz eigenes Päckchen zu tragen hatte, aber sie waren hilfsbereiter und auf ihre eigne Art auch höflicher und diskreter als nahezu alle anderen Menschen, die wir in letzter Zeit hier im Land getroffen haben.
 
Höhenmeter 22m / 30m / 30m / 16m
Tagesetappe: 17km / 16km / 20km / 18km
Gesamtstrecke: 27.370 ,27km
Wetter: Kälte und Dauerregen
Etappenziel 1: Gemeindehaus, Nijverdal, Niederlande
Etappenziel 2: Gemeindehaus, Raalte, Niederlande
Etappenziel 3: Gemeindehaus, Zwolle, Niederlande
Etappenziel 4: Exerzizienhaus, Meppel, Niederlande

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 23:07:33


Tag 14348 bis 1451: Wie geht es nun weiter?

Ob ihr wirklich richtig geht, seht ihr wenn der Sc

06.11.2017 Wintereinbruch Langsam aber sicher müssen wir uns eingestehen, dass der Sommer vorbei ist. Heute hatten wir nun die 6. Nacht in Folge Bodenfrost und in der Früh haben wir sogar eine fensterglasdicke Eisscheibe gefunden, die von einem LKW gefallen und dabei nahezu unversehrt geblieben war. Heute war außerdem der erste Tag des Herbstes, an dem ich meine Weste trotz Steigungen kein einziges Mal unter dem Wandern ausgezogen habe. Sogar Handschuhe gehörten fast durchgängig zum Pflichtprogramm. Und als wir uns heute Mittag ein Buttersandwitch mit Salz und Senf schmierten, waren die Windböen teilweise sogar so stark, dass es uns die Butter vom Brot wehte. Die Butter! Ist das zu fassen? Ich denke also man kann ohne schlechtes Gewissen festhalten: Es wird Winter! Und ebenso kann man festhalten, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob man sich um diese Jahreszeit in Italien oder auf der geographischen Höhe von Bayern befindet. Neue Reisepläne? Das zweite, was uns heute beschäftigte, war die Frage, ob wir Frankreich nicht doch schon etwas eher verlassen und noch einmal einen Abstecher durch Deutschland machen sollten. Je länger wir nun wieder in unserem einstigen Lieblingswanderland unterwegs waren, desto mehr mussten wi einsehen, dass von seinem ursprünglichen Charme kaum noch etwas übrig war. Die kleinen Dörfer starben immer mehr aus und wurden zu geisterhaften Ruinenstätten, die grauer und trüber waren als jeder britische Friedhof. Im Schnitt brauchten wir nun drei Ortschaften um eine zu finden, in der wir bleiben konnten und auch kulinarisch ging es immer weiter bergab. Beachtet: Unser Picknick im Sturm bestand aus Baguette mit Butter und Senf. Und das war noch der abwechslungsreiche Teil des Tages. Sollten wir also vielleicht doch anfangen zu akzeptieren, das Frankreich (wie es ein Bürgermeister neulich so passend formuliert hatte) immer mehr zur Wüste wurde und anfangen unsere Konsequenzen daraus zu ziehen? Schön war der Südwesten Deutschlands auf jeden Fall und es war ein Gebiet, das wir so gut wie gar nicht kannten. Aber es würde unsere Reise natürlich noch einmal verlängern und wieder mehr in die Berge leiten. Keine leichte Frage also.
 
Spruch des Tages: Ob ihr wirklich richtig geht, seht ihr wenn der Schlafplatz steht.
Höhenmeter 70m / 50m / 30m / 16m
Tagesetappe: 21km / 12km / 20km / 18km
Gesamtstrecke: 27.299 ,27km
Wetter: Kälte und Dauerregen
Etappenziel 1: Gemeindehaus, Haaksbergen, Niederlande
Etappenziel 2: Bed and Breakfast, Enschede, Niederlande
Etappenziel 3: Basilika Forum, Oldenzaal, Niederlande
Etappenziel 4: Gemeindehaus der Kirche, Ort nachtragen, Niederlande

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 22:53:06


Tag 1446 bis 1447: Alltagsbürgermeister

An Sonntagen helfe ich grundsätzlich nicht

05.11.2017 Auf der einen Seite ist es ja schön zu sehen, wie gut diese Sache mit dem Visualisieren klappt, auf der anderen Seite wäre es aber schon schön, wenn auch die eigenen, bewusst gewählten Bilder wahr werden würden, und nicht irgendwelche implizierten. Gestern nachdem wir die Austestungen gemacht und ich einen Teil meiner Schuld mir selbst gegenüber durch die Sanktion abgebaut hatte, versuchte ich mich noch einmal wieder mit dem Visualisieren. Eigentlich sollte dies ja Teil der täglichen Routinen sein, um so die Grundlagen für einen entspannten und angenehmen nächsten Tag zu schaffen. Doch leider hatte ich es nun schon seit Monaten nicht mehr geschafft, die Konzentration lange genug zu halten, um ein Bild vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen. Heute hatte ich das Gefühl, dass es vielleicht wieder klappen könnte. Ich schloss die Augen und versuchte mir einen schönen trockenen und ruhigen Tag vorzustellen, an dem wir am Fluss entlang wanderten und schließlich in einer hübschen kleinen Ortschaft anlandeten, wo wir entspannt einen Platz fanden. Doch gerade als die ersten Bilder auftauchen wollten, wurden sie von anderen Bildern überlagert, die ich zwar klar, deutlich und lebendig sehen konnte, die aber definitiv nicht von meinem Bewusstsein erzeugt wurden. Ich sah Heiko und mich, wie wir durch tiefe Häuserschluchten und entlang großer Staßen wanderten. Es war laut und ungemütlich, doch wir kamen nicht von den Hauptstraßen weg, weil alles andere für uns gesperrt war. Ich versuchte diese Bilder aus meinem Kopf zu bekommen, indem ich sie weg radierte oder mit etwas positivem überschrieb, doch es wollte einfach nicht gelingen. Nun tauchten stattdessen Bilder auf, bei denen wir durch kleine Dörfer zogen, die allesamt an unverhältnismäßig riesigen Hauptstraßen entlang führten und diese bekam ich bis zum Schluss nicht mehr aus dem Kopf. Die Macht der Überzeugung Und genau so kam es dann auch. Obwohl wir uns noch immer auf dem Fernradweg befanden, kamen wir heute fast nur über Hauptstraßen. Schlimmer noch! Die Straßen auf denen wir wanderten, ganz gleich ob klein oder groß, waren hier nun bereits von der selben Beschaffenheit wie in Großbritannien. Es konnte noch nicht alt sein, aber man hatte nun auch hier großflächig auf den normalen und zum teil völlig intakten, zumindest aber leisen Straßen flüssigen Asphalt gegossen um anschließend groß körnigen Kies darüber zu streuen. Dieser soll dann kleben bleiben und mit der Zeit eine neue Oberfläche bilden. Theoretisch klingt das vielleicht ganz nett, aber praktisch endet es in einem Desaster der Baukunst, denn das Ergebnis ist genau das, was man vermuten könnte: eine dicke Schicht Kies, der am Bode verklebt war. Auch mit dem Ankommen wurde es nicht leichter. Im ersten Dorf traf ich überhaupt niemanden an, der hätte hilfreich sein können. Im zweiten war es so grausam, dass wir nicht einmal fragen wollten und das dritte hatte seine ganz eigenen Hürden. Keine Arbeit am Sonntag Die Krönung in Sachen Dreistigkeit und Unverfrorenheit machte der Bürgermeister dieses Ortes. Seine Antwort auf meine Frage lautete allen ernstes: „Es ist mir egal, was du von mir willst! Heute ist Sonntag und da arbeite ich nicht. Ich werde dir nicht helfen, was immer du auch brauchst.“ Ich hakte noch einmal nach, um sicher zu gehen ob ich ihn richtig verstanden hatte: „Sie sagen also, weil heute Sonntag ist, wollen Sie uns keinen Platz zum Schlafen geben, obwohl sie es könnten und sagen pennt doch einfach an der Bushaltestelle?“ „Wenn ihr an der Bushaltestelle pennen wollt, dann macht das! Ist mir scheiß egal! Ich habe damit heute nichts zu tun.“ erwiderte er. Sofort fiel seine Frau mit ein und versuchte die Situation zu retten, in dem sie Lügenausreden erfand: „Wir sind ein kleines Dorf und haben hier leider keine Möglichkeiten, jemanden unterzubringen!“ fing sie an, doch ihr Mann fuhr ihr über den Mund: „Nein! Darum geht es nicht! Ich hab einfach keinen Bock, dass jemand am Sonntag hier auftaucht und irgendetwas von mir will obwohl ich keinen Dienst habe!“ Was man dem Mann lassen muss ist, dass er als einziger seit langem mal wirklich ehrlich war. Diese geheuchelten Ausreden seiner Frau kannten wir zu genüge und sie gingen uns tüchtig auf den Geist. Aber diese Ehrlichkeit war neu und auch, wenn mich der Mann in diesem Moment tierisch aaufregte, hatte es doch etwas Erfrischendes. Leider gelang es mir nicht, auf Französisch eine Diskussion zu beginnen darüber, dass man einen Beruf nicht einfach an den Nagel hängen kann, wenn man Feierabend hat. Ein Arzt kann ja schließlich auch nicht sagen, dass er grundsätzlich niemandem außerhalb der Dienstzeiten hilft, wenn ein Unfallopfer vor ihm liegt. Er müsste sogar ins Gefängnis, wenn er es versuchte. Lustigerweise traf ich auf dem Rückweg zu unserem Treffpunkt den Stellvertretenden Bürgermeister, der mit seiner Familie einen Spaziergang machte. Er hatte nichts gegen ein bisschen Arbeit am Sonntag, vor allem nicht, wenn er sich damit vor der Verwandtschaft drücken konnte. Er musste nur noch den obligatorischen Nachmittagsspazergang beenden und kam dann mit dem Schlüssel zu unserer Halle. Da es zu kalt war, um in dieser Zeit einfach nur auf der Bank zu sitzen, nutzten wir die Gelegenheit um unsere Frisbee wieder einmal auszupacken. Es musste weit über ein Jahr her sein, seit wir dies das letzte Mal getan hatten.
 
Spruch des Tage: An Sonntagen helfe ich grundsätzlich nicht! (Bürgermeister von Confladey, Frankreich)
Höhenmeter 70m / 30m
Tagesetappe: 12km / 16km
Gesamtstrecke: 27.228 ,27km
Wetter: Kalt, windig, sonnig
Etappenziel 1: Haus der Begegnung, Velen, Deutschland
Etappenziel 2: Gemeindehaus, Winterswick, Niederlande

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 22:52:18


Tag 14342 bis 1445: Im Wechsel zwischen den Welten

Deshalb konnte ich auch keine Energie bekommen

Tagesbericht 04.11.2017 Die Mütze, die mein Wagen verpasst bekommen hatte, stand ihm sogar recht gut. Ein klein wenig ragten die Ränder zur Seite und hinterließen dadurch einen etwas nerdigen Flair. Doch so wie es aussah, funktionierte er einwandfrei, wenngleich uns das Wetter (Gott sei dank!) noch keine Gelegenheit gab, es wirklich zu testen. Werde ich nun Schizophren? Nachdem die Nacht in Astrits Küche sogar für meine Verhältnisse recht produktiv war, spürte ich nun beim Wandern wieder, wie mich die Mattheit überkam. Nicht Müdigkeit, das wurde nun immer deutlicher, sondern eine Art Weggetreten sein, ein bisschen so wie ein Computer, der in den Ruhezustand fährt. Er ist nicht aus, sondern kann weiterhin an laufenden Programmen arbeiten und er reagiert auch auf bestimmte Impulse, aber er er ist nicht mehr aktiv im Tagesgeschehen. Mehrere Male kam es dabei vor, dass ich in das Gespräch mit Heiko, das währenddessen weiter lief. Einige vollkommen sinnlose Bemerkungen einwarf. „Stimmt, dann nehmen sie unseren Text und setzen nur die beiden anderen darüber!“ oder „Deswegen geben sie sich auf der slowenischen Seite auch so viel Mühe, den Anschluss zu finden!“ Jedes Mal war es so, dass diese Angaben in meinem Kopf noch vollkommen logisch gewesen waren, weil sie sich auf einen Teil der Kommunikation bezogen, der in mir tatsächlich stattgefunden hatte. Nur hatte er nichts mit der äußeren Kommunikation mit Heiko zu tun. Ich kam mir teilweise ein bisschen vor wie ein Medium, von dem ein Geist oder irgendetwas Besitz ergriffen hatte, um nun durch mich zu sprechen. Tatsächlich testeten wir später aus, dass meine Selbstkontrolle im Moment gerade einmal bei 0,0001% währen der Rest wieder einmal vom Puppenspieler übernommen wird. 99,999% Fremdsteuerung! Das hörte sich erst einmal hart an, aber es war genau das, wonach es sich auch anfühlte. Immer wieder spürte ich, dass ich die Kontrolle verlor und in eine Art Zwischenwelt abdriftete, in der ich stundenlang regungslos verharren konnte, ohne das Zeit und Raum für mich noch eine Bedeutung hatten. Was mich jedoch viel mehr nervte, als der Umstand Kontrolliert zu werden an sich, war das kleine Wort, das Heiko nach der Testung hinter „Puppenspieler“ geschrieben hatte. Dort stand in erschreckend klaren Buchstaben „Mutter!“ Nach all der Zeit war ich also immer noch die Marionette meiner Mutter oder zumindest der inneren Konzeptes „Mutter“ das ich nun in mir trug. „Super gemacht!“ feierte das gleich mein Selbst-Hass-Ich, „du bist mal wieder keinen Schritt weiter gekommen!“ Doch zum ersten Mal kamen wir dieses Mal auch auf eine Lösung, oder zumindest einen Lösungsweg, um mit dieser Situation umzugehen. Mein Problem bei der Sache war, dass ich mich selbst noch immer in den alten Konzepten gefangen hielt. Erst gestern im Gespräch mit Astrid war uns aufgefallen, dass ich in den vergangenen drei Jahren in gewisser Weise immer eine Schicht mehr abgelegt hatte. Zunächst war es das Verpflichtungsgefühl meinen Eltern gegenüber das mich davon abhielt, frei zu sein. Später war die gleiche Situation dann noch einmal mit meinen Freunden aufgetraucht, wieder im Herbst. Und nun, ein Jahr später, was ich es selbst, ohne weitere Umwege, der mich vom Freisein abhielt. Spannend dabei war, das Heiko auf seiner Ebene an genau dem gleichen Punkt angekommen war. Soweit wir es für uns selbst herausfinden konnten, gibt es zwei große Faktoren, die einen davon abhalten können, frei und glücklich zu leben. Der erste ist die Verurteilung oder die Schuldzuweisung, also das Prinzip von „Alle anderen sind doof!“ In diesem Zyklus waren wir sehr lange verhaftet, doch langsam erkennen wir immer mehr, dass wir hier in vollkommenem Irrtum lagen. Wenn alles eins ist, dann gibt es niemand anderen als uns, da alles ein Teil des Allbewusstseins ist, das auch unser Bewusstsein ist. Alle anderen sind nur Spiegel unserer Selbst, also ist alles was geschieht selbst von uns erschaffen. Dieses Prinzip haben wir nun langsam immer besser verinnerlicht und auch vom Gefühl und vom Sein her begriffen. Doch führt ein tiefes Verständnis auf dieser Ebene leider noch nicht dazu, dass man in die vollkommene Wertungsfreiheit und damit in die Zufriedenheit kommt. Alles, was wir getan haben ist, dass wir das „Andere“ durch ein „Ich“ ersetzt haben. Unser Verständnis des Universums reicht noch nicht auß, um zu erkennen, dass alles gut und richtig ist. Wir empfinden viele Dinge noch immer genauso als falsch und unangenehm wie früher und suchen noch immer nach einem Schuldigen dafür. Wenn es aber ja nur uns gibt, dann müssen wir damit zwangsläufig auch der Schuldige sein. So wie wir also zuvor alle anderen verurteilt haben, verurteilen wir nun für alles uns selbst und halten uns damit natürlich genauso vom Leben ab, wie zuvor mit der Fremdverurteilung. Auffällig war jedoch, dass obwohl bei Heiko und mir das gleiche Prinzip hinter den aktuellen Leidensthemen steckte, wir doch jeweils etwas vollkommen anderes darunter verstanden. Das Schuldgefühl, das zur Selbstverurteilung und damit auch zur Selbstbestrafung führte, wurde bei Heiko durch ein Konzept von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit ausgelöst. In seinem Verständnis der Welt, ausgehend von alten, indoktrienierten Glaubenssätzen, musste immer alles pari sein. Wenn er etwas bekam, musste er dafür auch etwas geben. Wenn er etwas gab musste er dafür auch etwas bekommen. Wenn jemand seinetwegen litt, dann musste auch er dafür leiden. Es ging nicht darum, was sich gerade richtig anfühlte oder was jetzt im Moment benötigt wurde, sondern stets darum, die Kräfte in Balance zu halten. Gelang ihm das nicht, musste er dafür bestraft werden und leiden, egal wie hilfreich die aktuelle Situation gerade wegen ihrer subjektiv empfundenen Ungerechtigkeit vielleicht auch sein mochte. Und damit uns dieses Prinzip auch gleich noch einmal glasklar wurde, erschufen wir uns ein unmissverständliches Paradebeispiel dafür. Im Rahmen der Austestungen prüften wir auch meine Seelenverstöße seit dem letzten Mal, sowie die damit verbundenen Sanktionen. Es waren 69 Millionen Verstöße, die vor allem mit meiner Demut und meinem Selbstwertgefühl in Verbindung standen. Um dies auf eine Fühlbare und damit auch wandelbare Ebene zu bringen, bestand meine Ausgleichsübung aus der durchaus ekeligen Aufgabe, einmal auf Knien durch den Festsaal zu robben und dabei eine komplette Linie mit meiner Zunge über den Boden zu ziehen. Es klingt tatsächlich nicht so, als könnte dahinter ein tieferer Sinn stehen und es war keine Übung, die mich freute, aber ich verstand den Sinn darin und nahm sie bereitwillig an. Tatsächlich spürte ich dabei eine große Demut gegenüber mir selbst und erkannte auch, dass das Gefühl von Ekel verschwand, sobald mir bewusst wurde, dass ich selbst dieser Boden war, den ich dort mit der Zunge berührte. Mit einer gründlichen Mundspülung was die Sache dann für mich abgehakt und ich konnte mich wieder anderen Aufgaben zuwenden. Nicht so jedoch Heiko. Er ging in den Küchenraum, den er sich als Schlafquartier auserkoren hatte und wollte sein Bett aufbauen, als er unvermittelt mit voller Wucht mit dem Kopf gegen einen Schrank stieß. Der Aufprall war so heftig, dass er zurücktaumelte und auf den Hintern viel. Dabei geriet seine Zunge zwischen deine Zähne und er biss sich eine tiefe, blutende Wunde hinein. So offensichtlich wie in diesem Moment war es sonst natürlich nie, aber in gewisser Weise war es genau das, was er sich selbst jedes Mal antat, sobald in ihm das Gefühl entstand, dass er auf bewusste oder unbewusste Weise irgendwo eine Ungerechtigkeit erzeugt hatte. Mein Prinzip von Schuld hingegen hatte nichts mit Gerechtigkeit oder Ausgeglichenheit zu tun, sondern war von ganz anderer Natur. Es setzte sich aus dem Gefühl von Richtig und Falsch zusammen. So wie Heiko Schuld in sich verspürte, wenn er Dinge als Ungerecht empfand, kam diese Schuld in mir auf, wenn ich das Gefühl hatte, die Dinge müssten anders sein. Sie waren so, wie sie waren nicht richtig! Ich war nicht schnell genug, ein platz war nicht schön genug, eine Situation sollte freudiger oder zumindest angenehmer sein, Menschen müssten uns mehr helfen, Lektionen müssten einfacher zu lösen sein. In meinen Augen war nicht alles gut so wie es war. Ds meiste war sogar gerade genau falsch so wie es war, und dies war meine Schuld. Es war falsch, dass wir noch nicht erfolgreicher waren, dass der Reißverschluss von meinem Wagen kaputt gegangen war und vieles mehr. Ich konnte die Dinge nicht als das ansehen was sie waren, nämlich als stets genau die Spiegelsituationen, die benötigt wurden, um Heilung zu finden und um ins Erwachen zu kommen. Sie waren ein Feedback, durch das man die nächsten Entwicklungsschritte leichter gehe konnte, doch ich sah sie als Kritik und als Beweis, selbst nicht richtig zu sein, was mich demotivierte und dieses Gefühl der Schuld in mir auslöste. Daher kam auch dieses Verhaftet-Sein in der selbst empfundenen Fremdgesteuertheit durch meine Mutter. Ich wusste, dass sie nur ein inneres Konzept in mir war, sah sie aber als eine Art bösen Teil in mir an, über den ich keine Kontrolle hatte, der aber jederzeit die Kontrolle über mich übernehmen konnte, wenn ihm danach war. Und das tat er dann zum Beispiel in Form der Ohnmächtigkeit, der Starrheit und der Lähmung, in die ich immer wieder verfiel. Hier bestand die Aufgabe darin, eine neue Verknüpfung zu erschaffen und von der Idee der „bösen, manipulativen Mutter“ zum Konzept von „Mutter Erde“ überzugehen. Das was mich hier lenkte und steuerte war die Urenergie der Schöpfung, die Erschafferin allen Lebens und die Steuerung geschah aus Güte und nicht aus dem Versuch heraus, mich kaputt zu machen. Ausgehend von diesem Verständnis konnte ich dann auch wieder leichter annehmen, dass ich diese Schöpferkraft bin und mich selbst fernsteuere. Dies vollkommen zu verinnerlichen ist nun der nächste Schritt. Bislang war ich nun schon so weit, zu erkennen, dass alles eins war und dass die Schöpfung mit allem verbunden war und durch alles hindurch spürbar war. Nur eben nicht mit mir. Ich selbst sah mich irgendwo außerhalb der Schöpfung und fühlte mich daher verstoßen und abgeschnitten. Deshalb konnte ich auch keine Energie bekommen.
 
Höhenmeter 20m / 10m / 17m / 35m
Tagesetappe: 17km / 13km / 13km / 19km
Gesamtstrecke: 27.200,27km
Wetter: Wind und Kälte, hin und wieder sogar etwas Sonne
Etappenziel 1: Katholisches Jugendhaus, Rees, Deutschland
Etappenziel 2: Gemeindehaus, Isselburg, Deutschland
Etappenziel 3: Evangelisches Gemeindehaus, Bocholt, Deutschland
Etappenziel 4: Gemeindehaus, Borken, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 22:49:04


Tag 1439 bis 1441: Wieder alles offen

Es kommt anders als man denkt, aber am Ende wird e

31.10.2017 – 03.11.2017 In Sachen Luxusschlafplatz haben wir heute einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nach mehreren Absagen und einer recht unerfreulichen Aktion, bei der mich ein Anwohner mit dem Auto 2,5km zum Haus des Bürgermeisters mitnahm und dann wegfuhr so dass ich plötzlich mitten im Nirgendwo stand, war das beste Angebot, das wir bekommen konnten ein kleiner, unbeheizter Saal über dem Büro des Wasseramtes. Es gab hier weder Internet noch eine Toilette und erst recht keinen zweiten Rum, in dem ich nachts hätte Arbeiten können. Stattdessen versuchte ich, mir einen Arbeitsplatz an einem Schreibtisch im hintersten Eck aufzubauen, was sich jedoch als äußerst ineffektiv erwies. Letztlich verbrachte ich meine Nacht daher immer im Wechsel damit, im Liegen, im Sitzen und im Stehen zu schlafen. Auch sonst zählten die letzten Tage nicht unbedingt zu den erfolgreichsten in meinem Leben, wenngleich sie sich im Nachhinein als eine Art Schwungbringer für die nächste Zeit. Entpuppten. Seit Schottland hinkte ich ja noch immer sehr stark mit den Berichten und auch mit vielen anderen Aufgaben hinterher. Obwohl ich nun theoretisch auch noch die kompletten Nächte zur Verfügung hatte, wollte trotzdem einfach nichts so richtig vorangehen. Immer wieder kamen mit meine Langsamkeit und meine schier unüberwindbare Müdigkeit in den Weg, die mich teilweise über Stunden hinweg lahmlegten. Es machte also den Anschein, als wäre ich trotz alle Bemühungen und trotz all der zusätzlichen Zeit noch immer keinen Schritt weiter gekommen. Hinzu kamen nun noch andere offene Themen. Die Suchmaschinenoptimierung der Seite passte noch immer nicht und auch die Aufgaben an der Erlebnisseite schienen kein Ende zu nehmen. Sinnvoller Weise konzentrierte ich mich nun so sehr auf das Fehlen von Zeit, dass ich damit natürlich noch allerlei Situationen anzog, die fleißig ihren Anteil dazu beitrugen. Der Höhepunkt diesbezüglich fand vor zwei Tagen statt, als wir rund vier Stunden auf unseren Übernachtungsplatz warten mussten. Zunächst war das noch nicht weiter schlimm, denn die Sonne schien und wir konnten die Zeit im Freien zum Trainieren, Entspannen und Genießen nutzen. Dann aber wurde es immer kälter und windiger und damit ging auch der Wohlfühlfaktor ein klein wenig verloren. Hinzu kam nun, dass wir von einem zum nächsten hin vertröstet wurden und als schließlich eigentlich alles passen sollte, war dann auch noch eine Gruppe in unserem Raum, die irgendwie niemand auf dem Schirm gehabt hatte. All dies spiegelte aber im Grunde nur wieder, was in mir selbst zurzeit alles abging. Ich verstand nicht genau, wie, aber ich schaffte es immer wieder, mir auf die sonderbarsten Arten selbst im Weg zu stehen. Am Ende dieses Tages führte genau dieser Punkt zu einem größeren Streit zwischen Heiko und mir, der zwar zunächst heftig und unangenehm war, der aber auch viele verborgene Themen an die Oberfläche brachte und somit die Grundlage für einige Veränderungen es zeigte sich wieder einmal, dass gerade auch Spannungen wichtig sind, um voran zu kommen und um aus einem alten Trott aufzuwachen. Dennoch wollte es auch in den nächsten Tagen zunächst nicht wirklich besser, sondern eher noch etwas schlechter werden. Die Gegend erwies sich als äußerst komplex, was das Auftreiben von Schlafplätzen anbelangte und so mussten wir zunächst einmal einen halben Marathon zurücklegen, bis wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit in eine hoch moderne Rathaushalle eingeladen wurden. Der Platz schien Ideal, um endlich wieder einmal ein paar Dinge aufzuholen, zumal er über schnelles Internet und mehrere, separate Räume verfügte. Doch so sehr ich mich auch auf meine nächtlichen Aktivitäten freute, mein Körper machte mir dennoch einen Strich durch die Rechnung, indem er mich in einen Zustand der Erschöpfung fallen ließ, aus dem ich erst am frühen Morgen wieder erwachte. Vollkommen hektisch und in dem unsinnigen Glauben, nun in einer Stunde alles nachholen zu müssen, was ich in einer Nacht hätte tun sollen, wurden meine Handlungen so unkontrolliert, dass ich am Morgen sogar den Reißverschluss meines Hauptpacksacks zerstörte. Er war auch zuvor schon nicht mehr in Ordnung gewesen und ließ sich nur mit besonderer Vorsicht und spezieller Trick-Technik überhaupt noch schließen. Doch heute übertrieb ich es damit und brachte ihn so in eine Position, aus der er sich nicht mehr vor- oder zurückbewegen lassen wollte. All das Material in meinem Wagen lag damit nun ungeschützt im Freien. Glücklicherweise regnete es heute nicht, aber wir wussten natürlich nicht, wie sich das in den nächsten Tagen ändern würde. Somit stand fest, dass eine Lösung her musste, und zwar schnell. Doch wie immer, wenn wir uns in solche Situationen brachten, tauchte am Ende des Tunnels sofort wieder ein Licht auf. Gegen Mittag erreichten wir ein kleines Dörfchen mit einem äußerst unfreundlichen Bürgermeister, dessen einziges Kommentar auf unsere Bitte um einen Schlafplatz so etwas lautete wie: „Da hinten wohnt ne Deutsche, belästigt die doch!“ Glücklicherweise handelte es sich bei besagter Dame um eine freundliche und offene Frau afrikanischen Ursprungs, die normalerweise in Berlin lebte, sich hier aber mit ihrem Mann eine Sommerresidenz aufgebaut hatte, in der sie nun einige Wochen verbrachte. Ihr Mann hatte nicht mitkommen können und auch von den Kindern war niemand dabei, weshalb das große Haus weitgehend leer stand und damit genug Platz für zwei Wanderer bot. Neben einigen recht angeregten Gesprächen und gutem Essen, versorgte uns unsere Gastgeberin auch noch mit einer großen gelben Plane, aus der wir eine Art Regenmütze für meinen Wagen basteln konnten, die unsere Sachen bis auf weiteres schützen sollte. Ein kurzes Telefonat mit Ortlieb reichte zudem aus, um einen Ersatzpacksack zu bekommen, der in den nächsten Tagen nur noch seinen Weg zu uns finden musste. Man muss schon sagen, auch wenn die Packsäcke von Ortlieb immer mal wieder kleine Pannen oder Verschleißschwierigkeiten aufweisen, ihr Service ist einfach unübertroffen. Und nachdem nun alles soweit geklärt war, hatte ich endlich auch mal wieder eine produktive Nacht, in der ich so einiges nachholen konnte von dem, was sich in der letzten Zeit angesammelt hatte.
 
Spruch des Tages: Es kommt anders als man denkt, aber am Ende wird es trotzdem immer alles gut.
Höhenmeter 6m / 16m / 60m
Tagesetappe: 7km / 12km / 16km
Gesamtstrecke: 27.138,27km
Wetter: Wind und Kälte, hin und wieder sogar etwas Sonne
Etappenziel 1: Katholisches Gemeindehaus, Kevelaer, Deutschland
Etappenziel 2: Gemeindehaus, Uedem, Deutschland
Etappenziel 3: Evangelisches Gemeindehaus, Xanten, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-10-03 22:47:24


Tag 1435 bis 1438: Wo ist unsere Kamera?

Verschollene Kamera

SEO-Optimierung Abgesehen davon dass es nun mit jedem Tag nasser und ungemütlicher wird, gibt es über die letzten Tag kaum etwas zu berichten. Land, Leute und Erlebnisse sind größtenteils ähnlich und unser eigener Fokus liegt gerade auf der Arbeit an der Erlebnis-Geschenke-Plattform. Langsam haben wir verstanden, dass dieses Projekt deutlich größer ist, als wir angenommen hatten. Und auch die Lebensabenteurer-Seite braucht immer mehr Aufmerksamkeit um wirklich ins Laufen zu kommen. Unser neues Leitwort in diesem Bereich lautet SEO. Denn wie wir festgestellt haben ist ein Reisetagebuch nur dann wirklich hilfreich, wenn es auch gefunden werden kann, wenn auch jemand von seiner Existenz weiß. Und für google wären wir trotz der nunmehr gut 1400 Unterseiten nahezu unsichtbar. So sehr uns dies am Anfang erschreckte, so sehr waren wir auch erstaunt darüber, was hier mit ein paar Handgriffen alles möglich war. Oft reichten winzige Änderungen im Text oder im Titel und schon wurde aus einem unsichtbaren Tagesbericht plötzlich ein gern gelesener Leitartikel. Verschollene Kamera Gestern hatten wir dann aber plötzlich doch noch ein bisschen mehr Aufregung, als wir erwartet hatten. Nach einer Wanderung durch drei Orte erreichten wir ein kleines Nest, dessen Bürgermeister in einem großen Schloss wohnte. Er selbst wie auch seine Frau waren sehr nette und gastfreundliche Menschen und baten uns sofort herein. Als Heiko daraufhin zu seiner Kamera griff um sie mitzunehmen, stellte er fest, dass sie nicht da war. Hatte man sie gestohlen, als wir einen Moment nicht aufgepasst hatten? Wohl kaum, denn es war niemals jemand in der Nähe der Wagen gewesen. Wir mussten sie also irgendwo vergessen oder liegen gelassen haben. Glücklicher Weise sprach die Frau des Bürgermeisters so gut Deutsch, wie wir Französisch. Auf der einen Seite was dies etwas erschreckend, denn obwohl wir alles verstehen und erzählen konnten, klangen ihre Sätze doch etwas stokelig und erinnerten eher an Gettokids als an alles andere. So musste sich also unser Französisch für einen Franzosen anhören. Damit war nun klar, dass das viele Lob, das wir für unsere Sprachkenntnisse erhalten hatten, eher ein Beweis für die Höflichkeit der Franzosen als für unseren Lernerfolg war. Gemeinsam mit unserer Gastgeberin brachen wir auf und fuhren unsere Strecke noch einmal rückwärts ab, bis wir an einen Ort kamen, wo wir bereits ein erstes Mal nach einem geeigneten Schlafplatz gesucht hatten. Der Bürgermeister hätte ihn uns auch gegeben, doch der Platz war ausgerechnet heute durch eine große Partygesellschaft in Beschlag genommen worden. Und hier wurden wir nun auch fündig. Die Kamera stand noch immer dort, wo Heiko sie während des Bürgermeistergesprächs abgestellt hatte.
 
Höhenmeter 60m / 11km / 12km / 15km
Tagesetappe: 25km / 16m / 16m / 10m
Gesamtstrecke: 27.103,27km
Wetter: Regen, Wind und Kälte
Etappenziel 1: Katholisches Pfarrhaus, Kaldenkirchen, Deutschland
Etappenziel 2: Kloster Mariendonk, 3km westlich von Kempen, Deutschland
Etappenziel 3: Katholisches Gemeindehaus, Nieukerk, Deutschland
Etappenziel 4: Gemeindehaus der Kirche, Lüllingen, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:55:20


Tag 1434: Mystische Herbstwälder

Es ist viel mehr möglich als man glaubt! Man muss

21.-23.10.2017 Seit drei Tagen befinden wir uns nun mitten im Herbst. Das Wetter ist deutlich kälter und nasser geworden und die Wälder haben nun ihre ganze orange-gelbe Pracht aufgesetzt. Mit der Gemütlichkeit ist es also erst einmal vorbei, aber dafür haben die Herbsttage ihren eigenen mysthischen Charme. Es ist ein echtes Geschenk, gerade um diese Zeit durch ein so ausgedehntes Waldgebiet wandern zu dürfen. Einen Großteil der Strecke legen wir dabei auf holprigen Waldwegen zurück, die sind zwar nicht immer angenehm zum Wandern sind, geben einem dafür aber viel mehr das Gefühl, ein Teil des Waldes zu sein, als dies eine Straße je könnte. Wenn dann noch teilweise der Nebel zwischen den Bäumen hindurchzieht, irgendwo ein Käuzchen schreit und hin und wieder ein Reh oder ein Eichhörnchen zwischen den Bäumen umher springt, dann fühlt man sich wirklich wie im Märchenland. Auch unsere letzten Schlafplätze passten auf ihre eigene Art dazu. Vor drei Tagen erreichten wir ein kleines Dörfchen in dem gerade ein Festival veranstaltet wurde. Überall im Ort waren kleine Stationen mit Verkaufsständen, Spielmöglichkeiten und Bastelangeboten für Kinder aufgebaut. Es gab sogar ein handbetriebenes Kettenkarussell. Der Bürgermeister stellte uns das ehemalige Feuerwehrhaus zur Verfügung, das nun nicht mehr war, als eine Abstellkammer, in der gelegendlich kleine Feste gefeiert wurden. Von den letzten Aktionen hier standen noch immer die halb vergammelten Lebensmittel herum, aber wenn man einmal für ein bisschen Ordnung gesorgt hatte, war der Platz gar nicht schlecht. Da es kein Internet gab, erlaubte uns der Bürgermeister zudem, sein Büro im Rathaus zu nutzen. Auch in der Nacht. Verglichen mit dem letzten, der uns nicht einmal einen w-LAN-Zugang geben wollte, also ein sehr vertrauensvoller Mensch. Die nächste Übernachtung hatten wir in einem kleinen Hotel. Wie bereits beim letzten Hotelbesuch bot man uns auch hier zunächst ein Zimmer an, das direkt über der Küche lag und in dem permanent verschiedene Lüfter, Klimaanlagen und Kühlschränke dröhnten. Wir beschlossen daher noch einmal mit den Verantwortlichen zu sprechen und zu fragen, ob nicht ein Tausch möglich sei. Ein bisschen dreist kamen wir uns dabei schon vor, denn immerhin war es ja ein geschenktes Zimmer. Dennoch sahen wir keinen Grund, warum man sich einen Tag lang unwohl fühlen sollte, nur weil man etwas geschenkt bekam. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass es überhaupt kein Problem war, ein anderes Zimmer zu bekommen. Ich fand sogar noch einen Raum, in dem ich nachts in Ruhe arbeiten konnte, denn obwohl die Zimmer inzwischen ihre eigenen Badezimmer hatten, gar es noch immer eine Toilette auf dem Gang, die nicht mehr genutzt wurde. Gestern schließlich wurden wir dann in ein altes Kloster eingeladen, dass sich einsam mitten im Wald befand. Auch hier stellten wir fest, dass man deutlich mehr bekommen konnte, wenn man nur danach fragte. So wäre das Abendessen eigentlich gemeinsam mit rund 100 Seminarteilnehmern und Klosterbesuchern in einem großen Speisesaal geplant gewesen. Eine kurze Erläuterung zu unserer Einstellung gegenüber Stille und großen Menschengruppen reichte aus, und wir durften unser Essen mit aufs Zimmer nehmen.
 
Spruch des Tages: Es ist viel mehr möglich als man glaubt! Man muss nur danach fragen.
Höhenmeter 20m
Tagesetappe: 26km
Gesamtstrecke: 27.036,27km
Wetter: Regen, Wind und Kälte
Etappenziel: Männerkloster, Roermond, Holland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:52:58


Tag 1433: Die Drei-Tage- Regel

Erkenne deinen inneren Schweinehund

20.10.2017 Erfahrungen mit dem polyophasischen Schlafrhythmus Laut allen Beschreibungen, die ich im Internet zum Thema polyphasischer Schlafrhythmus gefunden habe, sollte man nach etwa 10 Tagen der Umstellung, in denen man müde und abgeschlagen ist, wieder seine volle Energie besitzen. Man sollte sogar mehr davon haben als je zuvor und man sollte sich erfrischt, lebendig, zufrieden und voller Tatendrang fühlen. Leider kann ich diese Erfahrung in meinem Fall noch nicht bestätigen. Ich probiere mich in diesem Schlafrhythmus nun ja schon einige Monate und bin noch immer müde und Energielos. Wobei man natürlich auch sagen muss, dass ich bereits vor dr Umstellung müde und energielos war. Es ist nun nur etwas präsenter geworden. Trotzdem habe ich noch immer das Gefühl, dass dieser Rhythmus zu mir gehört und dass es etwas anderes ist, das mich im Moment immer wieder ausknockt. Das Problem ist nur, dass es ich wirklich ausknockt. Ich habe Phasen in denen ich manchmal mehre Stunden wie Bewusstlos auf meine Stuhl sitze und einfach ausgeschaltet bin. Dabei habe ich natürlich eine vollkommen unbequeme Haltung, die jedes Mal mein Genick ein Stückchen stärker verspannt und mir das Konzentrieren schwerer macht. Heute beispielsweise habe ich es tatsächlich geschafft, gleich in der Früh nach dem Weckerklingel-Signal, das mich auf unsere offizielle Aufstehzeit hingewiesen hat, auf meinem Stuhl einzuschlafen und nicht wieder aufzuwachen bis Heiko mich weckt. Ich hatte nur schnell ins Handy schauen wollen, um unsere heutige Strecke zu planen und schwubs war ich schon wider im Stand-By Modus. Inzwischen konnte ich diesen Modus sogar einnehmen, wenn ich stehe oder knie. Man kann also sagen, alles was es an ungesunden, negativen und nicht hilfreichen Fähigkeiten rings um Energielosigkeit gibt, habe ich schon einmal gelernt. Jetzt muss ich nur noch lernen, wie die sinnvollen Dinge funktionieren. Aller guten Tage sind drei. Dabei wurde jedoch eine Sache noch einmal besonders deutlich, die mich ebenfalls schon mein Lebenlang begleitet. Heiko nannte es meine „3-Tage- Regel“ Sie besagt, dass ich es immer schaffe, alles neue, alle Routinen, alle Übungschritte und alle guten Vorsätze genau drei Tage Tage einzuhalten. Danach kommt irgendetwas dazwischen oder ich komme ins Schludern und schon ist alles wieder verloren. So kann man natürlich nichts lernen und braucht sich darüber auch nicht zu wundern. Wenn ich in meinem Leben drei Unterrichtsstunden am Klavier nehme, werde ich kein großer Komponist werden. Also brauche ich am Ende auch nicht enttäuscht zu sein. Wenn ich drei Tage lang Liegestütze mache, werde ich keinen gestählten, muskulösen Oberkörper bekommen. Genauso wenig kann ich lernen, Energie aus Meditationen oder der Verbindung zur Natur zu gewinnen, wenn ich niemals meditiere. Alle positiven Routinen, die ich mir antrainieren wollte, um immer ausreichend Energie zu haben, liegen noch immer auf dem Stapel mit „Mache ich irgendwann einmal!“ Wie also will ich so vorankommen? Meine übliche Reaktion nach einer solchen Erkenntnis war stets, mich selbst zu dissen und zu sagen, „Alles Klar, habe ich verstanden dieses Mal wird’s besser!“ Und dann habe ich es drei weitere Tage geschafft. Das kann natürlich keine Lösung sein. Wichtig ist, anzuerkennen, dass es vor allem dieses Problem ist, mit dem man umzugehen lernen muss. Bevor ich irgendetwas anderes lernen kann, muss ich meine Mechanismen in diesem Bereich erkennen, verstehen und umgehen. Ich brauche einen guten Plan, wie ich meinen inneren Selbstmanipulierer austrickse und ihn umgehe. Fürs erste habe ich nun dafür gesorgt, dass mich all die technischen Geräte in meiner Umgebung alle drei Tage daran erinnern, dass ich doch etwas lernen wollte und dass ich schon wieder dabei bind, ins Schludern zu kommen. „Hey du Depp!“ sagt nun beispielsweise alle drei Tage mein Computer zu mir, „Du wolltest doch lernen, Lichtmeditationen zu machen, deinen Beckenboden zu trainieren und deinen Atem wahrzunehmen! Wie siehts jetzt damit aus?“ Für´s erste scheint das ganz gut zu klappen, aber ich werde mir in der nächsten Zeit immer wieder neue Umgehungsstrategien suchen müssen, damit ich mich nicht wieder selbst verarsche. Das zweite Prinzip, das ich nun verstanden habe ist, dass ich kleine Schritte machen muss. Ich bin kein Genie, das alles auf einen Schlag lernen kann, sondern ein Depp, der eine Schritt für Schritt Anleitung braucht, nur um richtig auf´s Klo zu gehen. Das ist zwar etwas peinlich, aber es ist wie es ist und nur wenn ich das annehme, komme ich hier auch weiter. So habe ich meine tägliche Lichtmeditation nun in kleine praktische Häpppchen eingeteilt, Eigentlich sollte ich sie zehn Minuten lang machen, doch nach neuneinhalb Minuten habe ich mich jedes Mal gelangweilt, weil ich den Fokus eh nicht halten konnte. Von da an habe ich mich nur noch gefragt, wann endlichdiese Zeit um ist. Jetzt mache ich es anders. Wenn ich meine Konzentration nur 30 Sekunden halten kann, dann mache ich auch die Medi nur 30 Sekunden lang. Das klappt bislang sehr gut und nun macht sie mir sogar Spaß, weil ich nun tatsächlich Licht sehen und spüren kann, wie es in mich hinein strömt. Einige Male kam mi die Zeit dabei sogar schon etwas zu kurz vor, so dass ich mich heute Mittag auf 35Sekunden gesteigert habe.
 
Erkenntnisse des Tages: 1. Erkenne deinen inneren Schweinehund und lerne, mit ihm zu tanzen! Wenn du merkst, dass du dich selbst immer wieder manipulierst und dass deine Vorsätze verloren gehen, dann verurteile dies nicht und leugne es auch nicht, sondern nimm es an, und such dir Wege, mit denen du dich selbst überlisten und deinen Schweinehund immer wieder austricksen kannst. 2. Mache jeden Schritt so groß wie möglich aber so klein wie nötig! Wenn du dich nur für drei Sekunden konzentrieren kannst, bringt es nichts, von dir selbst eine Stunde einzufordern. Das führt nur zu Ablehnung, Frustration und Lustlosigkeit. Dies ist also das beste Futter für deinen Schweinehund. Gesteh dir ein, dass du am Anfang stehst und konzentriere dich die vollen drei Sekunden, die dir möglich sind. Sei auf diesen Erfolg genauso stolz, als wären es drei Tage gewesen und geneieße deinen Erfolg. Schon bald werden es dreieinhalb oder gar vier Sekunden sein und von da an wird es immer besser! Achte aber darauf, dass du die Schritte nicht zu klein machst, so dass es eine Herausforderung bleibt, an der du lernen kannst. Alles andere wäre nur auch wiede ein Trick des Schweinehundes.
Höhenmeter 50m
Tagesetappe: 22km
Gesamtstrecke: 27.010,27km
Wetter: Regen, Wind und Kälte
Etappenziel: Psychiatrische Klinik (Raum mit Gummizelle), Maaseik, Belgien

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:50:55


Tag 1430 bis 1432: Die letzten Gäste

Wer hätte gedacht, das wir hier schon wieder nach

19.10.2017 Die Gegend hier im Herzen von Frankreich ist nicht unanstrengend und macht uns teilweise genauso fertig, wie viele Bereiche in England. Dafür ist es aber gerade jetzt im Herbst, eine der schönsten Gegenden, die man in diesem Land finden wird. Endlich können wir wieder gemütliche Picknicks im Wald machen und uns dabei von der Sonne wärmen lassen. Im Sommer ist dies ja ein bisschen zu kurz gekommen. Gerade scheint auch eine Zeit zu sein, in der wir lernen sollen, die Dinge einfach so anzunehmen wie sie kommen und dabei zu erkennen, dass sie für uns hier sind und nicht rein zufällig passieren. Es ist ein bisschen, als würde man sich die Muppet-Show ansehen und die ganze Zeit Schmunzeln, weil lauter Dinge passieren, die so eigentlich nicht passieren dürften und die vollkommen Überspitzt sind. Sobald wir uns irgendwo hinsetzen dauert es keine halbe Minute mehr, bis es um uns herum zu Lärmen beginnt, bis wir den Platz wieder verlassen. Dabei ist es egal, ob wir noch unterwegs oder schon an unserem Platz angekommen sind und ob es sich bei dem Platz um eine Festhalle, ein Hotelzimmer oder ein privates Gästezimmer handelte. Irgendwo zauberte jemand immer wieder ein bisschen Lärm hervor, so dass man nicht zur Ruhe kommen konnte. Oder besser, so das es wichtig ist, noch einmal ganz neue Formen der Meditation zu erschaffen, um auch in diesen Situationen Stille zu erschaffen. Oder in meinem Fall: Entspannung und effektives Arbeiten. Die letzten Tage kamen wir bereits wieder sehr spät abends an, weil wir stets weiter und weiter geschickt wurden. Vor allem dann, wenn ich die neuen Schuhe trug, mit denen ich nicht weit gehen konnte. Und vor allem dann, wenn ich mir vor nahm eine Struktur einzuhalten um gezielte Fortschritte zu machen und Aufgaben abzuarbeiten, ohne dabei gegen mich zu arbeiten. Gestern beispielsweise hatte ich eine absolute Highlightsituation, in der ich von einem Anwohner rund 2km bis zum Haus des Bürgermeisters gefahren wurde, der mich dann dort stehen ließ und allein wieder zurück fuhr. Der Bürgermeister bot uns an, dass wir den Tag über auf der Straße warten und dann ab 18:00 Uhr in eine Kirchenruine ohne Strom ziehen könnten. Dafür hat sich die Strecke dann eher nicht gelohnt. Dummerweise musste ich nun die 2km wieder zurück hinken, obwohl ich bereits zuvor gemerkt hatte, dass es höchste Zeit war, um die Schuhe umzuziehen, wenn ich mir nicht die Zehen abreißen wollte. Mit der Meditation des Annehmens in Bedingungsloser Liebe klappte es gelinge gesagt eher mau. Es sprudelte einfach zu viel Hass in mir, um ruhig und entspannt zu sein. Ähnlich erging es Heiko, der die Wartezeit gemeinsam mit einem kläffenden Hund, einer Kreissäge, einem Laubbläser, einem Düsenjet, und einer schreienden Schulklasse neben sich verbrachte. Und doch war nun etwas anders als früher. Es war nicht mehr, dass wir auf die Menschen sauer waren, da wir verstanden hatten, dass sie nicht wirklich real waren. Wenn alles eins ist, dann waren wir es, die diese Situationen auslösten und zwar aus gutem Grund. Wir waren nun eine Stufe weiter. Früher hatten wir der Welt die Schuld dafür gegeben, dass wir Leid erfahren mussten. Nun da wir wussten, dass dies Quatsch war, gaben wir uns die Schuld dafür, dass die Welt Leid erfahren musste und bestraften uns unbewusst selbst mit unangenehmen Situationen. So richtig viel besser war das nun vielleicht auch wieder nicht, aber es Fühlte sich an wie Level 2 auf dem Weg der Entwicklung und das war durchaus ein gutes Gefühl. Heute kamen wir daraufhin auch schon gleich prompt wieder früh an und hatten sogar Zeit, ein paar Tests und Therapien zu machen. Ich bekam eine Fußreflexzonenmassage von Heiko, die mir die Schmerzenstränen in die Augen trieb. Es war ja noch nie angenehm gewesen, aber so stark waren die Schmerzen noch nicht. Doch auch diese war letztlich ein gutes Zeichen, denn es hatte sich nichts verschlimmert. Stattdessen war lediglich meine Wahrnehmung sensibler geworden und das wollte ich ja die ganze Zeit erreichen. Auch gestern war unser Tag durchaus positiv und angenehm ausgeklungen. Denn nachdem es schon so aussah, als müssten wir noch Ewig laufen, kamen wir an eine Pension, die von einem holländischen Pärchen betrieben wurde. Hier mussten wir nicht einmal nach einem Schlafplatz fragen, sondern bekamen ihn gleich angeboten. Später erfuhren wir dass die beiden kurz davor waren, wieder nach Holland zurückzukehren. Das Haus war bereits verkauft und die meisten Umzugskartons waren gepackt. So schön der Aufenthalt hier für uns war, so schön war er auch für Luis, denn für ihn waren wir nun die letzten Gäste, die hier in dem Haus unterbringen würde, das 20 Jahre seine Heimat war. Damit konnte er diesen Abschnitt seines Lebens nun mit gutem Gewissen hinter sich lassen. Es hatte einen richtigen Abschluss gegeben. Nicht einfach mit einem gewöhnlichen Gast, sondern mit zwei Ehrengästen, die bereits eine weite Reise hinter sich hatten.
 
Spruch des Tages: Wer hätte gedacht, das wir hier schon wieder nach Schottland kommen?
Höhenmeter 125m / 22m / 30m
Tagesetappe: 15km / 18km / 14km
Gesamtstrecke: 26.988,27km
Wetter: Regen, Schneematsch, Wind und Kälte
Etappenziel 1:Kloster Boeckwinkel, Wittem, Holland
Etappenziel 2: Katholisches Pfarrhaus, Maastricht , Holland
Etappenziel 3: Hotel Kasteel Elsloo, Elsloo, Holland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:48:24


Tag 1426 bis 1429: Delahaye - Eine der ältesten Automarken der Welt

17.-18.10.2017 Heute waren wir zu Gast in einem Schloss, dass der Familie gehörte, die einst die Gründer und Geschäftsleiter der ältesten Automobilmarke der Welt gewesen war. Der heutige Besitzer war ein kleiner, grauhaariger Rentner, dessen Leidenschaft für prunkvolle Oldtimer im ganzen Haus präsent war. Überall hingen Poster und Plakate mit den antiken Fahrzeugen herum und in den Regalen fanden sich mehr Modellautos als in den meisten Spielwarengeschäften. Als wir unseren Gastgeber danach fragten erklärte er uns den Grund seiner Sammlung. Tatsächlich war seine Familie von 1803 an stets in der geschäftsführenden Position von Delahaye, einer Firma, die als eine der ersten der Welt professionelle Automobile herstellte. Und ihr könnt mir glauben, wenn ich sage, dass diese damals noch wirklich Stil hatten. Das waren mal andere Autos, als die gefühlskalten Schlitten vom Band, wie man sie heute findet. Jedes einzelne hatte eine Persönlichkeit und einen unverwechselbaren Charakter. Dass man diese Automarke trotz ihrer offensichtlich hervoragenden Qualität heute kaum noch kennt liegt wahrscheinlich daran, dass sie bereits in den 1950ger ihre Pforten schloss. Doch ihre Hinterlassenschaften sind nicht ganz von unserem Planeten verschwunden. Einige seltene Exemplare gibt es noch immer. Nicht nur als Model, sondern als echte, lebensgroße und vollkommen intakte Vertreter ihrer Art. Voller stolz präsentierte uns unser Gastgeber die vier Exemplare, die in seiner eigenen Garage standen. Das Licht war leider etwas dämmerig und die Wagen waren verständlicherweise in Tücher gehüllt. Aber das was man sehen konnte war über alle maßen beeindruckend. Selbst für jemanden, der sich normalerweise nicht allzu sehr für Autos interessiert. Zwei der vier Wagen hatte er aus alten Wracks von Grund auf neu gebaut, die anderen beiden waren gekauft und teilrenoviert. Einer, der größte von ihnen, war seinerzeit sogar das Staatsfahrzeug des Französischen Präsidenten gewesen. Er war das noch letzte existierende Exemplar seiner Serie und musste locker einen zweistelligen Milllionbetrag wert sein. Die anderen, unter denen sich ein weiteres Unikat befand, lagen preislich nicht viel darunter. Alles in allem schätzte Heiko den Inhalt der Garage auf irgendetwas zwischen 50 und 100 Millionen. Äußerer Reichtum innere Armut Umso mehr war es uns ein Rätsel, wie man sich in einem so großen Hau so arm fühlen konnte. Obwohl es Nachts nun zumeist nur noch wenige Grad über Null hatte, wurde im ganzen Haus nicht geheizt. Auch gab es hier sonst nichts gemütlich, keine bequeme Couch, keine Leseecke und keine Kuschell-Area. Es war ein Museum voller Artefakte, aber wohnen konnte man hier nicht. Zum Abendessen gab es Nudeln mit Pilzen und Zwiebeln, aber ohne Sauce. Dafür dann aber wieder einen Käse für 16€ pro Kilo als Ausklang. Als wir uns dann beim Frühstücken über Obst, Gemüse und die Veränderung der Preise in den letzten Jahren sprachen, erzählte uns die Frau allen Ernstes, dass sie die Lebensmittelpreise als so teuer empfand, dass sie dich frisches Obst und Gemüse einfach nicht mehr kaufte. „Andere mögen sich dies ja leisten können!“ sagte sie, „aber wir nicht!“ Als wir kurz darauf gingen, fiel es uns richtig schwer, nach einen halben Baguette für den zu fragen, weil wir Angst hatten, die Familie müsse dann hungern. Und dies wie gesagt in einem Schloss, mit hektargroßem Parkgelände und Oldtimern in der Garage, die sich viele Filmstars nicht leisten könnten. Traditionsreiche Familien Gleich am Nächsten Nachmittag lernten wir noch eine weitere Familie mit einer langen Tradition kennen. Diese hatte zwar keine Autos hergestellt, dafür hatte es jedoh einen Künstler gegeben, der comicähnliche Gemälde von Menschen erstellt hat, die bis heute und Frankreich fast überall zu sehen sind. Sein Nachfahre hatte gerade vor einer Woche eine große Ausstellung in der Kirche, der Schule und in dem Aufenthaltsraum organisiert, in dem wir heute schliefen.
 
Spruch des Tages: Das waren noch andere Autos!
Höhenmeter 111m / 120m / 190m / 55m
Tagesetappe: 23km / 16km / 14km / 18km
Gesamtstrecke: 26.941,27km
Wetter: Regen, Schneematsch, Wind und Kälte
Etappenziel 1: Gästepension, Monschau, Deutschland
Etappenziel 2: Katholisches Pfarrgemeindehaus, Roetgen, Deutschland
Etappenziel 3: Benediktinerabtei, Kornellimünster, Deutschland
Etappenziel 4: Klosterkrankenhaus, Aachen, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:45:20


Tag 1422 bis 1425: Jakobsweg im Wandel der Zeit

Zeiten ändern sich

15.10.2017 Durch Zufall und einige nicht geplante Abweichungen von unserem Weg sind wir heute wieder in Guerigny gelandet, einer Kleinstadt in der wir vor drei Jahren schon bei unserem ersten Weg durch Frankreich halt gemacht hatten. Wir kamen dieses Mal von einer ganz anderen Seite und hätten die die Stadt auch nie erkannt, wenn der Kirchenplatz nicht so wahnsinnig markant gewesen wäre. Damals hatten wir die Stadt im Nebel und bei Nieselregen erreicht, wodurch sie eine trübe und unwirtliche, aber auch mystische und geheimnisvolle Stimmung ausgestrahlt hatte. Heute hingegen herrschte strahlender Sonnenschein und der wollte der Stadt so gar nichts mystisches verleihen. Nach einigem hin und her mit dem Bürgermeister durften wir in einer Pilgerherberge übernachten, die normalerweise 12€ kosten würde. Bei unserem letzten Besuch hier, hatte es diese Herberge noch nicht gegeben. Stattdessen hatten wir von einem afrikanischen Pfarrer einen kleinen Unterrichtsraum ohne Toiletten bekommen. Heute gab es einen neuen Pfarrer, der nicht aus Afrika stammte und uns mit den Worten „Oh, da haben wir hier leider nichts und dummerweise muss ich jetzt zur Chorprobe! Viel Spaß bei der Suche“ abspeiste. Die Herberge selbst war durchaus eine Steigerung gegenüber unserem letzten Schlafplatz am gleichen Ort, aber besonders gut überlegt hatte man sich den Ort dafür nicht. Sie lag direkt neben der Hauptstraße, rund einen Kilometer außerhalb der Innenstadt, so dass man als Pilger erst an ihr vorbei zum Rathaus und dann wieder zurück gehen musste. Auf halber Strecke zwischen den Cafés und Restaurants befand sich ein Supermarkt. Jeder Pilger, der also vielleicht sogar gerade dabei war, zusätzliches Geld für einen Restaurantbesuch oder ein Feierabendbier in einem Café auszugeben, wurde also spätestens hier abgefangen und mit einer Packung Spagetti oder einem Sechserträger zurück in die Herberge geschickt. Es schien fast, als wollte die Gemeinde bewusst verhindern, dass sie an den Pilgern auf freiwilliger, selbstbestimmter Ebene Geld verdient. 16.10.2017 Pilzsafari Gibt es etwas schöneres, als ausgedehnte Herbstwälder, die vom Licht der sanften Oktobersonne goldgelb erleuchtet werden? Heute durften wir rund 15km fast ausschließlich durch so einen Wald wandern. Dabei fiel uns erst einmal aus, wie wenig echte Wälder es doch in Europa. In Großbritannien beispielsweise hatten wir keinen einzigen durchquert. Von Irland ganz zu schweigen.Aber auch Spanien,Portugal, Italien und Osteuropa hatten wir größtenteils als Baumlos oder zumindest Waldlos erlebt. Klar sind wir auch dort immer wieder in kleinere Gebiete mit Bäumen gegangen, aber so richti durch einen Wald zu streifen ist schon noch einmal etwas anderes. Vor allem, wo gerade auch noch die Zeit der Pilze ist. Leider kennen wir uns mit den kleinen Freunden noch immer nicht gut genug aus, um selber sammeln zu gehen, aber heute konnten wir zumindest schon einmal eine Pilzsafari machen, bei der wir viele wirklich außergewöhnliche Exemplare vor die Linse bekamen.
 
Spruch des Tages: Zeiten ändern sich.
Höhenmeter 240m / 85m / 130m / 45m
Tagesetappe: 15km / 13km / 16km / 9km
Gesamtstrecke: 26.870,27km
Wetter: Schnee, Kälte und Winterstimmung
Etappenziel 1: Frauenkloster, Sankt Vith, Belgien
Etappenziel 2: Bildungsstädte Kloster St. Raphael, Montenau, Belgien
Etappenziel 3: Frauenkloster, 3km süsdwestlich von Bütgenbach, Belgien
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Weywertz, Belgien

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:42:57


Tag 1420 bis 1421: Intuitionstraining vom Feinsten

Es lohnt sich immer auf die eigene Intuition zu hö

14.10.2017 Im Moment scheint hier alles darauf ausgelegt zu sein, unsere Intuition zu schulen und endlich ein Vertrauen zu ihr aufzubauen. Noch nie auf unserer ganzen reise hatten wir so verhäuft Situationen, in denen wir zwar einen Schlafplatz angeboten bekamen, diesen jedoch von uns aus ablehnen mussten, weil er absolut unerträglich war. Das erste Mal hatten wir diese Situation vor einigen Wochen, als wir rund 12km gewandert sind um einen Pfarrer zu treffen der einen Platz organisiert hatte. Schon während des Telefonates hatte ich das Gefühl, dass dies kein guter Plan war und dass wir ihn unbedingt mit den Muskeln überprüfen sollten. Als ich ihn Heiko dann jedoch erklärte, klang er gar nicht mehr so schlecht und wir vertrauten darauf, dass es schon funktionieren würde. Gute zwei Stunden später standen wir dann in einer Art Hundezwinger, der sich quasi direkt auf der Straße befand. Vor zwei Tagen gab es eine ähnliche Situation. Die Rathaussekretärin hatte eine ältere Dame angerufen, die bereit war uns aufzunehmen. Sie habe ein Gästezimmer und wohne gleich um die Ecke. Auch hier hatte ich von der ersten Sekunde an das Gefühl „das passt nicht! Du fühlst dich hier nicht wohl und auch wenn diese Frau freundlich tut, geht eine Ablehnung von ihr aus, die fast körperlich spürbar ist!“ Aber meine Füße taten weh und es wirkte nicht, als würde es in den Nachbardörfern besser werden. Also nahm ich an. Zwei Stunden saßen wir darauf hin im Garten, direkt neben der Hauptstraße und warteten darauf, endlich raus aus dem Lärm und hinein in unser Zimmer zu können. Zunächst hieß es, dass dies noch nicht ginge, solange die Putzfrau da war, dann war unsere Gastgeberin plötzlich verschwunden. Schließlich tauchte ihr Mann auf, der zuvor von ihr nicht über unsere Ankunft informiert worden war und der dementsprechend gnietschig auf uns reagierte. Und schließlich hieß es dann, es sei von Anfang an der Plan gewesen, dass wir in einem winzigen Gartenhäuschen schlafen sollten, das sogar noch näher an der Straße lag und dazu noch von einer riesigen Gefriertruhe eingenommen wurde. Und heute standen wir schon wieder eine ähnlichen Situation gegenüber. Ein freundlicher Herr hatte und eingeladen, in seinem Hotel zu übernachten, da kein Bürgermeister und auch sonst niemand auffindbar war, der hätte hilfreich sein können. Das Angebot war super, nur gab es das Problem, dass sich unser Zimmer direkt neben dem Heizungskeller befand, in dem irgendeine Maschine mit fast der gleichen Intensität brummte, wie die Schiffsschraube auf unsere letzten Fähre. Und auch hier hatten wir gleich beim ersten Mal vorbei gehen an besagtem Hotel sofort das Gefühl, dass dies eher kein Platz für uns war. Jedes Mal, wenn diese Situationen auftauchten, dann gab uns unsere Intuition also klar und deutlich Bescheid. Und jedes Mal, wenn wir nicht auf sie hören, bringen wir uns damit selbst in eine unangenehme Situation, die man zwar irgendwie aushalten unter keinen Umständen aber genießen kann. Und egal wie lange wir brauchen, um das zu erkennen, es lohnt sich trotzdem jedes Mal wieder, die Situation zu verlassen und ins Ungewisse aufzubrechen. Einmal bekamen wir dafür eine Einladung von einem ganz lieben Pärchen mit einem großen, gemütlichen Haus, einmal bekamen wir ein angenehmes Hotelzimmer, einmal einen Festsaal mit Küche und geliefertem Abendessen und heute einen Platz in einem kleinen Holzhäuschen, in dem der Nachmittagsunterricht für die Kinder des Ortes stattfand. Obwohl dieser Raum ein totales Chaos voller Papierschnippel, Scheren, Bundstifte und Pappkartons war und obwohl ich mich zum nächtlichen Arbeiten auf die Toilette zurückzog, war es hier immer noch angenehmer und gemütlicher, vor allem aber ruhiger und wärmer, als in besagtem Hotel zuvor. Natürlich wurde es nicht der produktivste Tag aller Zeiten, aber wir waren hier trotz der späten Ankunft noch immer effektiver als wir es in einem Hotel des permanent-Dröhnens je hätten sein können.
 
Erkenntnis des Tages: Es lohnt sich immer auf die eigene Intuition zu hören, egal wie viel Unsicherheit dies zunächst auch mit sich bringen mag. Am Ende wird man von seinem Herzen doch stets belohnt!
Höhenmeter 195m / 260m
Tagesetappe: 15km / 17km
Gesamtstrecke: 26.817,27km
Wetter: herbstlich, kalt, bewölkt, nass, neblig, ungemütlich
Etappenziel 1: Kloster, Niederprüm, Deutschland
Etappenziel 2: Privates Gästezimmer, Bleialf, Deutschland
Etappenziel 3: Gemeindehaus der evangelischen Kirche , Gerolstein, Deutdchland
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Büdesheim, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:38:29


Tag 1416 bis 1419: Was dir dein Symptom sagen will

Heute war ein entspannter Tag, ohne große Vorkommnisse. Das einzig wirklich erwähnenswerte ist, dass wir wieder einmal in einem Schloss übernachten dürfen und dieses Mal in einem wirklich beeindruckenden. Weitaus spannender ist jedoch eine Übung, auf die Heiko vorhin bei den Recherchen für ein neues Heilungsbuch gestoßen ist. Es ist eine Übung, um selbst mehr über die eigenen Grundprogrammierungen und damit auch über die Ursachen seiner Krankheiten und Symptome zu erfahren. Wir haben sie gleich einmal ausprobiert und haben sie nicht nur als sehr hilfreich, sondern auch als recht lustig und unterhaltsam empfunden. Es ist also auch eine Übung, mit der man unangenehmen oder beängstigenden Krankheitssymptomen ein bisschen was von ihrem Schrecken nehmen kann. Der Übungsaufbau Such dir ein körperliches Symptom, das du jetzt gerade in diesem Moment spüren kannst. Vielleicht eine Verletzung, vielleicht ein chronisches Leiden, eine Verspannung, eine Allergie oder auch eine akute Krankheit. Konzentriere dich nun ganz auf dieses Symptom und fühle dich so gut wie möglich hinein. Versuche alles ganz genau wahrzunehmen. Wo genau sitzt das Unbehagen bzw. der Schmerz? Wie intensiv ist er? Was zeichnet ihn aus? Wenn du das Gefühl hast das Symptom nun in allen Einzelheiten wahrgenommen zu haben, kannst du zum nächsten Schritt übergehen. Frage nun zunächst dich selbst, was dieses Symptom mit dir macht. Wo schränkt es dich ein? Wo beeinträchtigt es dich? Wie tut es das? Auf welche Bereiche deines Körpers wie aber auch deines Geistes und deines Alltags wirkt sich das Symptom auf? Im Negativen vielleicht aber auch im Positiven. Werde das Symptom Nun kehrst du mit deiner Aufmerksamkeit wieder zum Symptom zurück, wobei du dieses Mal deine Perspektive wechselst und selbst zum Symptom wirst. Fühle dich in das Symptom hinein, nimm seine Position ein und stell dir vor, dass du nun einen Dialog zwischen dir als Symptom und dir als Mensch beginnst. Eröffne das Gespräch zunächst damit, dass du dich vorstellst und sagst was für ein Symptom du bist, warum du da bist und wie du deinen Menschen beeinflusst. Was genau tust du und was ist deine Absicht dabei? Lass dich auf einen inneren Dialog ein Wechsle nun wieder zurück in deine eigene Perspektive und fühle in dich hinein, was die Worte des Symptoms mit dir machen. Wie fühlt es sich an, das zu hören? Welches Feedback möchtest du dem Symptom geben? Was hältst du von seinen Absichten, Zielen und Methoden? Was davon kannst du annehmen, wo gehst du in Resonanz? Bei Heiko war es beispielsweise so, dass er seinen Tinnitus als Mentor und Lehrmeister in vielen Bereichen gut annehmen konnte. Er hatte verstanden, dass er immer dann auftauchte, wenn eine Situation unangenehm wurde oder in einen Bereich ging, in dem sie schädlich wurde. Der Tinnitus sorgte so dafür, dass er sich nicht mehr ablenken ließ, sondern auf seinem Weg blieb, dass er Kraftraubende Situationen vermied oder sich ihnen entzog. Oftmals noch immer etwas spät, aber besser als nie. Auf der anderen Seite tauchte der Tinnitus aber gerne auch in Momenten auf, die an sich schön und bereichernd waren und in denen er einfach nur die Stimmung zu zerstören schien. Hie konnte Heiko ihn nicht verstehen und fragte ihn was das sollte. Den Dialog ausweiten Nun wechselst du zurück in die Perspektive des Symptoms und erklärst deiner Menschversion wie du sein Umfeld beeinflusst. Wie, wodurch und auf welche weise hast du Auswirkungen auf seinen Partner, seine Eltern, Kinder, Freunde, Geschwister, Verwandte, Kollegen etc. Wie veränderst du deren Wahrnehmung? Hast du Einfluss auf ihre Lebensroutinen, ihr Essverhalten etc. Als wir die Übung selbst gemacht haben ist uns aufgefallen, dass Heikos Tinnitus beispielsweise Shanias und meine Sensibilität für Lautstärker und Störgeräusche verändert hat. Dadurch, dass wir wissen, wie sich Lärm auf Heiko auswirkt, haben wir auch ein Gefühl dafür bekommen, dass er uns ebenfalls nicht gut tut und reagieren nun deutlich früher darauf, um ihn abschalten zu können. Gleichzeitig führt das Zusammenleben mit Heiko aber auch dazu, dass wir uns öfter als zuvor, ganz bewusst Lärm aussetzen, um ihn davor zu bewahren. So wähle ich im Zweifel beispielsweise immer das lautere Zimmer. Gleichzeitig gibt der Tinnitus nun aber auch mir die Gelegenheit aus unangenehmen Situationen zu entfliehen, die ich zuvor einfach ausgehalten hätte. Es gibt hier kein schwarz/weiß aber es ist sehr spannend, die vielen Wechselwirkungen zu beobachten und einmal wirklich wahrzunehmen. Was macht das mit dir? Trete nun wieder zurück in deine eigene Perspektive und überlege noch einmal, was das gehörte mit dir macht. Frage dich dabei auch ganz ehrlich, in welchen Bereichen du von deinem Symptom profitierst. Wo hilft es dir beispielsweise um Vergünstigungen, Aufmerksamkeit, Sonderrechte o.ä. zu bekommen? Wo bewahrt es dich davor, Dinge tun zu müssen, die du nicht tun möchtest? Frage dich auch, ob es noch andere Symptome, Verletzungen oder Krankheiten gibt, die mit bestimmten Vorteilen in Verbindung stehen. Nach dem Motto: Ehe ich mir das antue, werde ich doch lieber Krank! Erkennst du hier ein Muster? Wenn ja, frage dich, ob du die gleichen Ziele auf anderem Wege auch ohne Krankheit erreichen kannst und ob es sich dabei um Ziele handelt, die du überhaupt erreichen willst. Welchen Hunger hat das Symptom? Wenn du noch weitere offene Fragen hast, kannst du nun noch beliebig oft in dm Dialog zwischen dir und deinem Symptom hin und her wechseln, bis du das Gefühl hast, dass es dir alles gesagt hat, was es zu sagen gibt. Dann frage es, was es braucht, um in Frieden gehen zu können. Was muss getan werden, damit die Aufgabe des Symptoms erfüllt ist, so dass es nicht weiter bestehen muss? Wie kannst du das umsetzen? Was brauchst du im Gegenzug von deinem Symptom, um ihm vertrauen und es in Liebe annehmen zu können? Spüre noch einmal in dich hinein, wie sich dein Bezug zu deinem Symptom verändert hat. Gibt es jetzt im Moment noch etwas das geklärt werden möchte? Wenn ja, lass dich noch einmal darauf ein. Wenn nein, bedanke dich bei dem Symptom für das Gespräch und beende die Übung fürs erste. Schaue in den nächsten Tagen genau, was sich verändert und nehme den Dialog zu deinem Symptom wieder auf, wenn dir danach ist.
 
Spruch des Tages: Kaum etwas bringt einen weiter, als eine Sache auf verschiedenenen Perspektiven zu betrachten
Höhenmeter 160m / 60m / 60m / 150m
Tagesetappe: 11km / 12km / 13km / 12km
Gesamtstrecke: 26.785,27km
Wetter: herbstlich, kalt, bewölkt, nass, neblig, ungemütlich
Etappenziel 1: Altes-Kloster, Sankt Thomas, Deutschland
Etappenziel 2: Jugendhaus, Mürlenbach, Deutschland
Etappenziel 3: Gemeindehaus der evangelischen Kirche , Gerolstein, Deutdchland
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Büdesheim, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:35:30


Tag 1411: Ein Kloster für uns allein

So unabhängig waren wir in einem Kloster noch nie.

07.10.-11.10.2017 Die letzten Tage waren weitgehend ruhig und ereignislos, weshalb wir sie hier ohne schlechtes Gewissen zusammenfassen können. Die gute Nachricht ist, dass unsere Erlebnisseite nun immer mehr Form annimmt und schon fast so weit ist, dass man sie auf die Menschheit loslassen kann. Wenn ihr schon einmal einen kurzen Blick (oder auch einen langen) riskieren wollt, könnt ihr dort oben in die Adresszeile ja einfach mal www.erlebnis-geschenk.eu eintippen oder direkt hier auf den Link klicken. Wir freuen uns über Feedback, Meinungen und Anregungen und sind gespannt, was ihr dazu sagt. Das einzig wirklich spannende, das außerhalb der Computer- und Erschaffens-Welt passierte war unser Besuch in einem vollkommen verlassenen Kloster. Einer der Mönche aus dem letzten Kloster von dem wir euch berichtet haben, hat uns bereits diesen Tipp gegeben, als er uns am Morgen heimlich und am Superior vorbei zum Frühstücken in den Klausur-Teil seiner Kongregation eingeladen hat. Leider konnten wir nirgendwo einen Eintrag auf einer Karte finden, und so verwarfen wir den Vorschlag zunächst wieder. Einige stunden Später landeten wir dann jedoch zufällig bei einem Bürgermeister eines kleinen Dorfes, der uns zum Essen einlud und uns auch in Sachen Schlafplatz aushelfen wollte. Er war Farma und hatte ein großes Haus, das sich jedoch zum überwiegenden Teil in einem unbewohnbaren Umbau-Zustand befand. Gleichzeitig war er auch noch Messi, was zum einen Bedeutete, dass er uns auf jeden Fall helfen wollte, zum anderen aber auch, dass es im bewohnbaren Teil des Hauses definitiv keinen Platz mehr für uns gab. Dennoch gab es eine einfache Lösung, denn besagtes Kloster lag nur etwa eine Geh-Stunde von hier entfernt. Ein kurzes Gespräch genügte und alles war soweit ausgemacht. Als wir das Kloster dann jedoch erreichten, fanden wir zwar sämtliche Gebäude offen und einladungsbereit aber auch vollkommen verlassen vor. Auf dem gesamten Gelände war einfach kein Mensch auszumachen. Nach einer halben Stunde, trafen wir zum ersten Mal auf eine Familie, die jedoch lediglich einen Spaziergang um das Kloster machte und nicht das geringste darüber wusste. Eine weitere Stunde später kam ein Mann, der hier so etwas wie der Hausmeister war. Er kannte zwar die Gebäude, wusste aber weder etwas von uns, noch etwas über den Verbleib seines Arbeitgebers. Wir beschlossen daher, die offenen Türen als Einladung zum Eintreten anzusehen, denn irgendwie war ja bereits verabredet worden, dass wir hier bleiben durften. So nutzten wir den Nachmittag dann so gut wie Möglich zum Arbeiten, bis am Abend schließlich ein Auto vor fuhr und eine junge Frau ausspuckte, die wirklich hier auf dem Klostergelände wohnte. Ein aktives Kloster war es schon seit vielen Jahren nicht mehr und so kam es, dass die Frau, ihr Mann und ihr Sohn die einzigen waren, die noch hier lebten. Sie verwalteten die Gebäude, die teilweise als Seminarzentrum, teilweise als Halbjahreswohnstätte für die Bewohner eines Altenheims genutzt wurden.
 
Spruch des Tages: So unabhängig waren wir in einem Kloster noch nie.
Höhenmeter 270m
Tagesetappe: 29km
Gesamtstrecke: 26.687,27km
Wetter: herbstlich, kalt, bewölkt
Etappenziel: Pfarrgemeindesaal, Tawern, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:34:00


Tag 1410: Militärische Geheimoperationen

Es gibt immer eine noch größere Antenne

06.10.2017 Ihr erinnert euch bestimmt an die sonderbaren Strom-Konstruktionen, die wir in Schottland und Nordengland gesehen haben und bei denen wir uns nicht sicher waren, ob es sich vielleicht um eine Art HAARP-Feld handelte. Heute haben wir in Frankreich etwas ähnliches gesehen und gespürt, von dem wir nun noch unsicherer sind, ob es nicht wirklich ein HAARP-Feld ist. Die Konstruktion unterschied sich zwar deutlich von der Schottischen, aber alles in allem wirkte es seltsam vertraut. Auf einer Fläche mit einem Durchmesser von rund 6km standen große Sendetürme die für gewöhnliche Funksignale wie Mobilfunk, Radio oder Fernsehwellen deutlich überdimensioniert erschienen. Fragt man die Einheimischen hier, handelt es sich um einfache Radio-Antennen, doch diese fast plumpe und kreativlose Antwort macht eine harmlose Verwendung dieses Antennenparks eher noch unwahrscheinlicher. Fakt ist, dass alles eingezäunt und abgeschirmt ist und dass niemand wirklich zu wissen scheint, was hier vor sich geht. Fakt ist auch, dass die Funksignale, die von den Türmen ausgehen so intensiv sind, dass sie einem im Schädel brummen. Jedenfalls war dies bei uns der Fall, als wir an ihnen vorbei gingen. Das Dröhnen war stark genug, um uns zu entscheiden, das angrenzende Dorf als Schlafplatz auszuschließen und stattdessen lieber noch einmal weiter in die nächste Stadt zu wandern, auch wenn dies unsere Etappe um gut 10km verlängerte. Schließlich fanden wir einen Platz in einem Kloster, in dem wir jedoch eher geduldet als wirklich Willkommen geheißen wurden. Zunächst trafen wir nur einen alten Herren, der uns zwar einladen wollte, sich ohne das OK seines Superiors aber nicht recht traute und uns daher erst einmal unter Vorbehalt ein Provisorium in einem kleinen Speisesaal anbot. Leider hatte man hier wieder einen Lüfter angebracht, der so laut war, dass wir uns fast noch einmal neu auf die Suche gemacht hätten. Oder besser gesagt: Wir haben uns sogar noch einmal neu auf die Suche gemacht, aber alle Pfarrer im Ort gehörten der Gemeinschaft an und somit kamen wir immer wieder zum gleichen Punkt zurück. Anders als viele seiner Brüder war der Superior kein besonders netter und freundlicher Mensch. Als er schließlich von seinem Termin zurückkam, gab er uns nicht einmal Bescheid, dass wir nun wirklich bleiben durften. Davon, uns eines der etwas 36 leerstehenden Gästezimmer anzubieten, wollen wir gar nicht erst anfangen. Warum auch, schließlich gab es ja einen ungemütlichen Speisesaal der auch nicht gebraucht wurde. Umso mehr freuten wir uns aber um die Brüder, die uns trotz der Umstände zum Teil sogar heimlich mit Essen versogten und die uns so auf eine etwas abstrakte Weise doch noch das Gefühl gaben, willkommen zu sein.
 
Spruch des Tages: Es gibt immer eine noch größere Antenne
Höhenmeter 460m
Tagesetappe: 46km (Dabei zurückgelegte Distanz n Luftlinie: knapp 10km)
Gesamtstrecke: 26.658,27km
Wetter: herbstlich, kalt, aber sonnig
Etappenziel: Jugendherberge, 8km Südlich von Remich, Luxemburg

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:32:43


Tag 1406 bis 1409: Wieder ein Paket aus der Heimat: Neue Kleider neues Glück!

Kleider machen Leute

04.10.2017 Eigentlich hätten wir ja wieder einmal erst morgen an unserer Paketabholstation ankommen wollen, aber wie so oft in diesen Situationen hatte das Leben andere Pläne mit uns. So kamen wir nach einer überdurchschnittlichen Wanderung in das kleine Städtchen, in dem unser Paket auf uns wartete. Auf dem Weg zur Post kamen wir jedoch erst einmal an einem ganz speziellen Gefährt vorbei, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war ein mobiles Kino, das in einem Truck untergebracht war. Das Besondere daran war, dass man den Truck in beide Richtungen, also sowohl nach links als auch nach rechts, über die volle Breite ausfahren konnte. Damit war die endgültige Nutzfläche also dreimal so groß, wie die eigentliche LKW-Fläche. Bei einem Gefährt mit rund 12m Länge kam man damit auf eine Gesamtwohnfläche von 90qm. Das war fast eineinhalb mal so groß wie Heikos Wohnung in Neumarkt! Und wenn es reichte, um einen passablen Kinosaal darin unterzubringen, dann konnte man sicher auch eine Wohnung darin unterbringen, die für uns drei als mobile Unterkunft reichen sollte. Wir beschlossen, dieses Bild als Inspiration für die Zukunft mitzunehmen. Wenig später wuchteten wir ein enorm schweres Paket über den Marktplatz an der Kathedrale vorbei bis in den kleinen Kommunions-Unterrichtssaal, den uns der Pfarrer hier zur Verfügung gestellt hatte. Dort konnten wir dann in aller Ruhe auspacken und uns unsere neuen Schätze betrachten. Neben neuen und lochfreien Schuhen hatten wir auch eine neue Robe, neue Hosen, neue Speicherchips, neue Reifen, neue Naturzahnbürsten, neues Imprägnier-Spray und natürlich wieder einiges an neuer frischer Nahrung, an Nüssen, Suppen und Weihnachtskeksen. Für all dies möchten wir uns an dieser stelle ganz herzlich bei Falke, Pinewood, Patriot, Sandisk, Scarpa, pedag, Burgschneider, LeoKöhler, Ritterladen, Schwalbe, Swak und natürlich bei Heikos Eltern bedanken! 05.10.2017 Man sagt wohl nicht umsonst „Kleider machen Leute“, denn gleich am nächsten Tag merkten wir, dass die Menschen nun ganz anders auf uns reagierten. Ein Großteil der Skepsis war verloren gegangen und heute war es plötzlich wieder viel einfacher einen Schlafplatz zu bekommen, als an den Tagen zuvor.
 
Spruch des Tages: Kleider machen Leute
Höhenmeter 220m / 50 / 30m / 90m
Tagesetappe: 25km + 29km + 16km + 36 km
Gesamtstrecke: 26.590,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Privates Gästezimmer, Point-a-Mousson, Frankreich
Etappenziel 2: Gemeindesaal der Stadt, Jouy-aux-Arches, Frankreich
Etappenziel 3: Gemeindesaal der Stadt, Ennery, Frankreich
Etappenviel 4: Kommunionsräume der Kircheo, Liverdun, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:30:16


Tag 1402 bis 1405: Sterbendes Frankreich

Wo wären wir nur ohne unsere moderne Technik?

03.10.2017 – 04.10.2017 Frankreich stirbt. Ich weiß, das klingt ziemlich deprimierend, aber es ist leider wirklich so. Das Land stirbt aus, angefangen von den kleinen Dörfern bis hin zu den Städten, die immer mehr wie Geisterstädte aussehen. Dabei macht es nicht den Anschein, als würde die Bevölkerung der Franzosen immer stärker abnehmen, so dass nun niemand mehr in den kleinen Dörfern übrig bleibt. Viel mehr ziehen die Jungen in vorgelagerte Neubausiedlungen, während die Antiken Dorfkerne immer mehr verfallen. Noch sieht man sie, die verblassten Schilder, die einst auf Bäckereien, Schlachter, Tante-Emma-Läden und vieles mehr hindeuteten. Doch die Jalousien sind verrammelt, die Ladenokale leer, die Scheiben nicht selten eingeworfen, zumindest aber verstaubt und kaum mehr durchsichtig. In den kleinen Orten scheint bereits fast jedes zweite bis dritte Haus leer zu stehen. Der Putz fällt von den Wänden, die Schimmelpilze ziehen in die Zimmer ein und eine allgemeine Baufälligkeit macht sich breit. Hier noch einen Unterschied zu Bosnien oder Albanien zu erkennen fällt oft schwer. Es wirkt größtenteils noch immer nicht so gefährlich, wie die Slum-Vororte im Balkan, doch auch das ist nur noch eine Fassade, die vielleicht mehr mit unseren eigenen Gefühl als mit der Realität zu tun hat. Am heftigsten war es jedoch, als wir in eine Kleinstadt kamen. Hier gab es sogar eine Basilika und ein Jakobsweg führte hindurch und trotzdem gab es hier kein Leben mehr. Wo einst die Bummel- und Einkaufsmeile gewesen war, drängte sich nun ein „Zu Verkaufen“- Schild an das nächste. Auch hier herrschte die Zerstörung, sei es nun durch den Zahn der Zeit oder durch frustrierte Jugendliche mit Feuerzeugen und Sprayflaschen. Es tat fast ein bisschen in der Seele weh, das zu betrachten. Da das alte Zentrum nun tot war, verlege man das neue nun einfach direkt an die Hauptstraßen. Nicht das man hier viel hätte kaufen können, aber selbst wenn, wollte sich die entspannte Shopping-Schlender-Stimmung nicht einstellen. Der einzige, der sich von dieser Dauerkrise nicht unterkriegen ließ war ein türkische Dönerbudenbetreiber. Er stand in günstiger Entfernung zum Kino und zur Schule und dies allein sicherte ihm bereits das Geschäft. Einer der Pfarrer unserer Herberge, der sich auch ein wenig um unser leibliches Wohl kümmerte, brachte es recht gezielt auf den Punkt. Er stammte aus Afrika oder genauer gesagt aus Ghana und hatte einige Zeit in einer deutschen Gemeinde nahe Altöttingen gelebt, bevor er hier her versetzt worden war. „In Deutschland hat es mir besser gefallen,“ meinte er nebenbei, „da gab es so noch etwas wie Leben!“ Als wir später von der Gastfreundschaft in Ungarn und Slowenien erzählten, meine er: „Waow, das ist dann ja schon fast wie in Afrika!“ Irgendetwas sagte uns, dass der Mann seine Heimat ein kleines bisschen Bisschen vermisste. Aber was ziehen wir nun für einen Schluss daraus? Die Entwicklung haben wir ja bereits die ganze Zeit festgestellt und ganz offenbar ging es damit nicht nur uns so. Man kann nun von der Veränderung halten was man möchte, aber leugnen lässt sie sich nicht mehr. Alles wird immer mehr zentralisiert. Die kleinen Läden gehen ein und werden durch Brotbackautomaten und zentrale Groß-Einkaufszentren ersetzt. Auf der einen Seite verfallen all die pompösen Villen und Schlösser, die Frankreich seinen besonderen Charme geben und auf der anderen entstehen neue, gesichtslose Einheitshäuser, die so überall auf der Welt entstehen könnten. Ich weiß es nicht genau, aber es wirkt fast ein bisschen, als wollte uns Europa den Schritt auf einen neuen Kontinent doch noch etwas leichter machen. Als wollte es sagen: „Traut euch nur! O schön, ist es hier doch auch wieder nicht!“.
 
Spruch des Tages: Wo wären wir nur ohne unsere moderne Technik? - Wir würden noch immer wie Wilde in Höhlen leben. Das heißt wir hätten gut Isolierte Häuser mit natürlicher Klimatisation, die uns automatisch erden und mit frischer, gesunder Luft vesorgen würde, in der es keine Ausdünstungen von chemikalien und Giftstofen gäbe und die uns optimal vor Strahlung und Lärm abschirmen würden.
Höhenmeter 30m / 50 / 30m / 50m
Tagesetappe: 11km + 18km + 16km + 2 5km
Gesamtstrecke: 26.484,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Gemeindehaus der Kirche, Neuves Maisons, Frankreich
Etappenziel 2: Mischung aus Bibliothek und Kreativraum, Pierre-la-Treicge, Frankreich
Etappenziel 3: Hotel, Gondreville, Frankreich
Etappenz iel 4: kleiner, alter Rathaussaah, Liverdun , Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:27:47


Tag 1398 bis 1401: Eine Hand wäscht die andere

Eine Hand wäscht die andere

01.1.2017 Manchmal lässt das Schicksal einfach alles so zusammenfließen wie es passt. Oder: Eigentlich tut es das ja immer, aber manchmal kann man die Puzzleteile, die ineinandergreifen sofort erkennen und nachvollziehen. Und wenn das passiert und auch noch alle Beteiligten einen deutlich erkennbaren Vorteil daraus ziehen, dann ist das ein verdammt gutes Gefühl. Aber ich schätze ich muss ein bisschen mehr erklären, damit ihr versteht, was ich damit meine. Heute ist der 1. Oktober und damit der erste aktive Tag der Greencard-Lotterie. Das bedeutet: Von heute an hat man genau einen Monat Zeit, um sich bei der amerikanischen Regierung für die Verlosung einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung zu bewerben. Das ist natürlich nicht ganz einfach und man muss eine Menge Dinge beachten, damit man Erfolg haben kann. Deswegen gibt es verschiedene Beratungsstellen, die einem dabei weiterhelfen und die die Wahrscheinlichkeit, am Ende wirklich eine Greencard in der Hand zu halten deutlich erhöhen. Der einzige Haken dabei ist, dass diese Organisationen natürlich nicht umsonst arbeiten. Für Heiko Shania und mich würde die Unterstützung durch den Verein rund 200€ kosten, was rund 200€ mehr sind, als wir gerade für diese Zwecke zur Verfügung haben. Von irgendwo her muss dieses Geld also zu uns hereinfließen. Nachdem wir unsere Wanderung beendet hatten, kamen wir genau eine Minute vor 11:00 Uhr in unserem Zielort. Um 11:00 Begann hier die Messe und somit hatte ich genau eine Minute Zeit, den Pfarrer zu finden und von unserem Projekt zu überzeugen, wenn wir hier einen Schlafplatz finden wollten. Alles andere würde wohl wieder in einem Desaster enden, wie an den meisten Wochenenden, an denen es mit der Kirche nicht klappt. Wir stellten unsere Wagen bereits ein kleines Stück außerhalb der Stadt ab und ich joggte die letzten Meter bis zur Kirche. Als ich ankam spielte bereits der Oranist und die meisten Gläubigen hatten ihre Plätze bereits eingenommen. Der Pfarrer stand in voller Montur zwischen seinen Messdienern neben dem Altar in den Startlöchern, gab mir aber noch 20 Sekunden um mit ihm zu sprechen. „Alles klar, ich finde etwas! Frag mich nach der Messe!“ war die Antwort und schon huschte er an mir vorbei auf den Altar. Ich selbst trat den Rückzug an, suchte nach Heiko und gemeinsam drehten wir eine kleine Runde durch den Ort. Kurz vor Überreichen der Hostie betrat ich die Messe und konnte mich noch in die Wartenden einreihen. Auch nach der langen Zeit der Wanderung in Frankreich verstand ich noch immer kaum ein Wort von dem was gesagt wurde, doch kurz bevor der Pfarrer die Messe beendete hörte ich einige vertraute Worte: Mönche, Pilgereise, Deutschland, Franziskaner,... Irgendwie ging es um uns. Was ich jedoch nicht verstand war, dass er mit diesen Worten meinen Auftritt als Gastsprecher vor der Gemeinde ankündigte. Dies wurde mir erst klar, als plötzlich alle anfingen, mich nach vorne zu winken. Da stand ich nun also mit einem Mikro in der Hand vor rund hundert französichen Gläubigen und sollte irgendetwas geistreiches auf einer Sprache beitragen, die ich nicht beherrschte. Saubere Sache! Besonders großartig wurde der auftritt nicht, aber ich schaffte es, meinen üblichen Text über unsere Reise herunterzubeten und damit waren alle zufrieden. Direkt nach der Messe kam ein älterer Herr auf mich zu, der mich nach diesem Auftritt auf Deutsch fragte, ob wir nun schon eine Bleibe hätten oder nicht. „Ich denke schon!“ sagte ich, „Der Pfarrer hat da etwas angedeutet!“ Der Pfarrer hatte jedoch vor allem darauf gebaut, dass Personen wie dieser Mann unter den Anwesenden waren und so stellte sich kurz darauf heraus, dass er unser heutiger Gastgeber werden sollte. Später wurde noch einmal etwas umorganisiert, so dass wir am Ende nur zum Mittagessen mit ihm mitfuhren und im Kommunionssaal übernachteten, aber das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig war vor allem die Begegnung zwischen dem Mann und uns. Beginnen wir noch einmal heute morgen: Jener Mann, nennen wir ihn Michelle, saß mit seiner Frau am Frühstückstisch. Er hatte lange Zeit als Banker in Deutschland, Frankreich, Afrika und an anderen Orten der Welt gearbeitet, und war nun bereits seit längerer Zeit in Rente. Sein Beruf hatte ihm viel Geld aber auch einiges an Sorgen und schlechtem Gewissen eingebracht. Er wusste, dass er durch diese Arbeit oft nicht gerade zum Wohl der Menschen beigetragen hatte, obwohl ihm dies an sich immer wichtig war. Daraus hatte sich im Laufe der Zeit ein Selbstwertkonflikt ergeben, der direkt mit seinem Glauben in Verbindung stand. Er hatte eine klare Vorstellung davon, was ein guter Mensch war, wusste nur nicht mehr genau, ob er selbst auch dazu gehörte. Dieser innere Konflikt, der seit vielen Jahren in ihm schwelte, hatte dazu geführt, dass sich auf seiner Stirn und am Hinterkopf einige Hautpartien verändert und ein Melanom ausgebildet hatten. Selbst aus schulmedizinischer Sicht war es noch nichts dramatisches, denn es war weit davon entfernt, Krebs zu sein. Und selbst wenn es Hautkrebs gewesen wäre, so wäre dieser auch bei weitem nicht so gefährlich, wie man es uns gerne weis macht. Doch das wusste er nicht und er uns seine Frau schauten mit zunehmender Besorgnis auf jene Hautveränderungen. Für morgen war sogar ein Termin bei einem Mediziner angedacht, der sich alles einmal anschauen und der weitere Maßnahmen anraten sollte. Dies nahmen sich die beiden als Anlass um selbst auch noch einmal von einer anderen Seite auf das Problem zu schauen. Sie waren keine Kirchgänger, aber sie wollten seit langem nun wieder einmal in die Kirche gehen, um zu schauen, ob Gott nicht vielleicht eine Antwort für sie hatte. Und wie es aussah, hatte er dies! Als der Mann uns zu sich einlud ahnte er nichts davon, was diese Einladung ihm bringen würde. Er wollte einfach nur seine Unterstützung anbieten, denn er hatte ein riesiges Haus, das kaum genutzt wurde. Beim Essen kamen wir dann jedoch auf das Thema zu sprechen, da Heiko natürlich die dunklen Flecken auf seiner Kopfhaut aufgefallen waren. Es dauerte nicht lange und wir befanden uns in einem intensiven Gespräch über Hautkrebs und die verschiedenen Möglichkeiten einer Heilung. Michelle saugte das Wissen förmlich in sich auf und schrieb alles mit, das wichtig sein könnte. Für ihn, führten wir nicht einfach nur ein Gespräch. Er war durch Zufall, Schicksal, oder göttliche Fügung in ein Beratungsgespräch mit einem Heiler geraten, der ihm auf eine Weise weiterhelfen konnte, wie er es nie für Möglich gehalten hätte. Und für dieses Gespräch wollte er sich im Anschluss gebührend bedanken und es auf eine Art entlohnen, wie er es bei einem normalen Arztbesuch auf gemacht hätte. Als wir gemeinsam mit ihm zurück in die Stadt fuhren, um uns vom Pfarrer unseren Schlafplatz zeigen zu lassen, hielt Heiko für die geleistete Beratungsarbeit 200€ in der Hand. Genau das Geld, das wir für die Greencard-Lotterie benötigten. Ist es nicht erstaunlich, wie glatt manchmal alles laufen kann? Der Umstand, dass wir wegen der Wagen doch noch einmal zurück in die Stadt mussten um uns erneut mit dem Pfarrer zu treffen, entpuppte sich im Nachhinein übrigens ebenfalls als Fügung. Denn im Gespräch mit ihm bekamen wir gleich noch Zusagen für zwei weitere Übernachtungsplätze. Einmal für Morgen und einmal für den Ort, an dem wir unser Paket bekommen werden. Also genau für den Tag, an dem es am wichtigsten ist.
 
Spruch des Tages: Eine Hand wäscht die andere.
Höhenmeter 230m / 75 / 40m / 50m
Tagesetappe: 31km + 16km + 17km + 25km
Gesamtstrecke: 26.414,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Leerstehnde Wohnung der Stadt, Golbey, Frankreich
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Nomexy, Frankreich
Etappenziel 3: Vereinshaus der Stadt, Chamagne, Frankreich
Etappenviel 4: Private Gästezimmer, Flavigny-sur-Moselle

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:23:58


Tag 1395 bis 1397: Wie Fokussiere ich mich richtig?

Man kann nicht alles auf einmal erkennen, wahrnehm

29.-30.09.2017 Die letzten beiden Tage brachten noch einmal wieder neue Erkenntnisse darüber, wo es bei meinem aktuellen Entwicklungsstand gerade am meisten hakt. Festhalten kann man erst einmal, dass ich mich nun bereits seit vielen Jahren zumindest in Bezug auf einige zentrale Punkte immer wieder im Kreis drehe, ohne hier einen Fortschritt zu machen. Gestern und heute stießen wir dabei auf drei Schlüsselpunkte, die einen Großteil dieses Dilemmas ausmachen. Der erste ist ein uralter, tief in mir verankerter Glaubenssatz, der bei genauerer Betrachtung nicht allzu hilfreich erscheint. Er lautet: „Ich muss scheitern! Ich darf niemals Erfolg haben!“ dieser Satz sitzt so tief, das ich mich in allem was ich tue, stets selbst sabotiere. Jedes Mal, wenn ich beispielsweise einen neuen Ansatz gefunden habe, wie ich effektiver und erfolgreicher Arbeiten kann, kommt etwas dazwischen, das diesen Prozess wieder aushebelt. Am auffälligsten ist es bei kleinen konkreten Dingen. So war zunächst der immense Zeitmangel mein größtes Problem, also das Gefühl, stets zu wenig Stunden zur Verfügung zu haben, um alles unterbringen zu können, was ich gerne machen möchte. Nun, da ich dank des Polyphasischen Schlafrhythmus eine Methode gefunden habe, um dies auszugleichen und mir mehr als Genug Arbeitszeit am Tag zu verschaffen, blockiert mich mein Verstand, in dem er mich in den unmöglichsten Situationen einschlafen lässt, selbst wenn ich überhaupt nicht müde bin. Ich habe nun also mehr Zeit als ich mir je hätte erträumen können, komme aber immer noch nicht weiter, weil ich sie nicht nutzen kann. Um nun wiederum die Wachheit zu trainieren haben wir angefangen, dass ich jedes Mal, wenn ich einschlafe entweder für drei Minuten kalt dusche um meinen Kreislauf auf Vordermann zu bringen oder für fünf Minuten einen Handstand an der Wand mache. Letztes war gestern ebenfalls wieder ein gutes Beispiel für den inneren Scheiterungszwang. Vier Minuten und dreißig hatte ich bereits geschafft, als ich das letzte Mal für eine kurze Pause absetzte. Jetzt waren es nur noch 30 Sekunden bis zum Ziel, also eine Zeit, die durchaus machbar war. Ich versuchte mit aller Macht durzuhalten doch nach 29 Sekunden knickten meine Arme einfach von selbst ein und warfen mich zu Boden. Eine einzige Sekunde davor! Was aber steckt hinter diesem Glaubenssatz und was bedeutet „Scheitern“ für mich überhaupt? Auch diese Fragen galt es erst einmal zu klären. Schließlich kam ich auf den Punkt, dass Erfolgreich sein, also das Gegenteil von Scheitern letztlich nichts anderes bedeutete, als einen Zustand zu erreichen, an dem ich selbst mit mir zufrieden war. Doch allein dies fiel mir extrem schwer, da ich mir immer entweder zu viel vornahm, so dass ich es unmöglich schaffen konnte, oder aber zu wenig, so dass ich das Gefühl hatte, vollkommen nutzlos zu sein. Auch hier ging es darum, zunächst einmal die nötige Sensibilität zu entwickeln, um herauszufinden, womit ich zufrieden sein kann, ohne mich zu überfordern. Punkt 1 lautet also: Die Ziele richtig abstecken, so dass sie erreichbar aber fordernd sind, so dass ich mich selbst immer mehr einzuschätzen lerne und weiß, dass ich das, was ich mir vornehme, auch erledige Passend dazu kommt gleich Punkt 2: Die richtigen Ziele setzen. Ein weiteres Problem ist, dass ich keine Prioritäten setzen kann. Mir ist stets alles gleich wichtig, egal ob ich etwas hilfreiches erschaffe, mir eine Existenzgrundlage aufbaue oder einfach nur ein SmallTalk- Gespräch führe. So kann ich mich Stundenland in einer Arbeit verlieren, die mir am Ende keinerlei Vorteile bringen. Das zweite große Thema besteht darin, dass ich aus irgend einem Grund für mich selbst nicht genug Interesse aufbringen kann, um mich um mich zu Sorgen, für mich Einzustehen und um mir selbst einen Lernprozess einzugestehen. Hierzu schwirren tausende von Sätzen in meinem Kopf herum: Meine Meinung ist unwichtig, die anderen haben immer Recht, ich darf niemandem zur Last fallen, ich darf keine Fehler machen, nur wenn ich nett bin, werde ich geliebt. Ich muss geliebt erden, da ich alleine nicht überlebensfähig bin! Wie will ich aber etwas kennenlernen, wahrnehmen, verstehen und fühlen, wenn ich mich nicht dafür interessiere? Das geht nicht! Das ist ja als wollte man in der Schule etwas lernen. Punkt 3 lautet also: Ein liebevolles, freundschaftliches und von Interesse geprägtes Verhältnis zu mir selbst aufbauen. Mich selbst kennen lernen wollen. Über mich selbst etwas lernen wollen. Nicht das Gefühl haben, hier etwas lernen zu müssen. Sobald ich mich für meine eigenen Bedürfnisse interessiere und einen positiven Bezug zu mir entwickle, kann ich mich auch wieder für andere Dinge interessieren und hier mein Herzblut hineinfließen lassen, anstatt sie nur als Pflicht zu betrachten. Der letzte und größte Faktor jedoch ist der Fokus. Das ich hiermit Probleme habe ist mir ja nicht neu, aber langam beginne ich zu begreifen, worin diese Probleme genau bestehen. In der Natur gibt es verschiedene Präsenzen, die man zu unterschiedlichen Zeiten und für unterschiedliche Situationen an den tag legen muss. Es gibt Phasen für den Weitwinkelblick, in denen man den Geist offen hält und nichts direktes anvisiert. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen man sich auf ein einziges Detail fokussiert und alles andere ganz oder zu großen Teilen ausblendet. Mein Problem ist, dass ich diesen Switch nicht hinbekomme und keine Ahnung habe, wann was dran ist. Ich versuche stets, alles auf einmal wahrzunehmen und zu erfassen. Ich versuche mich als ganzes zu verstehen, oder einen ganzen Wald mit allen einzelheiten Wahrzunehmen. Dies ist natürlich unglaublich anstrengend und führt dazu, dass ich am Ende überhaupt nichts mitbekomme. Das Problem ist, dass ich es mir nicht erlaube, mich ganz konkret für eine Sache zu entscheiden, auf die ich mich voll und ganz konzentriere, weil ich dann automatisch das Gefühl habe, andere wichtige Dinge zu verdrängen. Hier benötige ich eine Zeitstruktur, ähnlich wie in der Schule, so dass ich mich für eine gewisse Zeit vollkommen in einen Themenbereich hineinfallen lassen kann, ohne Angst haben zu müssen, mich vollkommen darin zu verlieren. Ohne diese Sicherheit und mit der Ständigen Angst im Kopf, irgendetwas zu verpassen, teile ich meinen Fokus stets auf und bin nie wirklich bei der Sache. Dies ist der vierte Punkt.
 
Erkenntnisse des Tages: Man kann nicht alles auf einmal erkennen, wahrnehmen und lernen. Konzentriere dich zunächst auf ein kleines Detail in dem du vollkommen aufgehen kannst und gehe dann weiter zum Nächsten. Achte aber darauf, dass der Rahmen stimmt und frage dich stets, wann welcher Fokus angebracht ist. Wann darf ich mich zu 100% in eine Sache vertiefen, weil ich vollkommen sicher bin? Wann muss ich nach außen hin wachsam bleiben? Wann ist es wichtig, offen zu sein, keinen Fokus zu setzen und das große, ganze wahrzunehmen?
Höhenmeter 30m / 65 / 140m / 100m
Tagesetappe: 14km + 18km + 22km + 19km
Gesamtstrecke: 26.325,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Mehrzweckraum der Stadt, Montureux-lès-Baulay, Frankreich
Etappenziel 2: Veranstaltungs- und Bastelraum der Rentner, Ormoy, Frankreich
Etappenziel 3: Mehrzweckraum der Stad, Fontenois-la-Ville, Frankreich
Etappenviel 4: Jurte im Wald, westtlich von Les Voivres

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Zuletzt aktualisiert am 2018-06-11 08:21:15


Tag 1393 und 1394: Zu Gast bei ganz besonderen Menschen

Jeder Mensch ist ein Mentor

28.09.2017 Hute durften wir noch einmal eine ganz neue Art von Schlafplatz zu unserer Liste hinzufügen. Wir wurden in ein Behindertenwohnheim eingeladen, wo wir je ein Zimmer bekamen. Es war ein außergewöhnlicher Platz mit außergewöhnlichen Menschen und hier zu übernachten war noch einmal eine ganz besondere Erfahrung, für die wir sehr Dankbar sind. Wenngleich man leider sagen muss, dass die Schlafplätze selber alles andere als angenehm waren. Doch beginnen wir am Anfang. Die Bürgermeisterin vom Vortag hatte uns bereits angekündigt und uns einen Platz an einem Ort namens „Foyer Cluney“ organisiert. Zunächst dachte ich, es handele sich wieder um ein Obdachlosenheim, doch das war es ganz uns gar nicht. Als wir kurz darauf im Heim eintrafen, wurden wir gleich von allen Seiten mit äußerster Höflichkeit begrüßt. Gleichzeitig wurden wir natürlich auch etwas skeptisch und neugierig und nicht ohne eine gewisse Vorsicht beäugt, da wir natürlich auf unsere weise zwei ebenso exotische Vertreter unserer Spezies waren, wie die hiesigen Bewohner auf ihre. Die Heimleiterin empfing uns in ihrem Büro und lud uns ein, zunächst einmal mit den Bewohnern im Speisesaal zu essen. Wir nahmen die Einladung an und waren äußerst positiv überrascht von dem, was uns daraufhin erwartete. Der Speisesaal war eine große Halle und beherbergte zu diesem Zeitpunkt knapp 200 Menschen. Normalerweise waren uns Menschenansammlungen von mehr als 5 Personen schon zu viel, vor allem in Sälen mit einer solchen Bahnhofsatmosphäre. Hier jedoch war es erstaunlich ruhig. Der Umgang, der Menschen miteinander war um ein vielfaches harmonischer und gesitteter, als bei jeder anderen Gruppe, die wir bislang gesehen hatten. Die meisten anwesenden konzentrierten sich schweigend auf ihr essen, doch wenn jemand etwas sagte, dann wurde ihm zugehört und er konnte in einer normalen Lautstärke reden, ohne sich über die Stimmen anderer hinweg profilieren zu müssen. Allein dies machte den Unterschied aus, ob es in einer solchen Halle unerträglich war, oder ob man hier trotz der vielen Menschen sein Essen genießen konnte. Etwa 95% der Anwesenden waren geistig behindert. Der Rest bestand aus Pflegepersonal, Einzelfallbetreuern und der Heimleitung. Auch das Küchenpersonal setzte sich zum Teil aus normalen Angestellten und zum Teil aus Bewohnern zusammen. Unser Ober war ein kleiner, aufgeweckter Mann, der uns den besten Service bot, den wir je in einem Restaurant bekommen hatten. Er war höflich und zuvorkommend, dabei aber nicht aufdringlich oder stressig. Gleich zu beginn fragte er uns, ob wir irgendwelche Lebensmittelunverträglichkeiten hätten oder ob es etwas gab, das wir nicht essen durften, wollten oder mochten. Später fragte er dann noch einmal im Detail, ob Schweinefleisch in Ordnung sei, ob wir mit Fondue als Hauptspeise einverstanden waren und so weiter. All dies tat er mit einer ehrlichen Freude und Höflichkeit, dass es richtig Spaß machte hier zu sitzen. Er schaffte es, dass man sich willkommen und wertvoll fühlte, einfach nur durch seine art der Bedienung. Während wir auf das Essen warteten schauten wir uns ein bisschen im Saal um, so dass wir einen genaueren Überblick über die Charaktere bekamen. Auffällig war, dass wir noch nie so viele Individualisten auf einem Haufen gesehen hatten, die alle ihre ganz eigene Persönlichkeit hatten und auch alle haben durften. Niemand versuchte hier irgendjemanden einer Norm anzupassen. Jeder durfte einfach sein, wer er war, egal wie abstrakt das auch sein mochte. Mein Lieblingskandidat war der Capt´n. Er war ein Mann mit Down-Syndrom und Kapitänsmütze, der gleich nach unserer Ankunft zwischen den Tischreihen patrouillierte und aufpasste, dass in seiner Mannschaft niemand aus der Reihe tanzte. Als er uns sah und als Gäste erkannte, die womöglich einen hohen Rang in der Marine einnahmen, veränderten sich sein Blick und seine Haltung. Er ging aufrechter, schaute ernst und Streng wie ein Militär Oberst und spreizte die Arme um seiner Erscheinung mehr Macht und Ausstrahlung zu verleihen. Direkt vor uns blieb er stehen und gab uns formell die Hand, so wie es auch ein echter Kapitän gemacht hätte. Dann kehrte er zu seinem Platz neben der Eingangstür zurück, um seine Mannschaft wieder optimal im Blick zu haben. Das beeindruckende an dem kleinen, knuffigen Mann war, dass er diesen Capt´n nicht spielte. Er war es durch und durch und dies wurde auch von allen anderen akzeptiert. Das Heim selbst war leider kein besonders schöner Ort. Es bestand aus grauen, trostlosen Siebzigerjahregebäuden und wirkte tatsächlich eher wie eine Art Gefängnis, in das man all diese Leute hier abgeschoben hatte. Umso erstaunlicher war es, dass niemand auch nur im geringsten traurig oder unzufrieden wirkte. Obwohl sie teilweise in winzigen Verschlägen direkt an der Hauptstraße lebten, wo es niemals ruhe gab, strahlten sie eine Lebensfreude aus, die man so in dieser geballten Form auf unserer Reise noch nicht erlebt hatten. Von diesem Menschen konnte man lernen, was es heißt, im hier und jetzt zu leben, sich in Hingabe zu üben und die Schönheit in allem zu erkennen. Darin waren sie uns und den meisten anderen Menschen in unserer Gesellschaft um Längen voraus.
 
Spruch des Tages: Jeder Mensch ist ein Mentor
Höhenmeter 130m / 80 / 190m
Tagesetappe: 25km + 16km + 34km
Gesamtstrecke: 26.254,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Privates Gästezimmer, Recologne, Frankreich
Etappenziel 2: Veranstaltungssaal der Stadt, Conflandey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-06-11 08:17:58


Tag 1392: Den inneren Schweinehund überwinden

Sei stärker als deine stärkste Ausrede

27.09.2017 Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor einigen Monaten damit begonnen habe, meinen Schlafrhythmus vom üblichen monophasischen auf einen sogenannten polyphasischen umzustellen. Was das genau bedeutet habe ich euch bereit im Tagesbericht vom „XXX“ beschrieben. Theoretisch sollt die Umstellungsphase dabei etwa 10 Tage bis zwei Wochen dauern. Dann generiert der Körper aus den Kurzschlafphasen genauso viel Energie wie zuvor aus der Langschlafphase und man ist wacher, munterer und energiegeladener als je zuvor. Wie gesagt, theoretisch! Praktisch funktioniert dies bei mir so gut wie gar nicht. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, die ganze Sache wieder aufzugeben und zu sagen, dass diese Art des Lebens und Schlafens einfach nichts für mich ist. Doch es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich an, als wäre es genau meine Art zu schlafen, nur bekomme ich es aus irgendeinem Grund nicht hin. Irgendetwas in mir, manipuliert und sabotiert mich. Und dieses etwas könnte man grob als inneren Schweinehund bezeichnen. Ein Phänomen, das euch vielleicht auch nicht ganz unbekannt ist. Der innere Motivationskiller Wer kennt das nicht? Man nimmt sich etwas vor, von dem man weiß, das es einem gut tut, dass es einen voranbringt und gesund hält und man freut sich sogar darauf, man ist motiviert und hat Lust, den alten Alltagsbrei endlich einmal zu durchbrechen und aus sich heraus zu kommen. Sei es nun durch eine Runde Joggen, eine neue Diät oder die Idee, das Auto einmal mehr gegen das Fahrrad einzutauschen. Doch kaum ist die Zeit gekommen, kann man sich aus einem unerklärlichen Grund dnicht aufraffen. Es ist, als schlummerte ein großes, graues Monster der Trägheit in einem, das nun kurz erwacht und sagt: „Lass es doch! Leg dich einfach noch einmal eine Runde hin, schließ die Augen, mach es dir gemütlich und genieße das Nichtstuen. Joggen kannst du ja morgen auch noch!“ In vielen Fällen, so auch in meinem, stammt dieses Monster der Demotivation noch aus der Kindheit und ist eine alte Trotzreaktion auf eine Situation, die man anders nicht hat lösen können. Als Kind habe ich stets gespürt, dass ich nicht das Leben lebe, das ich vom Herzen her in mir trage und das meiner Lebensbestimmung entsprechen würde. Ich fühlte mich nicht frei, nicht leicht, nicht ungebändigt und auch nicht motiviert. Wie auch, ich war ja vollkommen fremdbestimmt und investierte meine ganze Energie nur darin, anderen im Allgemeinen und meinen Eltern im Besonderen zu gefallen. Also begann ich innerlich zu rebellieren und mich auf subtile Weise gegen das zu wehren, das so schön nach meinem Leben aussah, sich aber überhaupt nicht danach anfühlte. Der innere Revoluzzer Dies war die Phase, in der ich nun all die schönen Mechanismen entwickelte, meine Unstrukturiertheit, mein Chaos, meine Unpünktlichkeit, eine Unaufmerksamkeit und natürlich meinen Unmotiviertheit und Trägheit, kurz: Meinen inneren Schweinehund! All diese Prinzipien entwickelte ich damals ja nicht mit de Absicht, mir selbst das Leben damit so schwer wie möglich zu machen, sondern um mich selbst am Leben zu halten. Um mir einen Platz zu schaffen, an dem ich mich zumindest ein klein bisschen selbst spüren konnte, an dem ich einen Hauch vom „Ich“-Sein leben konnte, während ich sonst nur die Marionette war. Solange ich permanent damit umgehen musste, von außen bestimmt zu werden, hatte dies auch einen wichtigen Zweck in meinem Leben, denn es schützte mich davor, zu 100% ein willenloser Sklave zu werden. Ohne dieses abstrakte, innere Rebellentum, hätte ich niemals den Schritt aus der Fremdbestimmung heraus machen können, sondern wäre tatsächlich die gefühllose, funktionierende Vorzeigepuppe geworden, die meine Mutter sich gewünscht hat. Hier steckt ein ganz wichtiger Schlüssel, nicht nur für mich, sondern auch für euch und für jeden, der schon einmal mit einem inneren Schweinehund gekämpft hat! Wenn wir einen inneren Schweinehund in uns spüren, dann verurteilen wir ihn und uns normalerweise. Wir hassen es, dass wir uns nicht aufraffen können, dass wir nicht mutig, nicht effektiv oder nicht engagiert genug sind. Wir fragen jedoch nie, welchen wichtigen und positiven Sinn und Zweck diese Selbstsabotage hat. Stellt euch daher immer wenn ihr einen inneren Schweinehund in euch spürt, die folgenden Fragen: • Wo in meinem Leben habe ich das Gefühl in einer persönlichen Diktatur zu leben, gegen die ich rebellieren muss? • Wer bestimmt wirklich über meine Entscheidungen? Entscheide ich mich nach meinem Herzen, oder entscheide ich mich, automatisiert für etwas, was jemand anderes längst zuvor für mich entschieden hat? • Wer ist dieser äußere Entscheidungsträger, dieser Diktator, gegen den ich auf subtile Weise rebelliere? Meine Mutter? Mein Vater? Mein Partner? Jemand anderes? Und dann kommt ein Teil, der besonders wichtig ist. Stellt euch die Frage: „Besteht die Diktatur noch immer, oder habe ich mich längst befreit, kann es aber noch nicht glauben?“ Diese Frage ist elementar wichtig für das weitere Vorgehen. Wenn ihr euch noch nicht befreit habt, dann stellt euch die folgenden Frage: • Will ich weiterhin als Sklave leben, der den Befehlen von außen gehorcht, anstatt seinem eigenen Herzen zu folgen? Stellt euch diese Frage ehrlich! Sie klingt so, als würde niemand ernsthaft darauf mit Ja antworten, doch sagt nicht einfach leichtfertig „Nein!“ Der Weg also Zombiepuppe ist stets der einfachste, bedarf keiner Verantwortung und vermeidet eine Menge Leid und Schmerz. Klar, er lässt auch keine Freude und Leichtigkeit und natürlich niemals eine Authentizität zu. Ihr werdet niemals wirklich Glücklich und Zufrieden werden, auf diese Weise, aber der Weg ist sicher und ihr könnt ihn ohne jedes Risiko gehen. Macht euch dies vollkommen bewusst und fragt euch, ob es euch das wert ist. Nur so könnt ihr dann auch aus vollem Herzen JA zur Änderung des Weges sagen. Viele Menschen und dazu gehöre ich auch, glauben, dass Sie eine Veränderung wollen, haben aber so viele Ängste, die sie am alten Leben festketten, dass sie dennoch lieber dem Pfad der Unterdrückung folgen, ohne dass sie es richtig merken. Dadurch wird vieles komplizierter. Wenn ihr nun also dazu tendiert, weiterhin eine Marionette zu bleiben, obwohl ihr eigentlich frei werden wollt, dann stellt euch die folgenden Fragen: • Welche Ängste halten mich davon ab, meinen eigenen Weg zu gehen? Habe ich Angst verlassen oder verletzt zu werden? Könnte ich jemanden enttäuschen? • Was brauche ich jetzt in diesem Moment, um zumindest einen kleinen Anfangt machen zu können? • Was brauche ich mittelfristig für die nächsten Schritte? Brauche ich vielleicht einen Mentor oder jemanden, der mich unterstützend begleitet? Wenn Ja, wie finde ich hier den richtigen, oder besser: Wie lasse ich mich am besten finden? Wenn ihr hingegen bereits guten Gewissens und aus innerer Überzeugung ja sagen könnt, dann fragt euch: • Was ist nun der erste Schritt, um frei zu werden? • Gegen wen muss ich wirklich rebellieren und zwar offen, klar und ehrlich und nicht in Form von subtiler Selbstsabotage! • Wie, wodurch und in welchen Bereichen lasse ich mich durch wen davon abhalten, ganz ich selbst zu sein? Warum mache ich dies? • Welche klärenden Gespräche stehen nun an? Was benötige ich, um sicher und selbstbewusst in diese Gespräche hineingehen zu können? Welche Absicht vertrete ich bei dem Gespräch? Werdet euch hier so klar wie möglich und fragt euch dann: • Was muss sich an der Beziehung verändern, so dass sie bestehen bleiben kann, ich mich von nun an aber frei fühle? • Oder: Kann es sein, dass ich mich von dem oder den Menschen komplett lösen muss, um frei zu werden? Habt ihr all dies bereits hinter euch und spürt wie ich, dass ich trotzdem noch immer einen inneren Schweinehund in euch tragt, der euch immer und immer wieder sabotiert, sind die folgenden Fragen wichtig für euch: • Kann es sein, dass ich mich selbst noch immer für einen Sklaven halte, der fremdgesteuert wird, nur dass ich diese Fremdkontrolle nun einem Teil von mir selbst oder einer anderen externen Person übertragen habe? • Warum fällt es mir so schwer, die Vergangenheit los zu lassen? Woran halte ich noch immer fest? • Kann es sein, dass ich noch Wut, Ärger, Trauer oder Enttäuschung in mir spüre, weil ich in der Vergangenheit manipuliert wurde? Habe ich vielleicht noch immer eine offene Rechnung mit dem Manipulator? Glaube ich, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfahren ist, die noch immer nach Gerechtigkeit schreit? So lange wir dieses Gefühl einer offenen Rechnung in uns tragen, werden wir automatisch an den alten Mustern festhalten. Zu glauben, dass man ungerecht behandelt wurde bedeutet, dass man noch immer in der Negativität verhaftet ist, und sie somit selbst permanent weiter am Leben hält. Wir haben noch immer nicht verstanden, dass alles Liebe und somit auch alles gut und richtig ist. Wir erkennen also noch immer nicht die Freude in unserem tun sondern empfinden es als eine Pflicht, zu der wir uns überwinden müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Stellt euch eine Sache vor, die ihr von ganzem Herzen liebt, und die ihr stunden lang ununterbrochen jeden Tag tun könntet, ohne je davon satt zu werden. Vielleicht ist es singen oder tanzen, vielleicht essen oder schlafen, vielleicht kuscheln, knutschen oder fernsehen. Egal was es ist, stellt es euch einfach vor und fragt euch, ob ihr euch je dazu habt überwinden müssen. Gab es je eine Situation, in der ihr mit eurem inneren Schweinehund kämpfen musstet, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr euch gemütlich in sie Sonne chillen, ein Eis schlecken oder eure Lieblingsserie im Fernsehen anschauen solltet? Wahrscheinlich nicht, oder? Warum nicht? Genau, weil ihr euch zu nichts überwinden müsst, das euch wahre Freude bereitet. Solange ihr jedoch das Gefühl habt, etwas würde euch keine Freude bereiten, etwas bedeutet Anstrengung oder Energieverlust oder ihr wäret zu etwas verpflichtet, entsteht dieser innere Widerstand. Die Frage lautet nun also: Wie löse ich den inneren Schweinehund vollständig auf um nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen zu müssen, sondern in Freude und Leichtigkeit leben zu können? Hier nun kommt der wirklich knifflige Teil. Um euch ganz vom inneren Schweinehund zu befreien, müsst ihr verstanden haben, dass ihr all die Erfahrungen, an die ihr euch im Zusammenhang mit der Unfreiheit und der Fremdbestimmung erinnert, niemals gemacht habt. Ich weiß, das mag sich im ersten Moment komisch anhören, aber das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Alles ist eins! (Warum das so ist, und was das genau bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: XXX) Ungerechtigkeit, Leid und Negativität existieren nur, solange wir die Dinge aus unserer eigenen, persönlichen und äußerst begrenzten Perspektive betrachten. Bezogen auf die Gesamtheit des Universums und des Lebens haben wir hier nur einen winzigen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um den Sinn hinter allem zu erkennen. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die Situation von außen, erkennen wir, das nichts von dem, was wir zu erleben glauben wirklich real ist. Alles ist eins, alles ist Liebe, alles besteht aus der gleichen bewussten, phantasievollen und kreativen Energie, die die Welt in der wir leben aus sich selbst heraus formt. Wir sind also nicht wirklich Menschen, die ein mehr oder minder schmerzvolles Leben beschreiten, wir sind ein Teil von Gott bzw. ein Teil des Allbewusstseins, wie immer wir es auch nennen wollen, dass sich selbst in einer phantasievollen Geschichte erfährt, um wachsen und sich ausdehnen zu können. Folglich kann es natürlich auch niemanden geben, der uns je manipuliert oder beeinflusst, uns herumgeschubst uns eingeengt oder uns zu einem Leben gezwungen hat, das nicht unseres ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, dem wir jemals in unserem Leben begegnen können, sind wir selbst und alles was uns je widerfährt, widerfährt uns, weil wir es selbst auf der übergeordneten Ebene, also mit unserem höheren Selbst für uns so geplant und erschaffen haben. Wir selbst sind der Autor unseres eigenen Filmes in dem wir unserem eigenen Drehbuch folgen, um eine spannende Geschichte der Entwicklung und des Wachstums zu erleben. Alles, was wir als unserer Kindheit als traumatisierende, schmerzhafte Erfahrung in unserer Erinnerung abgespeichert haben, ist keine Folge von ungerechter Behandlung durch unsere Eltern oder durch andere Personen. Es ist eine, von uns selbst erschaffene Vorgeschichte, also eine Art Kontextbringer für unseren Lebensweg. Ohne eine solche leidvolle, unangenehme Erfahrung, die uns davon abhielt, gleich von beginn an unsere ganze Kraft und unsere Verbundenheit mit allem zu erkennen, hätte ja keine Entwicklung und somit auch keine Ausdehnung der Liebe stattfinden können. Wenn ihr dies erkannt habt und zwar wirklich erkannt habt, nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als unumstößliche, erlebbare und fühlbare Wahrheit, dann werdet ihr automatisch loslassen können, wodurch auch der innere Schweinehund verschwindet. Bis dahin ist es leider ein relativ langer Weg. Um ihn gehen zu können, müsst ihr euch immer bewusster über euch selbst werden und euch und euren Körper immer klarer und deutlicher spüren und wahrnehmen, bis ihr schließlich erkennt, dass ihr nicht wirklich einen physischen Körper besitzt, sondern energetische Wesen seit. Aus dem Unbewussten ins Bewusstsein bringen In meinem Fall bestand die Manipulation meines inneren Schweinehundes vor allem darin, mit diese permanente Energielosigkeit vorzuspielen und mich immer und immer wieder einschlafen zu lassen. Um dieses unbewusste Konzept auflösen zu können musste es zunächst einmal ins Bewusstsein geführt werden. Dazu entwickelten wir gestern und heute jeweils eine Tagesübung. Die erste bestand darin, jedes Mal für 3 Minuten unter eine eiskalte Dusche zu springen, wenn mir beim Arbeiten die Augen zu fielen. Dadurch wurde zum einen der Kreislauf angekurbelt und zum anderen wurde eine deutliche Absicht gesetzt, da ich ja nicht permanent im kalten Wasser stehen wollte. Heute hatten wir keine Dusche, weshalb wir auf eine andere Übung auswichen. Dieses Mal galt es, für jedes Wegnicken beim Arbeiten für fünf Minuten einen Handstand an der Wand zu machen. Auch das kann einem den Kreislauf ordentlich in Schwung bringen und es erfordert eine Menge Konzentration und Körperspannung, um die Kopfstandposition aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ganz praktisch die Perspektive wandelt und darum geht es ja schließlich vor allem.
 
Spruch des Tages: Sei stärker als deine stärkste Ausrede
Höhenmeter 230m / 240 / 310m
Tagesetappe: 19km + 21km + 17km
Gesamtstrecke: 26.179,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Saint-Seine-sur-Vingeanne, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:36:31


Tag 1391: Den inneren Schweinehund überwinden

Sei stärker als deine stärkste Ausrede

27.09.2017 Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor einigen Monaten damit begonnen habe, meinen Schlafrhythmus vom üblichen monophasischen auf einen sogenannten polyphasischen umzustellen. Was das genau bedeutet habe ich euch bereit im Tagesbericht vom „XXX“ beschrieben. Theoretisch sollt die Umstellungsphase dabei etwa 10 Tage bis zwei Wochen dauern. Dann generiert der Körper aus den Kurzschlafphasen genauso viel Energie wie zuvor aus der Langschlafphase und man ist wacher, munterer und energiegeladener als je zuvor. Wie gesagt, theoretisch! Praktisch funktioniert dies bei mir so gut wie gar nicht. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, die ganze Sache wieder aufzugeben und zu sagen, dass diese Art des Lebens und Schlafens einfach nichts für mich ist. Doch es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich an, als wäre es genau meine Art zu schlafen, nur bekomme ich es aus irgendeinem Grund nicht hin. Irgendetwas in mir, manipuliert und sabotiert mich. Und dieses etwas könnte man grob als inneren Schweinehund bezeichnen. Ein Phänomen, das euch vielleicht auch nicht ganz unbekannt ist. Der innere Motivationskiller Wer kennt das nicht? Man nimmt sich etwas vor, von dem man weiß, das es einem gut tut, dass es einen voranbringt und gesund hält und man freut sich sogar darauf, man ist motiviert und hat Lust, den alten Alltagsbrei endlich einmal zu durchbrechen und aus sich heraus zu kommen. Sei es nun durch eine Runde Joggen, eine neue Diät oder die Idee, das Auto einmal mehr gegen das Fahrrad einzutauschen. Doch kaum ist die Zeit gekommen, kann man sich aus einem unerklärlichen Grund dnicht aufraffen. Es ist, als schlummerte ein großes, graues Monster der Trägheit in einem, das nun kurz erwacht und sagt: „Lass es doch! Leg dich einfach noch einmal eine Runde hin, schließ die Augen, mach es dir gemütlich und genieße das Nichtstuen. Joggen kannst du ja morgen auch noch!“ In vielen Fällen, so auch in meinem, stammt dieses Monster der Demotivation noch aus der Kindheit und ist eine alte Trotzreaktion auf eine Situation, die man anders nicht hat lösen können. Als Kind habe ich stets gespürt, dass ich nicht das Leben lebe, das ich vom Herzen her in mir trage und das meiner Lebensbestimmung entsprechen würde. Ich fühlte mich nicht frei, nicht leicht, nicht ungebändigt und auch nicht motiviert. Wie auch, ich war ja vollkommen fremdbestimmt und investierte meine ganze Energie nur darin, anderen im Allgemeinen und meinen Eltern im Besonderen zu gefallen. Also begann ich innerlich zu rebellieren und mich auf subtile Weise gegen das zu wehren, das so schön nach meinem Leben aussah, sich aber überhaupt nicht danach anfühlte. Der innere Revoluzzer Dies war die Phase, in der ich nun all die schönen Mechanismen entwickelte, meine Unstrukturiertheit, mein Chaos, meine Unpünktlichkeit, eine Unaufmerksamkeit und natürlich meinen Unmotiviertheit und Trägheit, kurz: Meinen inneren Schweinehund! All diese Prinzipien entwickelte ich damals ja nicht mit de Absicht, mir selbst das Leben damit so schwer wie möglich zu machen, sondern um mich selbst am Leben zu halten. Um mir einen Platz zu schaffen, an dem ich mich zumindest ein klein bisschen selbst spüren konnte, an dem ich einen Hauch vom „Ich“-Sein leben konnte, während ich sonst nur die Marionette war. Solange ich permanent damit umgehen musste, von außen bestimmt zu werden, hatte dies auch einen wichtigen Zweck in meinem Leben, denn es schützte mich davor, zu 100% ein willenloser Sklave zu werden. Ohne dieses abstrakte, innere Rebellentum, hätte ich niemals den Schritt aus der Fremdbestimmung heraus machen können, sondern wäre tatsächlich die gefühllose, funktionierende Vorzeigepuppe geworden, die meine Mutter sich gewünscht hat. Hier steckt ein ganz wichtiger Schlüssel, nicht nur für mich, sondern auch für euch und für jeden, der schon einmal mit einem inneren Schweinehund gekämpft hat! Wenn wir einen inneren Schweinehund in uns spüren, dann verurteilen wir ihn und uns normalerweise. Wir hassen es, dass wir uns nicht aufraffen können, dass wir nicht mutig, nicht effektiv oder nicht engagiert genug sind. Wir fragen jedoch nie, welchen wichtigen und positiven Sinn und Zweck diese Selbstsabotage hat. Stellt euch daher immer wenn ihr einen inneren Schweinehund in euch spürt, die folgenden Fragen: • Wo in meinem Leben habe ich das Gefühl in einer persönlichen Diktatur zu leben, gegen die ich rebellieren muss? • Wer bestimmt wirklich über meine Entscheidungen? Entscheide ich mich nach meinem Herzen, oder entscheide ich mich, automatisiert für etwas, was jemand anderes längst zuvor für mich entschieden hat? • Wer ist dieser äußere Entscheidungsträger, dieser Diktator, gegen den ich auf subtile Weise rebelliere? Meine Mutter? Mein Vater? Mein Partner? Jemand anderes? Und dann kommt ein Teil, der besonders wichtig ist. Stellt euch die Frage: „Besteht die Diktatur noch immer, oder habe ich mich längst befreit, kann es aber noch nicht glauben?“ Diese Frage ist elementar wichtig für das weitere Vorgehen. Wenn ihr euch noch nicht befreit habt, dann stellt euch die folgenden Frage: • Will ich weiterhin als Sklave leben, der den Befehlen von außen gehorcht, anstatt seinem eigenen Herzen zu folgen? Stellt euch diese Frage ehrlich! Sie klingt so, als würde niemand ernsthaft darauf mit Ja antworten, doch sagt nicht einfach leichtfertig „Nein!“ Der Weg also Zombiepuppe ist stets der einfachste, bedarf keiner Verantwortung und vermeidet eine Menge Leid und Schmerz. Klar, er lässt auch keine Freude und Leichtigkeit und natürlich niemals eine Authentizität zu. Ihr werdet niemals wirklich Glücklich und Zufrieden werden, auf diese Weise, aber der Weg ist sicher und ihr könnt ihn ohne jedes Risiko gehen. Macht euch dies vollkommen bewusst und fragt euch, ob es euch das wert ist. Nur so könnt ihr dann auch aus vollem Herzen JA zur Änderung des Weges sagen. Viele Menschen und dazu gehöre ich auch, glauben, dass Sie eine Veränderung wollen, haben aber so viele Ängste, die sie am alten Leben festketten, dass sie dennoch lieber dem Pfad der Unterdrückung folgen, ohne dass sie es richtig merken. Dadurch wird vieles komplizierter. Wenn ihr nun also dazu tendiert, weiterhin eine Marionette zu bleiben, obwohl ihr eigentlich frei werden wollt, dann stellt euch die folgenden Fragen: • Welche Ängste halten mich davon ab, meinen eigenen Weg zu gehen? Habe ich Angst verlassen oder verletzt zu werden? Könnte ich jemanden enttäuschen? • Was brauche ich jetzt in diesem Moment, um zumindest einen kleinen Anfangt machen zu können? • Was brauche ich mittelfristig für die nächsten Schritte? Brauche ich vielleicht einen Mentor oder jemanden, der mich unterstützend begleitet? Wenn Ja, wie finde ich hier den richtigen, oder besser: Wie lasse ich mich am besten finden? Wenn ihr hingegen bereits guten Gewissens und aus innerer Überzeugung ja sagen könnt, dann fragt euch: • Was ist nun der erste Schritt, um frei zu werden? • Gegen wen muss ich wirklich rebellieren und zwar offen, klar und ehrlich und nicht in Form von subtiler Selbstsabotage! • Wie, wodurch und in welchen Bereichen lasse ich mich durch wen davon abhalten, ganz ich selbst zu sein? Warum mache ich dies? • Welche klärenden Gespräche stehen nun an? Was benötige ich, um sicher und selbstbewusst in diese Gespräche hineingehen zu können? Welche Absicht vertrete ich bei dem Gespräch? Werdet euch hier so klar wie möglich und fragt euch dann: • Was muss sich an der Beziehung verändern, so dass sie bestehen bleiben kann, ich mich von nun an aber frei fühle? • Oder: Kann es sein, dass ich mich von dem oder den Menschen komplett lösen muss, um frei zu werden? Habt ihr all dies bereits hinter euch und spürt wie ich, dass ich trotzdem noch immer einen inneren Schweinehund in euch tragt, der euch immer und immer wieder sabotiert, sind die folgenden Fragen wichtig für euch: • Kann es sein, dass ich mich selbst noch immer für einen Sklaven halte, der fremdgesteuert wird, nur dass ich diese Fremdkontrolle nun einem Teil von mir selbst oder einer anderen externen Person übertragen habe? • Warum fällt es mir so schwer, die Vergangenheit los zu lassen? Woran halte ich noch immer fest? • Kann es sein, dass ich noch Wut, Ärger, Trauer oder Enttäuschung in mir spüre, weil ich in der Vergangenheit manipuliert wurde? Habe ich vielleicht noch immer eine offene Rechnung mit dem Manipulator? Glaube ich, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfahren ist, die noch immer nach Gerechtigkeit schreit? So lange wir dieses Gefühl einer offenen Rechnung in uns tragen, werden wir automatisch an den alten Mustern festhalten. Zu glauben, dass man ungerecht behandelt wurde bedeutet, dass man noch immer in der Negativität verhaftet ist, und sie somit selbst permanent weiter am Leben hält. Wir haben noch immer nicht verstanden, dass alles Liebe und somit auch alles gut und richtig ist. Wir erkennen also noch immer nicht die Freude in unserem tun sondern empfinden es als eine Pflicht, zu der wir uns überwinden müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Stellt euch eine Sache vor, die ihr von ganzem Herzen liebt, und die ihr stunden lang ununterbrochen jeden Tag tun könntet, ohne je davon satt zu werden. Vielleicht ist es singen oder tanzen, vielleicht essen oder schlafen, vielleicht kuscheln, knutschen oder fernsehen. Egal was es ist, stellt es euch einfach vor und fragt euch, ob ihr euch je dazu habt überwinden müssen. Gab es je eine Situation, in der ihr mit eurem inneren Schweinehund kämpfen musstet, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr euch gemütlich in sie Sonne chillen, ein Eis schlecken oder eure Lieblingsserie im Fernsehen anschauen solltet? Wahrscheinlich nicht, oder? Warum nicht? Genau, weil ihr euch zu nichts überwinden müsst, das euch wahre Freude bereitet. Solange ihr jedoch das Gefühl habt, etwas würde euch keine Freude bereiten, etwas bedeutet Anstrengung oder Energieverlust oder ihr wäret zu etwas verpflichtet, entsteht dieser innere Widerstand. Die Frage lautet nun also: Wie löse ich den inneren Schweinehund vollständig auf um nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen zu müssen, sondern in Freude und Leichtigkeit leben zu können? Hier nun kommt der wirklich knifflige Teil. Um euch ganz vom inneren Schweinehund zu befreien, müsst ihr verstanden haben, dass ihr all die Erfahrungen, an die ihr euch im Zusammenhang mit der Unfreiheit und der Fremdbestimmung erinnert, niemals gemacht habt. Ich weiß, das mag sich im ersten Moment komisch anhören, aber das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Alles ist eins! (Warum das so ist, und was das genau bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: XXX) Ungerechtigkeit, Leid und Negativität existieren nur, solange wir die Dinge aus unserer eigenen, persönlichen und äußerst begrenzten Perspektive betrachten. Bezogen auf die Gesamtheit des Universums und des Lebens haben wir hier nur einen winzigen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um den Sinn hinter allem zu erkennen. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die Situation von außen, erkennen wir, das nichts von dem, was wir zu erleben glauben wirklich real ist. Alles ist eins, alles ist Liebe, alles besteht aus der gleichen bewussten, phantasievollen und kreativen Energie, die die Welt in der wir leben aus sich selbst heraus formt. Wir sind also nicht wirklich Menschen, die ein mehr oder minder schmerzvolles Leben beschreiten, wir sind ein Teil von Gott bzw. ein Teil des Allbewusstseins, wie immer wir es auch nennen wollen, dass sich selbst in einer phantasievollen Geschichte erfährt, um wachsen und sich ausdehnen zu können. Folglich kann es natürlich auch niemanden geben, der uns je manipuliert oder beeinflusst, uns herumgeschubst uns eingeengt oder uns zu einem Leben gezwungen hat, das nicht unseres ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, dem wir jemals in unserem Leben begegnen können, sind wir selbst und alles was uns je widerfährt, widerfährt uns, weil wir es selbst auf der übergeordneten Ebene, also mit unserem höheren Selbst für uns so geplant und erschaffen haben. Wir selbst sind der Autor unseres eigenen Filmes in dem wir unserem eigenen Drehbuch folgen, um eine spannende Geschichte der Entwicklung und des Wachstums zu erleben. Alles, was wir als unserer Kindheit als traumatisierende, schmerzhafte Erfahrung in unserer Erinnerung abgespeichert haben, ist keine Folge von ungerechter Behandlung durch unsere Eltern oder durch andere Personen. Es ist eine, von uns selbst erschaffene Vorgeschichte, also eine Art Kontextbringer für unseren Lebensweg. Ohne eine solche leidvolle, unangenehme Erfahrung, die uns davon abhielt, gleich von beginn an unsere ganze Kraft und unsere Verbundenheit mit allem zu erkennen, hätte ja keine Entwicklung und somit auch keine Ausdehnung der Liebe stattfinden können. Wenn ihr dies erkannt habt und zwar wirklich erkannt habt, nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als unumstößliche, erlebbare und fühlbare Wahrheit, dann werdet ihr automatisch loslassen können, wodurch auch der innere Schweinehund verschwindet. Bis dahin ist es leider ein relativ langer Weg. Um ihn gehen zu können, müsst ihr euch immer bewusster über euch selbst werden und euch und euren Körper immer klarer und deutlicher spüren und wahrnehmen, bis ihr schließlich erkennt, dass ihr nicht wirklich einen physischen Körper besitzt, sondern energetische Wesen seit. Aus dem Unbewussten ins Bewusstsein bringen In meinem Fall bestand die Manipulation meines inneren Schweinehundes vor allem darin, mit diese permanente Energielosigkeit vorzuspielen und mich immer und immer wieder einschlafen zu lassen. Um dieses unbewusste Konzept auflösen zu können musste es zunächst einmal ins Bewusstsein geführt werden. Dazu entwickelten wir gestern und heute jeweils eine Tagesübung. Die erste bestand darin, jedes Mal für 3 Minuten unter eine eiskalte Dusche zu springen, wenn mir beim Arbeiten die Augen zu fielen. Dadurch wurde zum einen der Kreislauf angekurbelt und zum anderen wurde eine deutliche Absicht gesetzt, da ich ja nicht permanent im kalten Wasser stehen wollte. Heute hatten wir keine Dusche, weshalb wir auf eine andere Übung auswichen. Dieses Mal galt es, für jedes Wegnicken beim Arbeiten für fünf Minuten einen Handstand an der Wand zu machen. Auch das kann einem den Kreislauf ordentlich in Schwung bringen und es erfordert eine Menge Konzentration und Körperspannung, um die Kopfstandposition aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ganz praktisch die Perspektive wandelt und darum geht es ja schließlich vor allem.
 
Spruch des Tages: Sei stärker als deine stärkste Ausrede
Höhenmeter 230m / 240 / 310m
Tagesetappe: 19km + 21km + 17km
Gesamtstrecke: 26.179,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 2: Gemeinderaum der Stadt, Choilley-Dardenay, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:36:31


Tag 1390: Den inneren Schweinehund überwinden

Sei stärker als deine stärkste Ausrede

27.09.2017 Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor einigen Monaten damit begonnen habe, meinen Schlafrhythmus vom üblichen monophasischen auf einen sogenannten polyphasischen umzustellen. Was das genau bedeutet habe ich euch bereit im Tagesbericht vom „XXX“ beschrieben. Theoretisch sollt die Umstellungsphase dabei etwa 10 Tage bis zwei Wochen dauern. Dann generiert der Körper aus den Kurzschlafphasen genauso viel Energie wie zuvor aus der Langschlafphase und man ist wacher, munterer und energiegeladener als je zuvor. Wie gesagt, theoretisch! Praktisch funktioniert dies bei mir so gut wie gar nicht. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, die ganze Sache wieder aufzugeben und zu sagen, dass diese Art des Lebens und Schlafens einfach nichts für mich ist. Doch es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich an, als wäre es genau meine Art zu schlafen, nur bekomme ich es aus irgendeinem Grund nicht hin. Irgendetwas in mir, manipuliert und sabotiert mich. Und dieses etwas könnte man grob als inneren Schweinehund bezeichnen. Ein Phänomen, das euch vielleicht auch nicht ganz unbekannt ist. Der innere Motivationskiller Wer kennt das nicht? Man nimmt sich etwas vor, von dem man weiß, das es einem gut tut, dass es einen voranbringt und gesund hält und man freut sich sogar darauf, man ist motiviert und hat Lust, den alten Alltagsbrei endlich einmal zu durchbrechen und aus sich heraus zu kommen. Sei es nun durch eine Runde Joggen, eine neue Diät oder die Idee, das Auto einmal mehr gegen das Fahrrad einzutauschen. Doch kaum ist die Zeit gekommen, kann man sich aus einem unerklärlichen Grund dnicht aufraffen. Es ist, als schlummerte ein großes, graues Monster der Trägheit in einem, das nun kurz erwacht und sagt: „Lass es doch! Leg dich einfach noch einmal eine Runde hin, schließ die Augen, mach es dir gemütlich und genieße das Nichtstuen. Joggen kannst du ja morgen auch noch!“ In vielen Fällen, so auch in meinem, stammt dieses Monster der Demotivation noch aus der Kindheit und ist eine alte Trotzreaktion auf eine Situation, die man anders nicht hat lösen können. Als Kind habe ich stets gespürt, dass ich nicht das Leben lebe, das ich vom Herzen her in mir trage und das meiner Lebensbestimmung entsprechen würde. Ich fühlte mich nicht frei, nicht leicht, nicht ungebändigt und auch nicht motiviert. Wie auch, ich war ja vollkommen fremdbestimmt und investierte meine ganze Energie nur darin, anderen im Allgemeinen und meinen Eltern im Besonderen zu gefallen. Also begann ich innerlich zu rebellieren und mich auf subtile Weise gegen das zu wehren, das so schön nach meinem Leben aussah, sich aber überhaupt nicht danach anfühlte. Der innere Revoluzzer Dies war die Phase, in der ich nun all die schönen Mechanismen entwickelte, meine Unstrukturiertheit, mein Chaos, meine Unpünktlichkeit, eine Unaufmerksamkeit und natürlich meinen Unmotiviertheit und Trägheit, kurz: Meinen inneren Schweinehund! All diese Prinzipien entwickelte ich damals ja nicht mit de Absicht, mir selbst das Leben damit so schwer wie möglich zu machen, sondern um mich selbst am Leben zu halten. Um mir einen Platz zu schaffen, an dem ich mich zumindest ein klein bisschen selbst spüren konnte, an dem ich einen Hauch vom „Ich“-Sein leben konnte, während ich sonst nur die Marionette war. Solange ich permanent damit umgehen musste, von außen bestimmt zu werden, hatte dies auch einen wichtigen Zweck in meinem Leben, denn es schützte mich davor, zu 100% ein willenloser Sklave zu werden. Ohne dieses abstrakte, innere Rebellentum, hätte ich niemals den Schritt aus der Fremdbestimmung heraus machen können, sondern wäre tatsächlich die gefühllose, funktionierende Vorzeigepuppe geworden, die meine Mutter sich gewünscht hat. Hier steckt ein ganz wichtiger Schlüssel, nicht nur für mich, sondern auch für euch und für jeden, der schon einmal mit einem inneren Schweinehund gekämpft hat! Wenn wir einen inneren Schweinehund in uns spüren, dann verurteilen wir ihn und uns normalerweise. Wir hassen es, dass wir uns nicht aufraffen können, dass wir nicht mutig, nicht effektiv oder nicht engagiert genug sind. Wir fragen jedoch nie, welchen wichtigen und positiven Sinn und Zweck diese Selbstsabotage hat. Stellt euch daher immer wenn ihr einen inneren Schweinehund in euch spürt, die folgenden Fragen: • Wo in meinem Leben habe ich das Gefühl in einer persönlichen Diktatur zu leben, gegen die ich rebellieren muss? • Wer bestimmt wirklich über meine Entscheidungen? Entscheide ich mich nach meinem Herzen, oder entscheide ich mich, automatisiert für etwas, was jemand anderes längst zuvor für mich entschieden hat? • Wer ist dieser äußere Entscheidungsträger, dieser Diktator, gegen den ich auf subtile Weise rebelliere? Meine Mutter? Mein Vater? Mein Partner? Jemand anderes? Und dann kommt ein Teil, der besonders wichtig ist. Stellt euch die Frage: „Besteht die Diktatur noch immer, oder habe ich mich längst befreit, kann es aber noch nicht glauben?“ Diese Frage ist elementar wichtig für das weitere Vorgehen. Wenn ihr euch noch nicht befreit habt, dann stellt euch die folgenden Frage: • Will ich weiterhin als Sklave leben, der den Befehlen von außen gehorcht, anstatt seinem eigenen Herzen zu folgen? Stellt euch diese Frage ehrlich! Sie klingt so, als würde niemand ernsthaft darauf mit Ja antworten, doch sagt nicht einfach leichtfertig „Nein!“ Der Weg also Zombiepuppe ist stets der einfachste, bedarf keiner Verantwortung und vermeidet eine Menge Leid und Schmerz. Klar, er lässt auch keine Freude und Leichtigkeit und natürlich niemals eine Authentizität zu. Ihr werdet niemals wirklich Glücklich und Zufrieden werden, auf diese Weise, aber der Weg ist sicher und ihr könnt ihn ohne jedes Risiko gehen. Macht euch dies vollkommen bewusst und fragt euch, ob es euch das wert ist. Nur so könnt ihr dann auch aus vollem Herzen JA zur Änderung des Weges sagen. Viele Menschen und dazu gehöre ich auch, glauben, dass Sie eine Veränderung wollen, haben aber so viele Ängste, die sie am alten Leben festketten, dass sie dennoch lieber dem Pfad der Unterdrückung folgen, ohne dass sie es richtig merken. Dadurch wird vieles komplizierter. Wenn ihr nun also dazu tendiert, weiterhin eine Marionette zu bleiben, obwohl ihr eigentlich frei werden wollt, dann stellt euch die folgenden Fragen: • Welche Ängste halten mich davon ab, meinen eigenen Weg zu gehen? Habe ich Angst verlassen oder verletzt zu werden? Könnte ich jemanden enttäuschen? • Was brauche ich jetzt in diesem Moment, um zumindest einen kleinen Anfangt machen zu können? • Was brauche ich mittelfristig für die nächsten Schritte? Brauche ich vielleicht einen Mentor oder jemanden, der mich unterstützend begleitet? Wenn Ja, wie finde ich hier den richtigen, oder besser: Wie lasse ich mich am besten finden? Wenn ihr hingegen bereits guten Gewissens und aus innerer Überzeugung ja sagen könnt, dann fragt euch: • Was ist nun der erste Schritt, um frei zu werden? • Gegen wen muss ich wirklich rebellieren und zwar offen, klar und ehrlich und nicht in Form von subtiler Selbstsabotage! • Wie, wodurch und in welchen Bereichen lasse ich mich durch wen davon abhalten, ganz ich selbst zu sein? Warum mache ich dies? • Welche klärenden Gespräche stehen nun an? Was benötige ich, um sicher und selbstbewusst in diese Gespräche hineingehen zu können? Welche Absicht vertrete ich bei dem Gespräch? Werdet euch hier so klar wie möglich und fragt euch dann: • Was muss sich an der Beziehung verändern, so dass sie bestehen bleiben kann, ich mich von nun an aber frei fühle? • Oder: Kann es sein, dass ich mich von dem oder den Menschen komplett lösen muss, um frei zu werden? Habt ihr all dies bereits hinter euch und spürt wie ich, dass ich trotzdem noch immer einen inneren Schweinehund in euch tragt, der euch immer und immer wieder sabotiert, sind die folgenden Fragen wichtig für euch: • Kann es sein, dass ich mich selbst noch immer für einen Sklaven halte, der fremdgesteuert wird, nur dass ich diese Fremdkontrolle nun einem Teil von mir selbst oder einer anderen externen Person übertragen habe? • Warum fällt es mir so schwer, die Vergangenheit los zu lassen? Woran halte ich noch immer fest? • Kann es sein, dass ich noch Wut, Ärger, Trauer oder Enttäuschung in mir spüre, weil ich in der Vergangenheit manipuliert wurde? Habe ich vielleicht noch immer eine offene Rechnung mit dem Manipulator? Glaube ich, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfahren ist, die noch immer nach Gerechtigkeit schreit? So lange wir dieses Gefühl einer offenen Rechnung in uns tragen, werden wir automatisch an den alten Mustern festhalten. Zu glauben, dass man ungerecht behandelt wurde bedeutet, dass man noch immer in der Negativität verhaftet ist, und sie somit selbst permanent weiter am Leben hält. Wir haben noch immer nicht verstanden, dass alles Liebe und somit auch alles gut und richtig ist. Wir erkennen also noch immer nicht die Freude in unserem tun sondern empfinden es als eine Pflicht, zu der wir uns überwinden müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Stellt euch eine Sache vor, die ihr von ganzem Herzen liebt, und die ihr stunden lang ununterbrochen jeden Tag tun könntet, ohne je davon satt zu werden. Vielleicht ist es singen oder tanzen, vielleicht essen oder schlafen, vielleicht kuscheln, knutschen oder fernsehen. Egal was es ist, stellt es euch einfach vor und fragt euch, ob ihr euch je dazu habt überwinden müssen. Gab es je eine Situation, in der ihr mit eurem inneren Schweinehund kämpfen musstet, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr euch gemütlich in sie Sonne chillen, ein Eis schlecken oder eure Lieblingsserie im Fernsehen anschauen solltet? Wahrscheinlich nicht, oder? Warum nicht? Genau, weil ihr euch zu nichts überwinden müsst, das euch wahre Freude bereitet. Solange ihr jedoch das Gefühl habt, etwas würde euch keine Freude bereiten, etwas bedeutet Anstrengung oder Energieverlust oder ihr wäret zu etwas verpflichtet, entsteht dieser innere Widerstand. Die Frage lautet nun also: Wie löse ich den inneren Schweinehund vollständig auf um nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen zu müssen, sondern in Freude und Leichtigkeit leben zu können? Hier nun kommt der wirklich knifflige Teil. Um euch ganz vom inneren Schweinehund zu befreien, müsst ihr verstanden haben, dass ihr all die Erfahrungen, an die ihr euch im Zusammenhang mit der Unfreiheit und der Fremdbestimmung erinnert, niemals gemacht habt. Ich weiß, das mag sich im ersten Moment komisch anhören, aber das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Alles ist eins! (Warum das so ist, und was das genau bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: XXX) Ungerechtigkeit, Leid und Negativität existieren nur, solange wir die Dinge aus unserer eigenen, persönlichen und äußerst begrenzten Perspektive betrachten. Bezogen auf die Gesamtheit des Universums und des Lebens haben wir hier nur einen winzigen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um den Sinn hinter allem zu erkennen. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die Situation von außen, erkennen wir, das nichts von dem, was wir zu erleben glauben wirklich real ist. Alles ist eins, alles ist Liebe, alles besteht aus der gleichen bewussten, phantasievollen und kreativen Energie, die die Welt in der wir leben aus sich selbst heraus formt. Wir sind also nicht wirklich Menschen, die ein mehr oder minder schmerzvolles Leben beschreiten, wir sind ein Teil von Gott bzw. ein Teil des Allbewusstseins, wie immer wir es auch nennen wollen, dass sich selbst in einer phantasievollen Geschichte erfährt, um wachsen und sich ausdehnen zu können. Folglich kann es natürlich auch niemanden geben, der uns je manipuliert oder beeinflusst, uns herumgeschubst uns eingeengt oder uns zu einem Leben gezwungen hat, das nicht unseres ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, dem wir jemals in unserem Leben begegnen können, sind wir selbst und alles was uns je widerfährt, widerfährt uns, weil wir es selbst auf der übergeordneten Ebene, also mit unserem höheren Selbst für uns so geplant und erschaffen haben. Wir selbst sind der Autor unseres eigenen Filmes in dem wir unserem eigenen Drehbuch folgen, um eine spannende Geschichte der Entwicklung und des Wachstums zu erleben. Alles, was wir als unserer Kindheit als traumatisierende, schmerzhafte Erfahrung in unserer Erinnerung abgespeichert haben, ist keine Folge von ungerechter Behandlung durch unsere Eltern oder durch andere Personen. Es ist eine, von uns selbst erschaffene Vorgeschichte, also eine Art Kontextbringer für unseren Lebensweg. Ohne eine solche leidvolle, unangenehme Erfahrung, die uns davon abhielt, gleich von beginn an unsere ganze Kraft und unsere Verbundenheit mit allem zu erkennen, hätte ja keine Entwicklung und somit auch keine Ausdehnung der Liebe stattfinden können. Wenn ihr dies erkannt habt und zwar wirklich erkannt habt, nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als unumstößliche, erlebbare und fühlbare Wahrheit, dann werdet ihr automatisch loslassen können, wodurch auch der innere Schweinehund verschwindet. Bis dahin ist es leider ein relativ langer Weg. Um ihn gehen zu können, müsst ihr euch immer bewusster über euch selbst werden und euch und euren Körper immer klarer und deutlicher spüren und wahrnehmen, bis ihr schließlich erkennt, dass ihr nicht wirklich einen physischen Körper besitzt, sondern energetische Wesen seit. Aus dem Unbewussten ins Bewusstsein bringen In meinem Fall bestand die Manipulation meines inneren Schweinehundes vor allem darin, mit diese permanente Energielosigkeit vorzuspielen und mich immer und immer wieder einschlafen zu lassen. Um dieses unbewusste Konzept auflösen zu können musste es zunächst einmal ins Bewusstsein geführt werden. Dazu entwickelten wir gestern und heute jeweils eine Tagesübung. Die erste bestand darin, jedes Mal für 3 Minuten unter eine eiskalte Dusche zu springen, wenn mir beim Arbeiten die Augen zu fielen. Dadurch wurde zum einen der Kreislauf angekurbelt und zum anderen wurde eine deutliche Absicht gesetzt, da ich ja nicht permanent im kalten Wasser stehen wollte. Heute hatten wir keine Dusche, weshalb wir auf eine andere Übung auswichen. Dieses Mal galt es, für jedes Wegnicken beim Arbeiten für fünf Minuten einen Handstand an der Wand zu machen. Auch das kann einem den Kreislauf ordentlich in Schwung bringen und es erfordert eine Menge Konzentration und Körperspannung, um die Kopfstandposition aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ganz praktisch die Perspektive wandelt und darum geht es ja schließlich vor allem.
 
Spruch des Tages: Sei stärker als deine stärkste Ausrede
Höhenmeter 230m / 240 / 310m
Tagesetappe: 19km + 21km + 17km
Gesamtstrecke: 26.179,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Kalter Rathaussaal ohne Toilette, Vaillant, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:36:00


Tag 1389: Frankreichs vergessene Heiligtümer – Geheimtipps für Frankreichreisende

Die Dinge sind eh wie sie sind

25.-26.09.2017 Jean, unser Gastgeber aus Chinon hatte uns von zwei Stätten in der Umgebung erzählt, die wir auf jeden Fall besuchen sollten. Es waren Heiligenorte an denen jeweils etwas besonderes passiert war. Leider sprach John ein so schnelles und gleichklingendes Französisch, dass wir nicht im Mindesten verstanden, was diese Plätze so besonders machte. Der erste Ort war eine Stadt mit 1700 Einwohnern und sein Stadtzentrum befand sich auf einer kleinen Insel im Fluss. Platz hätten hier bedeutend mehr gehabt, aber die Ortschaft war nahezu ausgestorben und hatte sich damit fast wieder auf den ursprünglichen Bevölkerungsstand reduziert. Bei seiner Gründung hatte der Ort nämlich tatsächlich nur aus der kleinen Insel mitten im Fluss bestanden. Dann hatte man eine Stadt außen herumgebaut, die nun niemand mehr wirklich brauchte. Das Santuario befand sich in der Stadtmitte, etwa 100 Meter von der Brücke entfernt und war ebenso verschlossen, als wir eintrafen, wie alles andere auch. Es bestand aus einer kleinen Pilgerherberge und einer winzigen Kapelle, die hinter einer massiven Stahltür verborgen lag. Obwohl wir später nahezu jeden Verantwortlichen des Heiligtums kennenlernten, bekamen auch wir keine Gelegenheit, diese Kapelle zu besuchen.Wir erfuhren lediglich von einem alten Mann, dass es sich auch bei diesem Ort hier um einen Marienerscheinungsort handelte, ähnlich wie Lourdes. Später wurden wir eingeladen (oder genötigt) einen Dokumentationsfilm über das Heiligtum und die Kapelle zu sehen. Ich muss zugeben, die meiste Zeit habe ich geschlafen, da der Film für unsere Ohren vollkommen unverständlich war. Doch selbst Menschen, die Französisch fließend beherrschten mussten es noch immer unmöglich finden, bei diesem Film aufmerksam dabei zu bleiben. Zusammenfassend können wir über diesen Heiligenort also sagen, dass hier irgendwann einmal eine Maria aufgetaucht ist und irgendeine Botschaft für ein paar Kinder hatte. Das ist dann auch schon alles. Die Stadt selbst und auch das Heiligtum waren leider nicht sonderlich sehenswert, zumindest nicht, solange man nicht auf Geisterstädte mit leerstehenden Geschäften und toten Häusern steht. Warum dieser Ort Jahr für Jahr nicht ganz so viele Touristen anlockt wie beispielsweise Lourdes war damit dann auch geklärt. Einen Tag später erreichten wir den zweiten Ort, der uns von Jean empfohlen wurde. Hier gab es keine Heiligenstätte, dafür aber eine kirchliche Jugendherberge in einem alten Landgut. Als wir eintrafen wurden wir als erstes auf eine Schulklasse aufmerksam, die im Schlosspark spielte und für einen Moment zweifelten wir, ob dies wirklich ein Platz für uns ist. Unsere Erfahrungen mit Jugendherbergen voller gelangweilter Schüler waren in der Vergangenheit nicht allzu überragend gewesen und brauchte nicht unbedingt eine Auffrischung. Doch es gab ausreichend Gebäude und wir bekamen eine kleine Pension mit Küche und Bad in einem Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Anwesens, so dass wir von den Schülern nichts weiter mitbekamen. Dafür tauchte ein alter Mann auf, der beschlossen hatte, genau heute direkt vor unserem Fenster die Fußballfeld große Wiese zu mähen. Wieder einmal kamen wir uns ein bisschen vor wie in de Muppetshow, oder wie bei „Versteckte Kamera“. Es war wie verhext, egal was wir uns auch für Ruheoasen suchten, sobald wir irgendwo eintrafen wurde es laut. Und ja, es war kein Zufall! Es war genau das, was wir anzogen, um lernen zu können, dass wir selbst unsere Welt gestalten. Unser Fokus lag durch die Filme der Vergangenheit auf „Es gibt keine Ruhe!“ also bewiesen wir es uns jeden Tag selbst. Genau auf die gleiche Weise schaffte ich es auch, dass sich mein Glaubenssatz „Ich habe nie genug Zeit!“ stets aufs neue wahr wurde. Langsam gelang es uns nun jedoch schon immer mehr, die Sache mit Humor zu sehen. Als der Rasenmäher begann mussten wir unwillkürlich schmunzeln. „Alles Klar! Es geht wieder los!“ war nun nur noch der Gedankengang. Noch immer waren wir weit davon entfernt hier wirklich die Kontrolle zu übernehmen, aber es war schon mal der erste Schritt. Annehmen was ist und zwar mit einem Lächeln anstelle eines Grollens.
 
Lektion des Tages: Die Dinge sind eh wie sie sind, also kann man sich auch entspannen und die Show genießen! Dies ist der erste Schritt aus der Negativität hin zu einem zufriedenen, selbstbestimmten Leben in Freiheit und Glückseligkeit.
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.122,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich
Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:33:01


Tag 1388: Frankreichs vergessene Heiligtümer – Geheimtipps für Frankreichreisende

Die Dinge sind eh wie sie sind

25.-26.09.2017 Jean, unser Gastgeber aus Chinon hatte uns von zwei Stätten in der Umgebung erzählt, die wir auf jeden Fall besuchen sollten. Es waren Heiligenorte an denen jeweils etwas besonderes passiert war. Leider sprach John ein so schnelles und gleichklingendes Französisch, dass wir nicht im Mindesten verstanden, was diese Plätze so besonders machte. Der erste Ort war eine Stadt mit 1700 Einwohnern und sein Stadtzentrum befand sich auf einer kleinen Insel im Fluss. Platz hätten hier bedeutend mehr gehabt, aber die Ortschaft war nahezu ausgestorben und hatte sich damit fast wieder auf den ursprünglichen Bevölkerungsstand reduziert. Bei seiner Gründung hatte der Ort nämlich tatsächlich nur aus der kleinen Insel mitten im Fluss bestanden. Dann hatte man eine Stadt außen herumgebaut, die nun niemand mehr wirklich brauchte. Das Santuario befand sich in der Stadtmitte, etwa 100 Meter von der Brücke entfernt und war ebenso verschlossen, als wir eintrafen, wie alles andere auch. Es bestand aus einer kleinen Pilgerherberge und einer winzigen Kapelle, die hinter einer massiven Stahltür verborgen lag. Obwohl wir später nahezu jeden Verantwortlichen des Heiligtums kennenlernten, bekamen auch wir keine Gelegenheit, diese Kapelle zu besuchen.Wir erfuhren lediglich von einem alten Mann, dass es sich auch bei diesem Ort hier um einen Marienerscheinungsort handelte, ähnlich wie Lourdes. Später wurden wir eingeladen (oder genötigt) einen Dokumentationsfilm über das Heiligtum und die Kapelle zu sehen. Ich muss zugeben, die meiste Zeit habe ich geschlafen, da der Film für unsere Ohren vollkommen unverständlich war. Doch selbst Menschen, die Französisch fließend beherrschten mussten es noch immer unmöglich finden, bei diesem Film aufmerksam dabei zu bleiben. Zusammenfassend können wir über diesen Heiligenort also sagen, dass hier irgendwann einmal eine Maria aufgetaucht ist und irgendeine Botschaft für ein paar Kinder hatte. Das ist dann auch schon alles. Die Stadt selbst und auch das Heiligtum waren leider nicht sonderlich sehenswert, zumindest nicht, solange man nicht auf Geisterstädte mit leerstehenden Geschäften und toten Häusern steht. Warum dieser Ort Jahr für Jahr nicht ganz so viele Touristen anlockt wie beispielsweise Lourdes war damit dann auch geklärt. Einen Tag später erreichten wir den zweiten Ort, der uns von Jean empfohlen wurde. Hier gab es keine Heiligenstätte, dafür aber eine kirchliche Jugendherberge in einem alten Landgut. Als wir eintrafen wurden wir als erstes auf eine Schulklasse aufmerksam, die im Schlosspark spielte und für einen Moment zweifelten wir, ob dies wirklich ein Platz für uns ist. Unsere Erfahrungen mit Jugendherbergen voller gelangweilter Schüler waren in der Vergangenheit nicht allzu überragend gewesen und brauchte nicht unbedingt eine Auffrischung. Doch es gab ausreichend Gebäude und wir bekamen eine kleine Pension mit Küche und Bad in einem Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Anwesens, so dass wir von den Schülern nichts weiter mitbekamen. Dafür tauchte ein alter Mann auf, der beschlossen hatte, genau heute direkt vor unserem Fenster die Fußballfeld große Wiese zu mähen. Wieder einmal kamen wir uns ein bisschen vor wie in de Muppetshow, oder wie bei „Versteckte Kamera“. Es war wie verhext, egal was wir uns auch für Ruheoasen suchten, sobald wir irgendwo eintrafen wurde es laut. Und ja, es war kein Zufall! Es war genau das, was wir anzogen, um lernen zu können, dass wir selbst unsere Welt gestalten. Unser Fokus lag durch die Filme der Vergangenheit auf „Es gibt keine Ruhe!“ also bewiesen wir es uns jeden Tag selbst. Genau auf die gleiche Weise schaffte ich es auch, dass sich mein Glaubenssatz „Ich habe nie genug Zeit!“ stets aufs neue wahr wurde. Langsam gelang es uns nun jedoch schon immer mehr, die Sache mit Humor zu sehen. Als der Rasenmäher begann mussten wir unwillkürlich schmunzeln. „Alles Klar! Es geht wieder los!“ war nun nur noch der Gedankengang. Noch immer waren wir weit davon entfernt hier wirklich die Kontrolle zu übernehmen, aber es war schon mal der erste Schritt. Annehmen was ist und zwar mit einem Lächeln anstelle eines Grollens.
 
Lektion des Tages: Die Dinge sind eh wie sie sind, also kann man sich auch entspannen und die Show genießen! Dies ist der erste Schritt aus der Negativität hin zu einem zufriedenen, selbstbestimmten Leben in Freiheit und Glückseligkeit.
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.122,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich
Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:33:01


Tag 1387: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

Übernachten in Chinon

24.09.2017 Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient! Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert. Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden. Leben wie die Höhlenmenschen Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten. Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus. Übernachten in Chinon Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.
 
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.087,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:26:20


Tag 1386: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

Übernachten in Chinon

24.09.2017 Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient! Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert. Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden. Leben wie die Höhlenmenschen Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten. Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus. Übernachten in Chinon Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.
 
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.087,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:26:18


Tag 1385: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

Übernachten in Chinon

24.09.2017 Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient! Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert. Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden. Leben wie die Höhlenmenschen Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten. Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus. Übernachten in Chinon Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.
 
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.087,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:26:16


Tag 1383: Weinernte und Atomkraft

„Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf

23.09.2017 Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden wir heute mit frischem Wein von den Feldern beschenkt. Also genaugenommen, waren die Felder einfach nur da, aber wir haben sie kurzerhand als Geschenk betrachtet. Zumindest an den Orten, an denen nicht gerade ein Bauer mit seinem Vollernter unterwegs war. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal einem Weinvollernter zugeschaut habt, aber es ist durchaus ein beeindruckendes Gerät. Zu aller erst ist er einmal beeindruckend laut. Es macht ungefähr so viel Lärm wie ein Mähdrescher, obwohl er nur ein Drittel seiner Größe besitzt. Dafür ist er relativ lustig aufgebaut, extrem schlank und hoch, so dass er mitten über eine Weinrebe fahren kann, die er dann so schüttelt, dass alle Weintrauben abfallen und in seitlichen Greifarmen liegen bleiben. Binnen Sekunden hat er eine Rebe fast vollständig leer geschüttelt, wofür ein einzelner Arbeiter mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Selbst wenn der Vollernter also das Zehnfache an der Pflanze zurücklässt, wie ein Feldarbeiter, lohnt sich das Gerät noch immer. Anders hingegen war es bei der Apfelernte. Hier musste noch immer von Hand gepflückt werden und dies rief wieder ein ganzes Bataillon an Gastarbeitern auf den Plan. Dieses Mal stammten sie aus Polen aber ansonsten unterschied sich nichts zur Arbeitssituation in Italien, Bulgarien und Rumänien. Nahrungsmittelproduktion ist früher wie heute fest mit Sklavenarbeit verbunden. Daran hat sich in all den Jahren der Zivilisation niemals etwas geändert. Wir beuten unsere heutigen Felsarbeiter noch genauso aus wie die Römer ihre versklavten Wilden und die amerikanischen Siedler, die schwarzafrikanischen Sklaven. Es sieht heute ein bisschen anders aus, es gibt ein paar mehr Rechte und man bekommt einen lächerlichen Geldbetrag, aber sonst ist alles beim Alten. Zumindest überall dort, wo man keine vollautomatischen Maschinen einsetzen kann, die in gewisser Weise dann so eine Art Sklave auf Kunststoff und Stahl sind. Ein frühes Ankommen ist uns auch heute nicht vergönnt gewesen. Wir sind einfach auf dem Stand von Irland, dass muss man im Moment akzeptieren. Wenn es nicht später Nachmittag ist, klappt nichts, also beschlossen wir, dass wir dann ebenso gut auch chillen und die Sonne genießen konnten, bevor wir unsere zweite Hälfte der Wanderung antraten. Bei dieser kamen wir dann wieder an einem Atomkraftwerk vorbei, das alles bisher dagewesene zu übertreffen schien. Wieder hatte man Gewächshäuser und Weinstöcke direkt daneben gepflanzt und wieder gab es regelrechte Kühlturmhaufen, die unvorstellbare Ausmaße hatten. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass die vielen Ähnlichkeiten von diesem und unserem letzten Atomkraftwerk darauf zurückzuführen waren, dass wir uns wieder an exakt der gleichen Stelle befanden. Es war genau das gleiche Kraftwerk, an dem wir nun zufällig wieder vorbei kamen. Nur eben von der anderen Seite, weshalb es uns nicht sofort auffiel. Stattdessen aber merkte man von dieser Seite aus den Verfall, den die Gebäude aufzuweisen hatten. Teilweise waren aus den Nebengebäuden sogar die Fenster ausgeschlagen worden. Die Reaktorkuppel war von einer dicken Schicht Rost und Moos bedeckt und an mehreren Stellen ragten dicke Metallträger aus den Kühltürmen, die nicht wirkten, als gehörten sie dort hin. Wenn Atomkraft wirklich so gefährlich wäre, wie wir glauben, dann dürfte so etwas in unserer Gesellschaft nicht vorkommen. Ebenso erstaunlich waren die zwei kleinen Stromleitungen, die vom Kraftwerk wegführten. Dies war das größte Atomkraftwerk, das wir je gesehen hatten und gerade einmal zwei winzige Leitungen wurden davon in die Umgebung geleitet? Erinnert ihr euch noch an die Umspannwerke in Schottland und England, die überhaupt keine Kraftwerke in der Nähe hatten und von denen so überdimensionierte Leitungen abgingen, dass wir uns nicht auch nur im Ansatz dessen Sinn erklären konnten? Wie passten diese beiden Entdeckungen zusammen? Irgendetwas stimmt hier doch ganz und gar nicht, oder? Der Bürgermeister und seine Assistentin zeigten sich bei unserer Ankunft wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. Die Assistentin erwischte ich persönlich, bzw. am Küchenfenster, durch das sie mir permanent Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Der Bürgermeister selbst wurde am Telefon hinzugeschaltet. Gemeinsam überlegten sich die beiden dann in einer langwierigen Diskussion, welche der vielen Möglichkeiten hier im Ort wohl die schlechteste und schäbigste war. Es gab einen Städtischen Campingplatz mit Pavillons, eine städtische Urlaubspension, einen Festsaal, einen Besprechungssaal, ein Vereinshaus und einen Sportplatz mit Umkleidekabinen. Doch alles war zu gut für uns. Stattdessen boten sie uns schließlich den Fahrradschuppen des Gästehauses an, der komplett offen war und sich nur dadurch von einem Platz auf der Straße unterschied, dass man ihn mit einem Gitter verschließen konnte. Wer hätte gedacht, dass es nach der Hundehütte, die wir gestern vom Pfarrer angeboten bekommen hatten, heute sogar noch einmal eine Steigerung geben würde? Dass ich der Frau diesen Platz um die Ohren schlug ist sicher keine Frage. Sie war deshalb nicht einmal überrascht, sondern sondern fühlte sich eher bestätigt. Doch so schnell wurde sie uns dennoch nicht los, denn wir trafen auf einen kleinen, etwas schmudddeligen aber sehr freundlichen Herren, der gerade dabei war die Kirche aufzuschließen. Von ihm und seiner Frau bekamen wir den Kommunionsraum zur Verfügung gestellt. Dabei erfuhren wir noch ein weiteres Detail über das angrenzende Atomkraftwerk, das wir kaum glauben konnten. Das es alt war, hatten wir uns ja bereits gedacht, aber nicht, dass es bereits 1956 in Betrieb genommen wurde. Dieses Kraftwerk läuft also seit über 60 Jahren!!! Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bau musste also fast direkt nach dem zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar schon vor Kriegsende begonnen haben. Seitdem ist es fast ununterbrochen durchgelaufen und läuft noch immer... Unser Räumchen war ein üblicher Kommunionsraum, der seinen Zweck erfüllte und ansonsten auf jeden überflüssigen Luxus verzichtete. Das einzige, das es hier wie immer in diesen Räumen gab, waren Süßigkeiten. Es war fast ein bisschen so, als wollte man die Kinder mit kleinen Naschereien zum Glauben bekehren. Ihr kennt sicher die T-Shirts mit der Aufschrift „Come to the Dark Side! We have cockies!“ Die Christen scheinen nun mit Weingummi nachzuziehen. Ob man Kindern wohl deswegen verbietet, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen? Nicht weil sie entführt werden könnten, sondern weil es heißt „Du sollst keinen anderen Süßigkeitenspender neben mir haben!“?
 
Spruch des Tages: „Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf einem T-Shirt)
Höhenmeter 180m / 220m / 130m
Tagesetappe: 22km + 21km + 11km
Gesamtstrecke: 26.042,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Chaume-lés-Baigneux , Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:41:58


Tag 1382: Weinernte und Atomkraft

„Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf

23.09.2017 Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden wir heute mit frischem Wein von den Feldern beschenkt. Also genaugenommen, waren die Felder einfach nur da, aber wir haben sie kurzerhand als Geschenk betrachtet. Zumindest an den Orten, an denen nicht gerade ein Bauer mit seinem Vollernter unterwegs war. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal einem Weinvollernter zugeschaut habt, aber es ist durchaus ein beeindruckendes Gerät. Zu aller erst ist er einmal beeindruckend laut. Es macht ungefähr so viel Lärm wie ein Mähdrescher, obwohl er nur ein Drittel seiner Größe besitzt. Dafür ist er relativ lustig aufgebaut, extrem schlank und hoch, so dass er mitten über eine Weinrebe fahren kann, die er dann so schüttelt, dass alle Weintrauben abfallen und in seitlichen Greifarmen liegen bleiben. Binnen Sekunden hat er eine Rebe fast vollständig leer geschüttelt, wofür ein einzelner Arbeiter mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Selbst wenn der Vollernter also das Zehnfache an der Pflanze zurücklässt, wie ein Feldarbeiter, lohnt sich das Gerät noch immer. Anders hingegen war es bei der Apfelernte. Hier musste noch immer von Hand gepflückt werden und dies rief wieder ein ganzes Bataillon an Gastarbeitern auf den Plan. Dieses Mal stammten sie aus Polen aber ansonsten unterschied sich nichts zur Arbeitssituation in Italien, Bulgarien und Rumänien. Nahrungsmittelproduktion ist früher wie heute fest mit Sklavenarbeit verbunden. Daran hat sich in all den Jahren der Zivilisation niemals etwas geändert. Wir beuten unsere heutigen Felsarbeiter noch genauso aus wie die Römer ihre versklavten Wilden und die amerikanischen Siedler, die schwarzafrikanischen Sklaven. Es sieht heute ein bisschen anders aus, es gibt ein paar mehr Rechte und man bekommt einen lächerlichen Geldbetrag, aber sonst ist alles beim Alten. Zumindest überall dort, wo man keine vollautomatischen Maschinen einsetzen kann, die in gewisser Weise dann so eine Art Sklave auf Kunststoff und Stahl sind. Ein frühes Ankommen ist uns auch heute nicht vergönnt gewesen. Wir sind einfach auf dem Stand von Irland, dass muss man im Moment akzeptieren. Wenn es nicht später Nachmittag ist, klappt nichts, also beschlossen wir, dass wir dann ebenso gut auch chillen und die Sonne genießen konnten, bevor wir unsere zweite Hälfte der Wanderung antraten. Bei dieser kamen wir dann wieder an einem Atomkraftwerk vorbei, das alles bisher dagewesene zu übertreffen schien. Wieder hatte man Gewächshäuser und Weinstöcke direkt daneben gepflanzt und wieder gab es regelrechte Kühlturmhaufen, die unvorstellbare Ausmaße hatten. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass die vielen Ähnlichkeiten von diesem und unserem letzten Atomkraftwerk darauf zurückzuführen waren, dass wir uns wieder an exakt der gleichen Stelle befanden. Es war genau das gleiche Kraftwerk, an dem wir nun zufällig wieder vorbei kamen. Nur eben von der anderen Seite, weshalb es uns nicht sofort auffiel. Stattdessen aber merkte man von dieser Seite aus den Verfall, den die Gebäude aufzuweisen hatten. Teilweise waren aus den Nebengebäuden sogar die Fenster ausgeschlagen worden. Die Reaktorkuppel war von einer dicken Schicht Rost und Moos bedeckt und an mehreren Stellen ragten dicke Metallträger aus den Kühltürmen, die nicht wirkten, als gehörten sie dort hin. Wenn Atomkraft wirklich so gefährlich wäre, wie wir glauben, dann dürfte so etwas in unserer Gesellschaft nicht vorkommen. Ebenso erstaunlich waren die zwei kleinen Stromleitungen, die vom Kraftwerk wegführten. Dies war das größte Atomkraftwerk, das wir je gesehen hatten und gerade einmal zwei winzige Leitungen wurden davon in die Umgebung geleitet? Erinnert ihr euch noch an die Umspannwerke in Schottland und England, die überhaupt keine Kraftwerke in der Nähe hatten und von denen so überdimensionierte Leitungen abgingen, dass wir uns nicht auch nur im Ansatz dessen Sinn erklären konnten? Wie passten diese beiden Entdeckungen zusammen? Irgendetwas stimmt hier doch ganz und gar nicht, oder? Der Bürgermeister und seine Assistentin zeigten sich bei unserer Ankunft wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. Die Assistentin erwischte ich persönlich, bzw. am Küchenfenster, durch das sie mir permanent Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Der Bürgermeister selbst wurde am Telefon hinzugeschaltet. Gemeinsam überlegten sich die beiden dann in einer langwierigen Diskussion, welche der vielen Möglichkeiten hier im Ort wohl die schlechteste und schäbigste war. Es gab einen Städtischen Campingplatz mit Pavillons, eine städtische Urlaubspension, einen Festsaal, einen Besprechungssaal, ein Vereinshaus und einen Sportplatz mit Umkleidekabinen. Doch alles war zu gut für uns. Stattdessen boten sie uns schließlich den Fahrradschuppen des Gästehauses an, der komplett offen war und sich nur dadurch von einem Platz auf der Straße unterschied, dass man ihn mit einem Gitter verschließen konnte. Wer hätte gedacht, dass es nach der Hundehütte, die wir gestern vom Pfarrer angeboten bekommen hatten, heute sogar noch einmal eine Steigerung geben würde? Dass ich der Frau diesen Platz um die Ohren schlug ist sicher keine Frage. Sie war deshalb nicht einmal überrascht, sondern sondern fühlte sich eher bestätigt. Doch so schnell wurde sie uns dennoch nicht los, denn wir trafen auf einen kleinen, etwas schmudddeligen aber sehr freundlichen Herren, der gerade dabei war die Kirche aufzuschließen. Von ihm und seiner Frau bekamen wir den Kommunionsraum zur Verfügung gestellt. Dabei erfuhren wir noch ein weiteres Detail über das angrenzende Atomkraftwerk, das wir kaum glauben konnten. Das es alt war, hatten wir uns ja bereits gedacht, aber nicht, dass es bereits 1956 in Betrieb genommen wurde. Dieses Kraftwerk läuft also seit über 60 Jahren!!! Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bau musste also fast direkt nach dem zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar schon vor Kriegsende begonnen haben. Seitdem ist es fast ununterbrochen durchgelaufen und läuft noch immer... Unser Räumchen war ein üblicher Kommunionsraum, der seinen Zweck erfüllte und ansonsten auf jeden überflüssigen Luxus verzichtete. Das einzige, das es hier wie immer in diesen Räumen gab, waren Süßigkeiten. Es war fast ein bisschen so, als wollte man die Kinder mit kleinen Naschereien zum Glauben bekehren. Ihr kennt sicher die T-Shirts mit der Aufschrift „Come to the Dark Side! We have cockies!“ Die Christen scheinen nun mit Weingummi nachzuziehen. Ob man Kindern wohl deswegen verbietet, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen? Nicht weil sie entführt werden könnten, sondern weil es heißt „Du sollst keinen anderen Süßigkeitenspender neben mir haben!“?
 
Spruch des Tages: „Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf einem T-Shirt)
Höhenmeter 180m / 220m / 130m
Tagesetappe: 22km + 21km + 11km
Gesamtstrecke: 26.042,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Bussy-le-Grand, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:41:58


Tag 1381: Weinernte und Atomkraft

„Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf

23.09.2017 Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden wir heute mit frischem Wein von den Feldern beschenkt. Also genaugenommen, waren die Felder einfach nur da, aber wir haben sie kurzerhand als Geschenk betrachtet. Zumindest an den Orten, an denen nicht gerade ein Bauer mit seinem Vollernter unterwegs war. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal einem Weinvollernter zugeschaut habt, aber es ist durchaus ein beeindruckendes Gerät. Zu aller erst ist er einmal beeindruckend laut. Es macht ungefähr so viel Lärm wie ein Mähdrescher, obwohl er nur ein Drittel seiner Größe besitzt. Dafür ist er relativ lustig aufgebaut, extrem schlank und hoch, so dass er mitten über eine Weinrebe fahren kann, die er dann so schüttelt, dass alle Weintrauben abfallen und in seitlichen Greifarmen liegen bleiben. Binnen Sekunden hat er eine Rebe fast vollständig leer geschüttelt, wofür ein einzelner Arbeiter mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Selbst wenn der Vollernter also das Zehnfache an der Pflanze zurücklässt, wie ein Feldarbeiter, lohnt sich das Gerät noch immer. Anders hingegen war es bei der Apfelernte. Hier musste noch immer von Hand gepflückt werden und dies rief wieder ein ganzes Bataillon an Gastarbeitern auf den Plan. Dieses Mal stammten sie aus Polen aber ansonsten unterschied sich nichts zur Arbeitssituation in Italien, Bulgarien und Rumänien. Nahrungsmittelproduktion ist früher wie heute fest mit Sklavenarbeit verbunden. Daran hat sich in all den Jahren der Zivilisation niemals etwas geändert. Wir beuten unsere heutigen Felsarbeiter noch genauso aus wie die Römer ihre versklavten Wilden und die amerikanischen Siedler, die schwarzafrikanischen Sklaven. Es sieht heute ein bisschen anders aus, es gibt ein paar mehr Rechte und man bekommt einen lächerlichen Geldbetrag, aber sonst ist alles beim Alten. Zumindest überall dort, wo man keine vollautomatischen Maschinen einsetzen kann, die in gewisser Weise dann so eine Art Sklave auf Kunststoff und Stahl sind. Ein frühes Ankommen ist uns auch heute nicht vergönnt gewesen. Wir sind einfach auf dem Stand von Irland, dass muss man im Moment akzeptieren. Wenn es nicht später Nachmittag ist, klappt nichts, also beschlossen wir, dass wir dann ebenso gut auch chillen und die Sonne genießen konnten, bevor wir unsere zweite Hälfte der Wanderung antraten. Bei dieser kamen wir dann wieder an einem Atomkraftwerk vorbei, das alles bisher dagewesene zu übertreffen schien. Wieder hatte man Gewächshäuser und Weinstöcke direkt daneben gepflanzt und wieder gab es regelrechte Kühlturmhaufen, die unvorstellbare Ausmaße hatten. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass die vielen Ähnlichkeiten von diesem und unserem letzten Atomkraftwerk darauf zurückzuführen waren, dass wir uns wieder an exakt der gleichen Stelle befanden. Es war genau das gleiche Kraftwerk, an dem wir nun zufällig wieder vorbei kamen. Nur eben von der anderen Seite, weshalb es uns nicht sofort auffiel. Stattdessen aber merkte man von dieser Seite aus den Verfall, den die Gebäude aufzuweisen hatten. Teilweise waren aus den Nebengebäuden sogar die Fenster ausgeschlagen worden. Die Reaktorkuppel war von einer dicken Schicht Rost und Moos bedeckt und an mehreren Stellen ragten dicke Metallträger aus den Kühltürmen, die nicht wirkten, als gehörten sie dort hin. Wenn Atomkraft wirklich so gefährlich wäre, wie wir glauben, dann dürfte so etwas in unserer Gesellschaft nicht vorkommen. Ebenso erstaunlich waren die zwei kleinen Stromleitungen, die vom Kraftwerk wegführten. Dies war das größte Atomkraftwerk, das wir je gesehen hatten und gerade einmal zwei winzige Leitungen wurden davon in die Umgebung geleitet? Erinnert ihr euch noch an die Umspannwerke in Schottland und England, die überhaupt keine Kraftwerke in der Nähe hatten und von denen so überdimensionierte Leitungen abgingen, dass wir uns nicht auch nur im Ansatz dessen Sinn erklären konnten? Wie passten diese beiden Entdeckungen zusammen? Irgendetwas stimmt hier doch ganz und gar nicht, oder? Der Bürgermeister und seine Assistentin zeigten sich bei unserer Ankunft wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. Die Assistentin erwischte ich persönlich, bzw. am Küchenfenster, durch das sie mir permanent Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Der Bürgermeister selbst wurde am Telefon hinzugeschaltet. Gemeinsam überlegten sich die beiden dann in einer langwierigen Diskussion, welche der vielen Möglichkeiten hier im Ort wohl die schlechteste und schäbigste war. Es gab einen Städtischen Campingplatz mit Pavillons, eine städtische Urlaubspension, einen Festsaal, einen Besprechungssaal, ein Vereinshaus und einen Sportplatz mit Umkleidekabinen. Doch alles war zu gut für uns. Stattdessen boten sie uns schließlich den Fahrradschuppen des Gästehauses an, der komplett offen war und sich nur dadurch von einem Platz auf der Straße unterschied, dass man ihn mit einem Gitter verschließen konnte. Wer hätte gedacht, dass es nach der Hundehütte, die wir gestern vom Pfarrer angeboten bekommen hatten, heute sogar noch einmal eine Steigerung geben würde? Dass ich der Frau diesen Platz um die Ohren schlug ist sicher keine Frage. Sie war deshalb nicht einmal überrascht, sondern sondern fühlte sich eher bestätigt. Doch so schnell wurde sie uns dennoch nicht los, denn wir trafen auf einen kleinen, etwas schmudddeligen aber sehr freundlichen Herren, der gerade dabei war die Kirche aufzuschließen. Von ihm und seiner Frau bekamen wir den Kommunionsraum zur Verfügung gestellt. Dabei erfuhren wir noch ein weiteres Detail über das angrenzende Atomkraftwerk, das wir kaum glauben konnten. Das es alt war, hatten wir uns ja bereits gedacht, aber nicht, dass es bereits 1956 in Betrieb genommen wurde. Dieses Kraftwerk läuft also seit über 60 Jahren!!! Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bau musste also fast direkt nach dem zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar schon vor Kriegsende begonnen haben. Seitdem ist es fast ununterbrochen durchgelaufen und läuft noch immer... Unser Räumchen war ein üblicher Kommunionsraum, der seinen Zweck erfüllte und ansonsten auf jeden überflüssigen Luxus verzichtete. Das einzige, das es hier wie immer in diesen Räumen gab, waren Süßigkeiten. Es war fast ein bisschen so, als wollte man die Kinder mit kleinen Naschereien zum Glauben bekehren. Ihr kennt sicher die T-Shirts mit der Aufschrift „Come to the Dark Side! We have cockies!“ Die Christen scheinen nun mit Weingummi nachzuziehen. Ob man Kindern wohl deswegen verbietet, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen? Nicht weil sie entführt werden könnten, sondern weil es heißt „Du sollst keinen anderen Süßigkeitenspender neben mir haben!“?
 
Spruch des Tages: „Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf einem T-Shirt)
Höhenmeter 180m / 220m / 130m
Tagesetappe: 22km + 21km + 11km
Gesamtstrecke: 26.042,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Saint-Euphrône, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:41:58


Tag 1380: Dinner der Spitzenklasse

Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann i

22.09.2017 Langsam werden wir wieder schneller, wenn es darum geht, zu entscheiden, was wir wollen und was nicht. Von einem Pensionierten Pfarrer bekamen wir eine Obdachlosenunterkunft angeboten, die gewissermaßen auf der Hauptstraße lag. Sie befand sich an einer Kreuzung, an der von allen Seiten LKWs auf einander einschossen und sie hatte hauchdünne, Einglasfenster und eine Tür, die man nicht mehr richtig schließen konnte. Der Pfarrer selbst war erschrocken, als er diesen Raum sah. Er hatte, soweit wir es verstanden haben, beim Rathaus nach einer Lösung für uns gefragt, da er selbst keine Räume mehr hatte. Schon während seiner Amtszeit hatte ihm die Stadt die Verfügbarkeit der Kommunionsräume gestrichen und nun da er im Altenheim lebte, hatte er nicht einmal mehr ein Pfarrhaus im Angebot. Dennoch hatte er sich aufgemacht, um eine Lösung für uns zu finden und war vom Rathaus mit diesem Verlies abgespeißt worden. Eine harte Nummer für den armen Kerl, denn er wollte wirklich helfen und konnte und nichts anderes anbieten. Auch er fühlte sich hier nicht wohl, aber dass wir sein Angebot ablehnten verstand er trotzdem nicht. „Wieso? Ihr habt doch nichts, wohin ihr sonst gehen könnt?“ fragte er verwirrt. „Stimmt“, antwortete Heiko, „Aber wir werden schon etwas finden, machen Sie sich keine Sorgen!“ Ich fürchte, das mit dem keine Sorgen machen, klappte nicht ganz, denn er schaute ziemlich nachdenklich, als wir uns verabschiedeten. Doch es gab tatsächlich keinen Grund dafür. Acht Kilometer weiter bekamen wir ein Zimmer in einem Logis Hotel. Dieses Mal führte unser Zimmer zum Hof hinaus, hatte anständige Fenster und sah auch bedeutend schnuckeliger aus, als die Obdachlosenunterkunft. Alles in allem also ein super Schlafplatz, den wir auch anderen Reisenden empfehlen können, die es in diese Gegend verschlägt. Dabei können wir übrigens auch empfehlen, euch einmal in diese Gegend verschlagen zu lassen. Sie ist nämlich durchaus sehenswert. Nicht unbedingt spektakulär, aber es gibt weite Wälder und einige sehr schöne Schlösser und Chateaus. Neben unserem Zimmer bekamen wir dieses Mal sogar auch eine Essenseinladung in das Restaurant. Dennoch drehte ich eine kleine Runde durch den Ort, um ein paar Snacks für den Abend einzusammeln. Dabei stieß ich auf ein Behindertenwohnheim, in dem ich gleich ganz freudig von den Bewohnern begrüßt wurde. Es waren viele Bewohner mit Down-Syndrom sowie einige Autisten dabei, die ihre ganz eigene Sicht auf die Welt hatten. Es tat gut sie zu sehen, denn sie zeigten mir noch einmal, wie frohmütig man sein kann, auch wenn man ganze LKW-Ladungen an Lebensthemen auf seinen Schultern trägt und nicht wie ich nur eine Feder. Nachtrag: Um es in einfachen Worten auf einen Punkt zu bringen: Das Abendessen war der Hammer! Das Hotel hier in La-Breille-les-Pins ist nicht schlecht, aber verglichen mit seiner eigenen Hotelküche ist es kaum erwähnenswert. Der Koch, der übrigens der selbe Mann war, der uns unseren Aufenthalt hier überhaupt ermöglichte, war ein Künstler, was die französische Küche anbelangt und dies gleich in doppelter Hinsicht. Jeder Gang war sowohl ein Kunstwerk für die Augen, als auch für den Gaumen. Mit einem Mal verstanden wir wieder, warum die französische Küche Weltkulturerbe ist. Nach den vielen eher mäßigen Erfahrungen hatten wir dies schon fast nicht mehr glauben können, doch es ist bei weitem nicht so, dass sie es nicht verdient hat. Es stirbt nur leider aus und es gibt heute kaum noch jemanden, der diese Kunst beherrscht. Aber hier haben wir definitiv jemanden gefunden!
 
Lektionen des Tages:
Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann ist sie es auch nicht! Verlasse sie, schau nicht zurück und denke keine Sekunde mehr darüber nach. Es kommt etwas besseres!
Jedes Wesen, dem du begegnest ist ein Mentor, von dem du viel lernen kannst, vor allem, wenn du es nicht erwartest.
Fröhlichkeit und Lebensfreude sind Geschenke.
Höhenmeter 190m / 280m
Tagesetappe: 13km + 18km
Gesamtstrecke: 25.978,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Courcelles-Frémoy, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:36:19


Tag 1379: Dinner der Spitzenklasse

Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann i

22.09.2017 Langsam werden wir wieder schneller, wenn es darum geht, zu entscheiden, was wir wollen und was nicht. Von einem Pensionierten Pfarrer bekamen wir eine Obdachlosenunterkunft angeboten, die gewissermaßen auf der Hauptstraße lag. Sie befand sich an einer Kreuzung, an der von allen Seiten LKWs auf einander einschossen und sie hatte hauchdünne, Einglasfenster und eine Tür, die man nicht mehr richtig schließen konnte. Der Pfarrer selbst war erschrocken, als er diesen Raum sah. Er hatte, soweit wir es verstanden haben, beim Rathaus nach einer Lösung für uns gefragt, da er selbst keine Räume mehr hatte. Schon während seiner Amtszeit hatte ihm die Stadt die Verfügbarkeit der Kommunionsräume gestrichen und nun da er im Altenheim lebte, hatte er nicht einmal mehr ein Pfarrhaus im Angebot. Dennoch hatte er sich aufgemacht, um eine Lösung für uns zu finden und war vom Rathaus mit diesem Verlies abgespeißt worden. Eine harte Nummer für den armen Kerl, denn er wollte wirklich helfen und konnte und nichts anderes anbieten. Auch er fühlte sich hier nicht wohl, aber dass wir sein Angebot ablehnten verstand er trotzdem nicht. „Wieso? Ihr habt doch nichts, wohin ihr sonst gehen könnt?“ fragte er verwirrt. „Stimmt“, antwortete Heiko, „Aber wir werden schon etwas finden, machen Sie sich keine Sorgen!“ Ich fürchte, das mit dem keine Sorgen machen, klappte nicht ganz, denn er schaute ziemlich nachdenklich, als wir uns verabschiedeten. Doch es gab tatsächlich keinen Grund dafür. Acht Kilometer weiter bekamen wir ein Zimmer in einem Logis Hotel. Dieses Mal führte unser Zimmer zum Hof hinaus, hatte anständige Fenster und sah auch bedeutend schnuckeliger aus, als die Obdachlosenunterkunft. Alles in allem also ein super Schlafplatz, den wir auch anderen Reisenden empfehlen können, die es in diese Gegend verschlägt. Dabei können wir übrigens auch empfehlen, euch einmal in diese Gegend verschlagen zu lassen. Sie ist nämlich durchaus sehenswert. Nicht unbedingt spektakulär, aber es gibt weite Wälder und einige sehr schöne Schlösser und Chateaus. Neben unserem Zimmer bekamen wir dieses Mal sogar auch eine Essenseinladung in das Restaurant. Dennoch drehte ich eine kleine Runde durch den Ort, um ein paar Snacks für den Abend einzusammeln. Dabei stieß ich auf ein Behindertenwohnheim, in dem ich gleich ganz freudig von den Bewohnern begrüßt wurde. Es waren viele Bewohner mit Down-Syndrom sowie einige Autisten dabei, die ihre ganz eigene Sicht auf die Welt hatten. Es tat gut sie zu sehen, denn sie zeigten mir noch einmal, wie frohmütig man sein kann, auch wenn man ganze LKW-Ladungen an Lebensthemen auf seinen Schultern trägt und nicht wie ich nur eine Feder. Nachtrag: Um es in einfachen Worten auf einen Punkt zu bringen: Das Abendessen war der Hammer! Das Hotel hier in La-Breille-les-Pins ist nicht schlecht, aber verglichen mit seiner eigenen Hotelküche ist es kaum erwähnenswert. Der Koch, der übrigens der selbe Mann war, der uns unseren Aufenthalt hier überhaupt ermöglichte, war ein Künstler, was die französische Küche anbelangt und dies gleich in doppelter Hinsicht. Jeder Gang war sowohl ein Kunstwerk für die Augen, als auch für den Gaumen. Mit einem Mal verstanden wir wieder, warum die französische Küche Weltkulturerbe ist. Nach den vielen eher mäßigen Erfahrungen hatten wir dies schon fast nicht mehr glauben können, doch es ist bei weitem nicht so, dass sie es nicht verdient hat. Es stirbt nur leider aus und es gibt heute kaum noch jemanden, der diese Kunst beherrscht. Aber hier haben wir definitiv jemanden gefunden!
 
Lektionen des Tages:
Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann ist sie es auch nicht! Verlasse sie, schau nicht zurück und denke keine Sekunde mehr darüber nach. Es kommt etwas besseres!
Jedes Wesen, dem du begegnest ist ein Mentor, von dem du viel lernen kannst, vor allem, wenn du es nicht erwartest.
Fröhlichkeit und Lebensfreude sind Geschenke.
Höhenmeter 190m / 280m
Tagesetappe: 13km + 18km
Gesamtstrecke: 25.978,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Kloster Abbatiale Sainte-Marie, südlich von Saint-Léger-Vauban, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:36:09


Tag 1378: Das Alt-Erschaffene annehmen – Wie funktioniert Konstruktivismus?

Wir erschaffen die Welt

21.09.2017 Auch heute wollte sich noch kein Fluss der Leichtigkeit einstellen und das obwohl es nun rein äußerlich keine Begründung und keine Ausrede mehr dafür gab. Wir waren nicht mehr in einer Touristenregion, wir waren nicht am Jakobsweg und die Ortschaften in die wir kamen waren klein, schnuckelig und idyllisch, so dass hier eigentlich jeder freudig und fröhlich hätte sein müssen. Stattdessen wurde Heiko sogar von der Wiese vertrieben, die zum städtischen Festsaal gehörte, anstatt dass wir selbigen Saal zum Schlafen bekamen. Mein Frustrations-Selbstmidleits-Memmen-Ich klopfte schon wieder an die Tür und frage: „Na, immer noch überzeugt, dass nicht alles scheiße ist? Soll ich nicht doch noch mal kommen und auf die Tränendrüse drücken? Dann kannst du so richtig schön über die Menschen hier fluchen! Ich glaube das würde dir jetzt gut tun!“ „Schnauze jetzt und zurück ins Körbchen!“ rief ich und begann sofort mit den Übungen zum inneren Lächeln die wir euch in unserem Wiki festgehalten haben. Es dauerte einen Moment, aber dann gelang es mir die Situation wieder so anzunehmen wie sie war. Immerhin half das schöne Wetter etwas dabei, denn so machte das Wandern durchaus Spaß, auch wenn es weiter war, als geplant. Trotzdem fragte ich mich, was gerade los war. Wieso wurden wir ausgerechnet jetzt so sehr ausgebremst, wo es doch so viel zu organisieren gab und wo ich nach meiner langen Downphase doch nun mit frischer Motivation ans Werk gehen wollte? War es eine Art Prüfung, durch die ich zeigen sollte, dass ich es wirklich ernst meine? Oder lag es vielleicht daran, dass wir nun beschlossen hatten, nicht mehr wegzulaufen und uns dem Verwirrer zu stellen, der uns nun ordentlich verdreschen konnte. „Netter Gedanke!“ meinte Heiko, „hat aber nichts damit zu tun!“ Denk nochmal ein bisschen weiter und überlege dir, nach welchen Regeln das Erschaffen funktioniert!“ Und dieses Mal ging mir ein Licht auf! „Ist ja klar!“ sagte ich, durch all die Negativität mit der ich die Welt betrachtet habe, habe ich genau das hier selber erschaffen. Man erschafft ja nie im Moment, sondern immer im Voraus. Also das, was wir hier nun sehen und erleben ist quasi die Ernte von dem, was ich in der letzten Zeit mit meinen Überzeugungen gesät habe!“ „Genau!“ sagte Heiko, „jetzt bist du auf der richtigen Spur!“ „Ok, das heißt, ich habe nun wieder die Entscheidung! Entweder ich lasse mich von dem Alten Erneut frustrieren und verfalle wieder in die Negativität in dem ich sage, dass ja eh alles keinen Zweck hat. Damit erschaffe ich mir dann gleich wieder die nächste Hölle für die Zukunft. Oder aber ich nehme das was ist als meine eigene Schöpfung an, in der Gewissheit, dass es das beste und einzige war, das ich zuvor hatte erschaffen können, und freue mich darüber, dass es sich in Zukunft wandeln wird. Bzw. dass es sich ja längst gewandelt hat nur eben noch nicht sichtbar ist. Wenn mir das gelingt, dann erschaffe ich genau in diesem Moment eine Welt der Leichtigkeit und Freude, in die wir eintauchen können, sobald die Ernte der letzten Negativ-Überzeugungen aufgebraucht ist.
 
Lektionen des Tages: Wir erschaffen die Welt in der wir leben mit unseren meist geglaubten Gedanken und Überzeugungen, jedoch immer mit einer Zeitverzögerung. Wenn wir unsere Überzeugungen ändern, dauert es also erst noch eine Weil bis sich auch eine Änderung in der Außenwelt einstellt. Dies ist eine kritische Phase, denn hier gerät man leicht in Versuchung zu sagen, dass es ja doch nicht klappt, und schon ist man wieder in der alten Spirale. Deswegen ist es wichtig, diese Phase zu kennen und über sie Bescheid zu wissen, damit man locker damit umgehen kann und sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Wichtigster Grundsatz: Alles ist gut so wie es ist. Alles wurde von dir erschaffen. Begrüße es mit einem Lächeln, denn es ist das beste, das du in diesem Moment erschaffen konntest.
Höhenmeter 190m / 120m
Tagesetappe: 13km + 12km
Gesamtstrecke: 25.946,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Hotel, Dun-les-Places, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:33:26


Tag 1377: Das Alt-Erschaffene annehmen – Wie funktioniert Konstruktivismus?

Wir erschaffen die Welt

21.09.2017 Auch heute wollte sich noch kein Fluss der Leichtigkeit einstellen und das obwohl es nun rein äußerlich keine Begründung und keine Ausrede mehr dafür gab. Wir waren nicht mehr in einer Touristenregion, wir waren nicht am Jakobsweg und die Ortschaften in die wir kamen waren klein, schnuckelig und idyllisch, so dass hier eigentlich jeder freudig und fröhlich hätte sein müssen. Stattdessen wurde Heiko sogar von der Wiese vertrieben, die zum städtischen Festsaal gehörte, anstatt dass wir selbigen Saal zum Schlafen bekamen. Mein Frustrations-Selbstmidleits-Memmen-Ich klopfte schon wieder an die Tür und frage: „Na, immer noch überzeugt, dass nicht alles scheiße ist? Soll ich nicht doch noch mal kommen und auf die Tränendrüse drücken? Dann kannst du so richtig schön über die Menschen hier fluchen! Ich glaube das würde dir jetzt gut tun!“ „Schnauze jetzt und zurück ins Körbchen!“ rief ich und begann sofort mit den Übungen zum inneren Lächeln die wir euch in unserem Wiki festgehalten haben. Es dauerte einen Moment, aber dann gelang es mir die Situation wieder so anzunehmen wie sie war. Immerhin half das schöne Wetter etwas dabei, denn so machte das Wandern durchaus Spaß, auch wenn es weiter war, als geplant. Trotzdem fragte ich mich, was gerade los war. Wieso wurden wir ausgerechnet jetzt so sehr ausgebremst, wo es doch so viel zu organisieren gab und wo ich nach meiner langen Downphase doch nun mit frischer Motivation ans Werk gehen wollte? War es eine Art Prüfung, durch die ich zeigen sollte, dass ich es wirklich ernst meine? Oder lag es vielleicht daran, dass wir nun beschlossen hatten, nicht mehr wegzulaufen und uns dem Verwirrer zu stellen, der uns nun ordentlich verdreschen konnte. „Netter Gedanke!“ meinte Heiko, „hat aber nichts damit zu tun!“ Denk nochmal ein bisschen weiter und überlege dir, nach welchen Regeln das Erschaffen funktioniert!“ Und dieses Mal ging mir ein Licht auf! „Ist ja klar!“ sagte ich, durch all die Negativität mit der ich die Welt betrachtet habe, habe ich genau das hier selber erschaffen. Man erschafft ja nie im Moment, sondern immer im Voraus. Also das, was wir hier nun sehen und erleben ist quasi die Ernte von dem, was ich in der letzten Zeit mit meinen Überzeugungen gesät habe!“ „Genau!“ sagte Heiko, „jetzt bist du auf der richtigen Spur!“ „Ok, das heißt, ich habe nun wieder die Entscheidung! Entweder ich lasse mich von dem Alten Erneut frustrieren und verfalle wieder in die Negativität in dem ich sage, dass ja eh alles keinen Zweck hat. Damit erschaffe ich mir dann gleich wieder die nächste Hölle für die Zukunft. Oder aber ich nehme das was ist als meine eigene Schöpfung an, in der Gewissheit, dass es das beste und einzige war, das ich zuvor hatte erschaffen können, und freue mich darüber, dass es sich in Zukunft wandeln wird. Bzw. dass es sich ja längst gewandelt hat nur eben noch nicht sichtbar ist. Wenn mir das gelingt, dann erschaffe ich genau in diesem Moment eine Welt der Leichtigkeit und Freude, in die wir eintauchen können, sobald die Ernte der letzten Negativ-Überzeugungen aufgebraucht ist.
 
Lektionen des Tages: Wir erschaffen die Welt in der wir leben mit unseren meist geglaubten Gedanken und Überzeugungen, jedoch immer mit einer Zeitverzögerung. Wenn wir unsere Überzeugungen ändern, dauert es also erst noch eine Weil bis sich auch eine Änderung in der Außenwelt einstellt. Dies ist eine kritische Phase, denn hier gerät man leicht in Versuchung zu sagen, dass es ja doch nicht klappt, und schon ist man wieder in der alten Spirale. Deswegen ist es wichtig, diese Phase zu kennen und über sie Bescheid zu wissen, damit man locker damit umgehen kann und sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Wichtigster Grundsatz: Alles ist gut so wie es ist. Alles wurde von dir erschaffen. Begrüße es mit einem Lächeln, denn es ist das beste, das du in diesem Moment erschaffen konntest.
Höhenmeter 190m / 120m
Tagesetappe: 13km + 12km
Gesamtstrecke: 25.946,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Brassy, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:33:16


Tag 1376: Höre immer auf dein Bauchgefühl!

Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situatio

20.09.2017 Heute schenkte uns das Leben eine der vielleicht wichtigsten Lektionen, die man überhaupt bekommen kann und die wir unbedingt an euch weitergeben möchten. In der Theorie kannte ich das Konzept bereits, aber heute wurde es wirklich klar und spürbar. Ihr müsst wissen, dass wir Menschen von Natur aus intuitive Wesen sind, denen man eigentlich nichts vormachen kann. Jeder Mensch spürt sofort, ob etwas angenehm oder unangenehm ist, ob es ihn bereichert oder nicht und vor allem, ob er eine Wahrheit oder eine Lüge hört. Der einzige Grund, warum wir auf eine Lüge hereinfallen ist unsere eigne Gier. Wenn wir etwas dringend wollen und sei die Absicht dahinter noch so nobel, dann sind wir in der Lage, unsere Intuition vollkommen auszuschalten und alle Warnhinweise zu ignorieren. Wir verhalten uns ein bisschen, wie ein Drogenjunkie, der genau spürt, dass die Rauschgifte seinen Körper zerstören, der dieses Empfinden jedoch vollkommen ausblendet, weil sich seine ganze Aufmerksamkeit nur noch im die Suchtbefriedigung dreht. Ich selbst kannte das Gefühl ganz gut von mir, wobei es vor allem dann aufkam, wenn ich hoch motiviert war. Es gab so viele Dinge, die ich gerne erledigen wollte und ich hatte richtig Lust darauf, anzukommen, mich an den Computer zu setzen und durchzustarten. Prompt tauchten natürlich genau die Situationen auf, die mir meine Gier spiegelten. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, wählten wir heute einen Zielort aus, den wir kurz vor 12:00 Uhr erreichen würden, so dass das Rathaus auf jeden Fall geöffnet haben musste. Anders als sonst schlenderten wir also nicht gemütlich wie zwei Wildkatzen vor uns hin, sondern schauten immer wieder auf die Uhr und beschleunigten unsere Schritte, um gerade noch rechtzeitig anzukommen. Nun waren wir jedoch gestresst und ausgelaugt und nicht freudig entspannt wie sonst. Prompt sage uns das Rathaus ab, wodurch der ganze Stress des Vormittages hinfällig wurde. Um die Sache zu kitten versuchte ich auf andere Weise im gleichen Ort einen Schlafplatz aufzutreiben, was mich auch schließlich gelang. Ein Barkeeper hatte uns an ein befreundetes, älteres Pärchen vermittelt, das wir nun besuchten. Gleich zur Begrüßung eröffnete uns die Frau, dass ihr Mann mit dem Besuch gar nicht einverstanden war und als dieser vor die Tür trat, machte auch er keinen Hehl daraus. Alles, die Straße, das Haus, die alten Leute, alles schien uns anzuschreien: „Geht weiter! Das bringt hier nichts!“ Doch die Idee, den Nachmittag zum Arbeiten zu haben, war so präsent, dass ich diese Schreie überhörte. So verbrachten wir die nächsten Stunden in einem kleinen ungemütlichen Raum direkt neben der Hauptstraße. Die Fenster, die uns von der Straße trennten hatten den einzigen Effekt, dass ihre Scheiben jedes Mal im Tackt klirrten, wenn außen ein LKW vorbeirauschte. Geräusche abschwächen war hingegen weniger ihr Ding. Nach gut drei Stunden hätte uns eigentlich ein Mann abholen und zu unserem wirklichen Schlafplatz bringen sollen. Als er auch nach 4 Stunden noch nicht da war, ging ich zurück zu der Bar, dessen Besitzer den Kontakt vermittelt hatte und fragte noch einmal nach dem Stand der Dinge. Unser Gastgeber steckte irgendwo auf der Autobahn fest und kam vermutlich innerhalb der nächsten Stunde. Vielleicht aber auch erst in zwei oder drei Stunden, je nachdem, wie sich der Stau entwickelte. Diese Nachricht bestätigte nur, was wir von Anfang an wussten: Der Platz hier war einfach nichts für uns. Der alte Mann war in den vergangenen Stunden noch immer nicht aufgetaut und sah uns noch genauso missmutig und ablehnend an, wie bei unserer Ankunft. Die Atmosphäre war kalt und unangenehm und das obwohl der Platz selbst bei einer Traumfamilie schon grenzwertig gewesen wäre. Noch eine Stunde in diesem Unbehagen verbringen zu müssen und dann keine Ahnung zu haben, ob es hinterher besser würde, waren einfach nicht die Aussichten, auf die wir uns gefreut hatten. Da war es doch 1000x besser trotz der späten Stunde wieder aufzubrechen und notfalls im Zelt zu schlafen, wo wir wenigstens für uns waren und eine Filmnacht veranstalten konnten,. Also bedankten wir uns bei der alten Dame für ihre Einladung, packten unsere Sachen und brachen noch ein zweites Mal zu einer Wanderung auf. Diese Mal jedoch wanderten wir bereits in die Dämmerung hinein. Ein Umstand der unser Vertrauen noch einmal mehr auf die Probe stellte. Nach einigen Fehlschlägen gelangten wir schließlich zur Familie des stellvertretenden Bürgermeister, die uns zwei Gästezimmer anbot. Obwohl es nun bereits 20 Uhr war, als wir unsere Quartiere bezogen und obwohl wir im Anschluss noch gemeinsam mit unseren Gastgebern zu Abend aßen, war die kurze verbleibende Zeit die wir hier zum Arbeiten nutzen konnten, noch immer produktiver und effektiver als die vier Stunden im Lärmhaus zuvor. Sich diesen Vergleich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen, sagte viel über die Lebenssituationen aus. Es macht einfach keinen Sinn, irgendetwas erzwingen zu wollen. Entweder eine Situation passt so wie sie ist und dann fühlt sie sich gut an, oder sie passt nicht und dann bringt es auch nichts, irgendeinen Kompromiss zu suchen oder gegen das Unbehagen anzukämpfen. Es vergeudet nur Zeit und Lebensfreude. Auf der einen Seite waren wir stolz auf uns, wie konsequent wir in diesem Bereich schon geworden sind, denn vor zwei Jahren wären wir einfach bei der Oma und ihrem Miesmuffelmann geblieben. Auf der anderen Seite zeigte uns die Situation aber auch, dass wir noch immer deutlich strikter werden konnten und sollten, wenn wir wirklich zu uns stehen wollten.
 
Lektion des Tages: Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann kann sie auch nichts Gutes oder Positives hervorbringen.
Höhenmeter 130m / 230m
Tagesetappe: 23km + 13km
Gesamtstrecke: 25.921,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Mhere, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:28:57


Tag 1375: Höre immer auf dein Bauchgefühl!

Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situatio

20.09.2017 Heute schenkte uns das Leben eine der vielleicht wichtigsten Lektionen, die man überhaupt bekommen kann und die wir unbedingt an euch weitergeben möchten. In der Theorie kannte ich das Konzept bereits, aber heute wurde es wirklich klar und spürbar. Ihr müsst wissen, dass wir Menschen von Natur aus intuitive Wesen sind, denen man eigentlich nichts vormachen kann. Jeder Mensch spürt sofort, ob etwas angenehm oder unangenehm ist, ob es ihn bereichert oder nicht und vor allem, ob er eine Wahrheit oder eine Lüge hört. Der einzige Grund, warum wir auf eine Lüge hereinfallen ist unsere eigne Gier. Wenn wir etwas dringend wollen und sei die Absicht dahinter noch so nobel, dann sind wir in der Lage, unsere Intuition vollkommen auszuschalten und alle Warnhinweise zu ignorieren. Wir verhalten uns ein bisschen, wie ein Drogenjunkie, der genau spürt, dass die Rauschgifte seinen Körper zerstören, der dieses Empfinden jedoch vollkommen ausblendet, weil sich seine ganze Aufmerksamkeit nur noch im die Suchtbefriedigung dreht. Ich selbst kannte das Gefühl ganz gut von mir, wobei es vor allem dann aufkam, wenn ich hoch motiviert war. Es gab so viele Dinge, die ich gerne erledigen wollte und ich hatte richtig Lust darauf, anzukommen, mich an den Computer zu setzen und durchzustarten. Prompt tauchten natürlich genau die Situationen auf, die mir meine Gier spiegelten. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, wählten wir heute einen Zielort aus, den wir kurz vor 12:00 Uhr erreichen würden, so dass das Rathaus auf jeden Fall geöffnet haben musste. Anders als sonst schlenderten wir also nicht gemütlich wie zwei Wildkatzen vor uns hin, sondern schauten immer wieder auf die Uhr und beschleunigten unsere Schritte, um gerade noch rechtzeitig anzukommen. Nun waren wir jedoch gestresst und ausgelaugt und nicht freudig entspannt wie sonst. Prompt sage uns das Rathaus ab, wodurch der ganze Stress des Vormittages hinfällig wurde. Um die Sache zu kitten versuchte ich auf andere Weise im gleichen Ort einen Schlafplatz aufzutreiben, was mich auch schließlich gelang. Ein Barkeeper hatte uns an ein befreundetes, älteres Pärchen vermittelt, das wir nun besuchten. Gleich zur Begrüßung eröffnete uns die Frau, dass ihr Mann mit dem Besuch gar nicht einverstanden war und als dieser vor die Tür trat, machte auch er keinen Hehl daraus. Alles, die Straße, das Haus, die alten Leute, alles schien uns anzuschreien: „Geht weiter! Das bringt hier nichts!“ Doch die Idee, den Nachmittag zum Arbeiten zu haben, war so präsent, dass ich diese Schreie überhörte. So verbrachten wir die nächsten Stunden in einem kleinen ungemütlichen Raum direkt neben der Hauptstraße. Die Fenster, die uns von der Straße trennten hatten den einzigen Effekt, dass ihre Scheiben jedes Mal im Tackt klirrten, wenn außen ein LKW vorbeirauschte. Geräusche abschwächen war hingegen weniger ihr Ding. Nach gut drei Stunden hätte uns eigentlich ein Mann abholen und zu unserem wirklichen Schlafplatz bringen sollen. Als er auch nach 4 Stunden noch nicht da war, ging ich zurück zu der Bar, dessen Besitzer den Kontakt vermittelt hatte und fragte noch einmal nach dem Stand der Dinge. Unser Gastgeber steckte irgendwo auf der Autobahn fest und kam vermutlich innerhalb der nächsten Stunde. Vielleicht aber auch erst in zwei oder drei Stunden, je nachdem, wie sich der Stau entwickelte. Diese Nachricht bestätigte nur, was wir von Anfang an wussten: Der Platz hier war einfach nichts für uns. Der alte Mann war in den vergangenen Stunden noch immer nicht aufgetaut und sah uns noch genauso missmutig und ablehnend an, wie bei unserer Ankunft. Die Atmosphäre war kalt und unangenehm und das obwohl der Platz selbst bei einer Traumfamilie schon grenzwertig gewesen wäre. Noch eine Stunde in diesem Unbehagen verbringen zu müssen und dann keine Ahnung zu haben, ob es hinterher besser würde, waren einfach nicht die Aussichten, auf die wir uns gefreut hatten. Da war es doch 1000x besser trotz der späten Stunde wieder aufzubrechen und notfalls im Zelt zu schlafen, wo wir wenigstens für uns waren und eine Filmnacht veranstalten konnten,. Also bedankten wir uns bei der alten Dame für ihre Einladung, packten unsere Sachen und brachen noch ein zweites Mal zu einer Wanderung auf. Diese Mal jedoch wanderten wir bereits in die Dämmerung hinein. Ein Umstand der unser Vertrauen noch einmal mehr auf die Probe stellte. Nach einigen Fehlschlägen gelangten wir schließlich zur Familie des stellvertretenden Bürgermeister, die uns zwei Gästezimmer anbot. Obwohl es nun bereits 20 Uhr war, als wir unsere Quartiere bezogen und obwohl wir im Anschluss noch gemeinsam mit unseren Gastgebern zu Abend aßen, war die kurze verbleibende Zeit die wir hier zum Arbeiten nutzen konnten, noch immer produktiver und effektiver als die vier Stunden im Lärmhaus zuvor. Sich diesen Vergleich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen, sagte viel über die Lebenssituationen aus. Es macht einfach keinen Sinn, irgendetwas erzwingen zu wollen. Entweder eine Situation passt so wie sie ist und dann fühlt sie sich gut an, oder sie passt nicht und dann bringt es auch nichts, irgendeinen Kompromiss zu suchen oder gegen das Unbehagen anzukämpfen. Es vergeudet nur Zeit und Lebensfreude. Auf der einen Seite waren wir stolz auf uns, wie konsequent wir in diesem Bereich schon geworden sind, denn vor zwei Jahren wären wir einfach bei der Oma und ihrem Miesmuffelmann geblieben. Auf der anderen Seite zeigte uns die Situation aber auch, dass wir noch immer deutlich strikter werden konnten und sollten, wenn wir wirklich zu uns stehen wollten.
 
Lektion des Tages: Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann kann sie auch nichts Gutes oder Positives hervorbringen.
Höhenmeter 130m / 230m
Tagesetappe: 23km + 13km
Gesamtstrecke: 25.921,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Holländisches Gästehaus, Epiry, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:28:55


Tag 1374: Neue Herausforderung

It never gets easier – you just get better (Werbes

19.09.2017 Nach dem Beschluss von gestern, mein Trauerklos-Selbstmitleids-die-Welt-ist-Scheiße-Ich hinter mir zu lassen bekam ich heute gleich einmal die erste große Herausforderung geschenkt. Ein bisschen so, als wollte das Universum fragen: „Na, ist die Welt nicht vielleicht doch scheiße?“ Ganz Ehrlich? Immer gelang es mir nicht, in der Rolle des Träumenden zu bleiben und die Dinge so anzunehmen, wie sie waren. Um es in den Worten eines ehemaligen Seminarteilnehmers zu sagen: Es gab Situationen, da ging mit der Arsch an die Decke. Aber es zog mich nicht mehr runter. Es war eben wie es war und dazu gehörte auch mein Ärger im entsprechenden Moment. Doch sobald wir wieder draußen auf unserem Weg waren, uns sie Sonne entgegen scheinen ließen, den Bäumen, Wiesen und Vögeln zuschauten und gemächlich wieder Stille einkehren ließen, war es eine vollkommen neue Situation, in der ich nicht mehr herumschmollen musste. Und tatsächlich, am Ende ging auch heute wieder alles gut aus und wir bekamen einen schönen, ruhigen Platz von einem jungen Mann, dessen Name lustigerweise ebenfalls Francoir war. Offensichtlicher konnte man also kaum noch einmal zusammenfassen, dass jeder Mensch, den ich heute getroffen hatte, ich war.
 
Spruch des Tages: It never gets easier – you just get better (Werbespruch unserer Work-Out-App)
Höhenmeter 230 m
Tagesetappe: 24 km
Gesamtstrecke: 25.885,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Villa einer Millionärsfamilie, Crux-Ville, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:26:58


Tag 1373: Weg mit dem Miesepeter! - Wandlung ins Positive

Es ist wichtig, immer wieder zu prüfem, ob man noc

In den letzten Tagen kam in mir immer wieder die Frage auf, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin, oder ob ich mich vor allem mit dem Blog in etwas verrannt hatte, das mich nun nicht mehr weiter brachte. Als wir vor knapp vier Jahren zu unserer Reise aufgebrochen sind, ging es uns vor allem um eines: Wir wollten weg! Uns war klar, dass das Leben zuhause nichts mehr für uns war. Es war nicht nur einfach nicht mehr das Gelbe vom Ei, es brachte uns Buchstäblich um. Jahre zuvor hatten wir eine Wildnisschule gegründet mit dem Plan, dadurch unser Darma leben zu können. Wir wollten als Mentoren andere auf ihrem eigenen Lebensweg begleiten und ihnen den Mut, die Anstöße und die Impulse geben, die sie brauchten, um ihr volles Potential entwickeln zu können. Wir wollten Menschen dabei helfen, herauszufinden wer sie wirklich waren und dieses Selbst dann auch in vollem Maße zu leben und zu lieben. Und wir wollten die Verbindung zwischen Mensch und Natur wieder herstellen, wollten das alte, native Wissen über Heilung neu beleben und wollten erreichen, dass es eine Generation an Kindern gibt, die die Natur wieder liebt und als ihre Mutter betrachtet. Was man liebt kann man nicht zerstören und so hatten wir die Hoffnung, das Thema Naturschutz, ein für alle Mal vom Tisch zu bekommen. Stellt euch einmal vor wie es wäre, wenn allein alle Kinder unter 12 Jahren einen engen und intensiven Naturbezug hätten, der von Abenteuerlust, Verbundenheit, Tierliebe, Fürsorge und Rücksicht geprägt ist, so das sie ganz natürlich und ohne Zwang oder Überwindung dafür sorgen, dass unsere Natur und unsere Umgebung erhalten und gepflegt werden! Irgendwann hatten wir jedoch feststellen müssen, dass wir mit dieser Idee gegen Windmühlen kämpften. Von der Generation an Kindern, die es zu wandeln galt bekamen wir gerade einmal einen winzigen Bruchteil zu greifen und selbst bei ihnen blieb unsere Arbeit ein Tropfen auf den heißen Stein. So jedenfalls fühlte sich bei uns an. Das bedeutet nicht, dass es nicht eine wichtige Arbeit war, doch wir merkten, dass es längst nicht mehr unsere Arbeit war. Man kann nur das wirklich gut tun, woran einem das Herz hing. Und unsers trieb uns hinaus in die weite Welt. Doch zunächst war dieser Aufbruch ins Unbekannte natürlich vor allem ein Weglaufen von dem Alten. Wie hätte es auch anders sein sollen, denn wir kannten ja noch nichts neues, auf das wir hätten zugehen können. So wurden die ersten Jahre der Reise vor allem Jahre des Loslassens. Loslassen meiner Eltern, meiner Familie, Loslassen alter Bekannte, alter Gewohnheiten, Hobbies und Vorlieben aber auch alter Muster und Blockaden. Ganz langsam und schleichend sind wir dabei jedoch nun an einen Punkt gekommen, an dem dieses Weglaufen und Loslassen abgelöst wurde, durch das hinzuströmen auf etwas Neues. Die Präsenz liegt nun nicht mehr auf dem Sesshaftigkeits-Alltag hinter uns, dem wir entkommen wollen, sondern auf dem Nomadenleben vor uns, in das wir immer tiefer eintauchen und das wir stets weiter ausbauen und noch angenehmer, schöner, produktiver und Lebenswerter gestalten wollen. Der Fokus liegt nun darauf, das Leben als Herde zu Dritt mit Shania vorzubereiten, einen Weg zu finden durch die USA zu reisen, ein Begleitfahrzeug zu erschaffen, das uns vollkommene Unabhängigkeit. Und unter diesem neuen Fokus betrachtet, ist vieles von dem was ich bisher auf der Reise getan habe so nicht mehr stimmig. Darunter auch der Blog. Er war stets ein Weg um zu reflektieren, was in mir los ist und welche Entwicklungsschritte gerade anstehen. Er war stets meine Form, mein neues Leben als Wandermönch zu reflektieren und mich selbst so etwas besser zu verstehen. Er war in gewisser Weise meine beste Freundin, der ich mein Herz ausschütten konnte und das habe ich auch in vollen Zügen genutzt. Dabei habe ich jedoch außer acht gelassen, was eine solche Freundschaft ausmacht. Natürlich geht es auch darum, immer wieder einmal das Herz auszuschütten, doch es darf nicht dazu verkommen, dass der andere ein Seelischer Mülleimer wird. Die Präsenz muss stets auf der Frage liegen, was die Freundschaft benötigt, um für beide bereichernd und wertvoll zu sein. Daher war es nun an der Zeit, mir einige harte Fragen zu stellen und diese ehrlich zu beantworten: Trägst du mit deinen Artikeln wirklich zur Inspiration der Leser bei? Oder sorgst du teilweise vielleicht sogar für Abschreckung, in dem du dich immer wieder auf die Hürden und Schwierigkeiten des Lebens konzentrierst? Wie viel Humor, Leichtigkeit, Begeisterung und Lebensfreude bringst du rüber? Wie hilfreich bist du wirklich? Schreibst du Artikel aus denen andere etwas lernen können, so dass sie es auf ihrem Weg leichter haben? Ich muss mir wohl eingestehen, dass all diese Aspekte vor allem in der letzten Zeit deutlich zu kurz kamen. All zu Oft liegt mein Fokus nicht auf den 90% des Lebens, die absolut hervorragend und großartig sind, sondern auf den 10% in denen es noch Verbesserungsbedarf gibt. Und davon in den meisten Fällen auch noch auf das 1% bei dem ich keine Lösung habe und das mir deshalb übermächtig vor kommt. Ein Mann, den wir vor kurzem trafen hat dieses Phänomen sehr schön und anschaulich beschrieben. Er sagte: „Was passiert, wenn du einem Menschen ein weißes Blatt mit einem winzigen schwarzen Punkt darauf gibst und fragst: `Was siehst du?`- Richtig! Er wird dir antworten: `Einen schwarzen Punkt!` Das strahlend weiße Papier, das er in den Händen hält, hingegen hat für ihn keine Bedeutung“. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber als ich diese Geschichte hörte, fühlte ich mich sofort ertappt. Selbst bei der Erzählung war mein erster Gedanke „schwarzer Punkt“ gewesen. Wie oft durchschreiten wir wunderschöne Landschaften, besuchen großartige Plätze, bekommen hervorragendes Essen und dürfen den ganzen Reichtum von Mutter Erde erfahren, während ich mich in Gedanken an irgendeiner Kleinigkeit aufhänge und deshalb nichts davon wahrnehmen kann? Doch mir wurde noch mehr bewusst. Man sagt nicht umsonst: „Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Wirklichkeit!“ Bereits unsere Gedanken haben eine immense Schöpfungskraft, die natürlich noch bedeutend verstärkt wird, wenn man sie mit Überzeugung ausspricht. In meinem Fall hatte ich sie aber sogar niedergeschrieben und damit für alle Ewigkeit manifestiert. Negativität und der Fokus auf Jammern, Meckern und Fluchen zieht noch mehr Negativität und somit noch mehr Gründe zum Jammern, Meckern und Fluchen an. Wie oft hatte ich also auf Unüberlegtheit in mein Reisetagebuch geschrieben: „Liebes Universum, bitte mache mein Leben schwer und hart, nimm mir so viel Freude und Leichtigkeit wie du nur kannst und lass mich immer wieder an mir und meinem Weg zweifeln!“ War das wirklich sinnvoll? Wohl kaum! War das wirklich hilfreich? Nein, ganz bestimmt nicht! Es war wichtig gewesen, um mich selbst darin zu erkennen und um überhaupt erst einmal wahrzunehmen, dass ich nicht der Optimist bin, für den ich mich immer gehalten habe. Nun aber ist es an der Zeit den Fokus noch einmal zu wandeln und mich wieder auf das Licht, anstatt auf den Schatten zu konzentrieren. So wie in unseren ersten Texten für die Wildnisschule und unsere Bücher lege ich meinen Fokus nun wieder darauf, inspirierend und hilfreich zu sein und den Geist vorn Freiheit und Lebensfreude nach außen zu tragen. Dies wird auch bedeuten, dass ich zukünftig nicht mehr täglich einen Bericht schreibe, sondern mich auf die wirklich wichtigen und interessanten Punkte konzentriere. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, durch irgendetwas dazu verpflichtet zu sein, jeden Tag möglichst alles aufzuschreiben, was passiert war, auch wenn es dahinter keine echte Geschichte gab. Doch ein Tagebuch zu schreiben nur um Seiten zu füllen hilft niemandem sondern produziert nur Stress und sorgt dafür, dass ich das Gefühl habe, hinten und vorne mit den Dingen, die ich erledigen will, nicht zurecht zu kommen. Es wird also in Zukunft weniger Tagesberichte geben, die dafür aber gezielter gewählt sind und die Kernessenzen dessen um was es geht stärker einfangen. Gleichzeitig gibt es nun auch mehr themenbezogene Artikel, die euch bei gezielten Fragen weiterhelfen können. Und dann liegt natürlich ein Großteil des Fokusses im Moment auch auf dem neuen Geschenke-Portal, das zukünftig die Basis unseres Nomadenlebens darstellen wird. Vor vier Jahren sind wir als Gesellschaftsflüchtlinge aufgebrochen und haben euch berichtet, was passiert wenn man die alten Wege verlässt. Nun machen wir und gemeinsam daran, neue Wege zu erschließen und uns eine Existenz als Webnomaden und Wanderheiler aufzubauen, die mit jedem neuen Schritt einen Funken mehr Licht in die Welt bringen.
 
Spruch des Tages: Es ist wichtig, immer wieder zu prüfem, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.
Höhenmeter 180 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.861,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Veranstaltungssaal der Gemeinde, Nolay, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:25:28


Tag 1372: Der 72. Geburtstag

Alles Gute zum 72. Geburtstag

Zunächst möchten wir uns erst einmal ganz herzlich bei Daniel Volke für die Spende bedanken! 19.09.2017 Gemütlichkeit ist verpönt Warum steht eigentlich niemand mehr auf Gemütlichkeit? Es scheint fast eine art Mode zu sein, sich sein Leben so einzurichten, dass es gerade so eben nicht angenehm ist. Unsere Gastfamilie von gestern war dafür ein hervorragendes Beispiel. Er war Tierarzt, sie Krankenschwester, wobei Sie Ihren Job vor ein paar Jahren gegen den einer Assistentin für den Bischof getauscht und er seinen Aufgabenbereich in den administrativen Bereich verlegt hat. Man kann also sagen, dass beide nicht schlecht verdienten und auch ihr Haus, in dem man sich locker hätte verlaufen können, unterstütze diesen Eindruck. Und doch wirkte es, als wären sie das Ärmste Ehepaar, das wir auf der Reise getroffen haben. Draußen peitschte der Wind den Regen um das Haus und es war nass, kalt und ungemütlich. Trotzdem wurde innen nicht geheizt, so dass eine konstante Raumtemperatur von etwa 17°C herrschte. Im Wohnzimmer gab es einen großen Kachelofen, der jedoch nur am Abend für einen kurzen Moment befeuert wurde. Gerade so lange, bis die Steine begannen, die gespeicherte Hitze auch wieder nach außen abzugeben. Um den Raum zu wärmen reichte es leider nicht. Eine Etage darüber befand sich das Arbeitszimmer unseres Gastgebers, das ebenfalls direkt über dem Kamin lag. Wäre man die Sache geschickt angegangen, hätte man mit einem Kleinen Feuer unten im Wohnzimmer also gleich zwei Räume heizen können. Mehr noch! Der Kamin befand sich in der oberen Etage direkt hinter dem Schreibtisch. Hätte man ihn also richtig eingeheizt, hätte man sich hier biem Arbeiten angenehm warme Luft ins Kreuz strahlen lassen können. Stattdessen hatte man den Schornstein abgedichtet und ein paar Kisten voll Lego hinein gestellt. Ähnlich war es auch mit dem Essen. Es gab einen riesigen Garten mit Obstbäumen und der Möglichkeit, Nahrung für ein ganzes Bataillon anzubauen und doch hatten die beiden so gut wie nichts im Haus. Ihr Lager im Schuppen bestand aus einem Regal mit etwa 40 Gläsern Marmelade und einem einzigen Kürbis. Wie konnte das sein? Es war Ernte-Zeit! Allein wenn ich an den Keller meiner Oma zurückdenke, dann war dieser um diese Jahreszeit gefüllt wie eine mittelgroße Aldi-Filliale. Dies hier war Frankreich und noch dazu ein privater Hof in einem kleinen Dorf. Hier hätten hunderte von Kürbissen herumliegen müssen, gemeinsam mit Kartoffeln, Möhren, Tomaten und wer weiß was sonst noch. Entsprechend knapp viel auch unser Abendessen aus. Es war wirklich lecker zubereitet und bestand aus frischen Gartengemüse mit hausgemachter Sauce. Doch für Heiko oder mich allein wäre die Portion schon etwas klein gewesen, die es nun für uns alle vier gab. Das bedeutet: Selbst ohne Gäste hatten sie ihr Abendessen so kalkuliert, dass sie unmöglich satt werden konnten. Die Frage war nur warum? Es wäre ja ein leichtes gewesen, noch ein halbes Kilo Reis oder meinetwegen auch Nudeln dazu zu kochen, so dass jeder etwas im Magen gehabt hätte. Doch es gab nur das Gemüse ohne jede Beilage. Dazu ein winziges Stückchen Baguette für jeden. Im zweiten Gang gab es dann aber edlen Käse in fünffacher Ausführung der mindestens 60€ Wert war, so wie er hier auf dem Teller lag. Die Tatsache, dass es sonst nichts gab, führte natürlich dazu, dass wir hier ordentlich zulangten um zumindest das Magengrummeln zu beseitigen. Denn es gab auch jetzt wieder nur ein winziges Stückchen Brot und für jeden drei Salat-Blätter dazu. Eine ordentliche Portion Salat und eine mit bloßem Auge sichtbare Menge an Brot, hätten dazu geführt, dass sie hier eine Menge Geld gespart hätten. Irgendwie tat es uns schon fast etwas weh, so viel von dem guten Käse, einfach rein zufuttern, aber der Überlebensinstinkt siegte über den Anstand. Und sie nahmen es uns auch nicht übel, sondern freuten sich sogar, dass es uns schmeckte. Trotzdem war es insgesamt ein komisches Gefühl. Unerwartete Geburtstagsäste Heute sah es hingegen etwas anders aus. Unser Etappenziel war eine Stadt mit rund 11.000 Einwohnern, in der es wieder einmal einen Pfarrer gab, den wir nach Ende der Sonntagsmesse abpassen konnten. Dieser wollte uns jedoch nicht weiterhelfen und beharrte auf der Aussage keinen verfügbaren Raum zu haben, obwohl es mehr als 6 Kirchen in der Stadt gab, die alle ihre Gemeinderäume hatten. Während ich auf ihn wartete, wurde ich jedoch von einem freundlichen alten Herren angesprochen, der mich einfach auf den Kopf hin fragte, ob ich schon eine Bleibe für die Nacht habe. Als der Pfarrer das mitbekam, war er natürlich begeistert, da er nun beides mit einem Schlag los war, uns und sein schlechtes Gewissen. Was wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht wussten war, dass die Frau des freundlichen Rentners heute ihren 72. Geburtstag feierte und dass zu diesem Anlass die ganze Familie zusammen gekommen war. In diesem Fall bedeutete „ganze Familie“ tatsächlich, dass wir uns in einer Partygesellschaft wieder fanden, die fast epische Ausmaße hatte. Die beiden alten Herrschaften hatten 4 Kinder, die es insgesamt wiederum auf 18 Enkelkinder brachten, von denen eine ihnen bereits wieder zwei Urenkel geschenkt hatte. Alles in allem waren wir also eine Tafelrunde von 30 Männern und Frauen. Ich kann nicht genau sagen, was es war, aber in einem solchen Familienverbund aufzuwachsen machte etwas mit einem Menschen. Klar, war es nicht gerade angenehm, mit 30 Leuten auf engem Raum zusammen zu sitzen, aber es war bei weitem ruhiger und harmonischer als wir es in vielen Kleinfamilien erlebt hatten. Jeder der Anwesenden hatte von klein auf gewisse Regeln gelernt, die für ein Zusammenleben in dieser Konstellation dringend erforderlich waren, die aber sonst heute kaum noch jemand beherrschte. Es waren Kleinigkeiten, die kaum auffielen, die aber einen riesigen Unterschied machten. Jeder wusste zum Beispiel, wann wer wo durch musste und ob er gerade irgendwo im Weg stand, so dass er intuitiv ausweichen konnte. Wo es normalerweise permanente Zusammenstöße oder andauerndes gegenseitiges Ausbremsen gab, ging es hier eher zu wie in einem Ameisenhaufen. Obwohl offensichtlich kein Platz für Bewegung war, flossen alle aneinander vorbei. Auch die Gespräche bei Tisch blieben in einem lautstärketechnischen Rahmen, der zwar noch immer nicht angenehm, für solch eine Gruppe aber dennoch erstaunlich war. Niemand versuchte, den andere zu übertönen, um mehr Aufmerksamkeit zu ergattern. Stattdessen entstanden Dynamische Gesprächsrunden, bei denen jeder etwas einbringen konnte, wenn er es wollte. Damit es ein anständiges Geburtstagsessen gab, waren die Männer heute in der Früh in den Wald gezogen und hatten ein Reh geschossen. Es war der erste Tag des Jahres, an dem die Jagdsaison eröffnet wurde und sie hatten die Gelegenheit gleich einmal beim Schopf gepackt. Danach gab es hausgemachten Kuchen mit Früchten aus dem Garten und schließlich ging es hinaus ins Grüne um noch einen Kaffee zu trinken. Dann wurde der offizielle Teil der Feier beendet, die ersten Gäste gingen nach hause und wir zogen uns auf unser Zimmer zurück. Das Haus erinnerte uns ein bisschen an den Fuchsbau von den Weasleys aus Harry Potter. Es lag oben auf einer Klippe über der Stadt, war über und über mit Artefakten, Gemälden, antiken Waffen und allerlei Sonderlichkeiten gefüllt und schien, obwohl es von außen eher unscheinbar war, im inneren schier unendliche Ausmaße zu haben.
 
Spruch des Tages: Alles Gute zum 72. Geburtstag
Höhenmeter 210m
Tagesetappe: 19km
Gesamtstrecke: 25.847,27km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Pilgerherberge, Guérigny, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:19:41


Tag 1371: Wunderheilung bei Krebs

Fünf Minuten vor deinem Tod ist es noch früh genug

16.09.2017 Seit Beginn unserer Reise haben wir immer wieder Menschen getroffen, die schwere Krankheiten hatten und von diesen auf wundersame Weise geheilt wurden, ohne sicher sagen zu können, wie dies möglich war. Uns persönlich geben diese Geschichten jedes Mal aufs neue Hoffnung, denn sie beweisen, dass schwere Krankheiten wie Krebs und chronische wie Diabetes oder Parkinson keineswegs unheilbar sind. Denn wenn eine Krankheit unheilbar ist, dann bedeutet dies logischer Weise, dass sie nicht heilen oder geheilt werden kann, und nicht dass es immer wieder Beispiele von Menschen gibt, die einfach so wieder gesund werden. Heute im Kloster trafen wir einen Mann, der ebenfalls eine solche Geschichte zu erzählen hatte. Er war Vater von zwei Kindern und hatte viele Jahre lang in einem normalen Haus in einer französischen Kleinstadt gelebt, war einem normalen Job nachgegangen und hatte sich in all den Jahren nie wirklich von seinen Nachbarn unterschieden. Dann hatte er vom Arzt die Diagnose bekommen. Er habe Krebs und insgesamt nicht mehr als ein paar Monate zu leben. Im Angesicht des Todes ein neues Leben beginnen Für ihn war diese Botschaft jedoch viel weniger ein Grund zur Trauer und Panik, als viel mehr ein Weckruf, der ihm sagte: „Junge, du musst was ändern, sonst machst du das hier nicht mehr lange mit!“ Sein erste Reaktion war es, zuhause wie in der Arbeit alles stehen und liegen zu lassen und sich als Pilger auf den Jakobsweg von Mont Saint Michelle nach Santiago zu machen. Dies hatte ihm zum ersten Mal die Augen geöffnet. Es waren das Wandern und das allein Sein mit sich selbst, das ihn so faszinierte. Zum ersten Mal in seinem Leben, hatte er das Gefühl, runter zu kommen, abschalten zu können und wirklich ganz er selbst sein zu dürfen. Wenn er jetzt an diese Zeit zurückdenkt, taucht noch immer sofort ein Strahlen auf seinem Gesicht auf. Nachdem die Reise beendet war, stand für ihn fest, dass es kein Zurück mehr in sein altes Leben gab. Dieses war immerhin dabei, ihn zu töten und wenn das als Grund für eine Wandlung nicht ausreichte, was dann? Er kehrte zurück und berichtete seiner Familie von seinem Entschluss. Doch obwohl sie wussten, wie es um ihn stand, konnten sie seine Entscheidung zunächst überhaupt nicht nachvollziehen. Für Sie war es, als gäbe ihr Vater ihnen die Schuld an seiner Krankheit und als würde er sie nun verstoßen, um Heilung zu finden. Er versuchte ihnen zu erklären, dass dies nicht stimmte, hatte jedoch nur wenig Erfolg damit. Vor allem seine Tochter empfand die Entscheidung als Hochverrat und reagierte so heftig, dass er um ein Haar alles abgeblasen und doch geblieben wäre, nur um sie zufrieden zu stellen. Dann aber kam er wieder zur Besinnung und sagte sich: „Ein toter Vater hilft meiner Tochter weit weniger, als einer auf den sie Wütend ist. Irgendwann wird sie es schon verstehen können.“ Einen eigenen Heilungsplatz finden Während seiner Pilgerreise war er unter anderem auch hier im Kloster vorbeigekommen und hatte sich hier von Anfang an wohl gefühlt. Nun kehrte er hierher zurück, kaufte sich ein kleines Häuschen direkt neben dem Kloster, in dem er von nun an als eine Art Gastmönch lebte. Inzwischen war er zu einer Art Klostermaskottchen geworden und kümmerte sich täglich um die Gäste, die hier ebenfalls nach Heilung und Entspannung suchen, so wie einst er selbst. Seither waren mehr als 15 Jahre vergangen und der Krebs war nie wieder ein Thema geworden. Er hatte nicht einmal mehr einen weiteren Arzt aufgesucht, um sich untersuchen zu lassen. Er fühlte, dass er wieder gesund war, und das reichte ihm. Viele Jahre später war dann seine Tochter zum ersten Mal zu Besuch gekommen, um zu sehen, wie ihr Vater hier lebte und warum er dieses Leben, dem Leben mit der Familie vorzog. Als sie das Klostergelände betrat, hatte sie das Selbe Empfunden, wie ihr Vater viele Jahre zuvor. „Waow! Was für ein friedlicher und harmonischer Ort!“ sagte sie anerkennend und langsam verstand sie, warum ihr Vater hier leben wollte. Gemeinsam schauten sie sich eine Heiligenstätte ganz in der Nähe an, an der es viele Jahre zuvor eine Marienerscheinung gegeben hatte. Er konnte nicht erklären warum, oder was hier genau geschehen war, aber kurz bevor sie die Kapelle erreicht hatten, begann seine Tochter plötzlich aus vollem Leib zu weinen und zu schluchzen. Sie wusste selbst nicht genau, was mit ihr los war, aber plötzlich hatte sie das Gefühl, ihrem Vater damals großes Unrecht getan zu haben. Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, dass sie damals von ihm verlangt hatte, in den Tod zu gehen, nur damit sie sich einen Moment lang besser fühlen konnte. Hätte er damals auf sie gehört, dann wäre er nun tot und es wäre ihre Schuld gewesen. Das jedenfalls fühlte sie in diesem Moment. Seither hatte er wieder ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter, wenngleich sie sich noch immer nur sporadisch sahen. Sie kam jedoch hin und wieder zu Besuch, meist dann wenn sie spürte, dass ihr Alltag zu stressig wurde und dabei war, sie krank zu machen. Dann suchte sie das Kloster als Rückzugsort auf um neue Kraft zu tanken, sich zu sammeln und sich anhand des Beispiels ihres Vaters daran zu erinnern, dass es noch weit mehr gab, als nur die Arbeit und den Alltagsstress.
 
Spruch des Tages: Fünf Minuten vor deinem Tod ist es noch früh genug um dein Leben zu ändern.
Höhenmeter 130m
Tagesetappe: 29km
Gesamtstrecke: 25.828,27km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Kinder-Bastel-Pavillon, Champvoux, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:15:00


Tag 1370: Unterschiedliche Vorstellungen von Stille

Lisren to the Sound of Silence

14.09.-15.09.2017 Egal welche Religion oder Lebensphilosophie man sich auf der Welt auch anschaut, alle enthalten immer das Element der Heiligen Stille, als ein Schlüssel um den Weg zu Gott oder zur Urquelle zu finden, wie immer sie dort auch genannt wird. Fast jede Kultur enthält dafür Traditionen, Routinen, Meditationen und Rituale, um sich zu zentrieren und in diese göttliche Stille zu gelangen. Eine einfache Übung dazu ist es beispielsweise, sich auf den eigenen Atem oder besser auf die winzigen Pausen dazwischen zu konzentrieren. Jedes Mal, wenn wir vom Einatmen ins Ausatmen wechseln, entsteht genau am Scheitelpunkt ein winziger Moment in dem wir gar nicht Atmen. In diesem Moment ist es, als würde unser Organismus vollkommen stehen bleiben, wodurch wir für einen winzigen Augenblick die Möglichkeit haben, hinter die Fassade der Traumgebildes zu blicken, das wir unser Leben nennen und das göttliche, formlose Sein des Allbewusstseins dahinter zu erkennen. Es ist ein bisschen wie bei einer Schiffsschaukel, die mit hoher Geschwindigkeit hin und her pendelt. Sie bewegt sich so schnell, dass wir die Landschaft um uns herum nur verschwommen, wahrnehmen können. Lediglich im Scheitelpunkt, wenn wir von der Rückwärts- in die Vorwärtsbewegung übrgehen oder anders herum, halten wir für einen Moment an und können klar sehen. Aber natürlich nur, wenn wir unseren Fokus auf diesen Moment legen und ihn ganz bewusst wahrnehmen. Wenn nicht huscht er einfach an uns vorbei und wir merken nicht einmal, dass er je dagewesen ist. Uns für diesen Moment zu sensibilisieren, so dass wir durch die Fassade des Offensichtlichen hindurch ins göttliche sehen können, ist Ziel und Zweck unzähliger Meditationsformen, Gebete und Routinen überall auf der Welt. So sind beispielsweise Klöster egal welcher Religion in ihrem Ursprung immer als Orte der Stille gedacht gewesen, die es einem ermöglichen sollten, die innere und äußere Unruhe des Alltags hinter sich zu lassen und Stille zu finden. Im laufe der Zeit haben sich die Ideen darüber, was diese Stille eigentlich ist und wie sie praktiziert werden sollte, allerdings sehr stark gewandelt und so gibt es heute eine unglaubliche Vielzahl an Definitionen und Vorstellungen zum Thema „Heilige Stille“. Erstaunlicher Weise haben die meisten davon mit einer geradezu beeindruckenden Menge an Geräuschen zu tun. Das durften wir auch heute wieder erleben, als wir nach unserer 15km langen Wanderung die uns durch eine Stadt und am Ufer eines Flusses entlang führte, schließlich wieder in einem Kloster der Zisterzienser ankamen. Pater John-Pasqual hatte uns bereits angekündigt und so war klar, dass wir hier übernachten konnten. Wir mussten nur einen Moment warten, da wir gerade genau während der Mittagszeremonie ankamen, zu der auch das Essen in „vollkommener Stille“ gehörte, was das Empfangen von Gästen natürlich irgendwie ausschloss. Da saßen wir nun also umgeben von den alten Klostermauern in der Sonne, an einem Ort, der vor über 700 Jahren als Ort des Rückzugs und der Stille erschaffen worden war, und drückten gewissermaßen auf die Pausetaste. Bis zu unserem Treffen mit Bruder Alexandre dauerte es noch etwa 15 Minuten und anschließend würden auch wir etwas zu essen bekommen. Es gab also nichts praktisch oder körperlich sinnvolles, das wir hätten tun können, außer uns zurückzulehnen und uns in der Welt zu beobachten. Was also wäre besser geeignet gewesen, um in die heilige Stille zu kommen, als dieser Moment? Lehn dich zurück! Schließe die Augen und horche auf das was in dir und um dich herum wahrzunehmen ist! Zunächst einmal nahmen wir wahr, dass sich die Mönche vor 700 Jahren wohl nicht hätten träumen lassen, dass man ihnen eines Tages eine Staustufe mit einer Turbine zur Stromgewinnung direkt vor die Tür bauen würde, die ein konstantes Rauschen, Wasser plätschern und Pfeifen verursacht. Dabei die Stille wahrzunehmen war nun schon eine Herausforderung. Doch mit etwas Training konnte man es schaffen, gewissermaßen an dem Störgeräusch vorbei zuhören. Wenn einem dies gelang, dann nahm man Plötzlich die Autos auf der nun angrenzenden Hauptstraße wahr, die über den rauen Asphalt polterten. Konzentriere dich! Achte auf die Stille zwischen den Geräuschen! Denn hier findest du das wahre... Blätterrascheln? Ach komm schon! Irgendjemand hatte den Klosterhof mit hohen Pappeln zu gepflanzt, deren Blätter sich im Wind ein bisschen wie Plastiktüten verhielten und die so ein wahres Knisterkonzert ertönen ließen, sobald auch nur eine leichte Brise aufkam. Doch wir hatten keine Zeit, uns Gedanken darüber zu machen, welcher Scherzkeks auf die Idee gekommen war, gerade diese Bäume in einen Klostergarten zu pflanzen, denn in diesem Moment kehrten die 6 Militär-Düsenjets zurück, die bereits ein paar Mal über unsere Köpfe hinweg geschossen sind. Wir hatten sie das erste Mal kurz nach Verlassen der Stadt Laval gehört und seither immer mal wieder. Nun jedoch schien es, als hätten wir sie wie ein paar Luftballons hinter uns her gezogen und hier an einen Baum gebunden, denn für die nächsten Zwei Stunden kreisten sie direkt über dem Kloster. Sie flogen in engen Formationen und wirkten, als würden sie für eine Flugshow trainieren. Sogar bunte Rauchschwaden ließen sie ab um damit Linien an den Himmel zu malen. Abgesehen vom ohrenbetäubenden Lärm, den sie dabei verursachten, war es sogar ganz nett. Fassen wir also noch einmal zusammen: Aus dem einstigen Ort der Stille ist nun ein Platz der lauten Geräusche geworden, der so ziemlich alles vereinte, was einen davon abhalten konnte, in die Stillemeditation zu gelangen, von lauten Raschelbäumen bis hin zu Düsenjets. Was uns an der ganzen Sache jedoch wirklich irritierte war der Umstand, dass es trotz allem hier im Klostergarten noch immer am Angenehmsten war. Denn „Essen in vollständiger Stille“ bedeutete in diesem Fall wieder einmal, dass zwar nicht gesprochen werden durfte, dass aber über blecherne Lautsprecher wieder einmal eine Lesung abgehalten wurde. Der Essenssaal der Stille wurde also vollbeschallt und dies in einer Lautstärke, dass wir es nicht einmal für ein einziges Glas Wasser darin aushielten und sofort wieder nach draußen flüchteten.
 
Spruch des Tages: Lisren to the Sound of Silence...
Höhenmeter 55m
Tagesetappe: 14km
Gesamtstrecke: 25.799,27km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Gästezimmer in einem Schloss, südlich von Garigny, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:13:44


Tag 1369: Es regnet mal wieder!

Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich

Das ist ja nichts neues für dieses Jahr, aber es ist so ziemlich das einzige, was man heute überhaupt erwähnen kann. Langsam aber sicher müssen wir uns wohl damit anfreunden, das so etwas wie ein Sommer nicht mehr kommen wird. Wir hatten ja gehofft, nach unserer trüben Zeit in Irland noch einmal so richtig die Sonne genießen zu können, aber daraus wird wohl nichts. Es gibt (das kann man nicht verleugnen) einen klaren Unterschied, zwischen den südlichen und den nördlichen Regionen. Am deutlichsten wird es, wenn man einen Blick auf unsere Sonnenölflasche wirft. Letztes Jahr hatten wir uns zu beginn des Sommers eine eineinhalb Liter Flasche mit einer Ölmischung aus Kokosöl, Sesamöl, Olivenöl und einigen anderen Ölsorten, schicken lassen, die zusammen einen hervorragenden Sonnenschutz ergeben. Diese Flasche mussten wir zwei Mal mit etwa einem Liter Olivenöl strecken, damit wir damit über den Sommer kamen. Dieses Jahr haben wir uns ein kleines Fläschchen mit 250ml schicken lassen und haben noch immer nicht den Flaschenhals freigeschaufelt. Dafür gab es aber auch erst zwei oder drei Tage, an denen es so warm war, dass das Öl wirklich flüssig wurde. An allen anderen Tagen hatte es aufgrund des Kokosöls eine eher chremige Konsistenz. Unser Weg führte uns heute an einem Flussufer entlang nach Süden bis in einen Ort namens Montflours, wo wir recht unkompliziert einen kleinen Raum für uns bekamen. Trockene Minuten gab es seit dem Aufstehen keine mehr, aber dafür haben wir dieses Mal eine Heizung, mit der wir es uns zumindest innen gemütlich machen können. Zwei kleine Heizkörper und ein Wasserkocher, um sich einen heißen Tee zu machen. Man brauchte wirklich nicht viel, was den Unterschied zwischen Alltag und gnießen ausmachte.
 
Spruch des Tages: Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch! (Karl Valentin)
Höhenmeter 40m
Tagesetappe: 13km
Gesamtstrecke: 25.785,27 km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Veranstaltungshaus der Gemeinde, Saligny-le-Vif, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:12:32


Tag 1368: Wie im amerikanischen Film

Welcome to the Hotel California!

12.09.2017 Seit unserem ersten Aufenthalt in Frankreich vor fast vier Jahren gab es hier immer wieder Hoch- und Tiefphasen in denen man entweder super durchkam, sofort einen Schlafplatz und gutes Essen hatte, oder eben nicht. Gerade waren wir mal eher wieder in einer schwereren Phase, was wahrscheinlich auch mit einer ganzen Reihe von Lösungsprozessen zusammenhängt, die gerade anstehen. Auf jeden Fall wollten und Pfarrer und Bürgermeister wieder einmal nicht aufnehmen. Stattdessen bekamen wir aber Hilfe von ganz unerwarteten Seiten. In der Früh fragten wir beim einzigen Bäcker im Umkreis von 10km nach Brot für die Reise. Die Frau schaute mich nur grimmig an und hätte mir in zehn Jahren nichts gegeben, aber plötzlich stand ein kleines Kind hinter mir, tippte mich an und hielt mir einen 10-Euro-Schein hin. Im Hintergrund stand der Papa, lächelte und nickte zustimmend. Ähnlich unerwartet war es heute Nachmittag, als wir eine Einladung in ein Hotel bekamen. Es trägt den Namen Best Hotel und ist das kurioseste Hotel in dem ich je gewohnt habe. Ihr kennt diese Art von Hotels alle aus Amerikanischen Filmen. Es sind die, die immer an grauenhaften Orten stehen, wie beispielsweise mitten in der Texanischen Steppe an der einzigen Autobahn. Es war eines jener Hotels, die keinen Innenbereich haben, sondern nur die Zimmer, die man von einem Balkon aus erreicht. Mir fielen auf Anhieb zehn amerikanische Filme ein, in denen so ein Hotel vorkam. Allerdings war keiner dabei, in dem nicht auch irgendjemand genau in so einem Hotel erschossen wurde. Ob das ein gutes Zeichen war? Passend dazu bestanden unsere einzigen Nahrungsquellen aus den Lebensmittelbuden eines nahegelegenen Industriezentrums. Die meisten hatten jedoch entweder geschlossen oder wollten nichts geben, weshalb wir letztlich gegen all unsere Überzeugungen bei McDonnalds landeten.
 
Spruch des Tages: Welcome to the Hotel California!
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 31 km + 18 km
Gesamtstrecke: 25.772,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Private Gästezimmer bei Hobbitleuten, Cornusse, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:10:28


Tag 1367: Wie im amerikanischen Film

Welcome to the Hotel California!

12.09.2017 Seit unserem ersten Aufenthalt in Frankreich vor fast vier Jahren gab es hier immer wieder Hoch- und Tiefphasen in denen man entweder super durchkam, sofort einen Schlafplatz und gutes Essen hatte, oder eben nicht. Gerade waren wir mal eher wieder in einer schwereren Phase, was wahrscheinlich auch mit einer ganzen Reihe von Lösungsprozessen zusammenhängt, die gerade anstehen. Auf jeden Fall wollten und Pfarrer und Bürgermeister wieder einmal nicht aufnehmen. Stattdessen bekamen wir aber Hilfe von ganz unerwarteten Seiten. In der Früh fragten wir beim einzigen Bäcker im Umkreis von 10km nach Brot für die Reise. Die Frau schaute mich nur grimmig an und hätte mir in zehn Jahren nichts gegeben, aber plötzlich stand ein kleines Kind hinter mir, tippte mich an und hielt mir einen 10-Euro-Schein hin. Im Hintergrund stand der Papa, lächelte und nickte zustimmend. Ähnlich unerwartet war es heute Nachmittag, als wir eine Einladung in ein Hotel bekamen. Es trägt den Namen Best Hotel und ist das kurioseste Hotel in dem ich je gewohnt habe. Ihr kennt diese Art von Hotels alle aus Amerikanischen Filmen. Es sind die, die immer an grauenhaften Orten stehen, wie beispielsweise mitten in der Texanischen Steppe an der einzigen Autobahn. Es war eines jener Hotels, die keinen Innenbereich haben, sondern nur die Zimmer, die man von einem Balkon aus erreicht. Mir fielen auf Anhieb zehn amerikanische Filme ein, in denen so ein Hotel vorkam. Allerdings war keiner dabei, in dem nicht auch irgendjemand genau in so einem Hotel erschossen wurde. Ob das ein gutes Zeichen war? Passend dazu bestanden unsere einzigen Nahrungsquellen aus den Lebensmittelbuden eines nahegelegenen Industriezentrums. Die meisten hatten jedoch entweder geschlossen oder wollten nichts geben, weshalb wir letztlich gegen all unsere Überzeugungen bei McDonnalds landeten.
 
Spruch des Tages: Welcome to the Hotel California!
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 31 km + 18 km
Gesamtstrecke: 25.772,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Veranstaltungshaus der Gemeinde, Vornay, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:10:18


Tag 1366: Maue Beute

In der Not frisst der Teufel Fliegen

11.09.2017 Aus irgendeinem Grund, ist es in dieser Gegend sogar noch schwerer, etwas zum essen aufzutreiben, als in Irland. Jedenfalls, wenn es um die Hilfsbereitschaft der gewöhnlichen Einwohner geht. In Sachen Klischee-Erfüllung liegt man hier hingegen wieder recht weit vorn, was ja auch schon mal was wert ist. Aber im Ernst, so heftige und menschenfeindliche Reaktionen haben wir auf der ganzen Reise nicht bekommen. Irgendetwas ist hier anders. Oder etwas ist mit uns anders und wir haben noch nicht durchschaut, was es ist. Meine Highlights von gestern Abend waren vier Familien hintereinander, die nicht einmal bereit waren, uns ein bisschen Salz zu spenden. Kein Witz! Die Frage lautete: „Hätten Sie vielleicht etwas Salz für uns!“ und die Antwort war: „Nein, das tut mir sehr Leid, aber wir haben leider kein Salz, das wir euch geben könnten.“ Die beste Antwort war aber immer noch die von unserer Nachbarin, die uns bereits am Mittag mit der stellvertretenen Bürgermeisterin gesehen hatte: „Haben Sie meine Nachbarn schon gefragt? Die sind doch bestimmt nett, sollen die doch etwas geben! Warum sollte ich das denn tun!“ Letztlich waren es genau zwei Familien, die uns komplett versorgten. Eine von ihnen spendete eine Schachtel Kekse. Heute sah es nicht viel besser aus, nur dass mir größtenteils schon die Tür vor der Nase zugeknallt wurde, ehe ich auch nur etwas sagen konnte. Am Ende hatten wir dann zwar trotzdem ein Festmal, doch wiederum verdankten wir das meiste davon einer einzigen Familie. Und bei ihr handelte es sich auch noch um Ausländer. Wie geht so etwas? Man fragt wirklich ein ganzes Dorf und bekommt nur Hass und Geringschätzung entgegen gebracht und dann trifft man auf eine einzige Familie mit afrikanischem Ursprung, die mit sieben Kindern in einem kleinen Häuschen lebt und wird mit Gaben geradezu überschüttet. Und das aber ohne einen einzigen Funken des Misstrauens oder des Argwohns. Die Kinder rennen zur Tür, strahlen einen freudig an, man fühlt sich sofort willkommen, während man ein Haus zuvor beim Anblick des Eigentümers das Gefühl hatte, es würde einem die Seele eingefroren. Die zweiten, die uns einen Teil unseres Abendessen spendeten, waren die Besitzer eines kleinen Restaurants, die ebenfalls zugereiste waren. Als ich erfuhr, dass die Besitzerin Englisch sprach, witterte ich die Chance, die ich schon so lange gesucht hatte. Endlich konnte ich fragen, was zur Hölle mit den Menschen hier nicht stimmte! Ja, ich weiß, mit den Menschen ist alles in Ordnung, denn es sind ja nur Spiegelpartner, die mir das zeigen, was gerade in mir los ist. Aber es tat trotzdem gut die Frage zu stellen und ein bisschen von meinem Frust zu teilen. Anscheinend hatte es in der Gegend wohl schon öfter Übergriffe gegeben, bei denen ältere Leute ausgeraubt wurden, von fremden, die an der Tür klingelten. Die Frau hatte jedenfalls die gleiche Erfahrung gemacht wie ich. Aus irgendeinem Grund waren die Menschen hier ängstlicher, ablehnender und voreingenommener als irgendwo sonst. Dafür musste man sagen kamen wir dann aber doch wiederum recht gut durch. Wie hatten wir am Anfang der Reise immer so schön gesagt: Es reicht, wenn es einen einzigen netten Menschen an einem Ort gibt. Man muss ihn nur finden.
 
Spruch des Tages: In der Not frisst der Teufel Fliegen
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 25.723,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Saint Florent-sur-Cher, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:07:45


Tag 1365: Raumakustik

In der Stille liegt die Kraft!

10.09.2017 Es mag komisch klingen, aber es gab heute eine Sache, die uns mehr als alles andere in Faszination und Begeisterung versetzt hat. Es war der Moment, in dem wir nach einer kurzen und entspannten Wanderung, den ersten Schritt in unser neues Schlafquartier setzten. Normalerweise achtet man nicht besonders intensiv darauf, wie sich die Geräusche verändern, wenn man einen Raum betritt. Das erste Mal war uns diese Veränderung aufgefallen, als wir vor einigen Jahren mit der Blindentour unterwegs waren, und die Welt ohne unseren Sehsinn wahrnehmen durften. Damals hatten wir zum ersten Mal so richtig bewusst gemerkt, dass sich die gesamte Hintergrundakustik, die wir ununterbrochen wahrnehmen extrem stark verändert, je nach dem ob man sich im Freien, oder in einem Raum aufhält. Geübte Blinde können nur aufgrund dieser Tatsache sofort beim Betreten eines Raumes erkennen, wie groß er ist, auf welche Art er eingerichtet wurde und vieles mehr. Vor der Tour war uns dies immer wie ein Hexenwerk vorgekommen, doch nun da wir selbst darauf achteten, stellten wir fest, dass es ganz offensichtlich und überhaupt nicht schwer zu erkennen war. Dennoch geriet es zunächst einmal wieder in Vergessenheit. Klar nahmen wir auch weiterhin die Raumakustik in unseren unterschiedlichen Schlafräumen wahr und waren nicht selten absolut entsetzt davon, wie schlecht diese war. Doch es waren meist Eindrücke, die mit der Zeit auftauchten, wenn man einen Raum eine Weile in Beschlag genommen hatte. Schalldämmung – Kleine Maßnahmen für große Erfolge Heute hingegen war es etwas vollkommen anderes. Man betrat den Raum und spürte es sofort, selbst wenn man keinerlei Vorstellung von Akustik hatte. Augenblicklich kehrte eine Ruhe in einem ein. Alles war plötzlich sanfter, harmonischer, und friedlicher. Es dauerte einen Moment, bis mir klar wurde, was hier los war. Beim Bau dieser Sporthalle, in der wir uns nun befanden, hatte man auf die Innenraumakustik wert gelegt und Decken und Wände mit einer einfachen aber effektiven Schalldämmung ausgestattet. Im Grunde war es nicht mehr als ein paar Bretter, in die man Löcher gebohrt und die man dann an die Wände geschraubt hatte. Dahinter befand sich eine einfache Folie, die Schwingungen der Schallwellen aufnahm und absorbierte. Das ganze hatte man dann noch mit einer Trittschalldämmung im Boden kombiniert und fertig war eine Sporthalle in der man sich von der ersten Sekunde an wohl fühlte. Der Erfolg war gigantisch. Die Schritte hallten nicht zehn mal durch den ganzen Raum, sondern waren nur ein einziges mal als sanftes Tappen auf dem Boden zu hören. Die eigene Stimme bekam einen ruhigen, leicht gedämpften und dadurch beruhigenden klang, so als würde man eine Gruppe durch eine Traumreise führen. Der Saal wurde früher als Tischtennishalle benutzt und die Tische standen noch immer darin. Heiko ließ einen Ball auf eine der Platten fallen und auch dies versetzte uns in Erstaunen. Erst vor kurzem hatten wir uns gefragt, wie wie je hatten Tischtennis spielen können, wo diese Sportart doch eine der lautesten aller Zeiten zu sein schien. Nun verstanden wir es wieder, denn wenn der Klang des Balls so war, dann verdiente dieser Sport den Beinamen Ping-Pong und musste nicht in so etwas wie Bäng-Boom umbenannt werden. Es war also möglich! Man konnte Räume und sogar große Hallen so bauen, dass sie angenehm waren und man sich gut in ihnen aufhalten, ja dass man sogar in ihnen zur ruhe finden konnte.
 
Spruch des Tages: In der Stille liegt die Kraft!
Höhenmeter 55 m
Tagesetappe: 32 km
Gesamtstrecke: 25.704,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Verlassenes Kloster „La Prée“, Südlich von Saint Ambroix, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:05:10


Tag 1364: Pilgerreise nach Mount Saint Michelle

Der zweite Besuch beim Michael!

Der Pilgerweg nach Mount Saint Michelle Als wir in der Früh aufbrachen, lag noch ein leichter Nebel in der Luft, der jedoch schon bald von den ersten Sonnenstrahlen aufgelöst wurde. Für einen Moment sah es aus, als würde es ein freundlicher und sonniger Tag werden, doch dann entschloss sich Mount Saint Michelle offenbar, uns doch lieber mit Wolken und kaltem Wind zu empfangen Von unserem Campingplatz aus waren es noch gut 10km, bis man den Berg des heiligen Michael das erste Mal in der Ferne über dem Meer ausmachen konnte. Etwa zu diesem Zeitpunkt trafen wir auch Jonas wieder, der heute Morgen einige Zeit nach uns mit seinem Fahrrad aufgebrochen war. Er beschloss sein Rad zu schieben und uns für den weiteren Weg zu begleiten. Zunächst wanderten wir am Strand entlang und nutzen dabei die Trampelpfade, die über die saftig grünen Überschwemmungswiesen führten. Immer wieder gab die Küste dabei den Blick auf die magische Insel frei und man verstand sofort, warum die Menschen hier so begeistert und stolz waren, sie ihr eigen nennen zu dürfen. Es war nur ein winziger Berg verglichen mit der weiten Küste und dem gigantischen Ozean, aber er veränderte das Bild vollkommen und verlieh der gesamten Region eine sonderbar mystische und anmutige Stimmung. Man spürte sofort, dass von dieser Insel eine besondere Kraft ausging. Bevor wir uns jedoch wirklich aufmachen konnten, um die Insel zu erobern, brauchten sowohl Jonas als auch wir zunächst eine Basis. Jonas fand seine in Form eines Campingplatzes, etwa 3km von der Ortschaft entfernt, in der wir eine Verabredung mit der Sekretärin des Bürgermeisters hatten. Diese tauchte kurz nach unserem Anruf auf und zeigte uns einen kleinen, schlichten Raum direkt neben der Hauptstraße. Unter anderen Umständen wären wir unsicher gewesen, ob wir ihn wirklich genommen hätten, da man im Inneren jedes noch so kleine Motorengeräusch hören konnte, als fuhren die Autos mitten durch den Raum. Aber wir hatten ja heute ohnehin nicht vor, uns hier lange aufzuhalten und wenn wir zurückkamen war es bereits so spät, dass kaum noch ein Auto fahren sollte. Das Touristenzentrum auf dem Festland Früher einmal war Mount Saint Michelle nur über einen schmalen Pfad zu erreichen, der nur bei Ebbe begehbar war. Heute hingegen wird die Insel über eine solide Straße mit dem Festland verbunden, über die sogar ganze Touristenbusse fahren, um gehunfreudige direkt bis an das Eingangstor zu bringen. Am Fuße dieser Verbindung auf Seiten des Festlandes befindet sich heute ein Touristen- und Informationszentrum, das die eigentliche Insel an Größe wahrscheinlich bei weitem Übertrifft. Neben Informationsschaltern und Souvenirläden findet man hier vor allem Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten vom Zeltplatz bis zum Hotelzimmer. Man kann also nicht behaupten, dass hier versäumt wurde, die alte Klosterinsel touristisch zu erschließen. Wie erschlossen sie in dieser Hinsicht wirklich war, stellten wir jedoch erst deutlich später fest. Vom Touristenzentrum aus floss ein permanenter Strom von Besuchern über die Hochstraße auf die Insel zu. Menschen allen alters und aller Nationen waren hier vertreten und obwohl es kalt, ungemütlich und außerhalb der Saison war, konnte man sich kaum vorstellen, wie das kleine Stückchen Fels am Ende der Straße, all diese Menschen aufnehmen sollte. Mount Saint Michelle von außen Was wir auf jeden Fall jedem Mount-Saint-Michelle-Besucher empfehlen können ist, die Insel während der Ebbezeit aufzusuchen. Denn zu diesem Zeitpunkt liegt sie mitten im Wattenmeer, was einem die Gelegenheit verschafft, sie einmal zu Fuß zu umrunden. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass diese Rundwanderung, bei der man den emporragenden Felsen einmal von jeder Seite aus betrachten konnte, das Schönste und Beeindruckendste an diesem Tag war. Natürlich ist Mount Saint Michelle auch von innen heraus sehenswert, doch von dieser Perspektive ist es vor allem eine nette kleine Mittelalterstadt mit steilen, engen Gassen, wie man sie in ähnlicher Form überall in Europa findet. Wirklich einzigartig ist sie hingegen von außen und hier hatten wir das Gefühl, uns daran überhaupt nicht sattsehen zu können. Mit jedem einzelnen Schritt veränderte sich die Perspektive und jedes Mal war es, als würde man einer völlig neuen Insel gegenüber stehen. Das Innere der Klosterinsel von Mount Saint Michelle Die Insel selbst bestand aus einer Wehrmauer, die unten um den Felsen herumführte und früher einmal Eindringlinge abgehalten hat. Heute stehen die Tore hingegen jedem offen und dies wird Jahr für Jahr von rund 3,5 Millionen Besuchern auch gerne genutzt. Damit liegt der kleine Inselberg auf Platz Neun der meistbesuchten Touristenziele Frankreichs. Oberhalb der Mauern beginnt der Ort „Le Mount Saint Michelle“, in dem bis vor einigen Jahren tatsächlich auch noch immer normale Bürger gelebt haben. Heute gibt es hier jedoch nur noch Restaurants, Musen, Souvenirläden und Ferienwohnungen. Durch Zufall lernten wir auf der Suche nach einem kleinen Picknick etwas später am Tag zwei Brüder kennen, deren Familie Rekordhalter im Hausbesitzen auf Mount Saint Michelle war. Das Haus, in dem sie heute Ihr Schnellrestaurant betrieben, lag seit vielen Generationen im Familienbesitz und hatte bis vor kurzem auch noch immer als Wohnhaus gedient. Mit zunehmendem Touristenstrom war es irgendwann jedoch nicht mehr angenehm gewesen, hier zu leben und so waren sie aufs Festland gezogen und hatten ihr haus zu einem Restaurant ausgebaut. Was nebenbeigesagt natürlich auch viel profitabler war. Die Geschichte von Mount Saint Michelle Vielleicht erinnert ihr euch an unseren Bericht aus Italien, als wir über unseren Besuch in Monte Saint Angelo erzählt haben. Die beiden Heiligenstätten haben nicht zufällig einen so ähnlichen Namen, sie sind tatsächlich mit einander verwandt. Beide basieren auf einer Erscheinung des Erzengel Michael vor rund 1400 Jahren und beide liegen auf einer auffällig genauen Energielinie, die noch einige andere Erscheinungsorte des Erzengels miteinander verbinden. In Italien hatte man uns außerdem von einem Energiedreieck erzählt, dass auch Monte Saint Angelo, Mount Saint Michelle und einem weiteren dritten Erscheinungsort bestand, dessen Namen und Position wir bislang jedoch nicht in Erfahrung bringen konnten. Seit den Erscheinungen im 6. Jahrhundert hatte sich eine Art Michaels-Kult entwickelt, der bis heute existierte und der sich besonders mit dem Erzengel auseinander setzte. Was es genau mit ihm auf sich hat, kann ich leider noch immer nicht sagen, aber sicher ist, dass eine besondere Kraft von den Erscheinungsorten ausgeht. Das traf auf den Monte Saint Angelo in Italien zu und das trifft auch hier wieder auf den Mount Saint Michelle zu. Das Kloster von Mount Saint Michelle Ganz oben auf dem Gipfel des Inselberges liegt das Kloster, das seiner Zeit dem heiligen Michael geweiht wurde. Zu unserer Überraschung fanden wir dort jedoch anders als in Monte Saint Angelo keine freundlichen Mönche vor, sondern nur eine Reihe von mürrischen und äußerst Geschäftstüchtigen Kassierern, die strengstens darauf achteten, dass niemand das Kloster betrat, der nicht zuvor auch gezahlt hatte. Als ich versuchte, mit einer der Damen über das Thema Geld zu sprechen bekam ich nicht nur sämtliche Haare auf ihren Zähnen zu spüren, ich biss auch auf Granit, der härter war, als das Gestein des Felsens auf dem wir uns befanden. Sie erklärte mir den erstaunlichen und leicht verstörenden Umstand, dass das Kloster von Mount Saint Michelle schon seit langem nicht mehr zur Kirche gehörte, sondern sich viel mehr im Besitz einer privaten Organisation befand, die rein auf den Profit durch den Tourismus ausgelegt war. Es war ihr also vollkommen egal, ob ich Mönch war oder nicht und es interessierte sie auch nicht die Bohne, dass wir bereits mehr als 25.000 Kilometer hier her gewandert waren. Ohne Geld kam man nicht an ihr vorbei! Basta! Einer ihrer weniger unterkühlten Kollegen steckte mir jedoch nach dem abrupten Ende der besagten Unterhaltung, dass es durchaus einen Weg gab, auch ohne Geld das Kloster zu besuchen. Man musste dafür jedoch bei den letzten noch verbliebenen Mönchen anfragen, die unten im Ort ein Pilgerhaus betreuten. Denn auch wenn das Kloster keine Funktion als Kloster mehr hatte, wurden in Mount Saint Michelle noch immer einige Mönche geduldet, damit der Anschein des Heiligenortes nicht verloren ging. Und diesen hatte man tatsächlich ein kleines Kontingent an Freikarten eingeräumt, dass sie vergeben durften, wenn sie selber ausreichend gute Arbeit leisteten. Leicht frustriert über diese Entwicklung der Ereignisse trat ich zurück vor die Klostermauern, wo sich Heiko bereits wieder mit Jonas unterhielt. Gemeinsam statteten wir den Mönchen einen Besuch ab, der uns jedoch ebenfalls nicht weiter brachte. Denn von den vier verbliebenen Mönchen war lediglich der Superior in der Position, eine Freikarte auszustellen. Dieser war heute jedoch irgendwo auf dem Festland unterwegs und konnte daher nicht helfen. „Aber keine Sorge!“ vertröstete uns der kleine dicke Mann im Jogginganzug mit der Rocker-Frisur, der sich als Brother Alfred vorstellte. „Der Superior sei sicher bald wieder da!“ In den folgenden Stunden schauten wir uns daher den Rest der Insel an und kehrten immer wieder zum Pilgerhaus zurück, um jedes Mal auf´s neue um etwa eine Viertelstunde vertröstet zu werden. Schließlich aber hatten wir Glück und die Tür wurde nicht von dem bekannten Gesicht geöffnet, sondern von einem leicht gereitzten älteren Herren mit kurzen grauen Haaren und brauner Jacke. Rein theoretisch war er nun durchaus bereit, uns eine Karte zur Verfügung zu stellen, doch wie sich zeigte war es nun bereits kurz nach 18:00 Uhr, was bedeutete, dass das Kloster vor wenigen Minuten für diesen Tag seine Pforten für Touristen verschlossen hatte. Abgesehen von dieser etwas ärgerlichen aber auch irgendwie amüsanten Situation muss ich sagen, dass ich von einem Mönchsorden an so einem Ort durchaus etwas mehr erwartet hätte. Dass Mönche an Touristenorten meist nur noch Schauspieler und Statisten für die gewünschte Atmosphäre waren und ihren spirituellen Auftrag nicht mehr ernst nahmen, waren wir ja bereits gewohnt. Aber dass sie hier nicht einmal mehr ihren repräsentativen Auftrag ernst nahmen und nicht einmal versuchten, auch nur den Anschein zu erwecken, dass ihnen ihr Mönchsleben und auch die Zufriedenheit der Besucher irgendwie am Herz lagen, zeichnete schon ein etwas schwaches Bild. Wenigstens die Kleidung hätten sie ja ein bisschen repräsentativ wählen können. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass es so durchaus ehrlicher war. Denn letztlich entsprach ihr Job hier auf der Insel ja auch zu 100% ihrem Auftreten. Das Museum des Grauens Am wahrscheinlich erstaunlichsten bei der ganzen Geschichte war jedoch, dass uns zwar die Klostertore verschlossen blieben, die Museumstüren jedoch nicht. Obwohl der Betreiber des Museums sogar offiziell ein rein kommerzielles Unternehmen leitete, dass nur darauf aus war, mit dem Geld der Touristen Profit zu erwirtschaften, war dieser Geschäftsmann erstaunlich offen für unsere Anfrage. Anders als das Kloster musste er nicht so tun, als sei er ein Heiliger, sondern konnte einfach er selbst sein und daher auch Begeisterung zeigen, wenn ihn etwas ansprach. So bekamen nicht nur Heiko und ich eine Freikarte für das Museum, sondern auch Jonas, einfach, weil er bei uns war. Das Museum selbst zeigte die Geschichte dieses Ortes und seiner Umgebung, wobei es sich nicht unmotiviert auch dem Thema der mittelalterlichen Folter widmete. So schön das Leben ohne Autos, Überbevölkerung und lärmender Technik auch gewesen sein mochte, es gab auch damals durchaus schon Mittel und Wege, mit denen man einem so richtig den Tag vermiesen konnte. Heimreise und Fazit Schließlich traten wir gemeinsam mit Jonas den Rückweg in unser Quartier an, wobei wir den Tag noch einmal Revue passieren ließen. Alles in allem konnte man sagen, dass Mount Saint Michelle auf jeden Fall einen Besuch wert war und dass man die Insel als Reisetipp ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen konnte. Schade war nur, wie sehr sich hier alles darauf konzentrierte, den Tourismus bis in den letzten Tropfen hin auszuquetschen. Klar, die Leute lebten davon und die Insel verdankte es dieser Politik, dass sie vom sonst in Frankreich üblichen Verfall religiöser Monumente verschont blieb. Ein klein wenige mehr Offenheit würde hier trotzdem nicht schaden und es würde der Insel sicher auch ein bisschen was von seiner ursprünglichen spirituellen Tiefe wiedergeben. Denn so magisch und mystisch Mount Saint Michelle von der Ferne aus auch anmutet, einmal im Ort fühlt es sich hier so wenig nach einem heiligen Kraftplatz an, wie an noch keinem Pilgerort, den wir bislang besucht haben. Die Stadt mitsamt des Klosters ist ein Museum. Ein durchaus sehenswertes Museum, aber eben auch nicht mehr als das. Wer also auf eine spirituelle Erfahrung hofft, ist definitiv in Fátima, Medjugorje oder Monte Saint Angelo besser aufgehoben. Als wir unser Schlafgemach erreicht hatten, war es nun auch Zeit sich von Jonas zu verabschieden. Er machte sich nun wieder auf den Weg zu seinem Campingplatz um ab morgen der Französischen Küste weiter zu folgen, bis sein Urlaub vorbei war. Und wir? Wir hatten nun einen Teil der Reise vor uns, den man als eine Art Winterpause bezeichnen könnte. Klar würden wir auch weiterhin täglich unsere Strecke wandern, doch bis wir im Frühjahr nach Schweden übersetzen wollten hatten wir nun kein konkretes Ziel mehr. Die Aufgabe war nun: Verbringt so viel Zeit wie möglich damit, von hier bis nach Dänemark zu wandern. Und dies taten wir, indem wir zunächst einmal einen großen Schlenker in Richtung Süden einschlugen, um die letzten Sonnentage des Jahres zu erhaschen, bevor wir dann den längsten und härtesten Winter unserer Reise erleben sollten.
 
Spruch des Tages: Der zweite Besuch beim Michael!
Höhenmeter 95 m
Tagesetappe: 26 km
Gesamtstrecke: 25.672,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Mönchskloster „Sacré Coeur“, Issodun, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:53:49


Tag 1363: Vorübergehende Sinnkrise

Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide

Den Großteil der Nacht verbrachte ich nicht in unserem Weinfass, sondern im angrenzenden Sanitätshaus des Campingplatzes, wo ich mir ein kleines Büro zum Arbeiten einrichtete. Alles war perfekt hergerichtet und ich war nun bereit, mich ans Werk zu machen, um all die Dinge zu erledigen, die noch offen auf meiner To-Do-Liste herumstanden. Doch es kam wieder einmal anders. Die Müdigkeit übermannte mich stärker als ich es erwartet hatte und so wechselte ich in der Nacht vor allem zwischen einem Schlafen im Liegen und einem Davonschlummern im Sitzen. Ein Zustand, der mich noch oft begleiten sollte und der in den meisten Fällen zu wenig Erholung aber viel Frust und Unzufriedenheit führte. Es fühlte sich jedes Mal nach Versagen an, so als hätte ich keinerlei Kontrolle über mich selbst und wäre wie ferngesteuert. Was wahrscheinlich nicht einmal ganz falsch ist. An diesem Tage jedoch führte die Enttäuschung darüber, dass ich wieder keinen Schritt weitergekommen war, obwohl ich so viel hätte erledigen können, zu einer regelrechten Sinnkriese im Bezug auf meine Arbeit im Allgemeinen und auf den Blog im Besonderen. Seit knapp vier Jahren schrieb ich nun täglich einen Bericht und hatte dennoch nicht das Gefühl, damit besonders viel erreicht zu haben. Plötzlich stellte ich alles in Frage. Machte es überhaupt einen Sinn, die Zeit auf diese Weise zu investieren, vor allem, wenn ich insgesamt so ineffektiv arbeitete? Interessierte es überhaupt jemanden, was ich hier schrieb? Oder war der Blog nur noch eine Art Jammerkasten, dem ich meine Probleme erzählte und durch den ich mich auf die Dinge im Leben versteifte, die gerade noch nicht so gut liefen? Konnte ich wirklich dazu beitragen, jemanden zu einem freien Leben zu inspirieren, oder hielt ich am Ende sogar Menschen davon ab, weil ich oft dieses Gefühl von Schwere übermittelte, so als wäre mein Leben hart, schwierig und unangenehm? Die Fragen trafen mich so hart, dass ich in den nächsten Tagen einfach nicht in der Lage war, einen Tagesbericht zu schreiben. Es kam mir nicht richtig vor und so konzentrierte ich mich auf andere Aufgaben, wie beispielsweise unsere Erlebnisseite, die ja ebenfalls viel Zeit und Pflege brauchte. Zum Glück verliefen die ersten Tage recht Ereignislos und bestanden nun nur noch aus dem Wandern entlang des Greenways, dem Ankommen in irgendeiner Herberge und der Arbeit an der Seite. Teilweise wurde es nun wieder schwerer, einen Platz zu finden und gerade an den Tagen an denen ich das Gefühl hatte, niemals einen Schritt weiter zu kommen, verging die Zeit dabei wie im Flug. Schließlich erreichten wir eine kleine, etwas verbaut wirkende Stadt mit einer recht ungewöhnlichen Kirche, die nur noch eine Tagesetappe von Mount Sant Michelle entfernt lag. Nach einem kurzen hin und her bekamen wir hier einen Schlafplatz auf einem Campingplatz, der nicht gerade in unsere Memmoiren als einer der Top-Schclafplätze einging. Rein Prinzipiell war es nicht einmal verkehrt. Es war ein kleines Häuschen, dass als Aufenthaltsraum für den Friedhof diente. Er hatte jedoch einige Haken, die uns erst im Laufe der Zeit bewusst wurden. So befanden wir uns zum einen auf dem ersten Campingplatz dieses Reiseabschnittes, der auch im Winter belebt war. User Schlafplatz wurde also immer wieder von anderen Campern aufgesucht, die an „unserem“ Tisch aßen, neben uns Fernsehen schauten oder sich einfach nur unterhalten wollten. Da der Campingplatz zunächst vollkommen verlassen gewirkt hatte und wir unseren Raum bereits als unser privates Wohn- und Schlafzimmer anerkannt hatten, war dies zunächst etwas befremdlich. Es führte aber auch dazu, dass wir einen jungen Mann kennen lernten, der gerade dabei war, mit dem Fahrrad die gesamte Französische Küste abzufahren. Er war bereits nahezu am Ende seiner Reise und trug daher sehr gemischte Gefühle in sich. Auf der einen Seite trauerte er bereits jetzt darum, dass seine Zeit der Freiheit und Unbestimmtheit bald vorbei war, auf der anderen Seite freute er sich aber auch darauf, wieder etwas mehr Bequemlichkeit und Komfort und weniger Anstrengung und Kälte in sein Leben zu lassen. Auch er hatte vor, am Folgetag Mount Saint Michelle zu besuchen und so sollte unser Zusammentreffen in dem Gemeinschaftsraum nicht unsere letzte Begegnung bleiben. Der zweite große Haken, den unser Schlafplatz hatte war der, dass man keine Kontrolle über das Licht hatte. Es wurde durch eine zentrale Stelle des Campingplatzes automatisch ein und ausgeschaltet. So kam es, dass dieses Mal Heiko in die Toilette auswanderte, da es auch weit nach Mitternacht noch immer taghell war. Dafür durfte ich dann die zweite Hälfte der Nacht mit einer Taschenlampe im Dunkeln arbeiten, bis es gegen halb sechs plötzlich wieder Hell wurde.
 
Spruch des Tages: Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide falsch (Spruch auf einer Postkarte)
Höhenmeter 80 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.646,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Brion, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:50:07


Tag 1362: Bungee-Jumping vom Aquädukt

Nichts für schwache Nerven

Glücklicher Weise ist in den letzten Tagen nicht allzu viel passiert, weshalb ihr nicht wirklich etwas verpasst, wenn ich nicht täglich einen Bericht schreibe. Die Gegend in der wir uns befinden ist nun deutlich industrieller angehaucht und dadurch auch stärker bewohnt und befahren. Es ist deshalb nicht mehr ganz so traumhaft schön hier, wie zu beginn, vor allem aufgrund der zunehmenden Lautstärke. Hier noch ruhige Plätze zu finden erschien nahezu unmöglich. Dennoch ist es einfach grandios, wie geschickt der Greenway hier durch die Lande führt. Die meiste Zeit über führt er auf verlassenen Bahnlinien nahezu eben durch ein ansonsten extrem hügeliges Gebiet und selbst in den Städten, schaffte er es in der Regel, einen so hindurch zu lotsen, dass man stets die ruhigsten und abgelegensten Sträßchen und Gassen erwischt. Vorgestern kamen wir an einem alten, ehemaligen Aquädukt vorbei, das in einen Abenteuerpark umgebaut wurde. Das Aquädukt führte einst hoch über eine Schlucht und bestand heute nur noch aus den Brückenpfeilern, die man nun als Basis für Outdoor-Action-Angebote verwendete. Eine Schmale Brücke führte vom ersten zum zweiten, auf dem ich zunächst eine Aussichtsplattform befand. Von hier aus gelangte man wiederum auf einen kleinen Balkon, der als Startpunkt für Bungee-Jumping genutzt wurde. Zwei Mal konnten wir zusehen, wie sich ein Mann von hier aus in die Tiefe stürzte. Von einer zweiten Terrasse aus gelangte man zu einer Big-Swing, einer Riesenschaukel, in die man sich in einem Gurt einklinken konnte, um dann über das ganze Tal zu schaukeln. Im Tal selbst gab es unter anderem eine Sommerrodelbahn, sowie einen kleinen Touristenzug, der die Besucher bei bedarf nach oben zu den Plattformen oder wieder hinunter brachte. Obwohl noch immer Sommerferien waren, war jedoch erstaunlich wenig Betrieb. Der Abenteuerpark erinnerte uns nicht nur an unsere Zeit als Erlebnispädagogen zurück, in der wir selbst noch als Trainer auf derartigen Türmen, Klippem und Plattformen standen, um Menschen in die Tiefe hin abzuseilen, sondern auch an unsere Erlebnisseite, die wir gerade aufbauen. Sie ist ein weiterer grund dafür, dass ich mit dem Verfassen und Einstellen der Berichte im Momenr so im Hinrertreffen bin, denn sie entpuppte sich schon vor einiger Zeit als ein Großprojekt, dessen Ausmaße wir vollkommen unterschätzt hatten. Wenn sie aber natürlich fertig ist, wird sie unser ganz spezielles Baby und man kann sagen, dass es auch eine Menge Spaß macht, an ihr zu arbeiten. Wenn ihr wollt könnt ihr ja schon einmal einen Blick darauf werfen und uns gerne auch schon ein erstes Feedback geben. Die Adressd lautet www.erlebnis-geschenk.eu. Viel Spaß beim Stöbern! Schlafen konnten wir in den letzten Nächten zwei Mal auf einem Campingplatz und zwei Mal in Festsälen, wobei es zu einem Phänomen zu werden schien, dass direkt neben uns jemand mit dem Rasenmähen anfing, sobald wir an einem Platz ankamen. In unsererer ersten Campingplatznacht schliefen wir wieder einmal in einem Mobil-Haus, ähnlich wie vor einigen Wochen in Schottland. Heute bekamen wir einen kleinen Bungalow, bzw. eher eine Art Holzfass in dem angeblich bis zu vier Personen übernachten können. Zu zweit war es ein bisschen eng weshalb ich Nachts wieder auf die Duschräume auswanderte, aber für eine einzelne Person war es durchaus ein passables Haus für nahezu kein Geld. Zum ersten Mal seit Tagen hatten wir hier außerdem einen sehr ruhigen Standort, an dem man mal nichts rauschen oder brummen hörte. Das der ansonsten vollkommen verlassene Campingplatz am Abend von Jugendlichen zum Abhängen genutzt wurde, machte uns erst ein paar Bedenken. Doch die Jugendlichen hier waren mit denen in England nicht zu vergleichen. Höflich und etwas vorsichtig klopfte einer der Jungs bei uns an, bat um Entschuldigung und frage mich: „Bist du ein Mönch?“ Es war das letzte Ferienwochenende und es grauste de Jungs bereits wieder vor der Schule. Unser Gast war daher sehr interessiert daran zu erfahren, auf welche Weise man noch leben konnte. Später kam er dann noch einmal vorbei und brachte und Äpfel und Eier aus dem eigenen Garten. Das ist irgendwie ein ganz anderer Bezug, als mit Steinen beworfen zu werden.
 
Spruch des Tages: Nichts für schwache Nerven
Höhenmeter 80 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.646,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Levroux, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:48:13


Tag 1361: Keine Sonne, Keine Kraft – Wie gewinne ich neue Lebensenergie?

Was immer mir auch widerfährt, es dient meiner Ent

30.08.-02.09.2017 Verdammt! Er hat uns wieder eingeholt. Zehn Tage haben wir uns vor dem Regen verstecken können, doch jetzt ist er wieder da. Wahrscheinlich hat er erst nicht gemerkt, dass wir mit der Fähre aus Irland geflüchtet sind, weil wir plötzlich so viel schneller waren als üblich. Jetzt wird er wohl bemerkt haben, dass seine Tropfen unsere Köpfe verfehlen und schon ist er hinterher gereist. Und er macht gleich erst einmal genau so weiter, wie er in Irland aufgehört, oder besser nicht aufgehört hatte. Es dauerte nur Minuten und wir waren zwei begossene Pudel. Drei Tage lang begleitete uns der Dauerregen nun auch hier und spiegelte damit recht treffend die düstere Stimmung wieder, die ich in mir trug. Ich habe das Thema Energielosigkeit und Müdigkeit ja schon ein paar Mal erwähnt, aber nun hatte es noch einmal ein neues Level erreicht und ich war kurz davor durchzudrehen. In den letzten Tagen wurde mein Müdigkeitensyndrom so stark, dass es meine Arbeiseffektivität auf Null setzte und mich fast vollkommen übermannte. Sobald ich mich auch nur an einen Computer setzte, schlief ich augenblicklich ein. Nicht einmal mehr einen einzigen Satz konnte ich flüssig zuende schreiben, ohne dabei ins Traumland abzudriften. Jetzt gerade scheint es etwas besser zu sein, denn in diesem Abschnitt sind mir bislang nur ein einziges Mal die Augen zugefallen. Aber ihr merkt, es sind erst fünf Zeilen und das ist bei weitem noch keine Glanzleistung. Normalerweise könnte man ja sagen: „Was solls, dann schlaf eben einfach eine Runde, irgendwann wirst du schon wieder wach werden!“ Aber so einfach war es leider nicht. Denn kurioser Weise hatte ich nicht das Gefühl, als hätte mein Energielevel auch nur das geringste mit der Menge an Schlaf zu tun, die ich mir gönnte. Oftmals fühle ich mich nach dem Schlaf sogar noch ausgelaugter und Müder als zuvor, gerade, wenn ich lange schlafe. Manchmal verfalle ich nach dem Aufstehen auch in eine Art Delirium, das sich wahrscheinlich mit dem Zustand vergleichen lässt in den man kommt, wenn man unter starken Drogen steht. Ich habe die ganze Zeit über das Gefühl, ich könnte bewusst und aktiv handeln, kann es aber nicht. Ich bin wie in einer Traumblase gefangen aus der ich nicht herauskomme. Das Problem dabei ist, dass ich im Moment einiges an wirklich wichtigen Dingen zu tun hätte, die ich auch wirklich tun will, weil ich ihren Sinn und ihren Nutzten erkennen kann, weil ich sehe, wie wichtig sie sind und weil mir klar ist, dass sie uns alle immer tiefer in die Unabhängigkeit und Freiheit führen werden. Doch anstatt motiviert und voller Elan durchzustarten, tue ich überhaupt nichts mehr. Denn jedes Mal, wenn ich es versuche, fallen mir sofort die Augen zu und ich bin wie betäubt. Es fühlt sich nicht wirklich wie schlafen an, eher wie ohnmächtig werden, oder hypnotisiert werden. Jedes Mal wenn dies passiert, stauen sich Dinge auf, die erledigt werden wollen, aber nicht erledigt werden. Dadurch steigt permanent der Druck und das Gefühl, mir so etwas wie Erholung und Schlaf überhaupt nicht mehr leisten zu können, da ich dadurch ja nur immer noch weiter ins Hintertreffen gerate. Aus diese Weise entsteht ein Teufelskreis, der mich immer tiefer und noch tiefer in die Energielosigkeit und in die Unproduktivität treibt. Für beides verurteile ich mich dann. Ich hasse mich sogar dafür, nicht Herr meiner Sinne sein zu können. Ich hasse mich für die permanente Müdigkeit und dafür, nichts auf die Reihe zu bekommen. Es ist, als würde ich alles sabotieren, was uns und mich selbst auch nur im entferntesten voranbringen könnte. „Irgendetwas stimmt doch mit diesem Kerl nicht, in dessen Haut ich da stecke!“ huscht es immer wieder durch meinen Geist. Dabei ist die ganze Geschichte weder dramatisch noch negativ, wenn man sie aus ein bisschen Distanz betrachtet. Um genau zu sein hatte ich mir ja sogar selbst so etwas in der Richtung gewünscht. Bei unserem letzten Ritual hatte ich die Vorlagen meines Krafttiertattoos verbrannt und meine Krafttiere darum gebeten, mich zu unterstützen ins Erwachen zu kommen. Ich bat sie, mir dabei zu helfen, zu erkennen, wer ich wirklich bin. Erkennen, dass ich das Alles bin und nicht nur dieser unbeholfene Mensch, der meist schon mit den einfachsten Aufgaben überfordert ist und der sich noch immer verhält, wie eine funktionierende (oder inzwischen defekte) Maschine. Es war ja immer klar gewesen, dass ich aus diesem Bereich nicht herauskommen würde, wenn ich keinen Leidensdruck bekam, der mich antrieb. Und wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, man hätte mich auch an keiner besseren Stelle treffen können, als mir die Energie auszusaugen und zu sagen: „Entweder du schaffst es jetzt, zu erkennen, dass du mit der Allenergie verbunden bist und daher niemals energielos sein kannst, oder du wirst vollkommen lahmgelegt.“ Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich den Druck, der so groß wurde, dass ich immer mehr Panik bekam. Ich spürte, wie mir die Zeit und mein Leben durch die Finger rann und ich dabei war, mich selbst umzubringen, einfach nur weil ich nicht erkennen wollte, wie ich mich selbst permanent blockiere und sabotiere. Die Frage war nur: „Warum kann ich nicht einfach loslassen? Warum halte ich so sehr an der Idee fest, ein unbedeutender unfähiger und weinerlicher Junge zu sein, der nichts auf die Reihe bekommt, anstatt das anzuerkennen, was ich eh schon weiß: All dies ist eine Illusion, ein Traum oder besser eine Matrix, die ich mir selbst erschaffen hatte. Faktisch war oder ist mein Problem also kein echter Energiemangel, denn es gibt ja überall immer ausreichend Energie, die mir uneingeschränkt zur Verfügung steht. Das Problem bestand viel mehr darin, dass ich mich ganz bewusst davon abkapsle. Aus irgend einem Grund habe ich sämtlichen Bezug zu mir selbst und zum Rest des Universums verloren. Bislang habe ich vor allem drei Hauptgründe dafür erkannt. Der erste ist mein Hang zur Negativität und zum Schwarzmalen. Alles, was nicht perfekt funktioniert ist schlecht. Aus irgendeinem Grund habe ich es mir zu einer Art Hobby gemacht, permanent über alles zu meckern, zu fluchen und mich zu beschweren. 99% einer Sache sind super und ich schaffe es trotzdem, mich auf das 1% zu konzentrieren und darüber zu meckern. Dies bedeutet natürlich auch, dass ich ständig mehr in mein Leben ziehe, über das ich meckern und und fluchen kann. Je mehr ich mich also darüber aufrege, dass ich müde und energielos bin, desto müder und energieloser werde ich. Der zweite Punkt ist meine Angst davor, was passiert, wenn ich mich selbst wirklich annehme. Heiko beschäftigt sich in letzter Zeit sehr intensiv mit heiliger Sexualität und damit, wie man sich mit einem Partner gemeinsam so unterstützen kann, dass jeder ins Erwachen kommt. Ich selbst habe mich hingegen für den Weg des Eremiten entschieden, was bedeutet, dass ich das, was die beiden über ihre Partnerschaft und ihre Sexualität gewinnen können, mit Hilfe von spiritueller Praxis gewinne. Oder besser: eigentlich gewinnen sollte, denn wie erwähnt klappt es ja leider noch gar nicht. Spirituelle Praxis heißt, sie permanent darin zu üben, sich selbst und alles um einen herum im Gegenwärtigen Augenblick so bewusst wie möglich zu fühlen. Den eigenen Atem zu spüren, den Körper wahrzunehmen und genau zu erkennen, was er wann benötigt und warum. Dies ist nun so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich mein Leben lang versucht habe. Ich war ja bereits immer wieder auf den Schluss gekommen, dass ich Angst vor dem fühlen hatte, Gefühle zuzulassen. Bislang hatte ich jedoch immer gedacht, dass es dabei bloß um Emotionen ging. Aber es war weit mehr. Es ging darum, jede einzelne Zelle seines Körpers bewusst zu spüren und sich seiner selbst vollkommen gewahr zu werden. Dementsprechend steckten natürlich auch noch mehr Ängste dahinter, die ich bislang nicht bewusst wahrgenommen hatte. Da war zunächst die Partner-Thematik. Vom Lebensweg her ist es kein bisschen besser oder schlechter ob man einen Spiegelpartner bzw. eine Spiegelpartnerin an der Seite hat, oder ob man sein eigener Spiegelpartner ist. Alles ist eins, man ist also eh immer jedes Wesen in seinem Leben, egal ob dieses Wesen eine Stimme im eigenen Kopf ist, oder eine äußere Person. Trotzdem gab es einen Teil in mir, der noch immer beleidigt war, weil körperliche Liebesbeziehungen und Sexualität nicht zu meinem Leben gehörten. Ich glaube, es war sogar weniger der Weg selbst der mich störte, als viel mehr das Gefühl, es selber verbockt zu haben. Die Spirituelle Praxis nun anzunehmen und mich vollkommen in ein Leben als Mönch einzufügen, bedeutete also auch, zu akzeptieren, dass der andere Weg für dieses Leben endgültig ausgeschlossen war. Doch stattdessen versuchte ich schon wieder Schlupflöcher zu finden, mit denen ich die Sache umgehen kann. Mein aktueller Lieblingsplan: als Mönch in die Erleuchtung und ins Erwachen zu kommen, so dass ich dann in der Lage bin, alles umzuschreiben um wieder zurückzukehren und es dann noch einmal mit einer Partnerin zu versuchen. Das konnte natürlich nicht klappen, denn zum einen wäre dies nur wieder eine Methode, um ein Ziel zu erreichen, ohne den Weg gegangen zu sein, was ich gerne versuchte, ohne dass es je funktionierte. Und zum anderen Endete der Lebenstraum ja mit dem Erwachen. Man konnte ja nach einem Nachttraum auch nicht noch einmal an dessen Start zurückkehren und alles umschreiben, nur weil man am Morgen gemerkt hat, dass es ein Traum war. Aber da war noch mehr. Ins fühlen zu kommen bedeutete, alles zu fühlen, was ich mir selbst je angetan hatte. Jede Minute in der ich gegen mich selbst gekämpft habe, in der ich mich verbogen, verleugnet oder selbst ausgebeutet hatte. All dies würde spürbar werden. Ich wusste ja, wie ich mich bislang geschlagen hatte und es gab einen guten Grund dafür, warum ich es vermied, mich jemals genauer anzuschauen. Dem musste ich mich nun wohl stellen und dies bedeutete auch meine eigene Dummheit zu erkennen. Zu erkennen, dass ich nie wirklich hilfreich gewesen war und mein eigenes Leben bewusst selbst so unangenehm, leidvoll und schwer gemacht hatte, wie nur irgend möglich Das war meine Angst! Die Angst, in meinen eigenen Abgrund zu blicken. Deswegen suchte ich mir einen Grund es nicht tun zu können und was war dafür besser geeignet, als permanente Energielosigkeit? Seit Tagen hadere ich nun schon mit mir, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Gestern Abend kam ich dann zum ersten Mal auf einen Punkt, den ich als wirklich hilfreich empfand: In gewisser Weise war dieser Energiemangel meine Form von Heikos Tinnitus. Er war mein Mentor um in einen Fokus zu kommen. Meine Aufgabe, mit der ich umzugehen lernen musste. Ich war natürlich grauenhaft schlecht darin, aber nun wurde mir klar, dass es ums lernen ging. Und ich glaube, als Lernaufgabe kann ich es nun langsam annehmen, ohne mich darüber permanent aufregen zu müssen.
 
Spruch des Tages: Was immer mir auch widerfährt, es dient meiner Entwicklung
Höhenmeter 120 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.615,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Kirche, Pellevoisin, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:46:37


Tag 1360: Sommer in Frankreich

Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide

28.-29.08.2017 Die Entscheidung, Irland zeitig zu verlassen und den Rest des Sommers in Frankreich zu verbringen, war definitiv richtig. Wir sind nun eine gute Woche hier, hatten noch kein einziges Mal Regen, Kälte oder Sturm und sind nie später als 15:00 irgendwo angekommen. Heute wurden wir das erste Mal von einem Rathaus abgelehnt und mussten noch einmal 3km weiter ziehen. Aber gleich im nächsten Ort bekamen wir dann einen Platz unter dem Pfarrhaus. Er war nicht schön und so voller Riesenspinnen, dass man sich wunderte, nicht in ein riesiges Netz gesponnen und wie eine Fliege ausgesaugt zu werden, aber es war ein Platz und er erfüllte seinen Zweck. Am Abend bekamen wir dann sogar noch eine Essenslieferung aus dem Rathaus. Sie erinnerte uns daran, warum wir vor einigen Monaten aus dem Land hatten fliehen wollen. Ich sage nur „Dosenfraß vom Feinsten!“ Es war nicht so dass wir keinen Hunger hatten, aber mehr als einen Teller voll brachte keiner von uns herunter. Nicht einmal Nachts war mir danach, obwohl ich normalerweise in meinen Wachphasen im Moment immer wieder Fressflashs bekomme. Zum Glück bekamen wir von einer Familie aus der Nachbarschaft noch 14 Eier geschenkt, mit denen wir ein XXL-Omelette machen konnten. Heute führte uns ein wunderschöner, an einem ruhigen Fluss gelegener Wander- und Fahrradweg nach Sant Lo, der Hauptstadt der Normandie. Früher musste diese Stadt einmal eine beeindruckende Festungsstadt gewesen seien, die als mittelalterliche Burg oben in einer Flussbiegung auf einem Berg thronte. Anhand einiger Ruinen, sowie der alten Burgmauer lässt sich dies noch immer erkennen, auch wenn die Stadt heute nahezu jede Schönheit verloren hat. In den Weltrkiegen wurde ihr Zentrum weitgehend zerbombt, darunter auch die zentrale Kirche. Einige der alten Gebäude hatte man wieder aufgebaut, andere durch modernere, dafür aber leider vollkommen stillose Häuser ersetzt. Bei der Kirche selbst hatte man beides gleichzeitig getan. Ein Teil war noch immer der alte, verschnörkelte Sandsteinbau, aber ein Teil war auch durch schlichte, moderne Wände ersetzt worden, was der Kirche ein äußerst skurriles Aussehen verlieh. Es wirkte, als wäre sie gleichzeitig aus zwei Welten, oder als hätte man in der Mitte ein Stück herausgeschnitten. Dank der Vorankündigung unseres gestrigen Gastgebers bekamen wir auch heute sofort wieder einen Platz zum Schlafen. Besser könnten die äußeren Umstände also kaum sein und doch haben wir noch immer das Gefühl, niemals mit der Zeit hinkommen zu können. Es war nun unmöglich, jemand anderem dafür die Schuld zu geben, denn klarer als jetzt konnte es nicht mehr werden, dass es rein um innere Blockaden geht, die irgendwie aufgelöst werden wollen.
 
Spruch des Tages: Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide falsch (Spruch auf einer Postkarte)
Höhenmeter 90 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.603,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Kommunionssaal der Kirche, Palluau sur Indre

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:44:46


Tag 1359: Gegenseitiges Vertrauen

Es gibt ihn noch, den Glauben an das Gute im Mensc

25.08.2017-27.08.2017 Wenn hier ein Ort klein ist, dann ist er auch unkomplex. Selbst dann, wenn das Rathaus geschlossen hat. Heute brauchten wir nur bei einem beliebigen Anwohner zu fragen, der uns zum Sohn des Bürgermeisters führte. Dieser wiederum fuhr mich kurz zum Haus seines Vaters und der gab uns die Schlüssel für das Rathaus. Hier durften wir dann alles nutzen, den Konferenzsaal, ebenso wie das Sekretatiat incl. Internetzugang. „Naja, ich denke wir können euch ja trauen!“ meinte die Sekretärin nur kurz und drückte uns den Schlüssel in die Hand. Zwei Tage später erlebten wir das gleiche mit einer Privatfamilie. Kurz bevor wir den Ort erreichten, an den wir eigentlich gehen wollten, trafen wir auf ein älteres Pärchen in einer Pferdekutsche. Sie sprachen uns an und wir plauderten ein bisschen, da wir jeweils fasziniert von der Reisemethode der anderen waren. Nur das Pferd langweilte sich und wollte weiter. Schließlich luden uns die Beiden in ein Gästezimmer und ein nicht mehr verwendetes Wohnzimmer in ihrem Haus ein. Kaum hatten wir uns eingerichtet, verschwanden sie auch schon wieder, denn sie hatten eigentlich vor gehabt mit der Kutsche ihren Sohn zu besuchen. Das taten sie nun auch und ließen uns im Haus alleine, ohne auch nur den Gedanken daran, dass wir etwas klauen oder kaputt machen könnten. Es gab also doch noch so etwas wie vertrauen und es war schön zu sehen, wie frei und leicht es einen Menschen machte. Ihr Haus war vollgefüllt mit allem möglichen Gerümpel von dem nichts einen echten Wert hatte, aber sie fühlten sich hier wohl. Anders als in so vielen Luxusvillen in Großbritannien spürte man hier Leben. Die Leute waren einfach gerne hier und aufgrund der eigenen Zufriedenheit gab es keinerlei Misstrauen anderen gegenüber. Als sie schließlich zurück kamen, schauten sie kurz bei uns vorbei, fragten, ob alles gut sei und gingen dann wieder eigenen Tätigkeiten nach um uns den unseren zu überlassen. Gestern war es ähnlich entspannt. Wir bekamen einen Kommunionsunterrichtsraum vom Pfarrer und waren den Rest des Tages für uns. Es war ein schäbiger Raum, so wie wir es von diesen Räumen gewohnt waren, aber wir mussten feststellen, dass wir es sogar ein bisschen vermisst hatten. Irgendwie hatten sie immer ihren ganz eigenen Charme, mit den halbfertigen Bildern an der Wand, den kaputten Schränken und dem Spielzeug, das irgendwo in einer Ecke herum lag. Gerade wo wir nun so viel Zeit geschenkt bekamen, war es umso ärgerlicher, dass ich sie im Moment aufgrund meiner Müdigkeit nur so schlecht, oder besser überhaupt nicht nutzen konnte.
 
Spruch des Tages: Es gibt ihn noch, den Glauben an das Gute im Menschen.
Höhenmeter 120 m
Tagesetappe: 11 km
Gesamtstrecke: 25.589,27 km
Wetter: regnerisch, kühl
Etappenziel: Kommunionssaal der Kirche, Châtillon sur Indre, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:43:31


Tag 1358: Müdigkeitensyndrom

Man kann doch nicht ständig so Müde sein...

24.08.2017 In letzter Zeit werde ich immer wieder von spontanen Müdigkeitsattacken heimgesucht. Ich bin hell wach und plötzlich von einer Sekunde auf die andere Schlafe ich ein. Manchmal nur für eine Sekunde, manchmal auch für fünf oder zehn Minuten. Meist wenn ich am Computer sitze oder wenn wir mit Leuten zusammen am Tisch sitzen und quatschen, ohne dabei etwas zu Essen. Wenn ich etwas Esse, dann passiert es nicht. Vor ein Paar Tagen bin ich nach einer Pause sogar eingeschlafen während ich mir die Schuhe angezogen habe. Mitten in der Bewegung. Bin ich ein Schlaf-Handler? Heute Nacht war es ähnlich. Ich hatte mir eigentlich einen Wecker gestellt, oder besser gesagt sogar zwei. Danach hatte ich das Handy auf meinen Nachttisch gelegt und bin eingeschlafen. Heute in der Früh wachte ich stunden nach dem Weckerklingeln auf ohne dass ich nur einen einzigen Laut bewusst wahrgenommen hatte. Doch anstatt auf dem Nachttisch lag das Handy nun in meinem Bett. Ich musste es also genommen und zwei Mal hintereinander ausgeschaltet haben, ohne es auch nur im Ansatz mitbekommen zu haben. Langsam wurde die Sache etwas unheimlich. Es schien, als hätte ich phasenweise keinerlei Kontrolle mehr über das was ich tue oder nicht tue. Mein erster Gedanke beim Aufwachen war: „Mal sehen wie viel Zeit ich noch habe, bevor der Wecker klingelt. Als ich dann danach greifen wollte, war ich vollkommen verwirrt, warum es nicht auf dem Nachttisch lag. Um es im Dunkeln überhaupt zu finden, musste ich mich von der Steckdose aus mit der Hand am Kabel entlang tasten. Das fühlte sich auf jeden Fall nicht so an, als hätte ich etwas im Dämmerzustand getan, sondern viel mehr, als wäre es zu 100% ohne meine Anwesenheit geschehen. So als ob ich Schlafgehandelt hätte und nun vor dem Ergebnis meines Tuns stand, ohne zu wissen, wie es geschehen war. Seelenrisse – Wo und wie verliere ich meine Energie? Bei Darrel hatten wir damals etwas über Seelenrisse und Seelenfragmata gehört, also Schäden in unserem Energiesystem, durch das die Energie einfach raus lief und verschwand. Genau so fühlte es sich bei mir nun an. Es war nicht das Gefühl, unausgeschlafen zu sein, weil ich mir einen neuen Schlafrhtythmus antrainiert hatte und daher nun weniger schlief als zuvor. Viel mehr hatte ich das Gefühl, auch 7 Tage durchschlafen zu können, ohne dadurch nur ein bisschen munterer oder wacher zu werden. Es fühlte sich an, wie bei Heikos Computer, als er den Akkuschaden hatte. Egal wie viel Energie man auch hinein pumpte, nach wenigen Minuten war sie aufgebraucht und man versank in den Ruhezustand. Ein Hauptpunkt zu diesem Thema schien ein Problem mit meinem Beckenboden zu sein. Die Bedeutung dieses Muskelareals war mir bislang nie bewusst gewesen, doch offensichtlich hatte ich damit schon seit langem Probleme. Der Beckenboden ist auf energetischer Ebene der Kelch des Lebens, also eine Art Schale, in der sich unsere Lebensenergie wie auch unsere Gefühle sammeln. Ein schlaffer Beckenboden führt zu Mattheit, Energielosigkeit, Konzentrationsschwäche, fehlender Körperspannung, fehlendem Gleichgewicht und vielen mehr. Bei Frauen ist es außerdem die Ursache für ein Absinken der Gebärmutter und wenn der Beckenboden zu sehr erschlafft ist außerdem Inkontinenz sowohl in Bezug auf die Blase als auch auf den Darm die Folge. Mehr über den Beckenboden findet ihr im Artikel „Beckenboden“ Müdigkeit als erste Folge des Frei-Seins Auf der energetischen Ebene habe ich bis vor Kurzem noch an den Marionettenfäden meiner Mutter gehangen, die ich nun nach und nach durchtrenne. Der Nebeneffekt, der sich daraus ergibt, ist jedoch, dass ich nun erst einmal meine gesamte Körperspannung verliere. Wie jede Marionette, die man abschneidet sinke ich erst einmal in mich zusammen, da ich ja nie gelernt habe, auf eigenen Füßen zu stehen. Dazu gehört auch die Spannung in meinem Beckenboden, die ich nicht halten kann und durch die nun eine energetische Öffnung entsteht, die all meine Lebensenergie hinausfließen lässt. Daher versuche ich nun schon seit ein paar Tagen, meinen Beckenboden zu trainieren, bislang offenbar leider nur mit mäßigem Erfolg, denn wirklich fitter geworden bin ich noch nicht und die Energie fließt noch immer aus mir heraus wie sie es will. Dadurch werde ich nun natürlich auch wieder unachtsamer gegenüber Fremdsteuerungen, was den Kontrollverlust nur noch mehr steigert. Nach der heutigen Austestung kam heraus, dass ich nun wieder überhaupt keine Kontrolle mehr über meinen Schlafzyklus habe. Meine Mutter, oder die Kraft in mir, die ich ihr zuschreibe, kann mich nun herumschubsen wie sie es will, mich einschlafen oder aufwachen lassen, so wie es ihr gerade passt. Ich kann es nicht verhindern und nicht beeinflussen. Doch genau das gilt es nun zu ändern. Bislang habe ich immer wieder Rituale gemacht oder mich mit Heilungen versucht, die hätten funktionieren sollen, bei denen es aber auch keinen direkten Nachteil gab, wenn es nicht klappte. Es blieb dann eben alles beim Alten, was zwar nicht gut war, aber ja auch nicht neu. Nun spüre ich zum ersten Mal einen echten Druck. Brauch eine Heilung die Funktioniert, sonst rinnt mit die Lebensenergie davon und ich kann überhaupt nichts mehr machen. Leider habe ich noch keine wirklich bahnbrechende Idee. Irgendwie muss ich lernen, die Kontrolle über mich zu übernehmen, und das von Grund auf und zwar in letzter Konsequenz und fein säuberlich, nicht husch husch, wie sonst. Das Gute ist, dass ich mich dieses Mal wirklich darauf einlassen kann, ohne Angst zu haben, dadurch etwas zu vernachlässigen. Denn noch ineffektiver als jetzt kann ich nicht mehr werden.
 
Spruch des Tages: Man kann doch nicht ständig so Müde sein...
Höhenmeter 120 m
Tagesetappe: 26 km
Gesamtstrecke: 25.578,27 km
Wetter: Wetter gemischt aber überwiegend trocken
Etappenziel: Umkleidekabine der Sporthalle, Bridoré, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:41:56


Tag 1357:

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:41:55


Tag 1356: Auf dem Greenway von Cherbourg nach Mont Sant Michelle

Trink nicht alles, was auf dem Tisch steht.

22.08.2017 Sonderbare Nachbarn Eine kleine Merkwürdigkeit gab es gestern in unserer Pension dann doch noch. Die Damen aus dem Rathaus hatten uns bereits darauf hingewiesen, dass unsere Nachbarin von gegenüber einige geistige Probleme hatte und dass wir sie aus diesem Grund besser nicht ansprechen sollten. Was es genau war erfuhren wir nicht und wir bekamen sie auch nur einmal kurz zu Gesicht, doch irgendetwas an ihr schien tatsächlich sehr merkwürdig zu sein. Nachdem wir für die Lokalzeitung interviewt wurden und sich die Reporterin wieder auf den Weg machte, meinte sie beim öffnen der Tür: „Oha, in eurem Treppenhaus riecht es aber streng!“ Das war sogar noch etwas untertrieben, es stank geradezu nach einem penetranten und nicht unbekannten Geruch, den wir jedoch nicht gleich einordnen können. Auf der Treppe waren mehrere dunkle Flecken zu erkennen und Heiko vermutete für einen Moment, dass es sich dabei um Hundescheiße handeln könnte. Tatsächlich wirkte es bei genauerer Betrachtung jedoch eher wie trockenes Blut vermengt mit irgendeiner Art von Schleim. Jetzt erkannten wir auch, woher wir den Geruch kannten. Es war Aasgeruch. Es roch nach verfaultem, verwesendem Fleisch. Die Leiche im Treppenhaus Der Geruch begann unten im Eingangsbereich und verbreitete sich über das ganze Treppenhaus, doch am intensivsten war er vor der Tür unserer Nachbarin. Irgendetwas totes hatte sie also vor kurzem mit nach Hause gebracht, denn zuvor war der Geruch noch nicht da gewesen. Wir vermuteten, dass sie ein totes Tier gefunden und mitgenommen hatte, das wahrscheinlich schon lange irgendwo herum lag. Ein Menschenopfer konnten wir uns weniger vorstellen, aber wir waren auch nicht allzu erpicht darauf, das herauszufinden. In Momenten wie diesen waren wir dann doch wieder froh, dass wir nur eine einzige Nacht hier verbrachten. Dadurch konnte man die Dinge etwas lockerer sehen und da unsere Eingangstür eine sehr gute Geruchsbarriere darstellte, sahen wir in der Situation kein allzu großes Problem. Unterwegs auf dem Greenway Die Wanderung heute war eine der schönsten die wir in diesem Jahr überhaupt erlebt haben. Mit Verlassen unseres Übrnachtungsortes gelangten wir auf den Greenway, also einen europäischen Fernradweg, der Cherbourg mit Mont Saint Michelle verband. Die Route war großartig gelegt und führte zunächst auf schmalen und komplett unbefahrenen Sträßchen durch kleine Wälder, Wiesen und Felder. Zum ersten Mal seit Monaten gab es wieder eine echte Harmonie. Die Vögel sangen und schrien nicht. Blätter raschelten sanft anstatt laut zu rauschen und außer den Geräuschen der Natur hörte man für lange Zeit überhaupt nichts. An einigen Stellen war der Weg etwas irreführend ausgeschildert und einige der Zeichen waren hinter Büschen oder auf der Rückseite von Zäunen versteckt. Aber abgesehen davon bekam der Weg von uns die volle Punktzahl. Hier mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs zu sein war ein wahres Vergnügen. Dabei waren die Erbauer des Weges auf alle Bedürfnisse von Radfahrern und Wanderern eingegangen. Es gab Picknickplätze an schönen Orten mit Tischen, Bänken Mülleimern und sogar Wasserhähnen, es gab ruhige, gut ausgebaute Wege, eine durchgängige Beschilderung und nur wenige echte Aufstiege. Auf diese Weise konnte man stundenlang vor sich hin wandern ohne dem je überdrüssig zu werden. In der zweiten Hälfte des Weges führte die Route dann auf eine stillgelegte Bahnstrecke, die sich fast spiegel-eben durch das ansonsten hügelige Land schlängelte. So in der Art wird der Weg nun bis hinunter nach Mont Sain Michelle führen und dort auf ähnliche Wege stoßen. Wie der weitere Verlauf ist, können wir natürlich noch nicht sagen, aber den Anfang können wir schon einmal wärmstens empfehlen. Im Zisterzienser-Kloster Unser Etappenziel war dieses Mal wieder ein Zisterzienser-Kloster, das etwas abseits vom Weg lag. Wir wurden hier ähnlich unkomplex empfangen wie bei dem letzten Zisterzienser-Kloster in Irland und hatten nach einer kurzen Einführung den restlichen Tag vollkommen für uns alleine. Auch hier wurden wir mit Essen versorgt, wobei es dieses Mal bedeutend besser war, als bei den Brüdern in Irland. Es gab sogar frisches Obst und eine Auswahl an französischem Käse. Man konnte es nicht leugnen, das Leben hier war einfach ein anderes. Lediglich der Apfelsaft war eine Enttäuschung. Eisgekühlt mit saftigen Äpfeln auf dem Etikett stand er vor uns und gab ein erfrischendes Zischen von sich als Heiko ihn öffnete. Sofort dachten wir an den frischen, gespritzten Apfelsaft, den wir in Österreich immer wieder bekommen hatten. Heiko goss ein und leerte das erste Glas zur Hälfte mit nur einem Zug. „Ahhhh!“ machte er in der Erwartung von köstlich spritzigem Apfelsaft, und dann „Urgh!“ als der Geschmack die Erwartung überlagerte und er erkannte, was er da wirklich vor sich hatte. Es war ein Sidre. Also ein gespritzter Apfelwein mit 5% Alkohol. „Oh mein Gott, was ist denn das?“ prustete er, „das ist ja schrecklich!“ Wie kann man den armen Äpfeln nur so etwas antun?“ Da mein Glas ebenfalls voll war und es keine Blumenvase gab, um es heimlich zu entsorgen, kostete ich auch einen Schluck. Es war tatsächlich widerlich! Bitter, vergoren, fad im Abgang. Man schmeckte mit jeder Zelle der Zunge heraus, dass dies ein verwesendes Getränk war. Warum machen wir so etwas? Nein im Ernst, wenn man wirklich einmal genau hin schmeckt, dann ist es unmöglich, dass jemand diesen Geschmack mögen kann. Vor allem nicht, wenn man echten, gespritzen Apfelsaft kennt. Beim Wein ist es ja nichts anderes. Die frischen Trauben gehören zu den köstlichsten Dingen, die unsere Natur zu bieten hat und wenn man einen Saft daraus macht, könnte man sich hineinlegen und nie wieder aufstehen. Wir aber machen Wein daraus, was nichts anderes bedeutet, als dass wir die Trauben kaputt gehen lassen, bis sie halb in Verfall und Verwesung übergehen um dann den verdorbenen Saft zu trinken. Passiert das gleiche, was mit den Weintrauben passiert mit einer Majonäse, werfen wir sie weg und sagen, sie sei giftig. Bei Obst hingegen freuen wir uns und verkaufen das ganze als Spezialität. Dabei bekommt man die gleichen Symptome, wie wenn man verdorbene Majonäse ist. Einem wird schlecht und etwas schwindelig, und wenn man Pech hat bekommt man Durchfall oder muss sich übergeben. Bei dem einen ist das ein Grund, ins Krankenhaus zu fahren, beim anderen nennt man es Party. Und da sag noch einer wir Menschen seien rationale Wesen.
 
Spruch des Tages: Trink nicht alles, was auf dem Tisch steht.
Höhenmeter 60 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.536,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Städtisches Gästehaus, Sepmes, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:38:20


Tag 1355: Wie zuhause!

Frankreich, wir haben dich vermisst!

21.08.2017 Waow, ist es schön wieder hier zu sein! Dieses mal fühlt es sich wirklich ein bisschen wie nach Hause kommen an. Trotz der Wolken war es milder und angenehmer, die Straßen waren ruhiger und, die Landschaft freie und irgendwie heimeliger. Wir brauchten fast den ganzen Vormittag, um Cherbourg hinter uns zu lassen und doch hatten wir nicht das Gefühl, inmitten einer Großstadt zu sein. Kleine Schleichwege führten mitten durch einen Wald in einer Schlucht entlang, in der Man glaubte, irgendwo weit außerhalb unserer Zivilisation zu sein. Einige einsame, urige Häuschen standen am Straßenrand und luden gerade zu ein, hier ein Aussteigerleben zu führen. Und das mitten in der Stadt! Kaum hatten wir das obere Ende der Schlucht erreicht, befanden wir uns in einem gewaltigen Einkaufskomplex, in dem es nahezu jeden Laden gab, den man sich nur vorstellen konnte. Allein vier oder fünf Schuhgeschäfte waren vertreten, dazu zwei Elektronikläden, zwei Supermärkte, ein Haustiergroßfachhandel, drei Baumärkte, ein Gartencenter und vieles mehr. Und trotz allem war es uns möglich, mitten hier hindurch zu gehen, ohne komplett wahnsinnig zu werden. Wer hätte gedacht, dass so etwas möglich sein könnte? Kurz vor zwölf erreichten wir einen Ort namens Brix, wo wir ganz gemütlich in das Rathaus gingen, unser Projekt vorstellten und kurz darauf ein eigenes Apartment auf der anderen Seite des Friedhofs beziehen durften. Zwei der Damen Mitarbeiterinnen kamen kurz darauf mit einer Einkaufstüte voller Lebensmittel vorbei, die die Größe einer Ikea-Tasche hatte. Damit waren wir mehr als nur ausreichend versorgt und das nicht etwa mit Dosenbohnen und Toastbrot, sondern mit frischem Gemüse, knusprigem Baguette, Orangensaft, Obst und vielen mehr. Darunter natürlich auch eine Menge Süßkram, aber das lag daran, dass wir vergessen hatten darauf hinzuweisen, dass wir eigentlich keinen Zucker wollten. Später am Nachmittag kam eine weitere Rathausmitarbeiterin zu Besuch, die uns für einen Artikel in der Lokalzeitung interviewte. Unser Französisch war nach der langen Zeit nun noch grauenhafter als es ohnehin schon war, aber sie schien damit zurecht zu kommen und dennoch einen Großteil zu verstehen. Plötzlich hatten wir wieder Zeit, um entspannt zu arbeiten und Energie zu tanken, um wirklich an Themen dran zu bleiben, um kleine Pausen zu machen, um Routinen einzuhalten und um immer wieder ans Fenster zu treten und die gigantische Aussicht über das Land zu genießen. Nun schien sogar die Sonne und tauchte alles in ein friedlich, freundliches Licht. So hatten wir uns das Reisen vorgestellt. Nicht dass unsere Zeit in Großbritannien und Irland schlecht gewesen wäre, das keineswegs! Aber es war doch etwas anderes, entspannt reisen zu können, oder sich in einem permanenten Grundstress zu befinden. Die Englischsprachigen Länder waren eine ereignisreiche, aufwühlende und bewegende Zeit gewesen, nun ist wieder die Phase der Erholung und der Regeneration dran. Und auch wenn Frankreich nicht immer eitel-Sonnenschein sein wird, es bereitet uns doch zumindest einen schönen, warmen Empfang!
 
Spruch des Tages: Frankreich, wir haben dich vermisst!
Höhenmeter 60 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.536,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Städtisches Gästehaus, Sepmes, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:36:04


Tag 1354: Sehenswürdigkeiten in Cherbourg

Frankreich, wir haben dich vermisst!

20.09.2017 Kaum etwas hatte uns je in unserem Leben so froh gemacht, wie der Umstand, dass wir die Fähre verlassen und wieder auf festen, nicht vibrierenden Boden treten durften. Frankreich empfing uns mit geschlossener Wolkendecke aber warmen Temperaturen und auch wenn der Hafen selbst noch nicht allzu einladend aussah, freuten wir uns doch wieder hier zu sein. Es war absolut faszinierend! Cherbourg war definitiv alles andere als eine schöne Stadt. Es war, verglichen mit vielen anderen sogar eine durchaus hässliche Stadt, so wie es von einer großen Hafenstadt ja auch zu erwarten gewesen war. Und dennoch war es um ein hundertfaches angenehmer, hier an der Hauptstraße entlang in die Innenstadt zu laufen, als in Großbritannien auf irgendeiner Nebenstraße durch eine X-beliebige Kleinstadt gehen zu müssen. Allein der Asphalt machte einen so großen Unterschied aus, dass man es kaum in Worte fassen kann. Und das war noch nicht alles. Es gab hier eine Fußgängerzone und einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem nahezu keine Autos fuhren. Die Geschäfte lagen an kleinen Gassen in der Innenstadt verstreut und nicht aneinander gereiht zu beiden Seiten der Hauptstraße. Auch hier waren viele Häuser schäbig, verfallen und heruntergekommen aber trotzdem hatten sie ihren Charme und einen besonderen Stil. Der Unterschied bestand darin, dass die Menschen hier eine gewisse Liebe zum Detail hatten. Die Stadt als ganzes war hässlich, keine Frage, aber man fand überall kleine Akzente, die einen sofort wieder versöhnlich stimmten. Hier eine kunstvolle Fassade, dort ein schönes Bild an der Wand, da ein paar bunte Blumen. Irgendwie steckte leben in der Stadt und man spürte, dass die Menschen versuchten, das beste aus ihrer Situation zu machen. Und das funktionierte, denn auf diese Weise entstanden immer wieder kleine Oasen, in denen man sich wirklich gut aufhalten konnte. In denen man Teilweise sogar vergaß, dass man sich im Hafenviertel einer Großstadt befand. Vor unserer Überfahrt hatten wir bereits eine Verabredung mit dem örtlichen Pfarrer getroffen, der uns die Nacht über bei sich aufnehmen wollte. Das Pfarrhaus befand sich gute zwei Kilometer außerhalb in einem Vorort und als wir dort eintrafen kam Pater John-Philipp gerade mit einer Tüte vom Einkaufen zurück. Ursprünglich war das Pfarrhaus nur als Gemeindezentrum gedacht gewesen, doch heute lebten drei Pfarrer in den Gebäuden, weshalb sich die Gemeinschaftssäle mit den Privatgemächern mischten. Wir setzen uns ins Wohnzimmer, während John-Philipp mit dem kochen begann. Auch das war noch einmal ein großer Unterschied. Es gab kein Fastfood, sondern frisch zubereitetes Gemüse mit Reis und Lammfleisch. Den Nachmittag verbrachten wir zur Hälfte mit einer Sight-Seeing-Tour durch die Innenstadt und zur anderen Hälfte damit, uns zu erholen und liegengebliebene Arbeiten aufzuholen. Erst jetzt spürte ich das laute Dröhnen in meinem Kopf, in dem noch immer die Schiffsmotoren nachhallten.
 
Spruch des Tages: Frankreich, wir haben dich vermisst!
Höhenmeter 135 m
Tagesetappe: 11km
Gesamtstrecke: 25.522,27 km
Wetter: überwiegend sonnig
Etappenziel: Gemeindesaal, Nouâtre, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:35:04


Tag 1353: Weltweite Armut

Die einen haben kein Geld, die anderen können nich

Zwei Arten von Armut Noch etwas fiel uns auf. Wir hatten vor einiger Zeit, als wir noch in Südeuropa waren die Theorie aufgestellt, dass man aus irgendeinem Grund dafür sorgte, dass ein Land umso Ärmer sein musste, je reicher seine Natur war. Auffällig war ja dabei, dass gerade die Länder arm waren, in denen die meiste Nahrung wuchs und in denen man am lockersten auch ohne Geld würde leben können. Das fing bei Spanien an und ging über Rumänien, Bulgarien und Albanien bis hin zu Afrika und Indien. Indien ist ein hervorragendes Beispiel, den hier werden teilweise bis zu drei oder vier Fruchtfolgen im Jahr angebaut, wo bei uns gerade mal eine möglich ist. Und trotzdem leiden hier mehr Menschen an Hunger als wir uns überhaupt vorstellen können. Länder, in denen man nahezu nichts anbauen kann, wie hier in Großbritannien und Irland, sind hingegen die reichsten Länder der Welt. Zumindest was das Geld anbelangt. Was uns bislang jedoch nicht klar war ist, dass diese Länder auf eine andere Art und Weise genauso arm gehalten werden, wie die Dritte-Welt-Länder. Es ist subtiler und findet auf eine Weise statt, die uns nicht bewusst ist, aber es ist genauso dramatisch. So wie in den Südländern eine Verknappung an Geld erzeugt wird, erzeugt man hier eine Verknappung an Nahrung. Letztlich gibt es in der heutigen Welt keinen Grund mehr, warum man hier nicht ebenso leicht an frisches Obst und Gemüse gelangen sollte, wie im Süden. Wir sind in der Lage, Waren innerhalb von 48 Stunden einmal komplett um die Welt zu transportieren und egal ob dies nun sinnvoll ist oder nicht, wir machen es auch ständig. Krabben beispielsweise werden in der Nordsee geangelt, dann nach Holland zu einem Logistik-Unternehmen verschifft, anschließend nach Marokko gefahren, da dort die billigsten Arbeiter zum Pulen zu finden sind und am Ende fährt man sie den ganzen Weg zurück, um sie direkt an der Deutschen Nordseeküste an einem Krabbenstand zu verkaufen. Dieser vollkommen sinnlose Aufwand ist für uns kein Problem, aber bei frischem Obst und Gemüse soll es plötzlich nicht möglich sein? Auch hier ist es ja nicht so, als würden wir diese Lebensmittel nicht um die halbe Welt fahren. Äpfel zum Beispiel kommen hier in der Regel aus Neuseeland, obwohl sie auch direkt in Großbritannien angebaut werden. Doch all dies funktioniert angeblich nur, wenn die Waren grün geerntet werden und dann unter Schutzatmosphäre nachreifen. Warum? Weil der Transport angeblich zu lange dauert, so dass reifes Obst und Gemüse kaputt gehen würde. Wenn aber ein LKW von Spanien nach England doch nur zwei Tage braucht und das Gemüse später bis zu einer Woche im Laden und bei uns zuhause herum liegt, muss man sich doch fragen, ob dieses Argument wirklich gültig ist. Oder wird hier vielleicht ganz bewusst darauf geachtet, dass die Lebensmittelqualität besonders niedrig ist? Denn auffällig ist ja, dass ein Land umso stärker in der Fastfood-Kultur verhaftet ist, desto mehr Geld es hat. Je Reicher ein Land also an finanziellen Mitteln ist, desto ärmer ist es an Lebensmitteln. In Indien hungern die Menschen offensichtlich, weil sie keine Nahrung abbekommen und daher deutlich erkennbare Symptome von Mangelernährung zeigen. Hier hungern sie jedoch ebenfalls, nur merkt man es nicht, weil sie mit vollem Magen hungern. Die Masse an Nahrung reicht hier aus, doch ist sie leer und tot. Nährstoffe, Vitamine, Energie und Spurenelemente enthält sie so gut wie keine mehr, wodurch auch hier die Menschen deutlich Zeichen einer Mangelernährung zeigen. Aber weil sie dabei fett sind, merken wir es nicht. Preisvergleich – So unterschiedlich ist der Wert unseres Geldes Wir selbst verließen den Laden mit ziemlich genau 16€ weniger in der Tasche, ohne dabei das Gefühl gehabt zu haben, dass wir irgendetwas gekauft haben. Nicht einmal Wurst und Käse hatten wir uns gegönnt, da dieses jeweils ab vier Euro aufwärts ging. Alles in allem besaßen wir nun etwas Brot und Baguette, ein Glas Erdnusbutter, zwei kleine Fertigsalate, die heruntergesetzt waren, weil morgen ihr Verfallsdatum ablief, zwei große Flaschen Wasser, eine Knoblauchbutter, eine Tütte Tortilla-Chips und ein paar Bananen. Das war alles und damit lagen wir bei 16€. Ist das nicht Wahnsinn? Noch wahnsinniger war allerdings, dass wir im Restaurant nebenan je einen Becher Suppe und etwas Brot mit Butter bekamen, die fast ebenso viel gekostet hätten, wenn wir sie hätten zahlen müssen. Das wir sie bekommen haben ist natürlich super, aber dass man regulär knapp 7€ für einen Becher zahlen musste, das sprengte schon einige Grenzen finde ich. Überlegt euch mal. Wenn man dies jeden Tag tun würde, läge man damit im Monat bei 210€. Das sind 20€ mehr, als ich damals für meine Studentenbude gezahlt habe. Klar war es ein schäbiges Loch, da will ich nichts gegen sagen, aber es ist doch heftig zu sehen, dass man für das gleiche Geld entweder ein Obdach mit Vollmöblierung, Warmwasser, Heizung, Internet und Strom inklusive haben kann, oder einen kleinen Teebecher voll Suppe.
 
Spruch des Tages: Die einen haben kein Geld, die anderen können nichts kaufen. Das nennt man wohl ausgleichende Ungerechtigkeit.
Höhenmeter 765 m
Tagesetappe: 11km
Gesamtstrecke: 25.499,27 km
Wetter: erst Regen, dann sonnig warm
Etappenziel: Pilgerherberge, L'Ile Bouchard, Frankreich
11km, 65hm, erst Regen, dann sonnig warm, Christliche Jugendherberge, Chézelles

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:33:34


Tag 1352: Fährfahrt von Rosslare nach Cherbourg

Diese Seefahrt war mal alles andere als Lustig...

Die Fährfahrt beginnt. Mit unserem kleinen aber kostbaren Schatz im Gepäck machten wir uns nun auf zum Hafen, wo unsere Fähre bereits bereit stand. Besonders vertrauenerweckend wirkte sie nicht gerade. Irgendwo hatten wir gelesen, dass Rosslare auch einer der Häfen gewesen war, an dem die Titanic anlegte, bevor sie ihre schicksalshafte Fahrt nach Amerika antrat. Dieses Schiff hier sah aus, als wäre es aus der gleichen Zeit, nur bei weitem nicht so luxuriös und solide gebaut. Während wir auf unser Ticket warteten, kamen allerlei skurrile Gestalten an uns vorbei, darunter auch eine Pfadfindergruppe, die mit Fahnen und Trompeten aus einem Bus stieg und sich dann über den Hafenterminal verteilte. Einer von ihnen sah sonderlicher aus als der nächste, bis hin zu einem Jungen, der ohne erkennbaren Grund weiße Samthandschuhe trug. Da waren sie also, die Eliteschüler aus den englischen Internaten, bereits für einen Sommeraustausch mit ihren französischen Kollegen. Ich muss sagen, so ein klein wenig beunruhigend war es schon, sich vorzustellen, dass dies die neue Elite werden würde, die in ein paar Jahren unsere Welt beherrschen würden. Aber es erkläre auch ein bisschen, warum die Dinge in unserer Gesellschaft liefen, wie sie liefen. Eine Viertelstunde später begann die längste und grauenhafteste Fährfahrt unseres Lebens. Die Details darüber haben wir noch einmal separiert im Testbericht über die „Stena Horizon“ zusammengestellt. Hier daher nur ein paar kurze Sätze dazu. Die Kabine, die wir extra gebucht hatten, damit wir unsere Ruhe haben, lag genau über dem Maschinenraum und war somit der lauteste Platz, den man auf dem Schiff finden konnte. Abgesehen vom Maschinenraum selbst natürlich. Hinzu kam, dass Boden und Wände wie ein Presslufthammer vibrierten und dass etwa jede Stunde eine laute und übersteuerte Durchsage gemacht wurde, die einen jedes Mal wieder aus dem hart erkämpften Schlaf riss. Dass ich in dieser Nacht überhaupt ein Auge zubrachte, lag vor allem daran, dass ich im Moment eine Dauermüdigkeit in mir trage, die dazu führt, dass ich fast permanent unter allen Bedingungen einschlafe. Erholsam war dieser Schlaf aber trotzdem nicht. Heiko Trick war da um einiges besser. Ihm gelang es, sich in einer Meditation in eine Kindheitserinnerung zurückzuversetzen, in der er mit seinen Eltern im Auto in den Urlaub gefahren ist. Dadurch setzte sein Geist neue Verknüpfungspunkte und drosselte den Lärm der Schiffsmotoren in seiner Wahrnehmung aus das brummen des Automotors von früher. Auch die Vribrationen sanken auf den Level, den das Auto verursacht hatte und zu denen er sogar einen positiven Bezug hatte. Der Effekt war gigantisch. Trotz der widrigen Umstände schlief Heiko so entspannt und seelenruhig wie damals als Kind, als ihn das sanfte Brummen der Urlaubsfahrt in den Schlaf wiegte.
 
Spruch des Tages: Diese Seefahrt war mal alles andere als Lustig...
Höhenmeter 65 m
Tagesetappe: 12km
Gesamtstrecke: 25.511,27 km
Wetter: erst Regen, dann sonnig warm
Etappenziel: Christliche Jugendherberge, Chézelles, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:30:40


Tag 1351: Lebensstil-Kontrolle durch Lebensmittelpreise

Der Preis macht die Musik...

Im Supermarkt wären uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als wir die Preise sahen. Mit einem Schlag verstanden wir auch, warum es so schwer war, in diesem Land Nahrungsspenden von den Privatpersonen zu bekommen. Sie mochten hier vielleicht Geld haben, aber Nahrung kaufen konnten sie damit nicht. Wenn wir an einem Haus gefragt haben und darauf lediglich ein oder zwei Bananen bekommen haben, dann war uns dies im Vergleich zu anderen Ländern geizig vorgekommen. Rein vom finanziellen Aufwand her hatten uns die Menschen hier mit ihren Bananen aber oft mehr oder zumindest genauso viel gegeben, wie die Menschen in Frankreich mit einem halben Gericht. Es war auch nicht so, dass es hier kein anständiges Brot gab, es war nur einfach vollkommen unerschwinglich. Für rund 2€ bekam man eines der ekehaften Toastbrote. Ein Baguette mit halbem Gewicht lag beim gleichen Preis. Für ein echtes Brot zahlte man hingegen locker 4-5€, ohne dabei in die gehobene Preisklasse vorgedrungen zu sein. Obst und Gemüse war sogar noch teurer und außerdem meist in einem erbärmlichen Zustand. Die meisten Möhren hatten jetzt schon Schimmelflecken und wurden noch regulär verkauft. Erschwinglich waren vom Preis wie von der Haltbarkeit an sich nur die Fertig- und Dosenprodukte, was wiederum erklärte, warum man sich hier ausschließlich davon ernährte. Dabei fiel uns eine Beobachtung wieder ein, die wir bereits mehrere Male gemacht hatten. Das Toastbrot, das man hier kaufen konnte wurde grundsätzlich genau einen Tag nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum schimmlig. Nicht einen Tag zuvor und nicht zwei Tage danach, sondern genau einen. Wie funktionierte das? Wir hatten stets unterschiedliches Brot dabei und es herrschten immer wieder neue Bedingungen. Manchmal bewahrten wir es fest verschlossen in mehreren Tüten auf, manchmal lag es einfach oben auf dem Wagen. Manchmal regnete es fast durchgängig, manchmal war es trocken, manchmal warm und manchmal kalt. Und trotzdem sah dieses Kunstbrot bis zur letzten Sekunde stets genau gleich aus. Es war egal, ob man es frisch gekauft oder schon ein paar Tage mit sich herumgetragen hatte. Es wurde nicht trocken oder hart sondern blieb immer genau gleich. So lange, bis das Verfallsdatum ablief. Am Vortag war es noch zu 100% in Ordnung und dann zeigten sich plötzlich überall grüne Schimmelflecken, ganz so, als hätte man es vorprogrammiert. Man konnte seine Uhr danach stellen. Mit rechten Dingen ging das sicher nicht zu. Wenn ihr mich fragt, dann wurde hier ganz gezielt nachgeholfen, genau wie bei technischen Geräten mit der künstlichen Obsoleszenz. Denn anders als bei unserem Brot, das nach ein paar Tagen ungenießbar wird, könnte man dieses hier sonst ewig weiterverwenden und das soll natürlich nicht sein.
 
Spruch des Tages: Der Preis macht die Musik...
Höhenmeter 765 m
Tagesetappe: 11km
Gesamtstrecke: 25.499,27 km
Wetter: erst Regen, dann sonnig warm
Etappenziel: Pilgerherberge, L´ille-Bouchard, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:28:32


Tag 1350: Our Ladys Island – Unsere letzte Sehenswürdigkeit in Irland

Wir fahr´n heut übers Meer, übers Meer...

19.08.2017 Heute war es dann soweit. Unser letzter Tag auf den Inseln war gekommen und vor uns lag die längste Fährfahrt unseres bisherigen Lebens. Wir verabschiedeten uns von Pater John und machten uns auf jenen Pilgerweg, der bald einmal das Finale von Johns neuer Pilgerroute bilden sollte. Ziel war die Halbinsel mit dem klangvollen Namen „Our Lady´s Island“ - „Die Insel unserer Herrin“ Der erste Teil der Strecke war tatsächlich ein schöner Pilgerweg. Er war abgeschieden, und führte auf kleinen Sträßchen durch ein ruhiges Hinterland. Kurz vor seinem Ende hatten wir eine kurze und etwas unwirkliche Begegnung mit einer jungen Frau, die aus dem Auto sprang, und eine Wasserflasche schenkte, den restlichen Weg beschrieb und wieder verschwand. Von ihrem ganzen Auftreten, ihrer Art und ihrer inneren, wie äußeren Erscheinung, schien sie wie eine Art Werbeträger für ein ruhiges, sesshaftes Leben auf dem Land am Meer zu sein. Heiko kam es so vor, als wollte sie sagen: „Schau mal, ist es nicht doch besser, eine ganz normale Beziehung hier im idyllischen Süden von Irland zu führen, mit allen Sicherheiten, mit einem schönen, ruhigen Hof in entspannter, ruhiger Atmosphäre und mit einer adretten, hübschen Frau ohne Extravaganzen?“ „Wieso habe ich nur das Gefühl,“ meinte Heiko später, „dass uns hier alles ein schlechtes Gewissen machen will? So als wollte uns gerade alles verunsichern und in eine andere Richtung verführen, obwohl wir uns doch längst entschieden haben.“ Tatsächlich geschah auch dies nicht umsonst, denn es bildete die Grundlage für eine wichtige Inspiration, die Heiko einige Tage später in den Grundstock für ein neues Buch einfließen lassen konnte. Wir folgten der Beschreibung der jungen Frau und bogen in die letzte Straße nach „Our Lady´s Island“ ein. Zu unserer Überraschung war diese Straße nun plötzlich voll befahren und ganz und gar nicht mehr schön. Auch das Pilgerziel selbst war mehr als nur enttäuschend. Es gab nichts weiter zu sehen, als eine flache, grüne Wiese, die von drei Seiten von einem See umgeben war, und auf der die letzten Reste einer Burgruine standen. Zu sehen waren lediglich noch ein paar Mauerreste und ein verfallener Turm. Das alles war nicht hässlich, aber es rechtfertigte auch den Andrang nicht, der hier herrschte und vor allem nicht den Verkehr. Der Hafen von Rosslare Zwei Kilometer weiter wurde es wieder Ruhig, als wäre nichts gewesen. Von hier aus waren es nun nur noch 7km bis zum Hafen von Rosslare. Das schöne war, dass man fast bis zur Fähre gehen konnte, ohne dabei eine Hauptstraße nutzen zu müssen. Leider nur fast, denn das letzte Stück des Weges war durch ein paar große Tore versperrt worden. Wenn man die Dinge hier nicht kompliziert machen konnte, war man eben nicht glücklich. Rosslare-Harbour war eine eher niedliche Kleinstadt. Nicht schön natürlich, wo käme man denn dahin, aber durchaus winzig. Es gab nur eine einzige Straße, die direkt zur Fähre führte und an der ein einzelnes Einkaufszentrum lag. Da wir leider noch keine Nahrungsvorräte hatten auftreiben können, mussten wir nun doch die 16€ Opfern, die wir von Pater John zu diesem Zweck bekommen hatten und ganz normal im Supermarkt einkaufen.
 
Spruch des Tages: Wir fahr´n heut übers Meer, übers Meer...
Höhenmeter 70 m
Tagesetappe: 10km
Gesamtstrecke: 25.488,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Winzige Wohnung eines Theologiestudenten, Chinon, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:24:28


Tag 1349: Irische Jakobswege

Langsam sind wir wieder reif für das Festland.

18.08.2017 Reif für das Festland Heute ist unser letzter Tag in Irland, bevor es zur Fähre geht und wir auf unseren Kontinent zurückkehren. Die Zeit auf den Britisch-Irischen-Inseln war gut und ich möchte sie um keinen Preis der Welt missen. Aber wird sind auch froh, sie nun wieder verlassen und einer entspannteren, ruhigeren und gemäßigteren Zeit entgegen gehen zu können. Es war eine der anstrengendsten Phasen unserer Reise und ich schätze, es war wohl auch die Phase, die mich am meisten in meine Wut gebracht hat. Ich könnte mich noch immer viele Stunden lang über so viele Dinge aufregen, aber keine Angst, ich werde es nicht tun. Jedenfalls nicht hier. Ich verstehe ja, wofür alles da ist und ich weiß, dass es darum geht zu lernen, die Dinge so anzunehmen wie sie sind und zu erkennen, dass alles gut ist. Hier gibt es offenbar noch viel Lernpotential. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits für unsere Ankunft in Frankreich einen Schlafplatz im Pfarrhaus haben und uns somit keine Gedanken über eine verwirrende Platzsuche in einer großen Hafenstadt machen müssen. Wir können also wirklich aufatmen, wenn wir die Fähre erreicht haben und ganz in Ruhe dem guten alten Festland entgegenschippern. Jakobswege in Irland Unser heutiger Gastgeber, empfing uns mit weitaus mehr Begeisterung als der letzte, was unter anderem an seinem großen Interesse am Pilgern lag. Er war gerade dabei, einen neuen Pilgerweg quer durch Irland auszuarbeiten, der alle wichtigen, heiligen Plätze miteinander verbindet. Er beginnt im Nordwesten und endet an einem Platz mit dem Namen „Our Lady Island“. Es ist jener Pilgerort, an den auch die Pfarrer aus New Ross und Horeswood pilgerten, als wir sie vor ein paar Tagen besuchten. Vielleicht werden wir der Insel morgen auch noch einen kurzen Besuch abstatten, denn sie liegt fast auf unserem Weg nach Rosslare Harbour und bis zur Fähre haben wir ja noch ein bisschen Zeit. Wir gaben Pater John den Tipp, Kontakt mit der Jakobsgeselschaft aufzunehmen und seinem Pilgerweg am Ende einen kleinen Schlenker von 7km hinzuzufügen. Denn wenn er dies tat und ihn nicht auf Our Lady Island sondern im Hafen von Rosslare enden ließ, dann hatte er eine direkte Verbindung nach Frankreich, oder besser gesagt nach Cherbourg. Von dort aus führte dann ein Pilgerweg über Le Mont Sant Michelle bis nach Sant Jean Piet de Port. Der kleine Schlenker und die offizielle Zusammenarbeit mit der Jakobsgesellschaft würden aus dem lokalen Irischen Pilgerweg also einen neuen Jakobsweg machen, der den Nordwesten Irlands direkt mit Santiago de Compostela verband. Was dies für seine Popularität ausmachen würde war kaum abzuschätzen. Und wer weiß, wenn es normal wurde, dass auch in Irland Menschen zu Fuß gehen und von einem heiligen Ort zum nächsten pilgern, wenn es normal wurde, dass es auch außerhalb der Touristenregionen fremde gab, die einfach für einen oder zwei Tage vorbei schauten, dann würden die Iren vielleicht auch einen Teil ihrer Angst verlieren, würden ihre Skepsis abbauen und vielleicht sogar so etwas wie eine Gastfreundschaft gewinnen, die zukünftigen Wanderern wie auch ihnen selbst, das Leben bedeutend erleichtern würde. Das Beste kommt zum Schluss In Sachen Arbeitsproduktivität war auch der heutige Tag mal wieder eine Katastrophe, aber daran hatten wir uns ja nun bereits gewöhnt. Stattdessen wurde es jedoch in anderer Hinsicht ein recht spannender Tag. Alles, was heute passierte wirkte ein bisschen so, als wollte es uns noch einmal ein schlechtes Gewissen machen. So als wollte es sagen: „Ihr seit doch zu schnell über diese Insel gehuscht, denn dadurch habt ihr nun alles schöne verpasst!“ Es begann mit den Erzählungen von John über seinen neu geplanten Jakobsweg und die vielen schönen Pilgerziele, an denen er vorbei führen sollte. Hier ein Kloster, da ein Schloss, dort ein anderer historisch bedeutsamer Ort. Mit einem Mal hatte man den Eindruck, als wimmelte es in Irland nur so vor Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen durfte, wenn man jemals wieder Freude in seinem Leben erfahren wollte. Dann führte uns Pater John selbst noch zu einigen sehenswerten Orten in der Umgebung. Zum Mittagessen fuhren wir in das Café eines alten Schlosses, nahe seiner Heimatstadt. Hier saßen wir mit einigen Pfauen im Außenbereich, bis es zu regnen begann und wir weiter getrieben wurden. Als Pater John ein Kind war, hatte er hier mit seinen Freunden im Park gespielt. Heute war alles streng geordnet und man musste für jeden Schritt Eintritt zahlen. Allein die Genehmigung in den Park zu fahren, so dass man nur in das Café gelangen konnte, kostete den Pfarrer bereit 12€. Drei kleine belegte Brötchen für uns alle zusammen noch einmal 18€ und wenn wir das Museum ebenfalls noch hätten ansehen wollen, wären weitere 15€ fällig geworden. Das Schloss selbst war schön aber bereits seit Jahrzehnten ungenutzt und bestand nur noch aus einer Fassade. Auf seine Art wirkte es ein bisschen wie ein trauriges Symbol für diese Gegenden. Einst ein stolzes Königreich war nun nur noch die leere, tote Hülle übrig und mit der machte man mehr Geld, als man sich vorstellen konnte. Zum Abendessen unternahmen wir dann noch einmal einen weiteren Ausflug. Dieses Mal führte uns unser Gastgeber in eine kleine Hafenstadt, in der er noch eine Hochzeit vorbereiten musste. Wir nutzten diese Zeit, um schon einmal Fisch and Chips für uns drei zu bestellen, uns ein Eis zu besorgen und eine Runde durch den Hafen zu drehen. Es war so windig, dass es uns ein paar Mal fast ins Wasser geworfen hätte und mit Gemütlichkeit oder Genuss hatte das alles wenig zu tun. Aber trotzdem hatte dieser Platz etwas spezielles. Er wirkte ein bisschen wie aus einer anderen Welt, die uns sagen wollte: „Schaut, das wäre das richtige Irland gewesen, das ihr hättet sehen können, aber leider verpasst habt!“ Natürlich war dies eine Lüge, denn bereits hier merkte man, dass man unmöglich entlang der Küste wandern konnte. Dies war der Bereich, von dem der Pfarrer gesagt hatte, dass er keinen Tourismus abbekam und doch erschien uns bereits das viel zu viel zu sein. Wie dann erst die Touristenregionen aussehen mochten, wagten wir uns nicht einmal vorzustellen. Und auch hier spürte man, wie viel letztlich doch wieder nur Fassade war. Von Weitem sahen die Rieddachhäuser bezaubernd aus, aber aus der Nähe sah man, dass ihr Lack schon vor Ewigkeiten abgeblättert war. Dennoch durften wir einige magische Momente erleben, in denen sich der Nebel weit über das offene Hügelland legte und in der die letzten Sonnenstrahlen auf den schroff hereinfallenden Wellen tanzten. Wir holten unsere Fastfoodtüten ab und fuhren mit dem Auto auf einen Parkplatz oberhalb der Dünen, von dem aus wir beim Essen einen herrlichen Blick über die Bucht hatten. Sie war menschenleer und die Wellen rauschten im Halbkreis vom Meer hinein. Draußen wurde einem der Kopf weggeblasen, aber hier im Auto war es angenehm. Neben uns parkte ein zweiter Wagen, aus dem ein junger Mann stieg, der sich in einen Neoprenanzug zwängte und sich dann sein Surfboard schnappte. „Sind das nicht großartige Wellen?!“ rief er uns zu und lief Richtung Meer. „In Irland ist es etwas anders, als in anderen Ländern!“ erklärte uns der Pfarrer, „Hier tut man Dinge einfach wenn man sie tut! Würde man auf passendes Wetter warten, würde man niemals irgendetwas machen!
 
Spruch des Tages: Langsam sind wir wieder reif für das Festland.
Höhenmeter 90 m
Tagesetappe: 26km
Gesamtstrecke: 25.478,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Gemeindesaal der Kirche, Savigny-en-Véron, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:23:02


Tag 1348: Irische Traditionen

Zahnarzttag

16.08.2017 Zum Abschluss unserer Zeit auf der Insel haben wir noch einmal die wichtigsten, irischen Traditionen erleben dürfen. Es begann mit traditionell irischem Wetter, das uns von der Früh an begleitete und noch immer vor unserem Fenster wütet. Die Rede ist hier natürlich von Regen. Aber dieses mal war es der stärkste und fieseste, den wir seit unserer Ankunft auf den Britisch-Irischen Inseln hatten. Ein starker Wind schlug uns die Tropfen direkt ins Gesicht, so dass man immer wieder das Gefühl bekam, sie wollten einem die Augen ausstechen. Trotz Regenmantel war meine Robe am Ende so nass, dass ich fast einen Liter aus ihr heraus wringen konnte. Dafür wurden wir dann bei Pater Gerry jedoch mit einem traditionellen Mittagessen empfangen. Es nannte sich Bacon and Cabbich und bestand aus Kartoffeln, Kohl und einer Art Kesselfleisch. Zu unserem großen Glück waren wir nämlich genau an dem einen Tag in der Woche gekommen, an dem Gerrys Haushälterin kam, die auch die Küche übernahm. Man muss sagen, wenn hier alles so gut gewesen wäre, hätten wir mit der Nahrungsmittelaufnahme keine Probleme bekommen. 17.08.2017 Zahnarzttag Falls es bislang noch irgendeinen Zweifel daran gab, dass der Zustand der Zähne vor allem von der Ernährungsweise abhängt, haben wir nun den Beweis dafür. Seit dreieinhalb Jahren kümmern wir uns nun selbst um unsere Zahnpflege und führen (mehr oder weniger) regelmäßig eine Zahnsteinentfernung durch. Als wir letztes Jahr durch Osteuropa reisten lag fast ein ganzes Jahr zwischen zwei Terminen und trotzdem gab es beim zweiten Mal kaum etwas zu beanstanden. Dieses Mal haben wir die letzte Zahnreinigung zu Beginn unserer Zeit in England gemacht und heute erneut, kaum ein viertel Jahr später. Trotzdem waren die Zähne so übersät mit Zahnbelag, dass man es sich kaum vorstellen konnte. Teilweise musste ich regelrechte Sprengungen vornehmen, um überhaupt noch durchzukommen. Bei dem immensen Zucker- und Weizenkonsum ist das natürlich auch kein Wunder. Küstenchaos Nach Süden hin waren es nun nur noch 6km, nach Westen 30km zur Küste. Die Nähe reichte aus, um auch hier weder für das Übliche Chaos, zu sorgen, das man an Küsten in der Regel findet. Selbst auf den kleinen Nebenstraßen herrschte plötzlich vier mal so viel Verkehr, wie sonst und versaute uns unsere Tour. Etwa vier Kilometer vor dem Ziel wurden wir von einem Auto angehalten, als wir gerade eine Hauptstraße hinter uns gelassen hatten. Wie sich herausstellte war der Fahrer unser potentieller Gastgeber. Er hatte einen Anruf bekommen, dass er spontan in ein Krankenhaus fahren musste, um einem Verstorbenen dort die letzte Salbung zu geben. Hätte er uns nicht hier auf dem Weg getroffen, hätten wir bis zum späten Nachmittag vor verschlossener Tür gestanden. Seine erste Idee war nun, dass wir entlang der Hauptstraße zu ihm wandern sollten, um Zeit zu sparen. Eine Hauptstraße, die er selbst als „Hochzone für tödliche Unfälle“ bezeichnete, da sie extrem stark befahren, schmal und kurvenreich war und die Menschen auf ihr rasten, sie die Teufel. Unter anderem auch deshalb, weil sie wie unser Pfarrer, stets das Gefühl hatten in extremer Eile zu sein. Letztlich war der Streckenabschnitt dann glücklicher Weise aber doch so lang, dass auch diese Variante ausfiel, Weshalb mich der Pater kurz nach hause fuhr um einen Zweitschlüssel zu holen und uns dann in Ruhe weiterwandern ließ.
 
Spruch des Tages: Zahnarzttag
Höhenmeter 130 m
Tagesetappe: 27km
Gesamtstrecke: 25.452,27 km
Wetter: sonnig, angenehm, leichter Wind
Etappenziel: Hotel L'oree Des Bois, La-Breille-les-Pins, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:21:53


Tag 1347: Saunatag

Rasieren in der Sauna verboten!

15.08.2017 Irland hat wirklich zwei Gesichter! So hart und unwirtlich es auf der einen Seite ist und so oft es uns auch in die Weißglut treibt, so sehr zeigt es sich dann wieder versöhnlich. Gestern beispielsweise hatten wir nach dem langen, anstrengenden und äußerst nervigen Tag ein ganzes Kloster für uns alleine, konnten ungestört in der Küche kochen, die Waschmaschine nutzen und es uns gut gehen lassen. Heute lag dann wieder eine 33km Wanderung vor uns, jedoch mit dem Unterschied, das von Anfang an klar war, wo wir ankommen würden und dass dort bereits ein Platz auf uns wartete. Bis auf einen kleinen Schauer war es trocken, sonnig und freundlich und die Gegend war so abgeschieden und ländlich, dass wir insgesamt sogar ganze fünf Menschen wandern oder Fahrrad fahren gesehen haben. Das war mehr als bislang in ganz Irland. So etwas wie einen ruhigen Platz ohne Straßenlärm, Hundegebell, Kettensägen oder ähnliches gab es natürlich trotzdem nicht, aber das wäre hier wohl auch zu viel erwartet. Dennoch konnten wir drei Pausen machen und in einer davon sogar einige Minuten dösen. In einer zweiten reparierten wir unsere Wagen und ölten die Bremsen neu, so dass sie wieder richtig griffen, Dabei kam auch einiges an Fett an unsere Griffe, das wir gerne mit einem Tuch weggewischt hätten. Leider hatten wir keines und so fragten wir einen vorbeifahrenden Autofahrer. Er durchsuchte sein Handschuhfach und sämtliche Ablagen, stellte aber fest, dass er auch keines besaß. Halb so schlimm, dachten wir, nutzten etwas Gras und Moos für die Reinigung und hakten das Thema damit ab. Für den Mann war es aber noch ganz und gar nicht abgehakt, denn er dachte permanent darüber nach, wie er uns doch noch helfen könnte. Wenige Minuten später hielt er noch einmal neben uns an, hatte aber noch immer kein Taschentuch. „Wartet da unten ein paar Minuten an der Straße!“ sagte er, „Ich komm dann gleich noch einmal wieder und bringe euch ein Taschentuch!“ Es war echt lieb, wie bemüht der Mann war, aber leider deutete er auf eine Ecke, die von einer Kettensäge, einem Traktor und einem Hund um die Wette terrorisiert wurde. Ein paar Minuten versuchten wir dennoch auf ihn zu warten, doch dann dauerte es einfach zu lange und der Preis wurde zu hoch für ein Taschentuch. Auch das ist etwas, das man hier lernen muss: Was die Leute hier tun, ist die Sache der Leute, und nicht die von einem selbst. Es ist nett, uns ein Taschentuch schenken zu wollen, aber es ginge zu weit, sich deshalb verpflichtet zu fühlen, stundenlang an einem Ort auf jemanden zu warten, der vielleicht kommt, vielleicht aber auch nicht. Irgendwo muss man einem Taschentuch schon auch den Wert geben, den es hat und der liegt sicher nicht über dem des eigenen Wohlbefindens. Unser Zielort für heute trug den Namen New Ross und war eine beeindruckend unästhetische Stadt am Rande eines Flusses. Der Grund, warum wir ausgerechnet hier her kamen und nicht in einen schöneren Ort wanderten war der, dass man besagten Fluss nur an einer einzigen Stelle überqueren konnte. Nämlich hier. Die letzten drei Kilometer spürte man den Einfluss der großen Stadt bereits deutlich und wir gerieten zudem noch in den Feierabendverkehr. Schließlich lag das Zentrum vor uns, lediglich verdeckt von einigen alten verlassenen und halb verfallenen Fabrikhallen. Wer hätte gedacht, dass es einmal Orte geben würde, neben denen Städte wie Sarajevo geradezu gemütlich wirkten? Gut, dass wir uns hier nicht lange aufhalten mussten, sondern bereits eine feste Adresse und eine feste Verabredung hatten. An der Hauptkirche trafen wir uns mit Pater Tom, der uns ins Pfarrhaus führte, in dem er gemeinsam mit Pater Richard und Pater John lebte. Pater Richard kam wenige Minuten später nach hause und machte sich gleich daran, seine Sachen für eine Pilgerreise zu organisieren, die er morgen starten würde. Gemeinsam mit einer Gruppe aus seiner Pfarrgemeinde wanderte er gerade in 6 Jahresabchnitten von Saint Jean Piet de Port nach Santiago. Dieses Jahr war die vorletzte Etappe an der Reihe und morgen ging der Flug dafür von Dublin aus fliegen. Trotz der Vorbereitungen ließ er es sich aber trotzdem nicht nehmen, auch heute seiner täglichen Schwimm- und Sauna Routine nachzugehen und er lud uns ein, ihn dabei zu begleiten. Da ließen wir uns natürlich nicht zwei Mal bitten und schon standen wir wenige Minuten später im örtlichen Schwimmbad, bereit für die Enstpannungseinheit des Tages. Es war das fünfte Mal auf unserer Reise, dass wir in die Sauna gehen konnten. Auf gewisse Weise ähneln sich die Wellnessbereiche öffentlicher Schwimmbäder überall in Europa sehr stark. Meist gibt es eine oder zwei Saunen, ein Dampfbad, einen oder mehrere Whirlpools und ein paar warme und kalte Duschen. So war es auch hier und doch war dieser Saunabereich so ganz anders, als man es bei uns von einem Saunabereich erwarten würde. Bei und und wahrscheinlich auch nirgendwo sonst auf der Welt, käme man beispielsweise auf die Idee, einen Fernseher in den Zwischenbereich zu hängen und dort ein Fußballspiel zu übertragen. Ins Café nebenan, meinetwegen, aber definitiv nicht in den Wellnessbereich, der hier sogar „Gesundheitsbereich“ genannt wurde. Einen Ruheraum gab es nicht, dafür aber immerhin eine einzige Bank und einen Wasserspender. Das beste waren jedoch die Schilder, die groß und deutlich neben den Eingängen zur normalen Trockensauna und zur Dampfsauna hingen: „Das Rasieren in der Sauna ist verboten!“ Ich dachte erst, dass „Shaving“ vielleicht noch eine andere Bedeutung hatte, oder dass es sich dabei um eine Art Witz handelte, den wir nicht richtig verstanden. Doch Pater Roger bestätigte uns, dass diese Schilder genau das waren, wonach sie aussahen. Und vor allem, dass es tatsächlich nötig war, sie hier aufzustellen. „Es gibt einige ethnische Gruppen“, erklärte er, „für die es tatsächlich ganz normal ist, sich an solchen Orten zu rasieren und die dies auch immer wieder tun.“ Heiko und ich staunten. Wir hatten ja schon viel verrücktes gehört und gesehen, aber das jemand wirklich auf die Idee kam, sich in einer Sauna rasieren zu wollen? Im Whirlpool ok und vielleicht noch in der Dampfsauna. Aber warum sollte man dazu denn in eine normale Sauna gehen? Es gab hier ja nicht einmal Wasser, abgesehen vom eigenen Schweiß. Neugierig geworden fragten wir, um was für exotische „ethnische Gruppen“ es sich dabei wohl handeln würde. „Unterschiedliche!“ sagte Roger, „aber vor allem Iren!“ Die Sauna selbst hatte auch ihre Eigenheiten, mit denen wir erst einmal zurecht kommen mussten. So war es zum Beispiel verboten Wasser auf den Saunaofen zu gießen, was so etwas wie einen Saunaaufguss natürlich etwas schwierig gestaltete. Roger war sogar überrascht, dass wir auf diese Idee kamen, da es sich ja um eine Trockensauna handelte. Offenbar war die ganze Tradition finnischer Saunakultur noch nicht bis hier her vorgedrungen. Ebenso sonderbar war, dass man kein Handtuch mit in die Sauna nehmen sollte. Es war nicht explizit verboten, aber eben auch nicht erwünscht, oder gar gefordert. In Ungarn wurde ich vor ein paar Jahren einmal fast aus einer Sauna hinausgeworfen, weil mein Fuß halb neben meinem Handtuch stand. Und hier setzte sich jeder mit seinem Schweißtriefenden Hintern einfach auf die nackte Bank und es war vollkommen in Ordnung. Ich finde, dies zeigt noch einmal, dass wir mit unserer Bakterienangst vollkommen auf dem falschen Dampfer sind. Wenn wir wirklich durch Infektionen krank werden könnten, müsste jeder Saunabesucher im Anschluss tot umfallen. Wir blieben etwa eine Dreiviertelstunde, was für einen Saunabesuch nicht übermäßig lang ist, in diesem Fall aber vollkommen ausreichte. Der einzige Ort, an dem man tatsächlich entspannen konnte, war die Sauna selbst und in der hielt man es eben nicht ewig aus. Spannend war aber, dass in der Zeit in der wir dort waren gerade einmal fünf Personen die Sauna nutzten. Drei davon waren Pater Roger, Heiko und ich. Wenn man bedenkt, dass dies das einzige Schwimmbad mit Termalbereich im Umkreis von gut 200km ist, ist das eher mal niedlich. Wir wurden einfach die Frage nicht los, wie es sein kann, dass es in einem so nasskalten Land wie Irland keine Saunakultur gab. Wie funktioniert so etwas, dass es in Finnland, Schweden und Norwegen kaum jemanden gibt, der nicht seine eigene Sauna oder wenigstens einen Zuber im Garten hat, während man hier nicht einmal weiß, wie eine Saunazelebration überhaupt aussieht? Überhaupt ist es ein Rätsel, dass es hier trotz all der Ungemütlichkeit nichts gibt, mit dem man es sich gemütlich machen kann. Nahezu niemand hat eine Badewanne und auch Kaminöfen waren eher selten. Selbst die Duschen waren größtenteils so konstruiert, dass man sie nicht richtig genießen konnte, weil sie entweder das Geräusch eines Elektrogenerators von sich gaben, sobald man sie einschaltete, weil der Wasserdruck dem eines Niselregens entsprach oder weil das Wasser einfach nicht warm werden wollte. Als wir uns auf den Weg zum Ausgang machten, fand im großen Schwimmerbecken gerade die Wassergymnastik mit den großen Schwimmnudeln statt. Vor dem Becken stand eine junge Frau mit der gleichen Nudel, die die Rentnerinnen im Wasser anleitete. Als wir jedoch an ihr vorüber gingen, geschahen zwei Sachen gleichzeitig, die beide zur Folge hatten, dass die Damen im Wasser nur noch bedröppelt herumstehen konnten. Zum einen konnte die junge Frau nicht mehr mit dem Starren aufhören, als sie uns sah und begann sofort, uns mit ihren Blicken auszuziehen. Zum anderen war ihr plötzlich die Wassergymnastik die sie hier anleitete so peinlich, dass sie nicht weiter machen konnte. Sie klammerte sich an ihre Schwimmnudel und bewegte sich keinen Millimeter mehr, bis wir in der Umkleide verschwanden.
 
Spruch des Tages: Rasieren in der Sauna verboten!
Höhenmeter. 130 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.425,27 km
Wetter: sonnig, angenehm, leichter Wind
Etappenziel: Festsaal der Stadt, Cuon, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:20:35


Tag 1346: Zwischen Wut und Liebe

Poliertes Messing ist besser an die Leute zu bring

14.08.2017 Dieses Land stellt mich gerade wirklich vor eine meiner größten Herausforderungen. Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, aber es gibt einfach so unendlich viele Dinge, die mich hier ununterbrochen wütend machen. Ich glaube ich habe von keinem Land bisher einen so schlechten Eindruck gehabt wie von diesem. Wenn ich ein Rating machen müsste, mit den schönsten, angenehmsten und bereisenswertesten Ländern Europas, Irland käme mit weitem Abstand an letzter Stelle. Ich kann nicht verstehen, wieso es heißt, die Iren wären so ein freundliches und offenes Volk. In meinen Augen sind sie die wohl am wenigsten angenehmen, hilfreichen und freundlichen Menschen der Welt. Nur weil jeder „How ya do-in?“ also „Wie gehtsn?“ statt „Hallo!“ sagt, wenn man begrüßt wird, hat das noch nichts mit Freundlichkeit zu tun. Es ist ja eine reine Floskel und niemanden interessiert, wie es einem wirklich geht. Ich finde, das allein zeigt schon viel zur Grundhaltung der Leute hier. Am Morgen haben wir eine junge Deutsche getroffen, die seit einem knappen Jahr hier als Freiwillige in einer Behinderteneinrichtung arbeitet. Sie war zu höflich, um es gleich zu sagen, hatte aber über die Monate ein sehr ähnliches Bild bekommen. Am meisten störte sie die offenbar vollkommen fehlende Fähigkeit zur Selbstreflexion. „Es ist nicht so, als wären sie schlecht darin!“ meinte sie, „es ist, als käme die Idee dazu nicht einmal in ihrem Geist vor!“ Ich kann gar nicht genau sagen was es alles ist, das mich stört, weil es so viele Kleinigkeiten sind. Dieses Grundablehnende, dieses ständige angestarrt werden als sei man ein Verbrecher, die permanente Scheinhöflichkeit. Eine Sache zum Beispiels ist, dass man immer wieder bewusst Dinge angeboten bekommt, von denen von vorn herein klar ist, dass man sie niemals annehmen kann. Wie oft Menschen neben uns anhalten und fragen, ob sie uns mitnehmen können, obwohl sie winzige Autos haben. Es ist schwer zu beschreiben, denn es gab Länder, in denen das wirklich nett gemeint war. Hier hat man aber immer nur den Eindruck, dass es ihnen darum geht, einen Grund zu finden, um einen anzuquatschen, ohne in Gefahr zu geraten wirklich etwas dafür tun zu müssen. Es gibt selten die Frage: „Kann ich euch irgendwie helfen?“ oder „Braucht ihr irgendwas?“ sondern meist ganz gezielt die Frage nach etwas, von dem man genau weiß, dass es nicht gebraucht wird. „Habt ihr euch verlaufen?“ ist beispielsweise so eine beliebte Frage, die aber nicht kommt, wenn man verloren aussieht, sondern, wenn man gerade gemütlich irgendwo sitzt und Picknick macht oder wenn man es geschafft hat, einer Hauptstraße auszuweichen und endlich irgendwo ist, wo man es zumindest ein bisschen ruhiger und schöner hat. Es geht einfach nicht darum, jemandem Hilfe anzubieten, sondern darum, jemandem ein Gespräch aufzudrängen von dem man der Meinung ist, dass er hier nichts verloren hat. Ich glaube das ist es, was mich so stört, das Gefühl, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen wer man ist, nur weil man hier zu Fuß geht. Und das alles so komplex sein muss, dass man nicht einfach irgendwo hingehen kann, ankommt und einen Platz hat, sondern jeden Tag 10 Telefonate führen, von einem Ort zum nächsten und zurück laufen muss, das jeder erst einmal überredet werden will, einem überhaupt nur zuzuhören, das alles voll von Verbotsschildern und Kameras ist, die einem permanent das Gefühl geben, Gefangener in einem Hochsicherheitsgefängnis zu sein, dass es hier nichts gemütliches gibt, man ständig nass geregnet wird und dazu nichts einmal etwas anständiges zum Essen bekommt. Und vor allem, dieses Gefühl, festgehalten zu werden und niemals auch nur ein Stück voranzukommen. Dabei ist es so schade, dass sich gerade jetzt zum Ende unserer Zeit auf den Inseln diese Negativeindrücke so häufen. Denn es war ja keine schlechte Zeit und wir haben eine Menge geniale Dinge erlebt. Es fühlt sich einfach gerade an, als sollte uns jetzt am Ende noch einmal alles so richtig vermiest werden. Auf der anderen Seite weiß ich aber natürlich auch, dass all dies nicht von Irland, sondern von mir ausgeht. Es ist mein Spiegel. Es ist die Reflexion dessen, was in mir los ist. Alles was mich im Außen nervt und wütend macht, sind Anteile von mir, die ich ablehne und je mehr ich darüber verbittere, desto schlimmer muss es natürlich werden.Gerade deshalb ist es so wichtig, den Fokus eben nicht auf dieses unangenehme zu legen. Es gibt ja jeden Tag aufs Neue immer mindestens genauso viel Positives. Ich meine, trotz allem, haben wir noch kein einziges Mal keinen Schlafplatz bekommen, mussten kein einziges Mal hungern, haben immer wieder auch nette Menschen getroffen, die uns großzügig unterstützt oder einfach nur mit einer freundlichen Begegnung aufgemuntert haben und hatten trotz der Regenreichheit dieses Landes immer wieder Sonnenstunden. Ich bin es ja, der entscheidet, dass er sich mehr vom Unangenehmen annerven als vom angenehmen begeistern lässt. Das wurde heute auch noch einmal deutlich, als mich Heiko nach dem Telefonat mit einem Pfarrer etwas coachte. So sehr wie mir am Anfang der Sinn für´s Verkaufen gefehlt hatte, so sehr versteifte ich mich nun darauf, wodurch nur noch mein eigener Vorteil präsent war, es mir aber nicht mehr darum ging, herauszufinden, was der andere gerade benötigt. Gerade diese enorme Skepsis und die Grundablehnung der Menschen sind ja eine Chance um wirklich etwas zu lernen. Jemandem etwas zu verkaufen, von dem er eh schon begeistert ist, ist keine Kunst, aber zu erkennen, was er wirklich braucht um Ja sagen zu können, die Kontrolle über das Gespräch zu übernehmen und ihn behutsam aber sicher genau dorthin zu führen, wo er sich öffnen kann, so dass ein Austausch zum gegenseitigen Vorteil stattfinden kann, das erfordert Können. Ich habe mich ja immer wieder gefragt, wie ich Selbstkontrolle erlernen kann und genau hier liegt eine der größten Chancen, wenn alles eins ist und somit alles Ich bin, dann ist jede Form der Kontrolle, eine Form der Selbstkontrolle. Ganz offensichtlich ist nun die Zeit, um das Steuer wirklich in die Hand zu nehmen und das Gefühl, ein unbeteiligter Spielball der äußeren Umstände zu sein, hinter mir zu lassen.
 
Spruch des Tages:Poliertes Messing ist besser an die Leute zu bringen als stumpfes Gold. (Philip Dormer Stanhope Lord Chesterfieldk)
Höhenmeter. 80 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.397,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Corzé, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:18:40


Tag 1345: Entspannen und Genießen

Relax! Take it Easy!

12.08.2017 Heute war seit langem endlich mal wieder ein entspannter Tag. Er verlief an sich so, wie normalerweise unsere Tage fast immer verliefen, aber weil es so lange schon nicht mehr vorgekommen ist, fühlt es sich fast ein bisschen nach Urlaub an. Wir kamen in der Früh relativ pünktlich los, wanderten gute 18km auf kleinen Nebenstraßen durch Wälder, Heideflächen und Moore, kamen um 13:20 Uhr entspannt an unserem Ziel an und wurden hier bereits vom Pfarrer erwartet. Pünktlich um 14:00 Uhr konnte ich meinen Mittagsschlaf machen, der in der letzten Zeit mit viel Glück zwischen 18:00 und 20:00 Uhr stattgefunden hatte, oder oft sogar ganz ausfallen musste. Nun haben wir eine ganze Weile Zeit für uns alleine, um in Ruhe zu arbeiten und gegen 15:00 grillt uns der Pfarrer ein paar saftige Steaks mit Salat und Pellkartoffeln. So entspannt kann es doch auch gehen! 13.08.2017 Was das Genießen anbelangt schien unser Gastgeber eine einzigartige Ausnahme in diesem Land zu sein. Er liebte es zu kochen, sah das Leben entspannt, ging gerne Golfen und ließ sich von nichts und niemandem stressen. Der Konsens bei den Iren im Allgemeinen sah hingegen etwas anders aus, was gerade jetzt durch die lange Trockenperiode deutlich wurde. Normalerweise war das Wetter immer grauenhaft, so dass man es gut vor sich rechtfertigen konnte, keine Gelegenheit für Genuss zu haben. Wenn es doch einmal sonnig und warm war, dann rannte man nach draußen um sie sonnigen Stunden mit Rasenmähen, Zaun streichen, Hecken schneiden, Auto waschen oder Unkraut jäten zu verbringen. Normalerweise reichte dies aus, um die wenigen Sonnenstunden tot zu schlagen, so dass man anschließend guten Gewissens zurück ins Haus gehen und sich nach Herzenslust über den ständigen Regen ärgern konnte. Nun aber war es bereits seit Tagen trocken und langsam aber sicher war jeder Rasen geschnitten, jedes Auto gewaschen, jeder Zaun gestrichen, jede Hecke gestutzt und jedes Unkraut gejätet. Was also sollte man nun mit der Zeit anfangen? Heute war Sonntag und für hiesige Verhältnisse hatten wir herrliches Wetter. Und doch sah man niemanden im Garten. Nirgendwo wurde gegrillt, nirgendwo gab es einen genutzten Liegestuhl oder auch nur ein bereit gelegtes Buch, das auf eine Nutzung hätte hindeuten können. Ein einzelner Junge stand in einer Hofeinfahrt vor einer grauen Betonmauer und schlug lustlos einen Ball dagegen, den er immer wieder auffing. Das war alles, was wir heute sahen, das so etwas wie menschlichen Leben nahe kam. Wie selten hier jemand im Freien unterwegs ist, zeigte sich auch deutlich an einem Warnhinweisschild, an einer der Straßen auf denen wir wanderten. Dort stand tatsächlich allen ernstes „Achtung! Es könnten sich Fußgänger auf der Fahrbahn befinden!“ Die Straße war kaum breiter als ein Feldweg und somit prädestiniert für Wanderungen. Es sollte also eigentlich das normalste der Welt sein, dass man auf Sträßchen wie diesen Wanderer und Spaziergänger antrifft. Doch es war so eine Seltenheit, dass man an Stellen, an denen es eine Art offiziellen Wanderweg gab, tatsächlich eine Warnung aufstellen musste. So fern den Einheimischen das Genießen lag, so fern lag ihnen leider auch jede Form von Praktikabilität. Es war ja nicht so, als würde uns hier keine Gastfreundschaft begegnen, sie war nur um so ein vielfaches komplexer als überall sonst auf der Welt. Heute bekamen wir Nummern und/oder Adressen von drei Klöstern, zwei Pfarrern, einem Altenheim und zwei Gemeindemitgliedern, die uns einen Platz hätten beschaffen können. Bis kurz vor 18:00 Uhr und ohne eine Distanz von gut 35km war es unmöglich, auch nur einen von ihn zu erreichen. Und diejenigen, die wir erreichten kosteten uns insgesamt 3,5 Stunden Zeit, nur um irgendwo ankommen zu können. Dabei waren die Leute in der Regel nicht einmal bewusst unfreundlich, sondern nur ängstlich und verklemmt, was dazu führte, dass sie sich und anderen, das Leben unnötig schwer machten. Die Mutteroberin des Nonnenklosters erfand sogar eine hanebüchene Geschichte darüber, dass das zu ihrem Kloster gehörende Collage gerade abgerissen worden sei, und sie daher keine Räume mehr hätten. Später kamen wir am Kloster vorbei und sahen hier einen noch größeren Komplex als beim Zisterzienser-Kloster vor ein paar Tagen, der ganz und gar nicht abgerissen aussah. Das Gebot mit „Du sollst nicht lügen“ wurde hier offenbar nicht allzu ernst genommen. Die Frau im Altenheim hingegen war nicht einmal bereit, den Pfarrer auf seinem Handy für uns anzurufen. Sie fühle sich nicht wohl dabei, einen Telefonanruf für einen Fremden zu tätigen und hätte es lieber, wenn ich wieder hinaus auf die Straße gehen und dort mein Glück versuchen würde. Selbst die Brüder, die wie wir ja nur wenige Tage zuvor gehört hatten, laut eigenem Regelwerk jeden aufnehmen mussten, waren so skeptisch, dass sie nicht „Ja“ sagen wollten, ohne zuvor von irgend jemandem eine Bestätigung zu bekommen, dass wir vertrauenswürdig waren. Und die Frau, die zu diesem Zeitpunkt bei uns war und die als Messnerin direkt für den Pfarrer arbeitete, der uns eigentlich hätte helfen wollen, wenn er im Ort gewesen wäre, war nicht bereit, auch nur die geringste, positive Aussage über uns zu treffen. „Ich kann leider nichts über die Männer sagen! Ich kenne nur ihre Namen und kann bestätigen, dass sie aus Deutschland sind!“ Kein Bauchgefühl, keine persönliche Einschätzung, keine Fragen, nichts. Zum Glück reichte dies den Brüdern aus.
 
Spruch des Tages: Relax! Take it Easy!
Höhenmeter. 80 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.397,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Corzé, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:28:30


Tag 1344: Ursachen von Energielosigkeit

Ich bin alles, was existiert.

11.08.2017 Leerer Akku Nachdem wir von unserer Klosterführung zurück auf unsere Zimmer gekehrt waren, wollte ich eigentlich gleich damit beginnen, die neuen Informationen über das Mönchsleben festzuhalten und mich dann an weitere Berichte setzen. Doch es ging nicht. Mein Kopf glühte wie ein Bügeleisen und ich fühlte mich schwach und leer wie ein ausgesaugter Akku. Sobald ich auch nur einen Satz tippen wollte, fielen mir die Augen zu und ich schlief für drei bis zehn Minuten ein. Dabei war es egal, ob ich am Tisch oder auf dem Bett saß, ob ich kniete, hockte oder mich hinstellte. Wenn ich stand schlief ich zwar nicht, fühlte mich aber so schwach, dass ich kaum eine Taste drücken konnte. An so etwas wie Klarheit oder Konzentration in meinem Kopf war ohnehin nicht zu denken. Das Phänomen mit der spontanen und allgegenwärtigen Müdigkeit war nicht neu, wenngleich es nun so akut und extrem war wie nie zuvor. Ich hatte das Gefühl, keinerlei Kontrolle über mich oder meinen Körper zu haben, so als hätte man mich unter Drogen gesetzt oder mit einem psychotoxischen Mittel vergiftet. Gleichzeitig rumorte es in meinem Magen wieder wie verrückt, fast noch schlimmer als am Vortag. Immer wieder bekam ich Magenkrämpfe und mein Bauch blähte sich auf, als wolle er zerplatzen. Gegen 21:30 Uhr besuchte ich Heiko auf seinem Zimmer. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade einmal eine knappe Seite an Tagesbericht zu Papier gebracht, während Heiko gerade an seiner 21. schrieb. Man konnte also ohne schlechtes Gewissen sagen, dass ich nicht ganz auf der Höhe war. Irgendetwas ging in mir vor sich und ich verstand nicht was. Zunächst einmal waren da natürlich die akuten Themen. Meine in letzter Zeit immer mehr aufkochende Wut, die meine Leber zum überschäumen brachte und so mein Magen-Darm-System ins Chaos stürzte. Außerdem hatte ich Fieber und befand mich offenbar in irgendeinem heftigen, körperlichen Umbruchsprozess. Verwirrende Fehlprogrammierungen Gleichzeitig machten diese akuten Verstärker meiner Situation aber auch noch einmal meine chronischen Themen deutlich, mit denen ich schon lange kämpfte, ohne Fortschritte zu machen. Ich hatte immer angenommen, dass meine extreme Müdigkeit mit Schlafmangel zusammen hing, dem ich mich ja immer mal wieder aussetzte. Wäre dies der Fall, hätte es nun mit dem neuen Schlafrhythmus jedoch deutlich besser werden müssen, denn auch wenn ich damit insgesamt nicht mehr stunden Schlaf abbekomme, erholen mich die übrigen jedoch deutlich stärker, so dass ich eigentlich top fit sein müsste. Auch reichen die Erinnerungen an eine konstante Dauermüdigkeit bereits sehr lange zurück, bis weit in die Zeit vor unserer Reise, also in einen Bereich meines Lebens, der faktisch nicht einmal real war. Also muss etwas anderes dahinter stehen. Zunächst fiel mir auf, dass es einen klaren und äußerst unvorteilhaften Zusammenhang, zwischen meiner Konzentration und der Müdigkeit gibt: Je stärker ich mich auf etwas konzentrieren will, desto müder werde ich. Und je mehr ich versuche, einen Fokus zu setzen und meine Absicht auf einen bestimmten Punkt auszurichten, desto mehr zerstreuen sich die Gedanken in meinem Kopf, so dass ich abdrifte und schläfrig werde. Aus irgendeinem Grund gab es hier eine geistige Blockade in mir, die Konzentration automatisch mit Müdigkeit verknüpfte und mich so immer genau dann vollkommen ausknockte, wenn ich versuchte, besonders klar und zielorientiert zu sein. Es ging sogar noch weiter. Die Situation, die wir nun im Außen erlebten, mit all den Widrigkeiten, Zeiträubern und Ablenkungen, die dafür sorgte, dass wir nicht einmal mehr die einfachsten Tagesroutinen einhalten konnten, war ebenfalls nichts anderes als ein Spiegel dieser Fehlschaltung in meinem Kopf. Je klarer und effektiver ich an einem Thema dranbleiben wollte, desto mehr Dinge geschahen, die mich genau davon abhielten. Als ich Heiko davon erzählte und wir einige Austestungen zu dem Thema machten tastete ich mich Stück für Stück an den Kernpunkt heran. Warum hatte ich diese Verknüpfung in mir, die mir das Leben und vor allem meinen Entwicklungsprozess so schwer machte? Wechsel zwischen Menschbewusstsein und Gottbewusstsein Zunächst einmal hatte ich das Problem, dass ich noch immer versuchte aus meinem beschränkten Mesnchsein heraus einen Fokus zu finden, anstatt aus dem allbewusstsein heraus. Ich versuchte meine Konzentration krampfhaft oder im Kampf aufzubauen, anstatt ins Vertrauen zu kommen, es fließen zu lassen, zu wissen, dass ich als göttliches Wesen immer konzentriert und aufmerksam bin. Ich bin die Konzentration und muss sie nicht erreichen. Leider ist das viel leichter gesagt, als getan, den faktisch habe ich keine Ahnung was das bedeutet, und was ich nun mit dieser Information anfangen soll. Ich merke nur, dass ich Dauermüde bin und auch schon wieder beim Schreiben von diesem Text ständig einschlafe, dass mit die Zeit durch die Finger rinnt wie Wasser durch ein Sieb und dass ich ständig abgelenkt und aufgehalten werde und keine Ahnung habe, was ich dagegen tun soll. Dennoch half mit das Gespräch zumindest die Hintergründe ein bisschen besser zu verstehen und ein Gefühl dafür zu bekommen, warum ich an dem Punkt stehe, an dem ich stehe. Diese ganze Thematik mit Langsamkeit, auf der Stelle treten, keinen Fokus halten und nichts lernen zu können ist genau mein zentrales Lebensthema, bzw. das Thema mit dem ich überhaupt ins Leben komme. Am Anfang von dem, was wir „Leben“ nennen, werden wir durch den Verwirrer zunächst einmal möglichst weit von unserem Sein weggebracht, damit wir dann durch das wiedererkennen unserer Selbst die Liebe möglichst stark ausdehnen können. (Genaueres dazu findet ihr im Artikel Alles ist eins) Um dies zu erreichen gibt es immer wieder die gleiche Strategie, die sich in unterschiedlichen Formen bei allen Menschen wiederfinden lässt. Man bekommt die Illusion vorgespielt, dass einem eine bestimmte Sache sehr leicht fällt und man sie gut kann, ohne etwas dafür tun zu müssen. Doch anstatt das dieses Talent oder diese Gabe dazu führt, dass man Freude, Leichtigkeit und Glück im Leben erfährt, wird sie mit unangenehmen, negativen Erfahrungen und Gefühlen verknüpft. Obwohl man hier gut ist, bekommt man keine Anerkennung, Dankbarkeit oder Wertschätzung dafür, sondern Ablehnung, Leid und Zurückweisung. Bei Shania war dies unter anderem die Kunst der Verführung und das Ausleben ihrer Weiblichkeit. In den Illusionsfilmen, zu beginn ihres Lebens bekam sie gezeigt, dass sie ohne etwas dafür tun zu können anziehend und verführerisch auf Männer wirkte und dass sie eine natürliche, feminine und gleichzeitig geheimnisvolle Präsenz hatte, die ihr Sein wiederspiegelte. Dadurch konnte sie unter anderem auch mit Leichtigkeit als Messehostess arbeiten und bekam ohne jede Anstrengung Geld dafür, dass sie einfach nur da war und zumeist noch Spaß haben durfte. Doch zur gleichen Zeit war dies immer auch mit Schmerz und Leid verbunden. Ihre freunde unterdrückten sie, machten sie runter und schränkten sie ein, sie rutschte in die Drogensucht ab, erlebte Prostitution und Vergewaltigung und sammelte dadurch so viele Negativassoziationen, dass sie ihr Sein schließlich vollkommen vergrub und ablegte. Dann kam der Punkt, an dem sie aus den Illusionsfilmen ins Realleben überging und hier wirkten sich nun die zuvor verknüpften Negativassoziationen so aus, dass sie das genaue Gegenteil erlebte. Alles was zuvor leicht und locker war, wurde nun plötzlich schwer und anstrengend. Um auch nur die Voraussetzungen für eine weibliche Präsenz zu erschaffen, wurden nun eine ganze Reihe von Wandlungsschritten nötig, die zum Teil mit Schmerzen, Kosten und hohem Aufwand verbunden waren. Dadurch musste sie nun einen Job bei einer Versicherungsagentur annehmen, der sie zwang, Tag für Tag in einem Großraumbüro an einem winzigen Schreibtisch zu sitzen und hunderte von Telefonate zu führen, was sie nicht selten in den Wahnsinn trieb. Alles von dem, was sie in den Filmen als einfach und fluschig, dafür aber Leidbringend gezeigt bekommen hatte, war nun also plötzlich schwer, anstrengend und hart, gleichzeitig aber auch der Schlüssel in die Freiheit. Nicht anders war es auch bei mir. Meine Verknüpfungspunkte lagen im Bereich Lernen, Verstehen, Wissen und logisches Denken. Glaubte ich meinen Erinnerungen an meine Kindheit und Jugendzeit, dann war ich stets der Musterschüler, der mit Leichtigkeit durch den Schulalltag tänzelte, ohne sich je für eine Prüfung anstrengen zu müssen. Der Unterrichtsstoff floss geradezu in mein Hirn und wurde sofort behalten, verarbeitet und umgesetzt. Ich verstand Dinge so schnell und leicht, dass ich meinen Mitschülern Nachhilfe gab, die den Stoff gemeinsam mit mir, vom gleichen Lehrer erklärt bekamen. Ich war also stets einer der Schlausten und Intelligentesten Menschen in meiner Umgebung. Und doch brachte mir dies keinerlei Vorteile. Im Gegenteil. Ich wurde gehänselt, gemobbt und ausgegrenzt. Ich war der Streber, den niemand mochte, gerade weil er schlau war und der daher stets versucht war, seine Leistungen und seine Fähigkeiten herunter zu spielen und hinter dem Berg zu halten. Selbst von Seiten der Eltern gab es kein Lob und keine Anerkennung für positive Leistungen in diesem Bereich. Es war ja normal, dass ich gute Noten heim brachte, warum also hätte man dies großartig erwähnen sollen? Die erste Frage, die sich aufdrängt, wenn man auf diese Erinnerungen zurückblickt lautet: „Kann dies real gewesen sein?“ Wenn doch alles Liebe ist und somit auch alles auf Wachstum und Entwicklung ausgerichtet ist, wieso sollte einen das Leben dann gerade dafür bestrafen, dass man seine Talente lebt? Wie würde dies zu der Aussage passen, dass einem das Leben stets genau die Hinweise schickt, die man braucht, um sein Darma zu finden und um auf seinem Lebensweg weiter voranzukommen? Das passt nicht zusammen. Jede Form von Leid ist eine Illusion. Jede Form von Negativität ist eine Illusion, da alles, was existiert nur der Ausdehnung der Liebe dient. Somit kann dieser Tobias Krüger, an den ich mich da erinnere nicht real gewesen sein. Er ist nicht mehr, als eine Filmschauspielrolle, die ich gezeigt bekommen habe, um mich genau von den Punkten wegzubringen, die meinem wahren, göttlichen Sein entsprechen. Der erste Punkt, an dem ich gerade festhake ist also der, dass ich meine Tobias-Rolle noch immer als real ansehe und mich daher selbst für einen von allem getrennten Menschen halte. Selbst wenn es mir hin und wieder gelingt, das alte Loszulassen und zu erkennen, dass Tobias eine Illusion und tot ist, dann tausche ich dabei diese alte Rolle lediglich gegen die neue des Franz ein, der in meinen Augen aber noch immer ein von allem getrennter Mensch ist. Und hier ist nun der Knackpunkt: Warum glaube ich, dass ich ein getrenntes Einzelwesen bin, das sich alleine seinen Weg durchs leben kämpfen muss? Komplett kann ich die Frage leider noch immer nicht beantworten, aber ein wichtiger Grund ist, dass ich stets alles nur aus meiner Perspektive sehe. Mir fehlt es an Empathie. Auch dies ist so eine Eigenschaft, die mir in den Filmen immer als etwas Leichtes verkauft wurde, das mir jedoch keinen Vorteil einbrachte. Früher glaubte ich, mich in alles und jeden hineinversetzen zu können, ohne mich dafür auch nur im Geringsten anstrengen zu müssen. Doch ging es dabei immer nur darum, die Harmonie zu waren und mich selbst noch besser anpassen und verbiegen zu können. Heute fällt es mir schwer, auch nur die oberflächlichsten Hinweise auf das Seelengeflecht eines anderen Menschen oder Wesens zu sehen. Es fühlt sich an, als wäre ich in dieser einen Perspektive gefangen oder eingerostet, so dass ich nicht mehr hin und her wechseln kann. Doch gerade das ist wichtig um zu erkennen, dass man eben kein einzelnes, getrenntes Wesen ist. Ich bin nicht nur Franz, der durch Irland wandert und sich über die lauten Straßen und die kläffenden Hunde ärgert. Ich bin auch die Autos, die an mir vorbeirauschen. Ich bin der Asphalt mit den groben Steinen darin. Ich bin der Hund, der gelangweilt im Regen unter dem Dachvorstand liegt und sich darüber freut, dass endlich jemand vorbeikommt, an dem er mit lautem Bellen seinen Frust ablassen kann. Ich bin auch der Regen, der Frust und der Dachüberstand. Vor allem aber bin ich derjenige, der all dies erschaffen hat. Warum also ärgere ich mich die ganze Zeit überall die Dinge, dich ich zuvor selbst habe entstehen lassen? Meine Aufgabe ist also, wieder zwischen den Perspektiven hin und her zu wechseln, um zu erkennen, dass alles ein uns das selbe ist und um das „Menschsein“ aufzulösen. Wie ich das genau anstelle weiß ich noch nicht, aber ich hatte heute zumindest schon einmal einen Geistesblitz, der mich auf eine alte Technik brachte, mit der ich den Perspektivenwechsel üben kann. Bei meinem Wildnismentoring gab es immer wieder das Thema „Shadowing“, als eines der wichtigsten Lernwerkzeuge überhaupt. Auch in unserem Buch „Die natürliche Heilkraft der Bäume“ spielte es eine wichtige Rolle und doch habe ich nun noch einmal das Gefühl, es auf eine völlig neue Weise verstanden zu haben. Bislang dachte ich immer, dass es darum ging, ein anderes Wesen zu imitieren um von ihm zu lernen, um nachfühlen zu können, was es fühlt, und um zu verstehen, warum es so ist, wie es ist. Das ist natürlich auch ein wichtiger Teil davon, aber der Punkt um den es eigentlich geht ist, zu erkennen, dass man das andere Wesen ist. Es gibt keinen Unterschied zwischen ihm und uns. Wir sind eins.
 
Spruch des Tages: Ich bin alles, was existiert.
Höhenmeter. 90 m
Tagesetappe: 35 km
Gesamtstrecke: 25.379,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Ehemaliges Pfarrhaus, Montreuil-Juigné, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:27:48


Tag 1343: Das Zisterzienser-Kloster

So ist das mit den guten Vorsätzen.

Fortsetzung von Tag 1342: Ziel unserer Reise war heute das Zisterzienser Kloster von Roscrea, von dem uns bereits einige Pfarrer erzählt haben. Es war ein gewaltiger Komplex, zu dem unter anderem auch eine Eliteschule und ein Gästehaus gehörten. Zum ersten Mal in Irland bekamen wir hier ohne irgendwelche Komplikationen einen Schlafplatz, da das Gästehaus speziell zu diesem Zweck geschaffen wurde. Unsere Gefühle beim Betreten des Komplexes waren dennoch etwas gemischt, denn mit unserer Vorstellung von einem Kloster hatte dies mal wieder sehr wenig zu tun. Vor allem irritierte uns der viele Verkehr, denn obwohl der Tag nicht gerade ruhig gewesen war, fuhren hier auf dem Klostergelände mehr Autos an uns vorbei, als auf der ganzen Strecke zuvor. Die meisten von ihnen waren Luxuskarossen, die auf ein eher gehobeneres Klientel schließen ließen. Später fanden wir heraus, das heute gerade Tag der offenen Tür im College war, an dem sich die potentiell zukünftigen Schüler und deren Eltern ihre neue Schule zeigen lassen konnten. In diesem Rahmen gab es auch eine kleine Klosterführung, die vom Abt veranstaltet wurde und an der auch wir teilnehmen durften. Dabei erzählte er uns einige spannende Hintergründe über das Leben als Mönch und die Entstehun des Mönchstums an sich, die wir für euch im Artikel „Geschichte der Mönche“ zusammengefasst haben. Lustigerweise kam er dabei auch auf das Thema des Aufweichens der Regeln und die Probleme zu sprechen, die es mit sich brachte, wenn ein Kloster zu reich wurde. Er erzählte es als ein Problem aus der Vergangenheit, beschrieb damit aber genau den gegenwärtigen Zustand seines Klosters. Er erwähnte aber auch, dass nicht nur die Franziskaner, sondern alle Orden, die auf den heiligen Benedikt zurück ginge, Gastfreundschaft als einen festverankerten Grundsatz hatten. Jeder Gast, so stand es im Regelwerk festgeschrieben, sollte empfangen werden, als wäre er Christus selbst. Und dies unabhängig davon, welchen Glauben und welche Einstellung er hatte oder aus welchem Grund er eine Unterkunft suchte.
 
Spruch des Tages: So ist das mit den guten Vorsätzen.
Höhenmeter. 40 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.344,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Gemeindesaal der Stadt, Daon, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:27:08


Tag 1342: Was ist eigentlich Heimweh?

Nur weil man an einem Ort geboren wurde, muss man

Die Hälfte der Strecke hatten wir heute einen Wandergefährten, oder besser einen Radlergefährten. Es war ein junger Mann, der vor acht Jahren nach Australien ausgewandert war, gerade seine Familie und seine Freunde besuchte und an seinem letzten Tag noch einmal sein Heimatland mit dem Rad durchstreifen wollte. Was seine Meinung zu diesem Heimatland anbelangte, war er äußerst geteilt. Auf der einen Seite freute er sich immer wieder auf die grünen Hügel und die weiten Wege durch die Natur. Die Farbe Grün war in Australien, zumindest in Melbourne, also in dem Bereich in dem er lebte, eher eine Mangelware. Dafür regnete es dort natürlich auch keine 300 Tage im Jahr, wie es hier an einigen Orten der Fall war. 300 Tage Gesamtregen! Könnt ihr euch das vorstellen? Er befand sich spürbar in der gleichen Zwickmühle, die auch wir vor unserem letzten Deutschlandbesuch durchlebt hatten. Auf der einen Seite wusste er um die vielen Nachteile seines Landes und er war sich auch durchaus bewusst, dass es neben der hübschen Australierin, die ihn nach Down-Under verschlagen hatte durchaus weitere Gründe gab, warum er das Land verlasen hatte. Auf der anderen Seite spürte er aber auch, dass in Australien auch nicht alles Milch und Honig war und dass der Ortswechsel alleine ihn nicht glücklich machte. Also begann er Irland auf ein Podest zu stellen, in dem alles besser, schöner und einfacher war als in Australien. Er wusste dass es nicht stimmte und er war sich vollkommen im Klaren darüber, dass sein Leben unendlich viel komplizierter und anstrengender werden würde, wenn er hier her zurück kehrte. Aber irgendetwas in ihm, löste dennoch diesen Impuls aus. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Nur weil man an einem Ort geboren wurde, muss man dort nicht zwangsläufig zuhause sein.
Höhenmeter. 140 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 25.330,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Château-Gontier, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:26:24


Tag 1341: Fährenbuchung mit Hindernissen

Wie schön, dass die moderne Technik unser Leben er

10.08.2017 Es heißt, „wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann mach einen Plan!“ In unserem Fall hatte Gott heute mal wieder ein bisschen mehr zu lachen. Da planten wir nun bereits seit über einer Woche, unsere Fähre von Cork aus nach Frankreich zu nehmen und richteten unseren kompletten Tagesablauf auf dieses Ziel aus. Nun stellte ich zufällig fest, dass die Fähre, die einmal in der Woche von diesem Hafen aus abfuhr, bereits vollkommen ausgebucht war. Wir hatten uns Gedanken darüber gemacht, ob wir für die 15 Stunden Fahrt wohl noch eine Kabine bekommen würden und nun bekamen wir nicht einmal mehr einen Platz an Deck. Hätten wir uns darauf verlassen, dass diese Fähren ähnlich funktionieren wie die von Igumenitsa oder Caley aus, hätten wir uns weitere 10 Tage durch das komplexeste Gebiet unserer Reise gekämpft, durch eine Industriegroßstadt gequält und am Ende festgestellt, dass wir in der Fall saßen. So aber machte ich eine sonderbare Entdeckung. Wir hatten sämtliche Alternativfähren ausgeschlossen, weil diese von einem Punkt im Südosten der Insel aus fuhren, was uns wie ein übertriebener Umweg vorkam, den wir zwingend vermeiden wollten. Tatsächlich aber hatte die Geografie des Landes getäuscht und der Alternativhafen lag sogar gute 20km näher als der Hafen von Cork. Zudem gab es, wie wir später erfuhren sogar ein Franziskanerkloster in der angrenzenden Stadt, was unsere Punktlandung deutlich erleichtern könnte. Um nicht schon wieder ins offene Messer zu rennen, riefen wir gleich von unterwegs die Hotline der Fähre an und bestellten uns einen Platz. Das war nicht so leicht, wie es vielleicht klingen mag, denn ich verstand ungefähr jedes zweite Wort der Telefonistin und sie in etwa jedes zweite von mir. Allein herauszufinden, ob es noch freie Kabinen gab, wurde zu einem Staatsakt und an ein Gespräch über Sponsorpartnerschaften war nicht einmal zu denken. Bleibt nur zu hoffen, dass die geduldige Dame unsere Kreditkartennummer, die Namen und unsere Mailadresse nach dem siebten Buchstabierungsversuch richtig verstanden hat. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Wie schön, dass die moderne Technik unser Leben erleichtert.
Höhenmeter. 140 m
Tagesetappe: 17 km
Gesamtstrecke: 25.311,27 km
Wetter: Regen und peitschender, kalter Wind
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Saint-Sulpice, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:19:21


Tag 1340: Burger im Nobelrestaurant

Ein nobles Resraurant bedeutet noch kein gutes Ess

Fortsetzung von Tag 1339: Kurze Zeit später bekamen wir dann doch noch einen Rückruf von unserem Pfarrer. Er selbst war leider nicht zu hause, doch er würde uns eine Frühstückspension organisieren und dafür sorgen, dass wir etwas zum Mittag bekamen. Die Pension war leider wieder einmal erst ab 17:00 Uhr geöffnet, aber das waren wir ja nun bereits langsam gewöhnt. Mittagessen bekamen wir in einem alten Schloss, etwa 2km außerhalb des Ortes, das in ein Hotelrestaurant umgebaut worden war. Es war ein recht nobles Etablissement das von seinem Ambiente fast an unser Luxusrestaurant in Österreich heranreichte. Umso mehr wunderte es uns, dass es sich bei acht der zehn Speisen auf der Tageskarte um Burger oder Sandwichs handelte. Die beiden übrigen Gerichte waren Nudeln und Fisch. Bereits seit gestern Abend war ich gesundheitlich etwas angeschlagen. Shania hatte einige hundert Kilometer von uns entfernt einen weiteren wichtigen Wandlungsschritt durchlaufen und so wie es aussah hatte ich einen Teil ihrer Angst übernommen, der sich nun bei mir in Form einer Magen-Darm-Verstimmung äußerte. Anders als ich es gehofft hatte, führte das fettige und schwere Essen in der Burg nicht dazu, dass es besser wurde, sondern trug viel mehr dazu bei, dass ich am Abend vollkommen ausgeknockt war. Es war eine Kombination auf mehreren Dingen, die hier zusammenkam. Zum einen war da das Sympathisieren mit Shania und zum anderen eine Menge aufgestauter Wut und Ärger darüber, wie sich die Dinge hier gerade gestalteten. Es regte mich auf, das hier alles so anstrengend und zeitraubend war, und dass ich mit nichts wirklich voran kam. Es wollte mir einfach nicht gelingen, das ganze als Lernprozess und wichtige Erfahrung zu sehen, weshalb meine Leber nun langsam am Überkochen war. Am Abend versuchten wir es daher einmal mit einer Ohrakupunkturbehandlung, um Magen und Leber zu beruhigen. Der Erfolg bei meiner Leber war eher mäßig, aber zumindest beruhigte sich mein Magen-Darm-Trakt wieder.
 
Spruch des Tages: Ein nobles Resraurant bedeutet noch kein gutes Essen.
Höhenmeter. 30 m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 25.294,27 km
Wetter: Sonnig, leichter Wind
Etappenziel: Kloster „Abbatiale du Port Salut“, Entrammes, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:18:33


Tag 1339: Warum wird Torf abgebaut?

Wenn es um die Zerstörung unseres Planeten geht, l

09.08.2017 Zunächst sah es aus, als wäre unsere Glückssträhne in Sachen Schlafplatzorganisation erst einmal wieder abgebrochen Pater Guinan versuchte zwar den zuständigen Kollegen in unserem Zielort zu erreichen, hatte damit aber keinen Erfolg. Es blieb also nichts als zu vertrauen, dass es auch so irgendwie klappen würde. Auch heute hatten wir wieder herrliches Wanderwetter und kamen dabei sogar ganz ohne Schauer aus. Das Kommentar eines Mannes, der uns auf halber Strecke mit Essen versorgte lautete: „So viel Sonne auf einmal ist äußerst abnormal für unsere Gegend hier!“ Bereits in den letzten Tagen waren wir immer wieder an kleineren und größeren Torfabbaugebieten vorbei gekommen und die Frau von der Gemeindehalle hatte uns gestern einiges darüber erzählt. Einen professionellen, großindustriellen Abbau gab es ihrer Ansicht nach nicht. Es ging viel mehr um die Privatversorgung der Einheimischen, die ausschließlich oder zu großen Teilen mit Torf heizten. Dazu konnte man bestimmte Flächen im Moor für ein Jahr kaufen, die dann als Trocknungsbereiche dienten. Hier her bekam man seinen Torf geliefert, den man dann in die handlichen Würste presste und zum Trocknen auslegte. „Glaubt es oder nicht!“ hatte die Frau gesagt, „Aber aus irgendeinem Grund trocknet der Torf dabei obwohl er im Freien liegt und obwohl es hier ständig regnet.“ Sorgen darüber, dass der Torf eines Tages abgebaut sein könnte, so dass nichts als totes Land übrig blieb, machte sie sich nicht. „Es gibt unendlich viel Moor hier, das kann man gar nicht aufbrauchen!“ meinte sie. Heute auf unserer Wanderung bekamen wir dazu jedoch einen anderen Eindruck. Das Moor mochte unvorstellbare Ausmaße haben, aber dass es hier keinen industriellen Großabbau gab, konnte man leider nicht behaupten. Vor uns lag eine Verwüstung, die fast bis zum Horizont reichte und in der man das hübsche Heidemoor in eine trostlose Marslandschaft verwandelt hatte. Dass sich das Material als Brennstoff eignete zeigte sich dabei unter anderem auch an den vielen Warnhinweisen für Feuergefahr, den Verkehrsüberwachungskameras und den strickten Verboten, irgendeine Form von offenem Feuer zu verursachen. Die Traktoren, die auf der Abbaufläche patrouillierten hatten sogar Feuerlöscher an der Vorderseite montiert, mit denen man einen evtl. auftauchenden Schwelbrand sofort löschen konnte.
 
Spruch des Tages: Wenn es um die Zerstörung unseres Planeten geht, lernt der Mensch wohl nie.
Höhenmeter. 20 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.279,27 km
Wetter: Windig aber sonnig
Etappenziel: Pfarrhaus, Changé, Pays de la Loire Mayenne, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:17:45


Tag 1338: Die Geschichte Irlands in Kurzform

Es ist bedeutend leichter, einen unangenehmen Umst

08.08.2017 Warum Irland ist, wie es ist... Unser Pfarrer war kein besonders spiritueller Mann, ähnlich wie die meisten Pfarrer die wir in letzter Zeit getroffen haben. Wo ich das gerade erwähne fällt mir auf, dass dies hier ein weitverbreitetes Phänomen ist. Ein Pfarrer sieht sich hier selbst in der Regel nicht als Mann des Glaubens oder der Spiritualität, sondern eher als einen Religionswissenschaftler an, der versucht, den Menschen den geschichtlichen, praktischen und gedanklichen Nutzen von Religion nahe zu bringen. Es geht nicht darum, die Menschen zu Gott zu führen, also ihnen aufzuzeigen, wie sie in ihre eigene Kraft, ins Vertrauen, in die Erleuchtung, ins Erwachen kommen können, sondern eher, sie davon zu überzeugen, dass der eigene Dienstleistungsanbieter in Form der Religionszugehörigkeit der beste ist. Wir haben nun schon sehr viele Pfarrer besucht und uns mit vielen auf gut unterhalten, doch ging es dabei fast nie um Glaubensfragen oder etwas in der Richtung. Tatsächlich hatte ich das tiefste und intensivste Gespräch über Glauben und die Frage, wer oder was Gott eigentlich ist, mit einem afghanischen Dönerbudenbesitzer, während ich auf meine Pizza wartete. Es ist schon etwas kurios, dass man hier als christlicher Mönch und Pilger täglich mit christlichen Priestern zu tun hat und den einzig nennenswerten Austausch über Spiritualität, bei dem ein tiefes, gegenseitiges Verständnis und eine Offenheit für den anderen spürbar wird, mit einem muslimischen Fastfood-Koch stattfindet. Aber zurück zu unserem Pfarrer. Worin der Mann bewandert war, was Geschichte, vornehmlich die Geschichte Irlands. Als wir am Abend in seiner Küche kochten, erzählte er uns einige Hintergründe, die uns halfen die Einheimischen und ihre Kultur etwas mehr zu verstehen. Anders als ich es geglaubt hatte, blickte Irland nicht auf fünf oder sechs Jahre des Bürgerkriegs mit Großbritannien zurück, sondern auf rund 1000 Jahre. Seit des frühen Mittelalters hatte es hier schon immer Kriege und Auseinandersetzungen mit den Briten gegeben, stets mehr oder minder erfolgreich versuchten, die Iren zu unterdrücken und zu versklaven. Es begann mit simplen Gebietskämpfen irgendwann um 11.000 nach Christi und wurde mit der Rebellion von Henry VIII gegen den Papst so richtig akut. Zumindest wenn man der offiziellen Geschichtsschreibung glaubt, dann basiert die gesamte Geschichte und religiöse Entwicklung Britanniens darauf, dass sich Papst Clemens VII aus irgendeinem Grund weigerte, die Eheschließung des englischen Königs mit seiner Braut anzuerkennen. Darüber war Henry so erzürnt, dass er beschloss, mitsamt seines Königreichs aus der katholischen Kirche auszutreten und sich selbst zum Oberhaupt einer neuen Kirche zu machen. Dies war die Geburtsstunde der anglikanischen Kirche, mit der wir ja schon einige Erfahrungen gemacht haben. Irland hingegen wollte bereits damals nicht Teil des britischen Königreichs und erst Recht nicht Teil dieser komischen, neuen Glaubensgemeinschaft sein, sondern hielt dem Papst die Treue. Ich kann nicht sagen, was wirklich dahinter steckt, denn wie immer bei religiösen Konflikten wird auch hier mehr dahinter sein, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Aber von diesem Moment an begann eine Odyssee der Intrigen, der Meuchelmorde und kriegerischen Auseinandersetzungen. Vater Noonan kannte jedes Detail davon und erzählte und genau, wann welcher König von seinem Sohn, Bruder, seiner Frau oder seiner Oma ermordet wurde, um den Thron zu übernehmen und die Macht an sich zu reißen. Dabei kam es fast immer auch zu einem Wechsel zwischen katholischen und anglikanischen Machthabern, wobei die Religion hier meines Erachtens rein als Werkzeug und Rechtfertigung genutzt wurde. Für Irland bedeutete dies jedoch fast immer, dass es auf die eine oder andere Weise von den Briten unterdrückt wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg, gehörten fast alle Ländereien auf der irischen Insel englischen Adelsfamilien, die zumeist irgendwo in Britannien wohnten und ihr Land nur über Mittelsmänner verwalten ließen. Die Iren, die hier lebten mussten Steuern und abgaben zahlen und sich an die Regeln halten. Hin und wieder gab es dabei natürlich Aufstände in denen die Iren versuchten frei und unabhängig zu werden. Der bekannteste wurde von einem Mann namens Boykott angeführt, der die Strategie wählte, sämtliche Forderungen und Regelungen der Briten mit Ignoranz zu strafen. Daher kommt auch das Wort boykottieren, um auszudrücken, dass man jemanden ignoriert oder ausschließt um seinen Willen durchzusetzen. Diese Fehde setzte sich permanent fort und mündete schließlich in dem Krieg von vor einigen Jahren, in dem weniger mit Boykottierungen und mehr mit Bombenanschlägen gearbeitet wurde. Die Angst vor Übergriffen steckt also seit vielen Generationen tief im Ahnengedächtnis der Einheimischen hier fest. „Was die vielen Zäune und Verbotsschilder betrifft“, fuhr der Pfarrer fort, „habe ich zwei Ideen, die das erklären könnten. Zum einen müsst ihr euch vorstellen, dass wir Iren seit Generationen auf fremdem Land gelebt haben. Alles um uns herum gehörte fremden Briten, die niemand je zu Gesicht bekam und deren es nur um ihren finanziellen Vorteil ging. Nun haben wir zum ersten Mal seit knapp 1000 Jahren unser eigenes Land und das wollen wir nun natürlich beschützen. Ich glaube das hier nun viel so ein Gefühl auftaucht von 'Das ist nun meins, deswegen darf es niemand mehr betreten oder anfassen.' Der zweite Faktor ist, dass sich in Irland von Seiten der Rechtslage und der Versicherungen das gleiche System etabliert, das es auch in Amerika gibt. Das bedeutet, dass man jeden erst einmal für alles haftbar machen kann, solange dieser nicht beweisen kann, dass man selber schuld ist. Verstauche ich mir beispielsweise den Knöchel, wenn ich auf der Straße gehe, dann ist das meine Schuld. Verstauche ich ihn mir, wenn ich mich auf deinem Land befinde, kann ich dich dafür verklagen. Es sei denn, du hast mir ausdrücklich verboten, dein Land zu betreten, denn dann habe ich gegen ein Recht verstoßen und die Haftung erlischt.“ Ein weiterer Faktor, der zur Skepsis und zur generellen Verschlossenheit beitragen könnte ist der, dass es eine recht eigensinnige Art von Interirischem Tourismus gibt. Wanderer aus dem Ausland kennt man so gut wie gar nicht und wenn man einen Fremden sieht, assoziierte man ihn als erste mit dem hier bekannten irischen Campertourismus. Die Campingurlauber sind jedoch alles andere als beliebt und haben den Ruf, laut, dreist unverschämt und nicht selten sogar etwas kleptomanisch veranlagt zu sein. Wenn sie irgendwo klingeln, dann fragen sie nicht nach irgendetwas, sie fordern es ein und dies meist ohne die geringste Höflichkeit. Dies führt natürlich dazu, dass man Fremden gegenüber erst einmal skeptisch ist. Auf der einen Seite waren diese Erklärungen sehr einleuchtend und halfen uns dabei, die Iren noch einmal in einem anderen Licht zu sehen. Auf der anderen Seite musste man allerdings sagen, dass man sich auch nicht zu sehr darauf ausruhen durfte. Wenn man sich beispielsweise die Geschichte des Balkans anschaut, dann sieht diese sehr ähnlich aus und ist ebenfalls von Kriegen, Konflikten und Unterdrückung geprägt. Und doch haben sich die Menschen dort bei weitem mehr Offenheit und Zwischenmenschlichkeit bewahren können. Heute in der Früh bereitete uns Pater Noonan noch ein Müsli-Frühstück zu und führte einige Telefonate mit Pfarrern in der Umgebung. Der Zuständige Priester für unseren geplanten Zielort war mal wieder im Urlaub und so planten wir die gesamte Route kurzerhand um. Am Ende landeten wir bei Pater Guinan, einem rüstigen Rentner, der fast sein ganzes Leben in Amerika verbracht hatte. Wir hatten uns um 15:00 Uhr mit ihm an seiner Kirche verabredet, doch wie in diesem Land offenbar üblich klappte dies mal wieder nur bedingt. Er war auf einer Beerdigung, die sich bedeutend länger hinzog, als er es erwartet hatte und so kam er erst eineinhalb Stunden später. In der Zeit saßen wir bei einem Tee und einigen Marmeladentoast in der anliegenden Gemeindehalle. Langsam aber sicher spürten wir, dass wir es einfach akzeptieren mussten, dass man in diesem Land niemals vor 17:00 Uhr irgendwo ankommen konnte und dass man einfach nur noch Nachts arbeiten konnte.
 
Spruch des Tages: Es ist bedeutend leichter, einen unangenehmen Umstand anzunehmen, wenn man versteht warum er ist, wie er ist.
Höhenmeter. 50 m
Tagesetappe: 18 km
Gesamtstrecke: 25.267,27 km
Wetter: Dauerregen ohne Ende
Etappenziel: Besprechungssaal, Montflours, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:17:02